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Leselupe.de > Kurzprosa
Augenblicke
Eingestellt am 18. 12. 2004 12:42


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Billenstone Nati
AutorenanwÀrter
Registriert: Oct 2004

Werke: 25
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Augenblicke

Er richtet sich auf. Sein schwarzes Haar steht in allen Richtungen vom Kopf ab. Die Augen halb verschlossen, zĂŒndet er sich eine Zigarette an.
„Wo warst du denn so lange?“
Sie zieht sich die Weste aus. Öffnet die Spange, die ihr dunkles Haar hielt. Es fĂ€llt leicht auf ihre Schultern.
“Du weißt doch, bei der PrĂ€sentation Susannes Choreografie.“
Der Fernseher lÀuft.
„Aber so lange. Wie spĂ€t ist es denn?“ Er sieht sie dabei nicht an. Sein verschlafener Blick gilt dem Bildschirm. Es lĂ€uft eine Dokumentation ĂŒber Lebkuchen, in dem erhöhte, krebserregende Substanzen nachgewiesen wurden. Sein Arm fliegt unkontrolliert mit der Zigarette in der Hand, zu seinem Mund. Dabei verliert er Asche, die auf seine Decke fĂ€llt. Er bemerkt es nicht. Er zieht tief daran und lĂ€sst den Rauch genauso intensiv wieder aus ihm. Dabei verzieht er angewidert sein Gesicht.
“Warum rauchst du denn, wenn sie dir nicht schmeckt?“ Sie schiebt ihm den Aschenbecher zu, durch eine Menge Nussschalen, die am Tischtuch verstreut sind.
„Geht das denn schon wieder los?“ Er verzieht das Gesicht noch mehr, um seiner Frage gleich die Antwort zu nehmen.
„Es war ein netter Abend. Schade, dass du nicht dabei warst“.
Sie fÀngt an, die verstreuten Nussschalen auf die Zeitung zu schieben.
„Schön fĂŒr dich, aber du weißt doch, dass ich Susanne nicht ausstehen kann “. Er dĂ€mpft die Zigarette im Aschenbecher aus, der ĂŒber quillt.
„Also, ich geh jetzt ins Bett. Kommst du auch?“
Er schlĂ€gt die Decke zurĂŒck und drĂŒckt ihr frierend einen flĂŒchtigen Kuss auf die Wange. Er geht mit eingezogenem Kopf ins Schlafzimmer. Sie hört wie er seinen Wecker richtet, fĂŒr den Morgen.
Als sie mit den Nussschalen auf der Zeitung und der leeren Saftflasche an der SchlafzimmertĂŒr vorbei geht, macht sie das Deckenlicht aus. Er liegt zusammengerollt im Bett. Die Decke weit, ĂŒber den Kopf.
Sie rĂ€umt noch die leeren Jogurtbecher und den vollen Aschenbecher in die KĂŒche. Macht alle Lichter aus. Auf dem Weg ins Bad leuchtet ihr durch die Fenster die Straßenbeleuchtung, die sich wohlig und warm am hellen Fliesenboden wiedergibt. Sie lehnt sich an eines der Vorraumfenster und sieht den ersten Schneeflocken zu, wie sie aus dem schwarzen Schoß des Himmels, in den Lichtkegel der Laterne tanzen. Die Flocken scheinen sich zu freuen, einander zu sehen. Sie lehnte an der Mauerkante, die kĂŒhl zurĂŒck lehnte. Ein sehnsĂŒchtiges LĂ€cheln, begleitet die Schneeflocken bei ihrem strahlenden Tanz ohne Musik.

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Monfou Nouveau
???
Registriert: Aug 2003

Werke: 2
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Hallo Billenstone Nati!


Das Bild des Typen mit der Zigarette im Mund und dem angewiderten Ausdruck ist gut gezeichnet. Auch die FĂŒrsorglichkeit der heimkehrenden Frau.

Fraglich finde ich SĂ€tze wie diesen: „Auf dem Weg ins Bad, leuchtet ihr die Straßenbeleuchtung, die sich wohlig und warm am hellen Fliesenboden rĂ€kelt.“ Hast du da nicht was vergessen? Und wieso steht ein Komma zwischen „Bad“ und „leuchtet“? Und die Straßenbeleuchtung soll sich wohlig und warm rĂ€keln? Sehr riskantes Bild, das mich etwas ĂŒberfordert.

Und was mir fehlt, obgleich ich nie auf Plots aus bin. Wozu die genaue Schilderung des fernsehguckenden Menschen? Die Offenheit kommt mir hier eher wie eine Verlegenheitslösung vor. War die Frau bei einem Liebhaber? Oder was bedeutet das: Eine Veranstaltung bei Gerd? (Hier ĂŒbrigens ein Rechtschreibfehler: "Du weißt doch..." muss es heißen.)
Warum leben die beiden noch zusammen? Warum kommt der Mann nicht mit? Nicht jede Frage muss beantwortet werden, aber der Text spielt zu sehr im konkreten Raum, als dass sich diese Fragen nicht stellten.

Festhalten möchte ich aber: Die Personenskizze ist sehr gelungen.

Liebe GrĂŒĂŸe

Monfou

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Billenstone Nati
AutorenanwÀrter
Registriert: Oct 2004

Werke: 25
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Hallo Monfou Nouveau,
ich danke dir fĂŒr den Hinweis des Rechtschreibfehlers fĂŒr das Lob und die Aufmerksamkeit.
So viele Fragen auf einmal.
Zu viele oder zu wenig Beistriche oder Rechtschreibfehler, kennzeichnen leider einer meiner schlechten Charaktere, die nÀher zu erörtern, mich nicht weiter bringen.
Die rĂ€kelnde und wohlig warme Straßenbeleuchtung. Eine Metapher fĂŒr behagliches Licht. Momentane Situation, der wortlosen Stille. Gerade diese Formulierung gefĂ€llt mir besonders.
Ein belangloser Augenblick, der wahrscheinlich in vielen Beziehungen so oder so Àhnlich ablÀuft.
Der Fernseher ĂŒbernimmt im wesentlichen den Part, der wortlos gewachsenen Ehe oder Beziehung. Die Verlegenheit liegt im nicht ausgesprochenen.

liebe GrĂŒĂŸe
Billenstone Nati

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huwawa
Routinierter Autor
Registriert: Sep 2004

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ja, ja die falschen beistriche...
dieser "schlechte charakterzug" ist ja fast schon ein markenzeichen von dir!
ĂŒbrigens - ein hund wĂ€re vielleicht nicht schlecht - wenn du spĂ€t nach hause kommst, gibts wenigstens einen, der sich freut, dass du wieder da bist!

schwarzhumorige gutenachtgrĂŒĂŸe wĂŒnscht dir
huwawa
__________________
manchmal sind die anderen klĂŒger als man(n) selbst...denkt

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