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Leselupe.de > Kindergeschichten
Auf der Suche nach den Tränen
Eingestellt am 16. 01. 2005 22:35


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Schlappy
Wird mal Schriftsteller
Registriert: Jan 2005

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Schon als Meggi klein war, war sie eine richtige Heulsuse. Bei jeder Gelegenheit kamen ihr die Tränen, egal, ob sie traurig oder wütend, glücklich oder ängstlich war - man sah, wie die Tränen ständig in kleinen Bächen aus ihr herausliefen. Das war meist gar nicht so angenehm. Ihre Mutter konnte die vielen Sturzbäche nicht mehr sehen und Meggi bekam oft Ärger deswegen.

Aber Meggi konnte es nicht ändern. Sie versuchte es immer wieder, biss sich auf die Zunge, versuchte an etwas besonders schönes zu denken. Sie erwog immer wieder neue Tricks und probierte sie aus - nichts half. Sie schaffte es nicht, ihre Tränen zurückzuhalten.

Jedes Mal, wenn ihre Mutter sah, dass die Tränen durch ihr Gesicht strömten, gab es wieder Ärger und jedes Mal wenn es Ärger gab, flossen die Tränen noch mehr.

Mit der Zeit gewöhnte sich Meggi daran, sie hatte ja eh keine Chance. Sogar als sie schon erwachsen war, wurde es nicht besser.

Bis eines Tages - bis eines Tages der ganze Spuk auf einmal aufhörte. Es war Wahnsinn - von einer Sekunde zur nächsten flossen keine Tränen mehr. Meggi war froh darüber, so konnte man ihr nicht mehr so schnell ihre Gefühle ansehen. Sie war nicht mehr die Heulsuse, sie war ganz normal.

Aber war sie das wirklich? Am Anfang fand sie das ja noch gut, doch mit der Zeit merkte sie, dass sie gar nicht mehr weinen konnte. Es war ein komisches Gefühl traurig zu sein, die Tränen zu spüren, aber sie kamen einfach nicht. Okay, manchmal war es echt super, denn sie war oft traurig oder wütend und so konnten es die anderen Leute wenigstens nicht sehen. Aber nachts, wenn sie im Bett lag und eigentlich mal so richtig ihre Gefühle hätte rauslassen können, da ging es auch nicht mehr.

Aber auch daran gewöhnte sie sich irgendwann. Sie versuchte damit zu leben - es war immerhin besser, als dauernd verheult durch die Gegend zu laufen. Nur zuweilen, ganz selten, wenn sie an die Zeit zurückdachte, als sie noch weinen konnte, da kamen sie wieder. Aber das war nicht oft und half ihr nicht.

Es kam eine Zeit, in der sie oft traurig war- ja von Zeit zu Zeit sogar total verzweifelt. Dann wünschte sie sich oft ihre Tränen zurück. Denn irgendwie können Tränen auch erleichtern, den Schmerz hinausspülen. Sie konnte machen was sie wollte, immer tiefer bohrte sich der Schmerz in sie rein und da keine Tränen kamen, hatte der Schmerz auch keine Chance heraus zukommen. Je mehr sie herunter schluckte, desto mehr schmerzte es sie, desto mehr wünschte sie sich die Tränen zurück.

Eines Tages stellte sie fest, dass es noch mehr Menschen mit großen Schmerzen gab. Das half ihr etwas.

Die Qual eines anderen Menschen lenkte sie ein wenig von der eigenen ab. Dieses Gefühl für den anderen, diesen Schmerz, den der andere aushalten musste, die eigene Verzweiflung - kam es daher, oder kam es weil sie nicht wollte, dass jemand anders leiden musste - indem sie erkannte wie wichtig der andere für sie war? Dass der Schmerz des anderen für sie schlimmer war als der eigene?

Ein komisches Gefühl durchströmte sie, sie fühlte die Tränen kommen, sie waren schon fast an den Augen - da war es schon wieder zu Ende. Beinahe hätte sie weinen können, um ein Haar hätte sie es geschafft. Sie verstand es nicht, sie sehnte sich nach Tränen, nach Tränen die ihr ein wenig von den Schmerzen nehmen könnten.

Ein paar Tage später überkam sie der Schmerz wieder. Wieder war es nicht ihre eigene Qual, sondern die des anderen, die sie fast zum Weinen brachte. Aber als sie schon dachte, jetzt wäre es endlich soweit, da hörte es auch schon wieder auf.

Es war zum verzweifeln! Erst konnte sie nicht aufhören zu heulen und dann hat sie das weinen einfach verlernt. So war es doch nicht richtig, so wollte sie das nicht.

Eines Tages musste sie zusehen, wie der andere wieder wahnsinnige Schmerzen hatte. Doch diesesmal konnte sie nichts tun. Sie versuchte alles, tröstete und versuchte zu helfen, alle Mühen waren umsonst.

Die Schmerzen des anderes bedeuteten ihr mehr als ihre eigenen. Sie schüttelte sich vor Verzweiflung, spürte das Brennen in ihren Augen und dann, ja dann waren sie endlich da. Nur eine kleine in jedem Auge, aber es war ein Anfang.

In diesem Moment fiel es Meggi gar nicht auf, dass da ein kleines Wunder geschehen war. Erst sehr viel später, als sie die Geschichte ihrer verloren gegangen Tränen aufschrieb, da erkannte sie, was da geschehen war. Es war ein erster Anfang. Sollte es ihr vielleicht doch noch gelingen ihre Tränen wieder zu finden?

Sie schrieb ihre Geschichte auf las sie noch mal durch, korrigierte die eine oder andere Stelle und las sie wieder durch. Das merkwürdige daran war, bei jedem neuen durchlesen geschah etwas mit ihr. Sie war nicht traurig, sie war nicht wütend und trotzdem, trotzdem spürte sie die Tränen kommen. Plötzlich liefen sie aus ihren Augen, sie waren plötzlich einfach da.

Nein, es war noch kein richtiges Weinen, keines, was so richtig erleichtert, aber es waren Tränen, Tränen, die ihr die Hoffnung gaben, dass auch sie eines Tages in der Lage sein würde ihre Gefühle zu zeigen.

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Hallo Schlappy,

auch wenn ich deine Geschichte bis zum Schluss gelesen habe, weil ich das Thema durchaus interessant finde - als Kindergeschichte finde ich sie so ziemlich unpassend.

Es fehlen mir lebendige Charaktere, lebendige Bilder, wörtliche Rede, ein konkretes Geschehen überhaupt. Die ersten zwei Abschnitte gehen ja noch als einleitende Beschreibung, aber spätestens dann müßte meines Erachtens eine lebendige Szene kommen, zB mit der Mutter.
Und schwupps, im vierten Abschnitt ist Meggi dann auf einen Schlag erwachsen. Und schwupps, auf einmal sind die Tränen weg und keiner weiss wie und warum. Und immer wieder fehlen mir greifbare Szenen, um das Erzählte anschaulich zu machen, wie zB, dass sie bei einem bestimmten Erlebnis, das geradezu dazu angelegt wäre, sie wiedereinmal zum Weinen zu bringen, erstaunt und verwirrt feststellt, dass keine Tränen mehr fliessen. Der "Andere" wird auch nicht plastisch, sondern bleibt völlig abstrakt. Das ist für Kinder, soweit ich das einschätzen kann, zu wenig "Fleisch".

Ich finde durchaus Gefallen an dem Thema und kann mir verschiedene schöne Kindergeschichten vorstellen, die aus diesem Grundstoff gestrickt sind. Sozusagen gefällt mir die Wolle, aber nicht das Strickmuster, um in dem Bild zu bleiben.
Konkret meine ich, dass ein kürzerer Zeitabschnitt für eine Kindergeschichte geeigneter wäre. Eine Möglichkeit wäre, die Entwicklung eines Kindes darzustellen, wie es durch ein bestimmtes (schreckliches?) Ereignis seine Tränen verliert, wie es dann eine Zeitlang ohne Tränen lebt und schliesslich durch ein anderes Ereignis (vielleicht Gesehen-werden und Hilfestellung von anderen?) seine Tränen wieder zurückgewinnt.
Eine andere Möglichkeit wäre, einen Erwachsenen zu beschreiben, der/die nicht mehr weinen kann, vielleicht einen kurzen Rückblick auf sein Dasein als Kind, später ein Ereignis, das seinem Leben eine Wendung gibt, ihn/sie wieder zu seinen Tränen zurückführt... Wobei ein Kind vielleicht an dem Innenleben eines Erwachsenen meist nicht so interessiert ist - ausser es leidet unter ähnlichem Verhalten der es umgebenden Erwachsenen.

Insgesamt empfinde ich dein Werk ähnlich wie ein inhaltliches Konzept zu einer Kindergeschichte, aber nicht wie eine Kindergeschichte selbst.

Liebe Grüße,
hoffend, dass all dies konstruktiv bei dir ankommt,

Stern *

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