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Leselupe.de > Kurzprosa
Auf der Insel
Eingestellt am 25. 06. 2007 22:14


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mugwump
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Traum von einer kreisrunden Insel, auf die es mich als Schiffbr├╝chiger verschlagen hatte. Auf der Insel gab es keinen Baum und keinen Strauch, nur feinen, gelben Sand und hier und da eine gro├če, wei├če Muschel, die halbvergraben und mit seltsamen Farben an den R├Ąndern zwischen d├╝rren Gr├Ąsern lag. Die Insel war so klein, dass ich dachte, ich k├Ânnte sie mit nur wenigen Schritten vollst├Ąndig abgehen.

Gemeinsam mit mir hatte es den Kapit├Ąn an den Strand gesp├╝lt, der offenbar au├čer mir der Einzige war, der die Havarie unseres Schiffes ├╝berlebt hatte. Seine altmodische Uniform war nass und rissig; ihr Blau bildete f├╝r das Auge eine angenehme Gelegenheit, sich von dem Glei├čem der Sonne auf dem winzigen Eiland zu erholen. Mit uns am Strand lag eine Frau in viktorianischen Kleidern und mit verschleiertem Gesicht: Ich konnte mich nicht daran erinnern, sie auf dem Schiff jemals gesehen zu haben und konnte mir nicht erkl├Ąren, wie sie hierher gekommen war. Ehe ich sie aber dar├╝ber noch befragen konnte, richtete sie sich rasch auf, strich den schweren Damast ihres Kleides glatt, so als sei unsere Havarie nur eine geringf├╝gige Unterbrechung ihrer Reise gewesen, zupfte ihren Schleier zurecht und lief ├╝ber den Strand davon in einen Torweg hinein, hinter dem das Licht rasch schw├Ącher wurde, sodass man nicht sehen konnte, wohin sie verschwand.

Ich ging ihr nach und geriet in eine Gassengewirr niedriger H├Ąuser und hinter diesen H├Ąusern gelangte ich auf einen befestigten K├╝stenstreifen. Es war eine Art Kaimauer, aus der, knapp oberhalb der Wasserlinie, schwarze, angespitzte St├Ąbe herausragten. Ich ergriff eine dieser Lanzen, zog und zerrte daran, bis ich sie endlich frei in H├Ąnden hielt. Daraufhin brach - scheinbar aus der Mauer selbst - ein f├╝rchterliches Geschrei los. Ich kniete mich nieder, und beugte mich ├╝ber die Wehr, wo ich nun zwei Fu├č ├╝ber der Wasserlinie eine Reihe von vergitterten Fenstern erblickte, die sich ├╝ber die gesamte L├Ąnge des Kais hinzogen. Aus jedem dieser Fenster ragte eine Lanze so wie die, die ich jetzt in H├Ąnden trug. Ich hatte sie einem Schwarzen entrissen, der hinter den Gitterst├Ąben in einer fremden Sprache tobte und gestikulierte und immer wieder auf die Lanze zeigte. Ich entschuldigte mich daher wortreich, beschrieb ihm meine Neugier und meine Unkenntnis der hiesigen Gepflogenheiten, und mein peinliches Unwissen ├╝ber Zweck und Wichtigkeit des Stocks, den ich ihm dann durch die St├Ąbe zur├╝ckgab. Ich wusste auch gar nichts mit dem Stab anzufangen. Der Schwarze l├Ąchelte mich darauf hin mit gro├čen, blinkenden wei├čen Z├Ąhnen an und streckte mir die Hand durch die St├Ąbe entgegen, die ich ergriff und herzlich sch├╝ttelte und wir versprachen einander, nunmehr gut freund zu sein.

(Das alles geschah in einer merkw├╝rdig verrenkten und alle Sehnen und Muskeln des K├Ârpers anstrengenden Haltung, mit der ich versuchte, mich auf der Kaimauer zu halten. Meine Kn├Âcheln waren wei├č von der Anstrengung, mit der ich mich in einer der schmalen Fugen des Mauerwerks festgekrallt hatte, um nicht wieder in das ungn├Ądige Meer zu fallen, dass mich hier angeschwemmt hatte. Und am Morgen ist von dem Traum nichts mehr ├╝brig, au├čer einem Nachhall dieser Verrenkung und einem dumpfen, von dieser Anstrengung herr├╝hrenden Schmerz in den Fingerspitzen.)


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