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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Auferstehung
Eingestellt am 20. 03. 2018 11:24


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Benni
One-Hit-Wonder-Autor
Registriert: Jul 2013

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Als ich gestern in der Stadt war, ist etwas Merkw├╝rdiges passiert. Ein Mann schleicht von hinten an mich heran. Er klopft mir auf die Schulter und fragt, ob ich Lust auf ein Abenteuer h├Ątte? Da ich von Natur aus ein abenteuerlustiger Mensch bin, bejahe ich dies. Er f├╝hrt mich zwei Stra├čen weiter in einen Hinterhof, dort eine schmale Treppe hinunter, hinein in ein Kellerverlies, bis wir endlich vor einer gusseisernen T├╝r stehen. Als er sie aufschlie├čt, staune ich nicht schlecht. Der Raum ist vollgestopft mit allerlei technischem Ger├Ąt, es blinkt und blitzt ├╝berall. In der Raummitte steht eine Art Raumsonde. Der Mann kl├Ąrt mich auf, dass dies eine Zeitmaschine sei. Er ben├Âtige Freiwillige, die sie testen. Ich w├Ąre nicht der Erste. Sie w├╝rde auch einwandfrei funktionieren. Ob ich Lust h├Ątte und wo es denn hingehen soll? Ich muss nat├╝rlich nicht lange ├╝berlegen, denn so eine Gelegenheit bietet sich wahrscheinlich nie wieder. Auch das Ziel habe ich vor Augen. Gerade erst hatte ich im Internet von einem Historiker gelesen, dem es gelungen war, die Todesnacht Christi auf den Tag genau zu berechnen. Dort wolle ich hin, sage ich dem Mann, um mit eigenen Augen zu sehen, wie der Auferstandene aus dem Grab steigt. Ich gebe ihm mein Handy, damit er anhand der Internetseite die richtigen Parameter f├╝r Raum und Zeit einstellen kann. Nachdem er das getan hat, ├Âffnet er die Sonde und bittet mich, einzusteigen. Der Sitz ist eng und nicht sehr bequem. Der Mann sagt, dass sei nicht so schlimm, die ├ťberfahrt w├╝rde nicht lange dauern. Er schlie├čt die Sonde und durch die Plastikhaube sehe ich zu, wie das Zimmer schwindet und sich vor mir erst Dunkelheit und dann B├Ąume und Str├Ąucher auftun. Nach wenigen Augenblicken meldet sich eine Computerstimme. ÔÇ×Sie haben Ihre Destination erreicht!ÔÇť Die Haube ├Âffnet sich und kalte Waldluft str├Âmt hinein. Ich erhebe mich und setze einen ersten Schritt in die Nacht. Das Mondlicht, das durch die Baumkronen leuchtet, zeichnet den Umriss eines d├╝nn besiedelten Waldes. Langsam taste ich mich vorw├Ąrts, um die Umgebung zu erkunden. Nach ein paar Schritten bleibe ich stehen, da ich Stimmen vernehme. Ich folge ihnen und erblicke die Silhouette zweier Soldaten, die eine Art H├Âhle bewachen, deren Eingang ein schwerer Stein verschlie├čt. Um nicht entdeckt zu werden, verstecke ich mich hinter einem dicht gewachsenen Busch. Es scheint tats├Ąchlich geklappt zu haben, schie├čt es mir durch den Kopf, w├Ąhrend ich versuche, m├Âglichst leise eine bequeme Sitzposition einzunehmen. In K├╝rze w├╝rde ich Zeuge dessen, was ich immer schon geglaubt hatte. Aus der Dunkelheit heraus w├╝rde es hell aufblitzen. Engel w├╝rden erscheinen. Die Soldaten vor Schreck fliehen. Der Stein w├╝rde weggerollt und der auferstandene Christus in strahlend wei├čer Gestalt aus der H├Âhle heraustreten, eben noch tot und jetzt lebendiger als je zuvor. Mein Herz schl├Ągt mir pl├Âtzlich bis zum Hals. Nerv├Âs riskiere ich durch das Blattwerk hindurch einen Blick, um zu sehen, ob sich schon etwas tut. Aber die Soldaten stehen immer noch da und unterhalten sich. Ihr armen Narren, denke ich. Das, was ihr bewacht, ist st├Ąrker als der Tod, euer Schwert wird euch nichts n├╝tzen, euer Kaiser euch nicht retten k├Ânnen, denn die M├Ąchte dieser Welt sind besiegt! Ich sp├╝re, dass der gro├če Moment kurz bevorsteht. Fast bin ich geneigt, die letzten Sekunden herunter zu z├Ąhlen. Zehn, neun, acht und bei eins glei├čendes Licht, aus dem neues Leben hervorbricht. Gespannt starre ich in Richtung H├Âhle. Minuten vergehen, aber nichts tut sich. Nach einer gef├╝hlten Stunde ziehe ich den Kopf zur├╝ck. Mein Oberschenkel schmerzt, sodass ich nochmals die Sitzposition wechsele. W├Ąhrend ich warte, kommen mir andere Gedanken in den Sinn: Was ist, wenn das Grab verschlossen bleibt? Wenn keine Engel erscheinen? Wenn es Morgen wird und die Welt immer noch die Selbe ist? Ich frage mich, ob ich das ├╝berhaupt wissen will oder ob es nicht viel besser w├Ąre, wieder in meine Zeitmaschine zu steigen und weiter in Hoffnung und Glauben, statt in Gewissheit zu leben. Und selbst wenn Jesus aus dem Grab steigen w├╝rde, ja, selbst wenn er mich ber├╝hrt, woher wei├č ich, dass ich, wenn ich zur├╝ck bin, all dies nicht nur getr├Ąumt h├Ątte? Mit diesen Gedanken ├╝berkommt mich schlagartig die Angst, von den Soldaten erwischt zu werden. Vermutlich w├╝rden sie mich auf der Stelle t├Âten oder wenigstens verhaften, sodass ich den Rest des Lebens in einer r├Âmischen Zelle zubringen m├╝sste, fernab jeder Hoffnung auf Rettung. Da ich nicht wei├č, wie sp├Ąt es ist, beschlie├če ich, augenblicklich zur Zeitmaschine zur├╝ckzukehren, um noch vor der Morgend├Ąmmerung die Heimreise anzutreten. Ganz langsam robbe ich ├╝ber den Waldboden, mit jeder Bewegung darauf bedacht, blo├č keine Ger├Ąusche zu machen. Erst als ich wieder in der Sonde sitze und sich ├╝ber mir die Haube schlie├čt, atme ich auf. Mit immer noch zitternden H├Ąnden dr├╝cke ich die Return-Taste. Der Wald verschwimmt vor meinen Augen und nur wenig sp├Ąter befinde ich mich zur├╝ck im Kellerverlies des Fremden. Wie die Reise gewesen w├Ąre, fragt er mich neugierig. ÔÇ×Eindr├╝cklichÔÇť, sage ich. Da ich den Drang nach Tageslicht versp├╝re, verabschiede ich mich relativ z├╝gig. Drau├čen blinzele ich in die Sonne, die immer noch am Himmel steht. Von Weitem h├Âre ich Glockenl├Ąuten, es erinnert mich an ein altes Kirchenlied: Die Nacht ist vorgedrungen, der Tag ist nicht mehr fern, so sei nun Lob gesungen, dem hellen Morgenstern! Menschen wuseln eilig um mich herum. An der Ecke sitzt ein Bettler. Was ist Traum und was ist Wirklichkeit? Was ihr den Geringsten unter euch getan habt, das habt ihr mir getan! Ich mache mich auf den Weg und tauche neu ein in die Realit├Ąt des Lebens.

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Weltenwandler
One-Hit-Wonder-Autor
Registriert: Feb 2018

Werke: 4
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Hallo Benni,

danke f├╝r die Geschichte.

Rein technisch gesehen finde ich, dass du einen sch├Ânen Stil hast.
Insgesamt wirkt die Geschichte jedoch nicht recht sinnstiftend. Die logische Struktur mit der Zeitmaschine l├Ąsst leider etwas zu w├╝nschen ├╝brig.

Die Hauptkritik ist von meiner Seite, dass die Geschichte nicht recht zum Nachdenken anregt. Jeder w├Ąre von einer Zeitmaschine in einem alten Keller ├╝berzeugter als von einem Stein, der sich nicht bewegt.

Mein Tipp: Gib der Geschichte einen humorvollen Charakter! Der Prota kommt mit der Zeitmaschine an, landet direkt im/vor/unter/auf dem Grab Jesu und wird f├╝r Gottes Sohn gehalten
Das ist zwar auch etwas flach, bringt aber dieselbe Botschaft r├╝ber (n├Ąmlich die der Entmagisierung Jesu) und ist gleichzeitig eine lustige Wendung.

So weit von meiner Seite - weder pers├Ânlich gemeint noch beleidigend

Tobid

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???
Registriert: Aug 2012

Werke: 26
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Hi Benni,
Nicht schlecht, insgesamt, erinnert ein bisschen an Michael Moorcocks I.N.R.I. Ein faszinierendes kleines Buch: Ein Zeitreisender begibt sich mit seinem Gefaehrt in die Zeit Christi - wo er im beschaulichen Dorf Nazareth einen Jesus vorfindet, der, na ja .... Jedenfalls schluepft er in dessen Rolle als Messias u.s.w.
LG, Marker
__________________
Die Federspitze auf dem Papier, wie sie die Worte balanciert, auf der messerscharfen Schneide zwischen Wahn und Wirklichkeit.

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gondoliere
One-Hit-Wonder-Autor
Registriert: Mar 2018

Werke: 8
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Hallo Benni,

deine Geschichte ist so gut, dass sie m.E. in zwei Punkten noch verbessert werden sollte.

1. Der Anfang scheint mir etwas unrealistisch. Ich glaube, niemand l├Ąsst sich innerhalb von zwei S├Ątzen von einer fremden Person und von der Stra├če weg zu einem unbekannten Abenteuer "abschleppen". Daher mein Vorschlag: In der Mensa einer TU l├Ądt ein vertrauensw├╝rdiger und wie Einstein aussehender Typ den Protagonisten zu einem physikalischen Experiment ein, wobei es um eine Beweisf├╝hrung bez├╝glich des Raum-Zeit-Kontinuums geht...

2. Am Schluss passiert praktisch nichts. Ich finde, das ist sehr schade, weil der Leser die Geschichte wahrscheinlich entt├Ąuscht weglegt. Daher mein Vorschlag: Bekanntlich haben die beiden Wachen vor dem Grab gepennt, vermutlich waren sie betrunken (kann man jedenfalls so beschreiben). Der Ich-Erz├Ąhler( ich sag mal Du) fasst sich deshalb ein Herz und schleicht zum Grab mit dem Stein davor. Du linst durch eine Ritze und siehst da im Totenhemd einen Mann hocken wie auf der Bettkante. Der st├Âhnt und streckt sich noch ein wenig, weil das Lager so hart war. Dann erhebt er sich mit den Worten: "Dann wollen wir mal!" Du willst dich gerade verstecken, als du aus der H├Âhle h├Ârst: "He, junger Mann, helfen Sie mir mal, den Stein wegzurollen, allein schaff' ich das nicht." Du (als Vertreter des himmlischen Engels) hilfst und als Jesus an dir vorbei geht, h├Ârst du nur ein knappes, hoheitliches Danke (schlie├člich ist er Gottes Sohn), sagt's, setzt sich in die Zeitmaschine und verschwindet. So, jetzt bist du als Erz├Ąhler wieder dran: Geht die Geschichte weiter und wenn ja, wie? Kommt Jesus als Du in der Gegenwart wieder an und du bleibst als verkannter Jesus zur├╝ck oder fliegst du zur├╝ck und am Ende findet sich als unerkl├Ąrlicher "Beweis" deines Ausflugs eine Schwingenfeder im Cockpit der Zeitmaschine oder wie...? Der Phantasie sind keine Grenzen gesetzt. :-)

Gru├č Gondoliere

P.S. Ich erhebe auf die Ideen keinen Copyright-Anspruch :-))

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