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Leselupe.de > Humor und Satire
Auf die Bretter
Eingestellt am 21. 04. 2008 19:18


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Esah
Autorenanwärter
Registriert: Apr 2008

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Auf die Bretter

Stuntman gesucht gegen gute Bezahlung
Richtig was einstecken. Schläge, Prügel – Erfahrung mit Filmblut und falschen Zähnen vorausgesetzt. Keine Weicheier.
Anfragen bitte an Chiffre: 453434-aTx-17


Doch von Anfang an...

„Ist was dabei?“
„Nein“ seufzt meine Frau und schlägt die nächste Seite der Rundschau auf. „Hier ist eine Stelle als Schlachtergehilfe, aber Schlachter finde ich gruselig. Den ganzen Tag tote Tiere zerhacken und so...“
Ich brumme meine Zustimmung und nehme einen Schluck Kaffee.
„Und wenn ich doch wieder als Boxer...oder von mir aus Türsteher...?“
„Nein, kommt nicht in Frage. Ich lasse nicht zu, dass du dich noch mal ins Krankenhaus schlagen lässt.“
Nun bin ich es, der seufzt. Die Diskussion hatten wir schon öfters.
„Hier, das könntest du machen“ sagt meine Frau, ein wenig aufgeregt, und drückt eine Anzeige mit dem Zeigefinger auf die Tischplatte.
Ich beuge mich ein wenig vor, um besser lesen zu können.
„Das kannst du bestimmt.“ Ich finde es so lieb, dass sie sich bemüht, mir aus meiner augenblicklichen Erwerbslosigkeit zu helfen.
„Clown gesucht?“ frage ich zweifelnd. „Meinst du, das ist das Richtige für einen ehmaligen Boxer wie mich?“
„Ja, meld dich da mal. Ich bin auch lieber mit einem Clown verheiratet als mit einem Boxer. Du weißt, ich habe deinen brutalen Sport immer gehasst. Ich konnte nie verstehen, wie man auf jemanden einschlagen kann, der garantiert zurück schlägt.“

Zwei Tage später sitze ich im Büro der Agentur.
„Ihr erster Einsatz ist bei einem Kindergeburtstag.“ sagt mein Agent, und schiebt mir einen Zettel mit der Adresse zu. „Ihr Kostüm wird ihnen von meiner Sekretärin ausgehändigt – geben Sie ihr Bestes, ich will keine Klagen hören.“
Ich hole mein KostĂĽm ab. Die riesigen Schuhe sind beeindruckend. Passend dazu die rote Nase und die knallrote PerrĂĽcke. Ein Ringelshirt und eine Latzhose runden die AusrĂĽstung ab. Ich fĂĽhle mich gewappnet. Es kann losgehen.

Ich ziehe mich um und fahre zu der Adresse.

Eine junge Frau öffnet. „Die Kleinen warten schon. Viel Glück“ meint sie leise. Täusche ich mich, oder klingt ihre Stimme beunruhigt?
„Danke“ sage ich, und rücke meine Perrücke gerade. Ich bin ein Clown, es gibt kein zurück.
Dann mein Auftritt.
Ein Wohnzimmer. An den Wänden stehen Regale, gegenüber der Couch ein Fernseher. In der Mitte des Raumes ein Tisch mit Geschenken und den Resten einer Schokotorte, darum Stühle mit gut einem Dutzend Vier- bis Fünfjähriger, die mir - wortlos - entgegenstarren.
Ring frei.
„Haha – wen haben wir denn hier“ rufe ich und watschel zu dem kleinen Jungen am Ende des Tisches.„Ein Gi-Ga-Geburtagskind.“ töne ich mit verstellter Stimme.
Kaltes Schweigen empfängt mich.
Ich ziehe einen Papierblumenstrauß aus der Hosentasche und mache eine äußerst lustige Verbeugung – immer noch Schweigen. Ein Dutzend Augenpaare blicken gelangweilt zu mir hoch.
Ich lasse mich nicht beirren und stolziere ein wenig auf und ab.
Haarscharf fliegt ein Negerkuss an meinem linken Ohr vorbei und zerschellt irgendwo am BĂĽcherregal. Ich ignoriere den Angriff.
„Oha, was haben wir denn da – bist du ein Junge oder ein Mädchen?“ frage ich einen von den Kleinen mit Papphut und Luftschlange. Statt einer Antwort beginnt es zu weinen. „Na, du bist bestimmt ein Mädchen.“ sage ich, und lache ein wenig gekünstelt.
„Hau ab“ meint das Geburtstagskind.
„Wer hat einen Hau ab? – Ich habe höchstens ein Rad ab, hahaha“ versuche ich witzelnd die Situation zu retten und schiele dabei mit weit aufgerissenen Augen.
„Hau ab, ich hab dich nicht eingeladen“ ruft das Geburtsgkind unbeeindruckt und verschränkt demonstrativ die Arme..
„Aber, aber, mein Junge...lach doch mal!“ Mit ein paar Schritten bin ich bei dem Jungen und begehe den Fehler, ihn zu kitzeln.
Der Junge reagiert panisch, schlägt mir mit Wucht meine Pappnase schief ins Gesicht und tritt mir fast zeitgleich unter das Kinn. Ich bin perplex, strauchel, verliere das Gleichgewicht und falle auf meinen Allerwertesten..
„Maaaaamiiiii“ schreit das Kind in bester Kinderschreimanier.
KO in der ersten Runde.

Die Mutter führt mich in die Küche und zeigt Verständnis. „In dem Alter sind sie nicht so leicht“ seufzt sie leise. „Natürlich kann ich ihnen kein Honorar zahlen.“
Ich reibe mir mein schmerzendes Kinn und will gerade anfangen zu feilschen, als aus dem Wohnzimmer das helle Lachen von Kinderstimmen erklingt. Die Kleinen prusten und gackern sich ĂĽber irgendetwas schlapp.
Die junge Frau und ich blicken uns verwundert an und gehen zurĂĽck zur angelehnten WohnzimmertĂĽre.
Dort läuft der Fernseher. Auf dem Bildschirm jagt die Zeichentrick-Katze mit einer Kettensäge hinter der Maus her. Doch die Maus wirft eine Bananenschale auf den Boden und die Katze fällt in die eigene Kettensäge. Blut spritzt. Ein Auge rollt dem Betrachter entgegen. Die Kinder kreischen vor Vergnügen...mir kommt ein Geistesblitz.

Es ist meine Idee. Darum werde ich das Mäusekostüm tragen. Die Handlung ist einfach. Ich stehle den Käse – und die Katze läuft mir hinterher – dabei wird sie systematisch fertig gemacht. Zum Schluss geht die Katze auf die Bretter.
Die Anzeige ist raus. "Stuntman gesucht..." – mal sehen, wer sich meldet. Das wird ein Hit – das muss einfach ein Hit werden. Unter dem Künstlernamen „Bob und Merry“ werden wir berühmt. Und das Beste ist, Bob schlägt nie – niemals - zurück.




Version vom 21. 04. 2008 19:18
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Version vom 22. 04. 2008 02:57

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