Diese Seite verwendet Cookies. Wenn Sie das nicht akzeptieren, müssen Sie Cookies in Ihrem Browser verbieten oder diese Seite verlassen.    OK  
 leselupe.de
Werbung
 Meine Leselupe

Mitglieder:   5438
Themen:   92257
Momentan online:
217 Gäste und 3 Mitglieder
Username:
Passwort:
Registrieren
Passwort vergessen?


Leselupe.de > Gereimtes
Aus Berthold Bräsigs Liederränzel
Eingestellt am 21. 10. 2006 17:14


Autor
Ein neues Thema veröffentlichen.     Antwort veröffentlichen.
Willibald
???
Registriert: Jul 2002

Werke: 25
Kommentare: 105
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um Willibald eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil

Studiosus auf der Reise


Im Felde, schau nur, friert die Hammelherde.
Und ringsum siehst Du nichts als weißes Winternegligee.
Nur dort und da so braune Zottelpferde,
sie sind vereist und starren in den Schnee.

Vereist sind auch die Buchen, Tannen, Fichten.
In meinem Schädel spannt sich kreuz und quer
ein Spinnwebnetz vereister Zeilen aus Gedichten,
die ich einst schuf. Wo bring ich neue Lieder her?

Bin ein Student, bin Sänger. Ohne Freude,
vom Hunger und von Durst gequält, stapf ich die Wege hier,
Man kriegt bei Nichterfolg die schiere Räude,
vom Publikum kein Geld, nicht mal ein lackes Bier.

So lange schon bin ich ohn´ Geistesblitze!
In Düsternis versank die Kreatie.
Wie? Tät ich besser diese Skizze,
dies Bild ins Lied? Die Winterszenerie?

Hoiho! Was seh ich dort am Berges-Rande?
Ein Gasthof: Bauern, Ziegen - Schafe satt.
Klar, Winterlieder hört man gerne auf dem Lande,
Genug also des Trübsalblasens: Cut!

__________________
aes (auf! eulen schwingen)

Bearbeiten/Löschen   ebook  Druckversion


Marius Speermann
Manchmal gelesener Autor
Registriert: Jul 2005

Werke: 51
Kommentare: 464
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um Marius Speermann eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil

Holterdipolter. Eine sehr rumpelige Fahrt durch die Welt der Reime. Lies es selber laut Dir vor, dann stehen Dir zu Berg die Haar'.

Marius
__________________
Wie man einen humoristischen Text schreibt: Humor für Deppen.Mehr auf MarioHerger.at

Bearbeiten/Löschen    


sekers
One-Hit-Wonder-Autor
Registriert: Feb 2003

Werke: 25
Kommentare: 122
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um sekers eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil
vereist verreist

Hallo Willibald,

aberparadox funktioniert in diesem Text, der sich als Gedicht verkleidet hat, der Transport der Gedanken des Studiosus. Berthold bemüht den Winter, das Frieren, den Schnee, das Eis sogar mehrmals, und trotzdem kommt sowas von Wärme rüber. Und ohne Freude ist er, sagt er, und trotzdem fühle ich seine geradezu diebische Freude daran, die vorgebliche Unkreatie mit dieser fabelhaften Winterskizze ad absurdum zu führen. Vielleicht hat dieses Fühlen was mit dem Witz und der Schlusspointe zu tun.

Und wenn er Räude auf Freude reimt, dann denk ich mir, man kann im Gedicht allerabsurdeste Bilder bemühen, und keinen wundert's, im Gegenteil, es passt und klingt ja sehr gut, der Reim als Wegbereiter des Phantastischen.

Die vielen Tiere, die in dem Text herumstehen: könnte es sein, dass gerade sie, die mit der Geschichte ja so was von überhaupt nichts zu tun haben, das Wintergemälde so plastisch machen?

Jedenfalls habe ich wieder was zum Nachdenken. Dafür, und für das weiße Winternegligee wollte ich nur mal kurz danke sagen.

Liebe Grüße

G.

Bearbeiten/Löschen    


Zurück zu:  Gereimtes Ein neues Thema veröffentlichen.     Antwort veröffentlichen.


Leselupe-Bücher



Amazon



Facebook


Werde Fan der Leselupe auf Facebook!