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Leselupe.de > Humor und Satire
Aufstockerei
Eingestellt am 08. 03. 2001 10:39


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albi
Autorenanw├Ąrter
Registriert: Oct 2000

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Ich fahre kein Auto. F├╝hre ich eines, w├╝rde ich vielleicht gelassener mit meinem Computer umgehen. Denn einen zwei Wochen alten Rechner zu haben ist nur in etwa vergleichbar mit dem Besitz eines zwanzig Jahre alten Autos: Man steckt Geld rein und Geld rein und Geld rein, doch das Ding wird und wird nicht ganzer.
Mein zwei Wochen alter Rechner wird von mir liebevoll als ÔÇ×RumpelkisteÔÇť bezeichnet, da es in Kreisen, die regelm├Ą├čig einen solchen Kasten benutzen wollen, ├╝blich geworden ist, sich t├Ąglich einen neuen zu kaufen, da sich die Technik in einer solch irrsinnigen Geschwindigkeit ├╝berholt, dass alles andere zwangsl├Ąufig zum vollst├Ąndigen Zusammenbruch f├╝hren muss. Nicht nur des Systems. Auch der Nerven. So wie bei mir.
Nachdem ich nun zwei Wochen lang mit meinem Rechner ausgesprochen gl├╝cklich gewesen war, kam ich auf die aberwitzige Idee, ihn zu benutzen. Ich fuhr ihn hoch und runter und hoch und runter, bis mir das langweilig wurde, und ├ťbermut in mir aufstieg. Ich dachte: Diesem Kasten muss doch noch mehr zu entlocken sein!
Und wie! Doch nach einigen Stunden einfachster Zubeh├Âr-Spiele wurde auch dieses Zeug zu ├Âde, und ich begann langsam, wirklich gro├če Pl├Ąne zu schmieden. Internet! Dieser Mythos, dieses Faszinosum, diese gro├če Idee einer gerechten Welt, in der alle wirklich gleich sind, dieses unersch├Âpfliche Sammelsurium an unn├╝tzen Infos, gleichsam ein Abbild der sich noch findenden Welt ÔÇô diese gro├čartige Vision leuchtete mit einem Mal wie ein n├Ąchtliches Reklameschild vor meinem geistigen Auge auf. Internet! dachte ich, Internet, ich komme!
Damit begann der Untergang.
Ich kaufte ein Kabel f├╝r die bereits vorhandene ISDN-Anlage, st├Âpselte es in derselben ein und suchte an meinem Rechner vergebens nach einem ad├Ąquaten Gegenst├╝ck f├╝r den Stecker.
Mist, dachte ich bei mir, zwei Wochen alt!
Damit gestand ich im Grunde schon ein, dass nichts mehr an einem neuen Rechner vorbei führen würde. Indes wollte ich es noch nicht wahrhaben. Zwei Wochen! Da musste sich doch durch kleinere Änderungen und Aufstockungen noch etwas machen lassen.
Also pendelte ich einige Tage lang zwischen Schreibtisch und verschiedenen Computerfachgesch├Ąften hin und her, kaufte wie wild und lie├č mich ausf├╝hrlich beraten. Die l├Ąngste Beratung bestand aus einem Kopfsch├╝tteln. Das war, als ich an einen Verk├Ąufer geraten war, der zuvor einen ÔÇ×Der Kunde ist K├Ânig! Bringen Sie Ihre ganze Erfahrung auch an den einfachen Mann!ÔÇť-Kursus der IHK besucht hatte. Die ├╝blichen Beratungen zuvor bestanden nur aus stummem Nicht-Nicken.
Daher konnte mir auch keiner sagen, was genau ich tun musste, um meinen Rechner ans Internet, also in diesem Fall an dieses poblige Kabel ranzukriegen. Die ganze Computerwelt besteht meinem Empfinden nach aus einer einzigen gro├čen Ausprobiererei. Wer viel probiert hat, ist ein Fachmann. Ich war wohl auf dem besten Weg dorthin.
F├╝r das Kabel kaufte ich eine Karte, die einen neuen Kabeleingang bereith├Ąlt. Die Karte allerdings war nicht mit dem Betriebssystem konform. Ich klaute ein neues Betriebssystem, wonach meine Grafikkarte ausfiel (und nebenbei der Drucker nur noch Herzchen druckte). Ich ersetzte die Grafikkarte und war wieder so gl├╝cklich wie in den ersten zwei Wochen. Denn nichts ging mehr (bis auf den Drucker, der nicht mehr aufh├Ârte, Herzchen zu drucken).
Es ging ans Eingemachte. Ich kaufte neue Speicherbausteine, um die Grafikkarte zu unterst├╝tzen, doch die passten nicht zum Maustreiber, der neue Maustreiber nicht zur Tastatur, die neue Tastatur nicht zum Prozessor, der neue Prozessor nicht zum Motherboard (ÔÇ×MutterbrettÔÇť f├╝r Nicht-Fachleute, aber Genaueres wei├č ich auch nicht dar├╝ber), das neue Motherboard nicht zum Geh├Ąuse, das neue Geh├Ąuse nicht zum K├╝hler, der neue K├╝hler nicht zum Netzteil, das neue Netzteil nicht zum 230 Volt-Netz, der neue Diesel-Generator nicht zum Zimmer und das neue Zimmer nicht ins Haus.
So langsam machte ich mir meine Gedanken.
Ich fragte mich, ob angesichts der Kosten f├╝r ein neues Haus nicht doch vielleicht der Kauf eines neuen Komplettpakets im Sonderangebot g├╝nstiger sein w├╝rde. Doch alleine und v├Âllig ohne Fachwissen konnte ich diese Entscheidung nat├╝rlich nicht treffen. Ich wollte mich noch einmal wirklich gr├╝ndlich beraten lassen.
Ich ging ins Gesch├Ąft (w├Ąhrend zu Hause der Drucker wie wild durch die Gegend h├╝pfte und Herzchen auf die Tapete druckte) und fragte: ÔÇ×Soll ich einen neuen Rechner kaufen?ÔÇť Und siehe da: Ich bekam die ausf├╝hrlichste und differenzierteste Beratung in meinem ganzen Rechner-Besitzer-Leben. Der Verk├Ąufer nickte nicht nur, nein, er nickte erkennbar!
Das ├╝berzeugte mich. Ich kaufte einen neuen Rechner im Komplettpaket, was einem immerhin eine reelle Chance einr├Ąumt, dass er l├Ąuft, baute ihn auf und habe nun schon zwei Wochen gro├če Freude an ihm. Doch so langsam h├Ątte ich gute Lust, ihn auch mal anzuschalten.

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flammarion
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super!

kicher, kicher, kann gar nicht aufh├Âren mit kichern! gut geschrieben, pr├Ąchtig ├╝berzogen und dennoch ├╝berzeugend. ganz lieb gr├╝├čt kichernd
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Old Icke

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