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Leselupe.de > Humor und Satire
Auf den Hund gekommen
Eingestellt am 23. 11. 2011 14:36


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dubidu
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Wenn ich mal gro├č bin, werde ich Hund, dachte ich als Dreik├Ąsehoch. Die Idee hat mich nie losgelassen und ich habe knapp vierzig Jahre an der Verwirklichung meines Traums gearbeitet.

Nach dem Bac in Bordeaux studierte ich zuerst Maschinenbau in Aachen und anschlie├čend Elektrotechnik und Informationstechnik in Darmstadt. Ich bin Doppel-Dipplinsch und das ist gut so, denn w├Ąre es anders, h├Ątte ich meinen Traum niemals realisieren k├Ânnen.

Ich wei├č, dass in Deutschland eine gewisse Technikfeindlichkeit vorherrscht und ganz besonders in hiesigen Literaturforen werden technische Details nur mit einem Nasenr├╝mpfen gelesen ÔÇô wenn ├╝berhaupt.

Falls der Leser sich nun fragt, warum ich, trotz der deutschen Charakterschw├Ąche, in Deutschland studiert habe, dann gebe ich gerne zu, dass die deutschen Ingenieurschulen zur absoluten Weltspitze geh├Âren und immer noch den Erfolg der deutschen Exportwirtschaft garantieren, auch wenn diese Binsenweisheit kaum noch jemand h├Âren will, denn Jammern hei├čt der Volkssport Nummer eins im ehemaligen Dichter- und Denkerland!

Und wenn die meisten Leser mich jetzt schon abgeklickt haben, zum einen wegen des letzten zu langen technokratischen Satzes, zum zweiten aus Desinteresse und zum dritten aus Gr├╝nden meiner politischen Unkorrektheit, m├Âchte ich dennoch den wenigen Verbliebenen eine kurze vorwiegend ÔÇ×untechnischeÔÇť Darstellung meiner Apparatur nicht vorenthalten.

Nun, genug der Vorrede: Meine Erfindung besteht aus drei Ger├Ąten; das erste ist ein Kopfh├Ârer mit Sender/Empf├Ąnger f├╝r den Hund, das zweite ein etwas gr├Â├čerer Kopfh├Ârer mit Sender/Empf├Ąnger f├╝r mich und drittens ein Gehirnquanten-Synchronisator, der ├╝ber eine USB-Schnittstelle mit einem Computer verbunden wird.

Vielleicht fragt sich der Leser jetzt, ob ich mit Hilfe eines Apparats tats├Ąchlich ein Hund werden k├Ânne. Der Leser wird die Geschichten ├╝ber Dr. Frankenstein, Graf Dracula, Dr. Jekyll und Mr. Hyde und dem Golem sicher kennen wie seine Westentasche, denn ich nehme an, nur ein Fantast wird mir immer noch die Stange halten.

Allerdings gebe ich gerne zu, kleinere Br├Âtchen zu backen, denn nat├╝rlich kann ich nicht ein Hund werden. Aber, lieber Leser, ich kann versuchen, wie ein Hund denken zu lernen.
Theoretisch ist das gar nicht so schwierig, denn meine Gehirnquanten und die des Hundes m├╝ssen sich nur komplement├Ąr zueinander verhalten; das hei├čt, sie m├╝ssen sich gegenseitig ausschlie├čende und gleichfalls sich gegenseitig erg├Ąnzende Eigenschaften tragen, in diesem Falle die beiden Eigenschaften m├Ąnnlich und weiblich. Ich hoffe, das ist klar!

Ich bin, wie der Leser schon wei├č, m├Ąnnlich, und ich habe eine H├╝ndin, was nichts anderes bedeutet, dass obige Voraussetzungen erf├╝llt sind, denn das Experiment kann aufgrund der Quantengesetze nur dann erfolgreich durchgef├╝hrt werden, wenn die Probanden nicht gleichgeschlechtlich sind. Man kann auch nicht einen x-beliebigen Hund zum Experiment heranziehen - nein, jetzt wird es komplizierter, der Hund muss ├╝ber gegens├Ątzliche Charaktereigenschaften im Vergleich zum menschlichen Probanden verf├╝gen. Auf mein Experiment bezogen bedeutet das folgendes: Mein Pendant muss stoisch, stur und t├Âlig sein.

Speziell f├╝r mich hervorragend geeignet ist ein Gordon Setter-Weibchen, m├Âglichst aus schottischem Hochadel. Da ich ein hektisches, st├Ąndig meine Meinung wechselndes Arbeiterkind bin, passen die Gegens├Ątze zusammen wie die Faust aufs Auge.

Ich bin ein wenig vom Thema abgekommen und deshalb werde ich mich nun etwas k├╝rzer fassen.

Letzte Nacht war es endlich soweit. Ich konnte endlich mit dem Experiment beginnen. Meine H├╝ndin lie├č sich widerstandslos den Kopfh├Ârer aufsetzen; ich streifte mir den meinigen ├╝ber und wir zogen uns in unsere Gem├Ącher zur├╝ck ÔÇô sie ins K├Ârbchen, ich ins Bett und nach wenigen Minuten schliefen wir ein.

W├Ąhrend wir unsere Gehirnquanten miteinander verschr├Ąnkten, zeichnete der Synchronisator unsere Tr├Ąume auf. Heute Morgen analysierte ich die Aufzeichnungen am Computer. Meine H├╝ndin tr├Ąumte die ganze Nacht von einem Ochsenziemer. Alle ihre Sinne waren auf einen etwa sechzig Zentimeter langen und etwa sechs Zentimeter dicken Ochsenziemer fokussiert. Da wir unsere Tr├Ąume gegenseitig ausgetauscht hatten, konnte ich den etwas gew├Âhnungsbed├╝rftigen Geruch des Ochsenziemers bisher noch nicht aus meiner Nase vertreiben.

├ťber meine Tr├Ąume schreibe ich besser nichts, denn hier lesen auch Jugendliche unter achtzehn Jahren. Ich bin allerdings etwas in Sorge um meine H├╝ndin. Sie liegt schon den ganzen Tag auf dem Parkettboden im Wohnzimmer und schaut mich etwas komisch an. Kennen Sie sich mit Hunden aus?

Denjenigen, die bis zum Schluss durchgehalten haben, zolle ich meinen h├Âchsten Respekt. Ich bin in unserem Unternehmen f├╝r das Verfassen von technischen Handb├╝chern zust├Ąndig und verf├╝ge leider noch nicht ├╝ber die elegante Federf├╝hrung eines Lupengenies ÔÇô aber was nicht ist, kann ja noch werden!


__________________
Die Tollk├╝hnheit des Schreibers und sein spontanes Bed├╝rfnis nach Wahrheit m├╝ssen allemal gr├Â├čer sein als dessen Furcht vor den Konsequenzen seiner Aussagen.
RAFAEL SELIGMANN

Version vom 23. 11. 2011 14:36

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