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Atheismus, was ist das
Eingestellt am 23. 02. 2011 10:20


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Penelopeia
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Atheismus, was ist das

Ich habe lange hin- und herüberlegt, wie denn das nun sei mit Gott, ob es ihn gibt und wenn ja, wie er wohl aussehen könnte; ob er ein weiser, alter Mann mit einem weißen, langen Bart ist, der von einer weißen Wolke gütig herunterblinzelt; oder eine junge, blonde Frau mit Idealmaßen, die sich verführerisch-venusgleich auf einer rosa Wolke lasziv räkelt und uns mit geschürzten Lippen bedeutet, in ihren Himmel – oder himmlischen Schoß – zu kommen; ob es sich vielleicht eher um einen zeusähnlichen Blitzeschleuderer und Donnergott handle, immer spitz auf Rache und unversöhnlich gegenüber kleinsten Abweichungen vom politisch-moralisch korrekten Wege; ob der Menschengott denn auch der Gott der Pferde sein könne, oder dieser eine eigene Gottheit mit pferdähnlichem Äußeren sein müsse…
Ich habe lange darüber gegrübelt, ob man sich überhaupt eine Vorstellung von ihm oder ihr machen könne, solle, dürfe… Ob es vielleicht mehrere oder gar unendlich viele gibt…

Ich gebe zu, ich bin zu keinem Ergebnis gekommen. Einzig das Gefühl, dass ich möglicherweise eine ganze Menge Zeit meines kostbaren, voraussichtlich nicht sonderlich langen Durchschittsbürgerlebens an die Versuche einer Beantwortung möglicherweise unbeantwortbarer Fragen gegeben habe, hat sich zunehmend verstärkt: mein Atem ist kürzer geworden, nicht zuletzt auf Grund der paar zehntausend Zigaretten, die ich während meiner Grübeleien in Rauch aufgehen ließ; meine Gesichtszüge sind erschlafft vom vielen Nachdenken, meine Haut ist blass, unrein und gedunsen, aller Wahrscheinlichkeit nach von den paar tausend Flaschen Bier und Rotwein, die ich meinem durstigen Körper als Brennstoff und Schmiermittel für die Denkprozesse meines Köpfchens zuführte…

Auf Gott spreche mich also bitte keiner an, er würde keine Antwort bekommen, höchstens eine Vorstellung von meiner Unzufriedenheit mit mir.

Anders sieht es hingegen mit der Frage aus, was ich denn sei, Atheist oder Theist. Das klingt seltsam, sagte bzw. schrieb ich doch gerade, ich sei zu keinem Schluss gekommen, ob es Gott in einer oder vielen oder unendlichen Formen oder überhaupt gibt. Müsste ich nicht also ein Atheist sein? Ich glaube nicht. (Das soll nicht heißen, dass ich an nichts glaube. Ich glaube nur nicht, dass jemand zwangsläufig ein Atheist sein muss, wenn er auf die Frage nach der Existenz von Gott/Göttern keine befriedigende Antwort gefunden hat.)

Ich halte Theismus für möglich, ja notwendig. Das hat nichts mit einem Kalkül analog zum Pascalschen Lohn-Strafe-Schema zu tun, bei welcher Meinung der größere Nutzen bzw. Schaden zu erwarten ist – ich fürchte mich nicht vor der Hölle, ich glaube sogar, dort würde ich mich wohler fühlen, denn es ist an diesem Orte vermutlich wärmer und nicht so langweilig und steril wie im Himmel, und meine lieben Mitverdammten werden, hoffe ich, auch ein bisschen fehlerhaft, sündenbeladen und also menschlich und mir ähnlich sein…

Der Grund liegt einfach bei den Atheisten selbst. So oft ich Menschen begegnete, die sich als Atheisten bezeichneten, fielen mir deren ganz besondere Eigenarten auf, es handelte sich dabei immer wieder um dieselben.

Die vorläufig letzte Begegnung dieser Art hatte ich nun am letzten Wochenende. Ich war Teilnehmer einer Informationsveranstaltung für eine neue Schule, die sich besonders begabten, aber irgendwie gehemmten Kindern widmen will, Kindern mit „Null-Bock“, das neue Modewort dafür lautet „Underachiever“.

Nach Vorstellung des Schulkonzeptes wurden Fragen der Eltern beantwortet, mehrere meldeten sich mit der Frage, wie denn der Religionsunterricht gehandhabt werde. Eine Mutter verhalf mir dabei zur Antwort auf die Frage, was denn eigentlich Atheismus sei. Sie wollte von der Referentin wissen, ob ihr „atheistisch erzogenes Kind“ ein Gebet sprechen müsse, wenn es doch von „Gott, dem Weiterleben nach dem Tode, der Erlösung und all dem Kram“ nix halte.

Und da waren sie wieder, diese ganz speziellen Eigenarten der Atheisten.

Seitdem bin ich der festen Meinung, Atheismus sei eine besonders ausgeprägte Form der Humor- und Fantasielosigkeit. Eine Mangelkrankheit des Gemüts, sozusagen. Vielleicht auch eine spezifische Art von Depression infolge übergenauer Realitätswahrnehmung.

Mir wurde in diesem Moment auch klar: eine grundsätzlich atheistische Gesellschaft kann nicht funktionieren. Sie brächte keine Kunstwerke hervor. Sie hätte keine Märchen, keine Utopien, keine Hoffnung, keinen Lebensmut. Sie würde binnen kürzester Zeit zerfallen.

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lapismont
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Der Titel lautet aber "Atheismus, was ist das", Penelopeia.

Der Text kommt leider nicht zu einer erkennbaren Antwort. Es gibt dort zwar einige Hinweise darauf, was Atheismus nicht ist, oder wodurch sich eventuell Atheisten ausweisen, aber was nun Atheismus aus Sicht des Autors ist, bleibt offen.

Nach viel Einleitung kommt eine Beobachtung, die Anlass der eigenen These wurde:

quote:
Eine Mutter verhalf mir dabei zur Antwort auf die Frage, was denn eigentlich Atheismus sei. Sie wollte von der Referentin wissen, ob ihr „atheistisch erzogenes Kind“ ein Gebet sprechen mĂĽsse, wenn es doch von „Gott, dem Weiterleben nach dem Tode, der Erlösung und all dem Kram“ nix halte.

Dann kommt eine Schlussfolgerung:

quote:
Seitdem bin ich der festen Meinung, Atheismus sei eine besonders ausgeprägte Form der Humor- und Fantasielosigkeit. Eine Mangelkrankheit des Gemüts, sozusagen. Vielleicht auch eine spezifische Art von Depression infolge übergenauer Realitätswahrnehmung.

Keine Argumente für diese These, keine Qualifizierung. Im Gegenteil. Schaut man sich die Definition des Autors an, fällt eine negative Wortwahl auf. Letztlich wird Atheismus als geistige Krankheit beschrieben. Also eine Diagnose für Atheisten erstellt.

Die weiterfĂĽhrenden Behauptungen, wie sich Atheisten auf den gesellschaftlichen Fortschritt auswirkten, werden auch einfach so in den Raum gestellt.

Wenn man in das Thema einsteigen will, ist die BefĂĽrchtung der Mutter aber durchaus ein legitimer Ausgangspunkt.
Religionsunterricht kann durchaus Indoktrination darstellen. Will ich als Elternteil wirklich, dass mein Kind mit Gedanken in Berührung kommt, die es sonst nicht oder wesentlich später kennenlernen würde? Hat mein Kind die Chance, sich eine eigene Meinung zu bilden?
Wie geh ich als Atheist mit einem gläubigen Kind um? Was mach ich, wenn es anstelle der Jugendweihe ein religiöses Ritual haben will? usw usf

Das sind alles spannende Frage, die sich aus der Grundkonstellation ergeben.

Wenn man eine pauschale Vorverurteilung beseite lässt, könnte das Thema also durchaus ergiebig sein, Penelopeia.
__________________
Kunst passiert.

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