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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Auf dem Wochenmarkt
Eingestellt am 03. 07. 2018 18:38


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Maribu
???
Registriert: Jun 2012

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Auf dem Wochenmarkt

Bereits ein paar Tage nach meiner Pensionierung sagte meine Frau zu mir: "Du kannst heute zum Markt mitkommen. Dienstags ist das ja nicht so viel, was wir brauchen, aber am Freitag mit dem Wochenendeinkauf fÀllt mir das Tragen schwer."
Ich hatte eigentlich keinen Bock darauf, aber da ich jetzt viel Zeit habe, konnte ich schlecht 'Nein' sagen. Meine Frau spĂŒrte die 'Begeisterung' und ergĂ€nzte: "Du sollst nicht nur zum Tragen mitkommen. Du kannst mich auch beim Einkaufen unterstĂŒtzen. Dabei lernst du gleich meine HĂ€ndler kennen und erfĂ€hrst die Preise. Du fragst doch immer: 'Wo ist unser Geld geblieben?'"
Gleich am Anfang stand eine Imbissbude. Der Wind trieb uns den Bratdunst in die Nase und erzeugte bei mir morgens um kurz vor acht keinen Appetit auf Bratwurst, sondern ein WĂŒrgen im Hals.
Sieben dickbÀuchige MÀnner, die schon mindestens zwanzig Jahre die Rentenkasse in Anspruch genommen haben, standen eng beieinander.
Sie kauten widerwillig an ihrer fetttriefenden Schinkenwurst.
Sie war nur Mittel zum Zweck! Dieser Imbiss war ihr Treffpunkt.
Vielleicht flĂŒchteten sie vor dem Wohnungsputz der Ehefrau oder sie gehörten zu den Ausnahmen, die die 'bessere HĂ€lfte' ĂŒberlebt haben.
"Ich stelle mich beim Schlachter an", sagte meine Frau. "Du kannst schon mal fĂŒnf Pfund Kartoffeln besorgen. Mein HĂ€ndler steht in der Mitte der zweiten Reihe. Du musst aufpassen, da stehen mehrere GemĂŒsestĂ€nde nebeneinander. Mein HĂ€ndler hat immer einen Hut auf." Sie rief mir noch hinterher: "Aber du musst 'Sieglinde' kaufen!"
Ich ging an den StÀnden vorbei, achtete auf den Hut und schaute nach 'Sieglinde'. Nur ein HÀndler hatte sie im Angebot. Die Kartoffel war ziemlich klein und wirkte schon ein bisschen schrumpelig. Aber auch dieser Mann trug keinen Hut.
Rechts daneben bot ein 'Marktschreier' seine zuckersĂŒĂŸen und einmaligen Erdbeeren an. Der hatte auch verschiedene Kartoffelsorten im Angebot. Ich fragte ihn nach 'Sieglinde'.
Er lachte. "Meine Frau heißt so, die hat aber heute was im Haus zu tun. Oder meinen Sie die Kartoffelsorte? Die ist in diesem Jahr nicht so gut ausgefallen. Deshalb habe ich sie nicht eingekauft.- WofĂŒr wollen Sie sie verwenden? Pellkartoffeln, Stampfkartoffeln, Bratkartoffeln oder Kartoffelsalat?"
Ich war ĂŒberrascht und stotterte: "Ich weiß gar nicht was, ich weiß gar nicht, was meine Frau heute kochen will."
Er lachte wieder. "Die werden Sie doch heute sowieso nicht verbrauchen. Ich empfehle Ihnen 'Granola', die ist nicht so bekannt, aber hervorragend fĂŒr Bratkartoffeln!"
Er machte eine kleine Pause, pries wieder lautstark seine Erdbeeren an, die von seinen Mitarbeitern verkauft werden. "Wenn Sie nichts falsch machen wollen, nehmen Sie 'Linda', die eignet sich fĂŒr jedes Gericht."
Meine Frau stand inzwischen am Ende einer Schlange vor dem Fisch- und Salatstand. "Ich habe nur 'Linda' bekommen", sagte ich etwas kleinlaut.
"Du solltest doch 'Sieglinde' kaufen, die ist festkochender!"
"Die sah aber nicht so gut aus, und der Mann mit dem Hut war nicht da."
Sie murmelte etwas von "selber einkaufen", drĂŒckte mir aber, wohl als letzte BewĂ€hrungsprobe, eine Eierpappe in die Hand mit dem Auftrag: "Besorg zehn 'Bio Klasse A, mittelgroß'! Mein Eiermann steht ganz am Ende dieser Reihe."
Als ich zurĂŒckkam, wurde meine Frau gerade bedient. Da sie die Letzte war, stellte ich mich hinter sie. Sie nahm mir den Karton ab und öffnete ihn. "Weiße Eier? Die platzen doch so leicht beim Kochen. Weißt du das nicht? Ich kaufe doch schon Jahrzehnte braune! Bist du auch noch farbenblind?"
Jetzt kam ich mir richtig blöd vor, und als mich die VerkĂ€uferin nach meinen WĂŒnschen fragte, antwortete ich: "Danke, ich habe hier keine HĂ€ndler! Ich bin nur ein TrĂ€ger und gehöre zu die Frau!"
Da bekam ich die erste Ohrfeige in meiner langjÀhrigen Ehe.


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aligaga
One-Hit-Wonder-Autor
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An diesem Ehedrama fallen dem böhsen @ali gleich ein paar Steinchen auf, ĂŒber die man – faktisch ebenso wie literarisch – ins Stolpern gerĂ€t.

MerkwĂŒrdig schon die frĂŒhe Morgenstund – der Markt mitsamt seinen StĂ€nden hat angeblich schon vor acht Uhr offen. Hm. Wenn die Ehepartner beide senile BettflĂŒchter sind – warum, um Himmels Willen, frĂŒhstĂŒcken sie nicht gemĂŒthlich auf dem Markt – wo so frĂŒh offen ist, gibt’s fĂŒr gewöhnlich nicht nur fette BratwĂŒrscht, die den Opis seltsamer Weis‘ gegen die Galle gehen (wo bleibt denn das Bier dazu?), sondern auch Kaffee, Butterbrezeln, BlĂ€tterteig-Teilchen oder einen Krapfen. Die beiden haben doch, so jedenfalls der Vorspann, Zeit!

Dann die Nummer mit der Kartoffel. Ein versierter HĂ€ndler empfiehlt nie eine Sorte, sondern fragt den Kunden, ob er fest- oder mehlig kochende ErdĂ€pfel wĂŒnscht. Je mehr Eiweiß und je weniger StĂ€rke die Kartoffel enthĂ€lt, desto fester kocht sie und eignet sich dann am besten fĂŒr Bratkartoffeln oder Kartoffelsalat, wo Schnittfestigkeit gefragt sind. FĂŒr den Stampf braucht man die mehlige Sorte. Dummerweis‘ sind „Linda“, „Sieglinde“ und „Granola“ allesamt festkochend. Insoweit haben also weder der HĂ€ndler noch die Xanthippe recht.

Andere Eier als Handelsklasse A gibt’s auf einem Lebensmittelmarkt nicht. Die Bio-Eier erkennt man unschwer an dem Nuller, den sie vor dem LĂ€nderkĂŒrzel stehen haben.

Einen „Salatstand“ hat @ali noch nie auf einem Lebensmittelmarkt gesehen, Wohl aber GemĂŒsestĂ€nde, wo’s auch Salat gibt. Ein Salatstand per se wĂ€re wohl kaum ĂŒberlebensfĂ€hig.

FĂŒr sich genommen sind‘s nur kleine Webfehler im Kurztext, in der Summe aber doch zu viele, als dass man sie noch durchgehen lassen könnte. Schlimmer ist, dass die banale Schilderung banaler Gegebenheiten abrupt dort abbricht, wo sie spannend zu werden scheint. Wie hat Opi denn darauf reagiert, dass ihn die Omi vor fredmen Leuten ins Gesicht geschlagen hat? Hat er sich nur die Backe gerieben und sich bei seinem „Schatzi“ entschuldigt? Hat er ihr die brĂŒchigen Bio-Eier an den Kopf geworfen oder sie gar mit den fĂŒnf Kilogramm festkochenden „Lindas“ erschlagen?

Leider erfahren wir es nicht. Aus solchen AnfÀngen können sich Völkerkriege entwickeln. Oder wenigstens Ehescheidungen!

TTip: Den Text plausibilisieren und entweder ironisieren oder dramatisieren. Sonst bleibt‘s ein recht fades SĂŒppchen, das man so frĂŒh am Morgen noch nicht löffeln mag.

Heiter immer wieder weiter

aligaga

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FrankK
Autor mit eigener TV-Show
Registriert: Nov 2006

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Hallo Maribu
Ich bin von Deiner Geschichte nicht sonderlich begeistert. Auch wenn sich konstruktiv einigermaßen plausibel ein Plott ableiten lĂ€sst, so erscheint mir die Ausarbeitung der Figuren als zu blaß und der Konflikt als zu sprunghaft.

Der Ich-ErzÀhler bedient den typischen Ehemann, den neuen PensionÀr. Herausgerissen aus dem Job hat er keine Ahnung von Haushalt.

Die Ehefrau des Ich-ErzĂ€hlers ist die typische Hausfrau und Ehefrau, die ihren Mann fĂŒr "zu blöd zum Kartoffeln kaufen" hĂ€lt.

Nach dem Debakel mit den Eiern bekommt er eine Ohrfeige. Aber warum?
Ich kann nirgendwo eine Eskalation erkennen (auch nicht in dieser frechen Antwort gegenĂŒber der VerkĂ€uferin), die eine "erste Ohrfeige im Verlauf der Ehe" rechtfertigen wĂŒrde. Augenscheinlich ist Sie ansonsten doch recht zurĂŒckhaltend.

Ich habe keine Idee, diesen Text wirklich zu retten, ohne massive Umbauten.

Problem 1:
Die Figuren sind Stereotypen.Es sind Figuren, die allzu bekannt sind: die Hure mit dem goldenen Herzen, der SĂŒdstaaten-Sheriff mit dem schleppenden Tonfall und der sadistischen Ader, der harte-aber-sanfte Privatdetektiv. Es sind vordefinierte Figuren, die ganz bestimmten, fertigen Gebrauchsmustern entsprechen. Der Rentner, der nach dem Beruf keine Ahnung vom Haushalt hat, die Ehefrau, die ihrem Mann nichts zutraut.
Solche Charaktere sind geiegnet als Nebenrollen.

Versuche, den Figuren etwas aufzuprÀgen, was sie aus dem Standardschema herausragen lÀsst.
Dann hĂ€ttest Du schon mal zwei interessante Figuren, denen der Leser gerne folgen wĂŒrde.

Problem 2:
Der Konflikt - die Sache mit der Ohrfeige. Es kommt zu plötzlich, so unmotiviert.
Ein Familienvater, der grade noch seinen Kindern ein Eis gekauft hat, greift nicht plötzlich zur Kalaschnikow und feuert in die Menge.
Wenn er der VerkĂ€uferin einen dummen Spruch reinwĂŒrgt hat sie doch nicht unbedingt eine Veranlassung, ihm eine Ohrfeige zu geben.

Versuche, den sich anbahnenden Konflikt langsam zu steigern und kurz vor Ende der Geschichte dem Höhepunkt zuzustreben.
Vergiss auch nicht den Ausklang. Wenn er eine Ohrfeige bekommt, darf er innerhalb der Geschichte noch irgendwie reagieren.

Problem 3:
Nimm Abschied von allem ĂŒberflĂŒssigen Ballast.
Zum Beispiel die Imbissbude mit den sieben dickbĂ€uchigen MĂ€nnern - sie spielen keine Rolle fĂŒr die Geschichte.

Versuche, die Szene und die Kulisse so ĂŒbersichtlich wie möglich zu halten. Alles ĂŒberflĂŒssige muss raus, dann hast Du auch wieder Platz fĂŒr Deine Figuren.



Aufmunternde GrĂŒĂŸe
Frank
__________________
Leben und leben lassen.

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Maribu
???
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Auf dem Wochenmarkt

Hallo Frank,

danke fĂŒr deine ausfĂŒhrliche Kritik!

Ich will meine Geschichte jetzt nicht groß verteidigen, aber ein paar Argumente: Er ist das erste Mal auf dem Wochenmarkt und hat natĂŒrlich eine andere Wahrnehmung als seine Frau.
Die Rentner, gleich am Anfang des Marktplatzes, sind schon wichtig. Er möchte nicht mit ihnen tauschen, hat aber gleichzeitig VerstĂ€ndnis fĂŒr ihre Langeweile und ihr Zusammentreffen.
Die Ohrfeige bekommt er, weil er sich "rĂ€chen" und seine Frau wegen ihrer Meckerei blamieren will. Er kommt sich nicht nur blöd vor, er drĂŒckt es auch aus, indem er sagt: '"Ich gehöre zu "die"
Frau!'".

Freundliche GrĂŒĂŸe
Maribu

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aligaga
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Dass dieser Rentner zum allerersten Mal auf einem Wochenmarkt sei, geht aus dem Text nicht hervor. Er scheint lediglich zum ersten Mal zusammen mit seiner Rechthuberin aufzuscheinen, um dort bereits frĂŒhmorgens von ihr abgerichtet zu werden. Dass er andere Sichten hat als diese, ist selbstredende BanalitĂ€t, begrĂŒndet aber nicht den Unsinn, der da ĂŒber Kartfoffeln, Eier und Salat zu lesen ist.

Dass der Typ jene Altersgenossen verachtet, die schlauer sind als er und ihre "besseren HĂ€lften" allein einholen lassen, derweil sie wĂŒrstelkauend die Welt verbessern, lĂ€sst den Ich-Protz als ziemlich arroganten Dödel rĂŒberkommen.

Wie schon gesagt - eine missglĂŒckte Nummer, deren sachliche Fehler einer Korrektur bedĂŒrften und die endet, als ob einer mitten im Lied den Stecker des Plattenspielers gezogen hĂ€tte.

TTip: Besser machen und die Geschichte fertig schreiben.

Dass hier ein "Konflikt sprunghaft auftrĂ€te", ist Unsinn. Die Fotzen ist doch nicht der Konflikt, sondern nur dessen physische Folge. Der Konflikt beginnt schon mit der Pensionierung des Typen, pflanzt sich fort in der Dominanz seiner Gattin, schwillt mit der immer deutlicher werdenden Ignoranz des lĂŒhrischen Ichs an und kommt, als dieses aufzubegehren wagt, zur Explosion ...*thud*... Was wirklich interessant wĂ€re - ob's noch fĂŒr eine Katharsis reichte oder ob nur ein Bombentrichter von den beiden ĂŒbrig bleibt - erfahren wir nicht. Dem Kasperle-Theater fehlt der Schluss, das Publikum buht und will sein Geld zurĂŒck.

Heiter immer wieder weiter

aligaga

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Maribu
???
Registriert: Jun 2012

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Auf dem Wochenmarkt

Hallo Doc,

danke fĂŒr deine Meinung!

Es sollte eine Schilderung des Wochenmarktes aus der Sicht des PensionÀrs sein, der wÀhrend seiner BerufstÀtigkeit keine
Gelegenheit hatte, seine Frau Freitags beim Einkaufen und Tragen
zu helfen. Deswegen der Titel "Auf dem Wochenmarkt" und nicht z.B.
"Scene einer Ehe".
Sicher, ich hÀtte mehr daraus machen können!
Ja, lassen wir den Text ruhig unter Kurzgeschichten.
Trotz der vielen guten und berechtigten Anmerkungen und Tipps -
fĂŒr die ich dankbar bin und gerne beherzigen will - möchte ich nichts mehr Ă€ndern und mich lieber mit einem neuen Thema beschĂ€ftigen. - Dieser Text gehört dann eben zu den nicht so gelungenen!

Viele GrĂŒĂŸe
Maribu

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