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Leselupe.de > Tagebuch - Diary
Auch ich war mal in ...
Eingestellt am 12. 01. 2011 09:48


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Arno Abendsch├Ân
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Heute werfe ich einmal die Frage auf: Bis zu welchem entferntesten Punkt bin ich jemals in einer Himmelsrichtung gekommen?

NACH S├ťDEN? - Ich glaube, es war Syrakus auf Sizilien. Wir fuhren von Catania, wo wir logierten, mit dem Zug an der K├╝ste entlang. O, diese K├╝ste - wer sie je gesehen hat, wird mir beipflichten: Es gibt nichts Vergleichbares, es gibt nichts Abscheulicheres als die Petrochemie von Augusta ... Wir besichtigen also Syrakus in der Mittagshitze. Kein Mensch au├čer uns auf den Stra├čen ÔÇô und ich liege abends mit einem Sonnenstich auf dem Hotelzimmer.

Es kann anstelle von Syrakus auch Alexandria, Virginia, gewesen sein, ein Vorort von Washington D.C.. Ich m├╝sste mal im Atlas nachsehen. Eine m├Ąnnliche Scarlett O'Hara hatte mich dorthin abgeschleppt, eine wirkliche S├╝dstaatensch├Ânheit, und als wir das heruntergekommene Hochhaus betraten, sagte er ganz nonchalant: "It's like a slum." Das war echter Alter S├╝den.

NACH WESTEN? - Schon wieder ein Vorort, diesmal von Chicago. Arlington Park, da ist die weltber├╝hmte Pferderennbahn der Stadt. Ich habe dar├╝ber schon einmal geschrieben. Leider war gerade Rennpause - sagt man so? - und selbst Training gab es kaum zu sehen. Wenn ich bedenke, dass dies der westlichste Punkt in meinem Leben war, kommt mir dieses Leben beinahe verpfuscht vor.

NACH OSTEN? - Von Wien mit der S 7 nach Hainburg. (Bitte betonen Sie auf -burg.) Ich stand auf einem H├╝gel nahe der Donau und sah hin├╝ber auf Bratislava, das alte Pressburg. Damals war die Grenze noch dicht, nur an wenigen Punkten passierbar. Ich sah mir Bratislava von fern an und stellte fest, dass es vor allem aus Plattenbauten bestand. Es sah aus wie M├╝nchen-Neuperlach, K├Âln-Chorweiler und Hamburg-Steilshoop zusammen. Da ├╝berkamen mich heimatliche Gef├╝hle und ich fuhr rasch zur├╝ck ins alte Wien.

NACH NORDEN? - Vor Bykle ist das norwegische Setesdal sehr eng. "Big mountains!" sagte bei unserer Ankunft der alte Mann, der Vermieter unserer H├╝tte. Schwarze, feucht gl├Ąnzende W├Ąnde ragten senkrecht himmelhoch in die H├Âhe. Die Sonne kam erst um elf zum Vorschein und verschwand um zwei Uhr nachmittags. Es regnete ohnehin meistens.

Die Deutschen hatten im Zweiten Weltkrieg Sch├╝tzengr├Ąben in den Felsboden des Talgrundes gesprengt und die Norweger sp├Ąter Holzh├╝tten dar├╝ber gebaut, um sich daf├╝r an deutschen Touristen zu r├Ąchen. Unter den H├╝tten, in den Gr├Ąben f├╝hlten sich die M├Ąuse pudelwohl, sozusagen. Ich sehe uns noch, jeder in seinem Schlafalkoven, und h├Âre meinen Freund fl├╝stern: "Arno, h├Ârst du die Maus?" Die Matratzen waren zerfressen.

Wir kauften Mausefallen. Sie guillotinierten die Nager im Zehn-Minuten-Takt. Mein Freund schaffte die vielen Kadaver fort. Daf├╝r holte ich Holz aus dem Schuppen und fauliges Wasser aus dem Holzbrunnen. Ja, wir mussten im August heizen und wir hatten zwei Wochen lang Regenwetter. Entmutigt strichen wir die dritte Woche. Am Tag der Abreise war dann strahlend sch├Ânes Wetter. Jetzt erkannten wir doch noch, wie herrlich die Welt war.

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