Diese Seite verwendet Cookies. Wenn Sie das nicht akzeptieren, mĂŒssen Sie Cookies in Ihrem Browser verbieten oder diese Seite verlassen.    OK  
 leselupe.de
Werbung
 Meine Leselupe

Mitglieder:   5438
Themen:   92209
Momentan online:
479 Gäste und 12 Mitglieder
Username:
Passwort:
Registrieren
Passwort vergessen?


Leselupe.de > Kindergeschichten
Aufstand der Zirkustiere
Eingestellt am 23. 06. 2003 21:35


Autor
Ein neues Thema veröffentlichen.     Antwort veröffentlichen.
Flitzi
Routinierter Autor
Registriert: May 2001

Werke: 29
Kommentare: 29
Die besten Werke
 
Email senden
Profil

Aufstand der Zirkustiere

Der Elefant trampelte wĂŒtend aus dem Zirkuszelt.
„So ein Mist!“, murmelte er und lief erst einmal ein paar Runden um das bunte Zelt, um sich zu beruhigen.
Er hatte keine Lust mehr auf diesen Kinderkram. Immer nur MĂ€nnchen machen und dazu ein lĂ€cherliches buntes HĂŒtchen tragen, das war etwas fĂŒr SchoßkĂ€tzchen oder Babylöwen, aber doch keine Herausforderung fĂŒr einen ausgewachsenen, erfahrenen Zirkuselefant.
Warum durften nur die gefĂ€hrlich aussehenden Tiger durch einen brennenden Reifen springen? Das konnte er doch genauso gut, wenn der Reifen nur groß genug war.
Einer der Dschungel-Tiger, der mindestens genauso mieslaunig aussah wie der Elefant, gesellte sich zu ihm. Er knickte die Vorderbeine ein, legte sich in den dreckigen Zirkussand, schlug die Pfoten ĂŒber seine Augen und jammerte.
„Ich will nicht mehr!“, schluchzte er Mitleid erregend.
„Wieso muss ich nur immer diese gefĂ€hrlichen KunststĂŒcke machen? Nur weil ich zufĂ€llig ein Dschungel-Tiger bin und Dschungel-Tiger eben durch brennende Reifen springen? Jedes Mal verbrenne ich mir ein StĂŒckchen meines schönen Fells. Das tut doch weh. Warum kann ich nicht mal auf dem Seil tanzen?
Oh, wie gerne wĂ€re ich ein SeiltĂ€nzer oder TrapezkĂŒnstler!“.
Dicke TrĂ€nenschwalle ĂŒberströmten seine Wangen, als sich das graziöse Zirkuspferd zu ihnen setzte.
Auch das Pferd hatte die Nase voll. Wie es berichtete, war es Leid, immer nur mit einem Akrobaten im Kreis zu traben, der auf ihm tolle KunststĂŒckchen vollbrachte.
„Immer bekommt nur der Akrobat den Beifall, und mich beachtet niemand!“, meckerte der Hengst und wieherte, „Dabei bin ich ein einmaliger Unterhalter, Clown und ich kenne die besten Witze. Jeden bringe ich zum Lachen. Wieso darf ich mein Talent nicht mal dem Publikum vorfĂŒhren?“.
Die Tiere beschlossen, in der nÀchsten Vorstellung einfach das zu machen, was sie schon immer gerne tun wollten, unabhÀngig von dem, was der Zirkusdirektor ihnen vorschrieb.
Aufgeregt warteten sie, bis am nÀchsten Tag die Nachmittagsvorstellung begann.
Der Zirkusdirektor begrĂŒĂŸte die GĂ€ste wie jeden Tag und begann anschließend mit seiner Vorstellung.
Als erstes sollte der Dschungel-Tiger, wie immer, durch den brennenden Reifen springen.
Diesmal weigerte er sich jedoch strickt. Er schĂŒttelte seinen gestreiften Kopf und blieb mit allen Vieren fest auf seinem Hocker sitzen. Stattdessen kam, zur Verwunderung des Zirkusdirektors, der wuchtige Elefant angaloppiert. Er holte tief Luft, nahm Anlauf und sprang in Richtung Reifen. Er hatte zwar dem Tiger gesagt, er solle einen besonders großen Reifen fĂŒr die Nachmittagsvorstellung bereit legen, jedoch war dieser Reifen bei weitem nicht groß genug, um den mĂ€chtigen Körper des Elefanten hindurch zu lassen. Sein Kopf samt RĂŒssel passte zwar hinein, dann steckte das dicke, graue Tier jedoch fest. Der Elefant purzelte mitten in seinem Sprung, samt brennendem Reifen um den Hals, auf den Boden. Der schlaue Tiger, der vorsichtshalber einen Eimer Wasser bereitgestellt hatte, löschte ihn sofort. Der Elefant, der etwas verwirrt dreinschaute, sammelte sich wieder und tĂ€nzelte in der Arena umher.
Die verpatzte Nummer musste gerettet werden, und zwar sofort. Er stellte sich aufrecht auf seine Hinterbeine und streckte die Vorderen im Takt zur Zirkuskapelle nach oben und zur Seite. Dazu wirbelte er seinen RĂŒssel rhythmisch umher und trötete zur Musik. Das Publikum bog sich vor Lachen.
Als nÀchstes sprang der mutige Dschungel-Tiger mit einem eleganten Satz auf das Drahtseil, schnappte sich das rosa Schirmchen der SeiltÀnzerin und balancierte.
Mit dem Schirm im Maul, versuchte er ein paar Schritte vorwĂ€rts zu kommen. Das Seil war jedoch viel zu schmal fĂŒr seine vier breiten Tatzen. Er verlor das Gleichgewicht, wirbelte herum und fiel in die Tiefe. Zum GlĂŒck hatte der Zirkus ein Auffangnetz, in das der Tiger plumpste, aber aus dem er auch im nĂ€chsten Augenblick wieder in die Höhe geschossen wurde.
Der Dschungel-Tiger sauste mit Höchstgeschwindigkeit nach oben und klammerte sich mit seinen Tatzen im vorbei fliegenden am Trapez fest. Genauso schwungvoll wie Ă€ngstlich schaukelte er hin und her, bis der Zirkusdirektor das Trapez wieder zu Boden ließ und den mittlerweile verzweifelt dreinschauen Tiger aus seiner verzwickten Lage befreite.
Die Zuschauer applaudierten so laut, wie es der Zirkusdirektor lange nicht mehr gehört hatte. Er staunte ĂŒber das Publikum, aber noch viel mehr ĂŒber seine außer Rand und Band geratenen Zirkustiere. Was war nur in sie gefahren?
Kaum hatte er sich von den Geschehnissen erholt, als das sonst so elegante Zirkuspferd mit einer rot-blinkenden Clownsnase und gelbem StrohhĂŒtchen herein stolzierte.
Es war gar nicht mehr nötig, noch einen seiner lustigen Witze zu erzÀhlen. Die Zuschauer brachen in lautes GelÀchter aus und waren nicht mehr zu stoppen.
Der Zirkusdirektor verbeugte sich vor dem Publikum und bat seine außergewöhnlichen Artisten nochmals in die Arena. Als der Elefant, der Dschungel-Tiger und das Clownspferd Tatze in Tatze bzw. Hufe eine Ehrenrunde tanzten, sprangen die Zuschauer vor Begeisterung auf.
Das war die tollste Zirkusvorstellung die sie jemals gesehen hatten. Und auch die Tiere freuten sich ĂŒber ihren Erfolg. Es war zwar nicht alles so gelaufen, wie sie es geplant hatten, aber mit ein bisschen Übung wĂ€ren sie das nĂ€chste Mal perfekt.


Bearbeiten/Löschen   ebook  Druckversion


Tanja_Elskamp
Festzeitungsschreiber
Registriert: Jul 2003

Werke: 5
Kommentare: 53
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um Tanja_Elskamp eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil

Die Geschichte gefĂ€llt mir sehr gut. Die Idee ist schön und die Beschreibungen finde ich sehr plastisch, wobei du trotzdem recht kurze SĂ€tze verwendest, die einfach zu lesen sind und jĂŒngere Leser bestimmt nicht ĂŒberfordern.

Ich persönlich hÀtte es schöner gefunden, wenn die Idee sofort funktioniert hÀtte, aber das ist wohl Geschmackssache - so kann man bei deiner Variante immerhin lernen, dass die Dinge nicht immer sofort klappen und das nicht schlimm ist.

Einzig eine Schlussreaktion des Direktors und ein wenig mehr Handlungen wĂ€hrend all des Chaos fĂŒr ihn wĂŒrde ich mir wĂŒnschen, denn ungeklĂ€rt ist, ob er ihnen eine Chance gibt (Happy End, immer gut) oder sehr wĂŒtend reagiert im nachhinein.

Viele GrĂŒĂŸe,
Tanja

Bearbeiten/Löschen    


Flitzi
Routinierter Autor
Registriert: May 2001

Werke: 29
Kommentare: 29
Die besten Werke
 
Email senden
Profil

Vielen Dank, dass endlich mal jemand die Geschichte kommentiert. Die Kritik hilft mir weiter, wobei ich immer bemĂŒht bin, die Geschichten recht kurz zu halten. Aber vielleicht werde ich das ein oder andere noch ausbessern.

Viele GrĂŒsse
Sabine

Bearbeiten/Löschen    


ZurĂŒck zu:  Kindergeschichten Ein neues Thema veröffentlichen.     Antwort veröffentlichen.


Leselupe-Bücher



Amazon



Facebook


Werde Fan der Leselupe auf Facebook!