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Leselupe.de > Kurzprosa
Auf der Autobahn
Eingestellt am 18. 03. 2000 00:00


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Phylthia
Hobbydichter
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„Wie weit ist es noch?“, fragt das erste Kind.
„Nicht mehr weit“, sagt der Vater.
Kurzes Schweigen.
„Wie lange brauchen wir noch?“, fragt das zweite Kind.
„Nicht mehr lange“, sagt die Mutter.
Wieder Schweigen.
Wenn man aus dem Fenster schaut, sieht man nur die anderen Autos, den grauen Himmel und die Schallschutzwand. Trostlos. Langweilig. Ein schwarzer Mercedes ĂĽberholt sie. Der Vater gibt ein bisschen mehr Gas.
„Ich muss mal“, sagt das erste Kind.
„Nicht jetzt“, sagt der Vater.
„Gleich“, sagt die Mutter.
„Ich muss aber jetzt“, sagt das erste Kind.
„Gleich“, sagt der Vater noch einmal.
Schweigen.
Die Kinder zählen die roten Autos, die sie sehen. Die Mutter sieht aus dem Fenster. Der Vater starrt auf die Straße und passt auf. Ein blauer BMW zieht an ihnen vorbei. Der Fahrer telefoniert und lenkt mit einer Hand. Dann ist er vorbei.
„Mein Po tut weh. Können wir mal anhalten?“, fragt das zweite Kind.
„Du wirst es aushalten“, sagt der Vater.
„Und ich muss auch mal“, sagt das zweite Kind.
„Ich muss immer noch. Dringender als vorhin“, sagt das erste Kind.
„Seid ruhig. Ich muss mich auf die Straße konzentrieren“, sagt der Vater.
„Wir sind bald da“, sagt die Mutter.
„Wann?“, fragt das zweite Kind.
Es bekommt keine Antwort. Es gähnt. Es fängt an, die Daumen umeinander zu drehen.
„Ich habe Hunger“, sagt das erste Kind.
„Du hast vorhin erst gegessen“, sagt die Mutter.
„Ich habe aber schon wieder Hunger“, sagt das erste Kind.
„Halt es aus, bis wir da sind“, sagt der Vater.
Er ist genervt. Er wird schon wieder überholt. Dieses Mal von einer blonden Frau in ihrem roten Golf. Sie lächelt ihn an. Dann ist sie vorbei. Er sieht wieder auf die Straße. Nichts hat sich geändert. Langweilig. Grau. Genau wie vorhin.
„Wie weit noch?“, fragt das erste Kind.
„Wie lange noch?“, fragt das zweite Kind.
„Wohin fahren wir überhaupt?“, fragt die Mutter.


(Ăśbernommen aus der 'Alten Leselupe'.
Kommentare und Aufrufzähler beginnen wieder mit NULL.)

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mitis

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sehr schön - eindringlich.

zwei anmerkungen, wo ich kurz innehielt:

[quote]„Gleich“, sagt die Mutter.
„Ich muss aber jetzt“, sagt das erste Kind.
„Gleich“, sagt der Vater noch einmal.
Schweigen.
Die Kinder zählen die roten Autos, die sie sehen. Die Mutter sieht aus dem Fenster. Der Vater starrt auf die Straße und passt auf. Ein blauer BMW zieht an ihnen vorbei. Der Fahrer telefoniert und lenkt mit einer Hand. Dann ist er vorbei.



in blau meine persönlichen stopp-stellen.

erst sagt die mutter "gleich", dann sagt der vater noch einmal "gleich". nach der formulierung dachte ich, der vater wiederhole seine worte, dabei war es die mutter die zuvor "gleich" sagte.

ein blauer bmw zieht an ihnen vorbei......dann ist er vorbei.

ich wĂĽrde das zweimalige vorbei vielleicht vermeiden, denn "vorbei" ist auch nach einmal schon "vorbei".

Ein blauer BMW (auf Augenhöhe???). Der Fahrer telefoniert und lenkt mit einer Hand - und zieht vorbei.

oder so ähnlich

lg mitis

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