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Leselupe.de > Essays, Rezensionen, Kolumnen
Aus dem Innern einer geschlossenen Psychiatrie
Eingestellt am 23. 08. 2011 15:19


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Winfried Stanzick
Routinierter Autor
Registriert: Aug 2011

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Detlef Vetten, 50 Tage lebenslänglich, mvg 2011, ISBN 978-3-86882-237-3

Detlef Vetten ist ein bekannter Sportjournalist, der lange Zeit Sportchef beim Stern war und heute für viele bekannte Zeitungen als freier Journalist arbeitet. Er war über eine lange Zeit alkoholabhängig. Als er eines Tages, schon lange vorher durch seine Sucht arbeitslos geworden, nach einem unbefriedigenden Besuch beim Arbeitsamt sich zunächst an einem Kiosk die Kanne gibt und dann von einem Balkon aus dem fünften Stockwerk springen will, wird er wie jeder Suizidale in die geschlossenen Abteilung einer psychiatrischen Klinik eingeliefert.

Dort wird er zunächst einmal entgiftet und unterzieht sich dann „50 Tage lebenslänglich“ einer Entziehungstherapie. Was er in dieser Zeit auf der geschlossenen Abteilung erlebt hat, beschreibt er nun in diesem packenden Buch. Er schildert dabei nicht nur seine eigene Geschichte, sondern auch die zahlloser Mitpatienten, die aus ähnlichen Gründen wie er eingeliefert wurden und nun mehr oder weniger erfolgreich versuchen, wieder auf die Beine zu kommen.

In einer geschlossenen Anstalt gibt der Patient zunächst jegliche Kontrolle über sein eigenes Leben ab und versucht doch, es wieder zu finden. Er weiß, er muss da durch, er muss die Kontrolle über sein eigenes Leben wieder gewinnen, seine Sucht bewältigen und herausfinden, warum er in sie hineingeraten ist.

Detlef Vetten, der sich selbst in dem Buch „Herr V“. nennt, hat während seines Aufenthaltes Tagebuch geführt. Viele Gespräche mit anderen „Insassen“ sind da dokumentiert, Schicksale von gescheiterten Menschen, von denen es die meisten nicht schaffen, wenn sie wieder raus kommen. Besonders erschütternd sind die Berichte von ganz normalen Menschen, die es auf einmal traf, die die langsame Entwicklung ihrer Krankheit nicht wahrhaben wollten (ihre Umgebung übrigens erst recht nicht) und die dann sozusagen über Nacht in der Geschlossenen landeten.

Selten zuvor ist auf diese Weise aus dem Innern einer geschlossenen Abteilung in der Psychiatrie berichtet worden. Bedrückend ist, dass es nur wenige Menschen wie Detlef Vetten schaffen, nach einem solchen Aufenthalt sich wieder in den normalen Alltag zu integrieren, einer Arbeit nachzugehen und wieder normale Beziehungen aufzunehmen. Auch wenn es die Umgebung nicht weiß (was nicht oft der Fall ist), der Eindruck und die Prägung eines solchen Aufenthaltes hängen einem Menschen sein ganzes Leben nach, und wenn es nur in ihm selbst ist. Deshalb ist es gut und für viele ehemalige Betroffene entlastend, dass Vetten dieses Tabu gebrochen hat, und über seine Erfahrungen spricht und schreibt.

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