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Leselupe.de > Ungereimtes
Auf dem Hof
Eingestellt am 11. 05. 2005 19:42


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assikalb
Festzeitungsschreiber
Registriert: Apr 2005

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Auf dem Hof


Auf dem Hof stand sie,
im Herz den Fluss und die Weiden.
Das greise Nass st├╝rzt durch ihren Leib
und am Himmel der Mond
wirft ihr sein Licht vor die F├╝├če.

Sie will das tote Kind erbrechen
Heraus, heraus aus ihrem Wanst.
Heraus mit dem Wurm der ihre Tr├Ąume frisst,
sich durch ihr Fleisch bohrt.
Erbrochenes tropft ihr zwischen die F├╝├če.

Auf dem Hof stand sie,
im Herz den Fluss und die Weiden.
Die Augen warten auf einen Schmerz.
Doch die Kadaver der Vergangenheit
Treiben auch heute nicht vorbei.

Der Mond speit ihr v├Ąterlich seine Leere ins Gesicht,
doch fehlt ihr der Geschmack der V├Ąterlichen Faust auf ihren Lippen,
wie ein Hahn der kr├Ąht in ihrem Kopf,
der ein Theater macht,
sie immer wieder weckt,
bis auch sie im Fluss davon treibt.

Auf dem Hof stand sie,
im Herz den Fluss und die Weiden.
Ihre nackten F├╝├če w├Ąrmen das kalte Pflaster,
das im Regen gl├Ąnzt wie tausend Augen im Angesicht des Todes,
einen atemlosen Moment entfernt.

Sie starrt dem Wasser nach
das durch die Rinnen st├╝rzt,
getrieben von der selben Kraft
die sie einst in diesen Knast st├╝rzen lie├č.
Aber ihr Kopf wollte nicht zerplatzen.

Auf dem Hof stand sie,
im Herz den Fluss und die Weiden,
umringt von zersto├čenen Sch├Ądeln
deren Atem einst noch ihre Wangen beschlug.

Ihr Haar sank tiefer und k├╝sste den Boden.
So herrlich fest das ihr die Augen in den Rachen schlugen.
F├╝r eine Nacht.

Sie erwachte auf dem Hof,
im Herz den Fluss und die Weiden.
Das Sonnenlicht erreicht nicht ihre Stirn,
das Lied der Spatzen nicht ihr Herz,
wo das graue Wasser des Flusses die Weiden umsp├╝lt
und Wurzel um Wurzel aus dem h├╝tenden Scho├č der Erde zerrt.

Auf dem Hof stand sie,
im Herz den Fluss und die Weiden.
Ihr Gesicht entbl├Â├čt nicht die Leere,
ihr Blick nicht Ihr Herz.

Der Nachtwind verschluckt den nackten Leib
Und gebiert ihn in den Tag,
s├Ąugt ihn mit der K├Ąlte seines Herzens
und schweigt in seiner Brust.

Auf dem Hof stand sie,
im Herz den Fluss und die Weiden.
Die geisterhaften Fische auf den Strassen
meiden das Raunender Zweige,
das ihre Stimmen verschluckt
wie die Nacht ihre Tr├Ąnen.

Auf dem Hof stand sie,
im Herz den Fluss und die Weiden,
in jeder Hand einen Tod.
Doch keiner gro├č genug,
dass ihre Arme ihn umschlingen k├Ânnten,
ihn halten,
l├Ąnger als das Wasser auf ihrer Haut,
das die Wolken um sie weinten.
So warme Tr├Ąnen,
so warm.



__________________
alles nichts oder?

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bonanza
Guest
Registriert: Not Yet

ist mir etwas zu viel pathos und poesie, um wahr zu sein.
ich meine, das sch├Ąumt ├╝ber.
keine ahnung, wie sich eine frau f├╝hlt in dieser situation.
ich habe das gef├╝hl, da├č es schrecklicher und zugleich profaner ist.

bon.

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Montgelas
???
Registriert: May 2004

Werke: 1
Kommentare: 875
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hallo assikalb,


ein russisches gedicht,
poetisch, episch breit...

mir hat es gefallen,
wie ein szenario von tarkowski.


dir eine gute zeit

montgelas

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