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Leselupe.de > Essays, Rezensionen, Kolumnen
Auf der Suche nach Mr. Right
Eingestellt am 17. 11. 2006 10:39


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NicoD
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Die armen Frauen! Man muss das an dieser Stelle mal deutlich sagen, wenn nicht gar laut herausschreien, welch bemitleidenswerten Geschöpfe sie sind. Sie sind noch nicht ganz der Pubertät entwachsen, da geht es auch schon los mit der von vorneherein quasi aussichtslosen Suche nach ihm: Mr. Right.
Unlängst hatte der Autor dieser Zeilen Gelegenheit, sich die Klagen eines Mädchens anzuhören, dass gerade erst das Alter erreicht hatte, ab dem ihr vom Gesetzgeber das Wählen einer Partei oder das Steuern eines Autos zugetraut wird. Auch sie, die vom kosmetischen Gesichtspunkt aus auf dem von Houellebecq so propagierten Sexualmarkt alle Chancen hat, klagte mir ihr Leid. Sie habe die Hoffnung praktisch schon aufgegeben, jemals in ihrem Leben – und nach heutigem Stand der Lebensstatistik werden das noch rund 60 Jahre sein – ihren Mr. Right zu finden. Auch ein Teenagermagazin munterte letztens ihre weibliche Leserschaft mit der Schlagzeile: „So klappt es doch noch mit Mr. Right!“ auf.

Es scheint also eine ungemein schwierige Suche zu sein, auf der sich die Frauen befinden. Aber es gibt doch genügend Männer, könnte man einwenden. Richtig – und falsch. Der gut aussehende Mann scheint einer Luftspiegelung gleich zwar durchaus zu existieren, ist aber leider nie greifbar – und vor allem: immer woanders. „Es gibt einfach keine schönen Männer mehr!“, stöhnen sie gerne, die Frauen, meist noch versehen mit einer Ortsbeschreibung: Nicht in unserer Firma, nicht an unserer Uni, nicht in diesem Land…

Aber wer sind dann diese Männer, mit denen die Frauen heutzutage befreundet sind, sogar intime Beziehungen eingehen? „Es ist manchmal schon sehr deprimierend, wenn man sieht, was man so zu Hause auf der Couch sitzen hat“ erklärte mir eine andere Bekannte. Ob es sich nicht lohnen würde, vielleicht auf diese deprimierenden Couchsitzer zu verzichten und einfach auf den Richtigen zu warten, fragte ich sie. Resigniert schüttelte sie den Kopf: Aussichtslos. Es ist wie bei der Suche nach einem verunglückten U-Boot: Die Suche wird fortgeführt, aber es besteht leider kaum noch Hoffnung… Und vorläufig hat man wenigstens jemanden, der einem die Wasserkästen schleppt und eventuell abends im Bett die Füße wärmt. Vielleicht liegt es aber auch daran, dass es unter Frauen als das deutlichste Zeichen sozialen Scheiterns überhaupt gilt, gar keinen Freund zu haben. Dieser unglückselige Zustand wird zumeist mit der Bemerkung getarnt, dass man zurzeit keinen „festen Freund“ habe – da klingt ein bisschen Promiskuität, Verruchtheit und Begehrtheit an. Einen Zustand, in dem man weder liiert, noch auf der Suche ist, scheint es nicht zu geben.
Noch weiter trieb es eine Arbeitskollegin auf die Spitze, die verkündete, das man in ihrem Alter – wir sprechen von einer Endzwanzigerin – vom Leben eigentlich nur noch das amouröse Equivalent von Fallobst erwarten könne. Prompt warf sie sich einem alternden Unteroffizier mit einem unnatürlich starken Hang zur Ganzkörperrasur an den Hals, der sich noch nicht einmal die Mühe machte, den rein sexuellen Charakter seiner Intentionen mehr als nur ineffektiv zu verschleiern. Natürlich führte dieses Verhältnis nur zu einer weiteren Bestätigung ihrer eigenen Theorie und einer weiteren Verschlechterung ihres Egos.

So manch andere junge Frau macht sich indessen das Internet zu nutze. Wer sich bei Gelegenheit die verschiedenen Profile einer bekannten Verkupplungsseite ansieht, wird ein Schema mit erschreckender Regelmäßigkeit wieder finden: Mehrere Fotos des weiblichen Allerwertesten in knapper Unterwäsche samt Steißtattoo und unter den Wunschvorstellungen die Bemerkung, dass zu den größten Abneigungen der Tätowierten Oberflächlichkeit gehöre. Und Ausländerhass. Und das Familie irgendwie total wichtig wäre. Und guter Sex.

Aber wie soll er denn nun aussehen, unser Mr. Right? Wenn man eine junge Frau fragt, wird sie bemüht verträumt gucken, an ihrer Zigarette Marke Marlboro Light ziehen, den Qualm ausatmen und aus einer lange Liste rezitieren: Zum einen sollte er gut gebaut sein, außerdem große Hände haben und der Frau auch mal sagen können, wo es langgeht. Zirkusdompteure hätten also eigentlich sehr gute Chancen, leider scheint es nicht genügend von ihnen zu geben. Auch beliebt: Ausländer in allen Variationen: Franzosen, Italiener, Türken, Massai! Denn, seien wir ehrlich, der deutsche Mann ist nicht nur von Natur aus hässlich, er ist auch einfach langweilig und – zu lieb.

Nehmen wir das Beispiel eines jungen Mannes, der den Fehler machte, seine Freundin am Wochenende spontan mit einem Besuch überraschen zu wollen. Sie lebten aus beruflichen Gründen mehrere hundert Kilometer voneinander entfernt, aber das sollte für ihn kein Hindernis sein. Und so fuhr er mehrere Stunden durch unser schönes Land, nur um am Ende seiner Reise von seiner Freundin mitgeteilt zu bekommen, dass sie zur Zeit keine Lust verspüren würde, ihn zu sehen. Also fuhr er postwendend wieder nach Hause. Dies war zwar eine Verschwendung von Zeit und Benzin, aber noch kein Beinbruch. Den eigentlichen Fehler machte er, als er sich beim folgenden Telefonat für seine Überrumpelung bei ihr entschuldigte. Sie beendete sofort die Beziehung, denn, wie sie mir ausführte, er war einfach zu lieb. Ihren Fünf-Jahres-Beziehungsplan führte sie mir sodann so aus: „Jetzt brauche ich erst wieder ein totales Arschloch, dann einen total lieben Freund und dann kann ich endlich wieder eine normale Beziehung haben“

Wenn man sie dann über die nächsten Monate beobachtet, wird man feststellen, dass ihr nächster Freund, mit dem sie zunächst sehr glücklich scheint, bevor er dann auch in ihren Augen zum deprimierenden Couchsitzer wird, genau dem Gegenteil entspricht. Er ist wirklich ein spießiger Langweiler aus Wuppertal, der auch tatsächlich seine Zeit damit zubringt, die diversen Sitzmöbel im Wohnzimmer seiner Freundin zu blockieren. Seine anfangs so gepriesene Fähigkeit, seiner Freundin „auch mal ihre Grenzen aufzuzeigen“ besteht darin, über das Fernsehprogramm zu bestimmen.

Andere orientieren sich um und suchen sich bewusst deutlich ältere Freunde aus. Die aus dem Film Malcolm X bekannte Formel (Alter des Mannes geteilt durch zwei plus sieben ergibt das ideale Alter der Frau) findet hier ihre Anwendung. Wo andere beim Mann chauvinistische Tendenzen und Jugendwahn vermuten würden, sehen die jungen Frauen nur das positive.
„Ich kann ich total gut mit ihm unterhalten“ erklärte mir eine 26jährige, die dem oben zitierten Ideal leider nicht ganz entsprach, weil ihr neuer Freund, ein betuchter Geschäftsmann, nur gute 52 Jahre alt war.
WorĂĽber, fragte ich sie.
„Na, über alles so, irgendwie. Du stellst Fragen!“
Ich schwieg.
„Außerdem ist der Sex gut. Ich fühle mich da total als Frau.“
Wir schwiegen beide.
Schließlich fragte ich sie, ob sie sich mit 52 denn auch eine gepflegte Unterhaltung mit einem so jungen Mann vorstellen könne.
„Bist Du bescheuert?“ fuhr sie mich an „Das ist doch total krank und ekelhaft.“ Wahrscheinlich hatte sie mich einfach missverstanden.

Aber wie ich mir den die ideale Frau vorstellen würde, wurde ich natürlich auch gefragt. Nun, antwortete ich, auf keinen Fall darf sie solche furchtbaren Modephrasen verwenden wie „Auf keinen!“, sie dürfte auf keinen Fall soviel Lipgloss auftragen, dass man auf den Gedanken käme, sie hätte ein Salivaproblem, sie sollte Sommersprossen haben und so weiter und so fort. Aber damit lenke ich eigentlich nur von dem einen mir wichtigen Punkt ab, mit dem ich mich aber zumeist sofort bei den anwesenden Frauen unbeliebt mache und deshalb nie laut sage: Nämlich dass sie niemals auf der Suche nach Mr. Right war oder ist.

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jon
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Gut! Deutlich überzogen aber nicht in Klamauk verfallend. Ein paar formale Fehler (wie Kommas) noch aber ansonsten durchaus druckfreif, würde ich sagen. Und schön als Diskussionsgrundlage, aber das gehört nicht hierher …
__________________
Es ist nicht wichtig, was man mitbringt, sondern was man dalässt (Klaus Klages)

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Elyn ver Sartell
Festzeitungsschreiber
Registriert: Feb 2007

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Hi Nico,

Hab mir auch mal ein paar Gedanken gemacht...
Mir ist erstens aufgefallen, dass - von einigen dass und das-Verwechslungen mal abzusehen - dein Sprachstil ein zigmal durchgekautes Thema wieder aufleben lässt. Einige Phrasen sind derart satirisch gehalten, dass sie andererseits bereits wieder der Wahrheit entsprechen.
Zweitens ist das wirklich Interessante im Grunde an den Schluss hinausgezögert, nämlich dein Geständnis zwischen den Zeilen, dass es Männern hier genauso ergeht wie den beschriebenen Frauen.

Und drittens hast du dich sehr gut um den Umstand herumchouffiert, dass es nebenbei auch Frauen gibt, die sehr wohl warten können und nichts Hals-über-Kopf getan haben müssen.

Ansonsten: könnte beinahe ein Artikel eines Magazinreporters sein (der sich solch wunderbar im Prinzip langweiligen Themen widmen kann =) )

GruĂź, Elyn
__________________
Die Zeit ist wie ein Wirbelsturm -
setzt man sich nicht darin fest,
reiĂźt sie einen unerbittlich mit sich fort.

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HFleiss
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auf der suche nach mr. right

hab mich ein bisschen amüsiert. mein gott, was war das für ein goldenes zeitalter, als männer noch männer waren ... jetzt warte ich auf das gegenstück. es wird voraussichtlich nur so triefen von miefig- und popoigkeit.

viele grĂĽĂźe
hanna

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