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Leselupe.de > Fremdsprachiges und MundART
Auf't Land
Eingestellt am 03. 05. 2007 12:37


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Haarkranz
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Auf’t Land

Ich war fast sechzig, als Eva mich rumkriegte, auf‘t Land zu ziehen. Wir waren noch nicht da, aber ich war einverstanden. Eva hatte geerbt, keine Millionen, aber genug fĂŒr en HĂ€uschen mit en Garten. Meine Rente wĂŒrde fĂŒrn sorgenfreies Leben reichen, behauptet Eva. Was heißt behauptet, hat ja recht dat MĂ€dchen, nur auf‘m Land wat soll ich auf‘m Land?
NĂ€chstes Jahr feiern wir silberne Hochzeit, kennen uns verdammt lang. Zu lang, sagt Erwin mein Kumpel, zu verdammt lang. Erwin is natĂŒrlich sauer, kennen uns schon seit ewig, lĂ€nger als fĂŒnfundzwanzig Jahr, könnten goldene Hochzeit feiern.
Ist doch wahr, Erwin war immer nett zu Eva, hat uns im Grunde zusammengebracht. Zuerst war Eva seine Perle. Ist aber in die BrĂŒche gegangen, Erwin ist scharf auf Titten, Eva hat keine.
Was heißt hat keine, sicher hat se welche, so wat mehr Fleisch auf der Brust, wo andere Weiber richtige Titten haben. Da drauf den Schnuller, der ziemlich groß aussieht, weil er so aus dem Nichts raussteht. Hat mich nie gestört. Eva hat en festen runden Arsch, im Bett ging die frĂŒher los wie ne Kanone. War dem Erwin nicht genug.
Vergessen darf ich nicht, Eva hat ein richtig schönet Gesicht. Nicht einfach schön, so wie alle ein haben, so nett. NĂ€, Eva hat große, dunkle Augen und volle Lippen unter ihr klein NĂ€schen. Alles wat Recht ist, auch heut noch, wo sie auf die sechzig zugeht, ist sie en attraktives Weibsbild.
Wenn ich dem Erwin seine damit vergleich, kann ich nur lachen. Der mit seine Titten. Jetzt hat er so viel Titten, datte sonst nix mehr siehst! Die ganze Alte nur Titten. NÀ, da hab ich en SchnÀppchen gemacht, mit Eva.
Erwin isset aber egal, was hab ich mit die Alte zu tun, sagt der. Die wÀscht mir die WÀsche und kocht, abends tun wir zusammen fernsehen, trinken FlÀschken Bier zwei, drei, dann hat sich dat. Titten ist der ihr Problem, nich meins.
So is der Erwin. FrĂŒher hat er sehr auf sich gehalten. Wenn wir tanzen gingen, da war der sowat von proper geschniegelt, Portugal int Haar, ich kann dir sagen, ein Kavalier vom Scheitel bis zur Sohle. Da hatte der en Schlag bei die Weiber, au Backe! Eva ist ja zuerst auch auf den geflogen, aber dann ist ihm dat mit Hannelore passiert, jetzt muss er et auslöffeln.
Der hat den Spleen mit die Titten, von dem italienischen Film Bitterer Reis. Da war ein MĂ€dchen drin, Mann o Mann, da ging uns allen dat Messer inne Tasche auf. Die hatte wat inne Bluse, unvorstellbar! mit so ganz kurz abgeschnittene Jeans, stand die da bis anne Futt im Wasser, im Po glaub ich, bei der Reisernte.
Der Erwin ist da fĂŒnf mal reingegangen, danach war et aus mit Eva, eben wegen der ihre Titten, die sie nicht hatte. Als ich sie dann ĂŒbernommen hab, wir et erste mal intim wurden, war damals nicht so einfach wie heute. Wir lebten bei die Eltern, eigene Wohnung oder sowat gab et nich, en Auto nich dran zu denken!
Also machen wir et im GebĂŒsch, oder hinter der Garage von Bensberg. Die Eva lehnt sich an die Mauer, hinlegen wollt se sich nich, wegen ihr Kleid. Wir fummeln da so rum und rum, und dat wird nix. Da sagt se, mach et von hinten komm, ich kann et nicht lĂ€nger aushalten, du fummelst und fummelst.
Sie hat sich dann mit die HĂ€nde am Zaun festgehalten, sich nach vorne gebĂŒckt, ich hab ihr dat Kleid hochgeschlagen, dĂ€ SchlĂŒpfer runter und los. Ich war so wat von fickerich, hab dat Loch erst garnicht gefunden. Die Eva, tiefer man, mach tiefer, grapscht mit de Hand mein Schwengel und zeigt dem dat Loch.
Boah ging da die Post ab, dat Eva stĂ¶ĂŸt mit ihr rund FĂŒttchen, ich mit mein Degen rein und raus! Sie am stoßen, ich dagegen und da, da war et all passiert, die Eva schrie, pass auf! Aber et war schon zu spĂ€t. War gut, hat sie mich gelobt. Du kannst dat besser als der Erwin.
Erst ist dat immer gut gegangen, wir dachten schon, dat ging ewig so weiter, bis eines Tages Eva mir verknikkert, Otto ich bin schwanger. Wat sollten wir tun? Wir haben geheiratet und unser Julia gekriegt. Julia musst se heißen, da war Eva unerbittlich.
Ich wollt dat nich. Wat sollen die Leut denken? Julia? Wer heißt schon so? Julia, wir machen uns unmöglich und erst mal dat arme Kind!?
Wat soll ich sagen. Nach ein Jahr gab et schon drei Julias in der Nachbarschaft, und nach fĂŒnf waren die, die im Kindergarten am Nummerieren. Heut nennte man dat Marketing, wat Eva da performt hat.

Jedenfalls haben wir bald silberne Hochzeit und ziehen auf‘t Land. Erwin hin oder her. Ich weiß, Eva ist fies auf den Erwin. Ob die dem nachtrĂ€gt, dat der ihr dĂ€ Laufpass gegeben hat, wer weiß? Nur sind dat nicht mein Sorgen. Mein Sorgen sind, wir fahren morgen nach Goch, en Reihenhaus gucken, wo der vorige Besitzer, wenn wir et denn kaufen, Jansen heißt, wie der rechte Nachbar und der linke auch. Dat die alle verwandt sind, stört Eva nicht die Bohne. Mich an sich auch nicht, wenn et nicht so ungewohnt wĂ€r.
In Wanheim wo wir die letzten zwanzig Jahr, an sich immer schon, gewohnt haben, hieß keiner wie wir. Auch keiner wie die Anderen. Die hatten verschiedene Namen. Und jetzt heißen se alle egal, rechts und links.

Die lassen dir kein Platz, mit wem sollsse reden? Hasse ne geschlossene Verteidigerkette vorm Tor. Aber wat willsse machen, Eva hat geerbt und wer die Musik bezahlt, bestimmt wat gespielt wird. Nur mich isset verdammt mulmig bei die ganze Scheiße, verdammt mulmig.
Gezz haben wir die Nachbarn kennen gelernt, die Jansen rechts und links. Nette Leute, waren freundlich, haben uns Eierlikör zu trinken gegeben. Auf gute Nachbarschaft, hat die Jansen links getrötet, en dicket Tier, aber lieb. Die von rechts guckt mal so mehr kafinsch. Hat nur ein Blag, geht arbeiten in Bedburg, bei die Bekloppten. Da mĂŒssen sie sich dran gewöhnen, hat die mit dem Eierlikör getutet. Alle die Zeit haben, die Kinder groß oder im Kindergarten, arbeiten fĂŒrt Landeskrankenhaus.

Ist nicht unser Bier, die Eva braucht kein Stell, ich hab die Rente durch. Wat so enorm schnell ging, war, auf einmal wohnten wir da. Ich hab dat erst so richtig mitgekriegt als wir im Bett lagen, und ich durch das schrÀge Dachfenster, von unser neu Schlafzimmer, der Mond sah.
Wat soll ich sagen? Klar weiß ich, dat der Mond immer wenn er da ist, am Himmel steht. Nur so nah dat ich mein, ich könnt ihm greifen, so kannt ich den nicht. Von unser Schlafzimmerfenster in Wanheim aus, war der nie zu sehen. Die ganzen zwanzig Jahr, die ich da gepennt hab, war nie Mond. Jetzt auf einmal, so nah wie im Fernsehen. Sogar die Maare und Berge, wovon der komische Bublak, der Moderator erzĂ€hlt, kannste gucken.
Musse ohne dĂ€ Bublak, versuchen zu erkennen, wat du da siehst, aber am sehen bisse dat. Der erklĂ€rt dat besser, stimmt, aber wie lang hörste dich dat an? Die Eva gĂ€hnt, steht auf, muss mal eben nach die Kartoffeln gucken, meint die. Ich fang am zappen bis ich Fußball find. Also beim Orginalmond wenzze dem vom Bett aus guckst, machste dat nich, kannste höchstens bei einpennen.

Bin gespannt ob Erwin kommt, versprochen hadert . Gestern hab ich mich auf Fahrrad gesetzt, bin mal rumgefahren. Eva sofort biestig, was soll das mit dem Fahrrad? FĂ€hrst doch sonst kein Fahrrad?
Eva sag ich, mach halb lang, hier passt dat Fahrrad hin, ist anders als in Wanheim. Kannst nicht alles mit et Auto machen, weiße nich wat der Sprit kostet? Eine TankfĂŒllung mal echt en Fuffi, sind wir Rockefeller? Und ĂŒberhaupt, wieso nich middet Fahrrad? Inne Kneipe kannste nur middet Fahrrad, bei die idiotische Promillgrenze. Wenn et danach ging, wĂ€rsse immer besoffen, dat ganze Jahr, Tag und Nacht.
Da sagt se nix mehr, nur et gĂ€b auch Trunkenheit am Lenker, ob das sein mĂŒsst, immer dat Bier. Weißte da sagste am besten nix. An sich geht das schon die ganze Zeit so, seit wir verheiratet sind: Dat Bier, dat verdammte Bier! Dabei spuckt se selbst nich rein! Mir is bis jetzt noch nie wat passiert, kein Unfall nix. Angehalten haben mich die Bullen schon paarmal, ist aber immer haarscharf gutgegangen.
Also gezz fahr ich mit der Fizz, so sagen die hier fĂŒr Fahrrad, ist ja fast Holland hier. Am Wochenende kommen die HollĂ€nder hier inne Dorfkneipe, Fußball bei Premiere gucken, die sprechen Platt mit die Hiesigen! Ich versteh kein Wort, aber dat Platt wat hier gesprochen wird, sprechen die HollĂ€nder auch. Gibt kleine Unterschiede, sagt der Wirt, dat Gocher Platt ist bisken anders, als dat von Kleve oder drĂŒben von Grosbeek. Bis sicher dreißig km hinter die Grenze kommste mit dat Platt von hier klar. Ich steh natĂŒrlich wie blöd dabei, keine Ahnung von garnix. Hoffentlich kommt der Erwin morgen.

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