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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Auf verdreckten Straßen
Eingestellt am 05. 01. 2014 15:32


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arielleira
Schriftsteller-Lehrling
Registriert: Jan 2014

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Ich schlurfte gedankenvertieft über die verdreckten Straßen nach Hause. Sie waren gezeichnet von der letzten Nacht, übersät mit Flaschen, Scherben und Müll. Ich ging vorbei an geschlossenen Bars, Restaurant, dem kleinen Kino und den unzähligen Kiosks.

Es war ruhig, nur vereinzelnd torkelten Betrunkene an mir vorbei. Es war Samstagmorgen und allmählich wurde es hell. Die warme Morgensonne schlich sich ein und erfüllte die Straßen mit Leben und Wärme.

Die Nacht war großartig, ausgelassen und feuchtfröhlich. Ich hatte allen Grund zufrieden und glücklich zu sein, dachte ich mir. Jedoch ich war es irgendwie nicht. Obwohl ich alles hatte von dem alle sprachen, dass man all dies zum Glücklich sein benötigte. Familie, Freunde, die Neugierde und das Verlangen das Leben in allen Vollen auszukosten und das wichtigste war: ich war clean.

Schon seit mittlerweile einigen Jahren. Ich war die Raupe Nimmersatt die niemals genug von ihrer eigenen Welt im Rausch haben konnte. Alles wollte ich probieren, selbst erfahren und genießen. Ich nahm alles mit und von Allem zu viel. Am Ende wollte ich einfach nur frei sein, der Abhängigkeit entfliehen und nicht den weißen Schnee und die bunten Pillen über mein vollständiges Handeln und Denken bestimmen lassen. Ich wollte normal sein. So sein wie alle anderen.

Nun bin ich das. Normal, mehr oder weniger. Ich erreichte das größte und unerreichbarste Ziel, welches ich mir hätte stecken können. Es fühlte sich an wie ein Lottogewinn, das Erreichen eines Doktortitels oder der reichste Mensch der Welt zu sein. Es war unbeschreiblich grandios.

Doch was kommt jetzt? Das Größte habe ich geschafft. Mir fehlt es an Glanz und an dem unbeschreiblich lebendigen Gefühl den höchsten Gipfel erklungen zu haben. Ich erinnere mich an die Ekstase und an dieses vollkommene Gefühl des glücklich seins als ich in anderen Dimensionen schwebte. Nun bin ich mir bewusst, dass man Sucht und Rausch nicht trennen kann. Ich bin drüber hinweg und doch sehne ich mich sosehr nach etwas das mich lebendiger erscheinen lässt.

Nichts kann diese starken Gefühle und Empfindungen die ich während eines Rauschs empfand ersetzten. Nichts ist so intensiv und vollkommen. Nichts lässt einen empfinden verbundener mit jedem und allem um dich herum zu sein, jede Pore deines Körpers zu spüren, alle deine Sinne so messerscharf zu erfühlen, mit dir selbst im Reinen zu sein, vollkommen losgelöst zu sein, dein Inneres so sehr berührt und mitnimmt und dich wie auf Wolken schweben lässt.

Zu dieser Zeit gab ich jeden Tag zweihundert Prozent, überschritt alle Grenzen und Regeln und meine eigene Vorstellungskraft. Nun fühle ich mich wie als würde ich mich selbst auf Sparflamme zügeln. Ich tue nie mehr als von mir gefordert wird, gehe allem Unguten aus dem Weg und scheue mich vor Verantwortung und Entscheidungen. Ich würde so gerne ausbrechen, leben, nicht neutral sein. Doch wohin sollte ich gehen, was sollte ich genau tun?

Hätte ich all das nicht erlebt, würde ich mich zwar bestimmt nun besser fühlen jedoch ist jede Erfahrung es wert erlebt zu werden. Das ist wohl der Preis den ich dafür zahlen muss. Es bleiben immer diese Momente bestehen in denen ich ratlos in mein Innerstes lausche und nicht verstehen kann warum ich mich nicht einfach davon lösen kann und endlich vollkommen glücklich sein kann.

Eigentlich bin ich es doch. Dieser Funke Adrenalin, Aufregung und Spannung der mir anscheinend fehlt bleibt mir jedoch verwehrt und ehrlich gesagt unternehme ich auch nicht viel dafür.

Im Endeffekt mag ich ja mein Leben. Es hat eben nur nicht die Aufmerksamkeit und Wertschätzung die es eigentlich wert ist. Alleine die liebevollen Menschen die mich umgeben und die wundervollen Momente die ich mit ihnen erlebe, müssten doch mein Leben im Glanze erscheinen lassen. Ich ertappe mich selbst dabei wenn ich mir selber einreden muss, ich sei glücklich.

Ich schließe die Wohnungstür auf. Es ist warm, gemütlich und vertraut. Meine beiden Mitbewohner schlafen schon und ich tapse leise in mein Zimmer. Es riecht angenehm nach blumigen Duftkerzen und die Sonne scheint durch die frisch geputzten Fenster. Ich spüre Behaglichkeit und Wohlbefinden.

Ich schütte mit dem Rest aus der Rotweinflasche welche auf meinem kleinen, weißen Nachttisch neben den bunten Teelichtern und einer länglichen Vase mit unechten Lilien stand, die letzten Sorgen und Zweifeln hinunter. Ich betrachte mich in meinem Wandspiegel und murmle ein leises: „Ich bin doch eigentlich ganz gut dran!“

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