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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Aus dem Leben der Melli T.
Eingestellt am 30. 04. 2009 14:47


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MarzAttak
???
Registriert: Apr 2009

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Mellis ungest├╝me Gewalt trieb ihrer Mutter ein wenig die Luft aus den Lungen, als sie sich ihr unter der T├╝r des Kindergartens in die Arme warf. Ihr brauner Haarschopf flatterte, als sie unter Gel├Ąchter umhergewirbelt wurde. ÔÇ×Du kleiner Tigger, wenn du noch ein bisschen gr├Â├čer bist, wirst du mich umwerfen.ÔÇť Beide blickten auf das gro├če Schulgeb├Ąude, wenige H├Ąuser weiter.

ÔÇ×Mami, guck mal, was ich f├╝r dich gemalt habe!ÔÇť L├Ąchelnd warf die Mutter einen Blick auf das Blatt, von der Begr├╝├čung ein wenig zerknittert, das ihr jetzt mit dem ganzen Stolz der kindlichen K├╝nstlerin pr├Ąsentiert wurde.
Ihr L├Ącheln wurde beim Betrachten der famili├Ąren Szene weich. Sie sah sorgf├Ąltig gemalte Strichm├Ąnnchen vor einem Haus mit rauchendem Schornstein und eine Sonne mit vielen Strahlen, die ├╝ber einigen knolligen Wolken thronte.
Alle Personen auf dem Bild waren deutlich identifizierbar: sie selbst an den langen Haaren, der Papa an seinem Schnurrbart und Melli, eingerahmt von den beiden gr├Â├čeren Gestalten, mit ihrem Kuschelteddy. Alle hielten sich an den H├Ąnden und l├Ąchelten ihr Strichm├Ąnnchenl├Ącheln.

Melli erz├Ąhlte ihrer Mama, wie Kevin sie geschubst und wie die Betreuerin, Martina, ihn daf├╝r geschimpft hatte. S├Ąmtliche Spiele, das Mittagessen, die Ruhestunde: ihre ganze kleine Welt breitete sie vor der Mutter aus. Gemeinsam machten sie noch einen Abstecher in das Schreibwarengesch├Ąft, wo sich Melli ihre Schult├╝te mit gro├čer Gewissenhaftigkeit aussuchen durfte. In wenigen Wochen w├╝rde sie die, mit wunderbaren Sachen gef├╝llt, ├╝berreicht bekommen.

Zu Hause gab es eine kleine Diskussion, als Melli feststellte, dass es heute Rosenkohl gab. Aber letztlich lie├č sie sich dann doch zu einer angemessenen Portion ├╝berreden. W├Ąhrend sie a├č, betrachtete ihre Mutter das kleine Energieb├╝ndel, ein Wunder des Lebens. Bald ist wieder eine Etappe geschafft, dachte sie, wieder einen Meilenstein relativ unbeschadet ├╝berstanden. Sie wird so schnell gro├č, bald wird sie alleine ihre Wege gehen.

Als der Papa nach Hause kam, lie├č Melli schnell die Blockfl├Âte verschwinden, auf der sie ein Geburtstagsst├Ąndchen f├╝r ihn ge├╝bt hatte. Ein weiteres gemaltes Meisterwerk und ein Rasierpinsel, gebastelt aus einem Weinkorken und einer Menge Papierstreifen, lagen schon wohlversteckt in ihrer Sockenschublade. Melli rannte in den Flur und rief: ÔÇ×Papi, Papi, kannst du mir helfen? Meine Barbie hat einen Arm ab!ÔÇť Ihr Vater war m├╝de, aber diesen gro├čen Kulleraugen konnte er nicht widerstehen. Also ging er mit ihr in das Kinderzimmer und operierte rasch die verungl├╝ckte Plastikpuppe. Anschlie├čend lieferten sich Vater und Tochter noch einen Kitzelkampf und das ungek├╝nstelte Kinderlachen schallte bis in das Wohnzimmer zu der schmunzelnden Mutter. Die Zeit fliegt, dachte sie, und schneller, als man ahnt, interessieren sich andere M├Ąnner f├╝r sie. Solche ├ťberlegungen gruben ihr immer eine steile Falte ├╝ber die Nase.

Am Abend r├Ąumte Melli ihr Zimmer auf, nicht ohne sich auffordern zu lassen, wusch sich und putzte die Z├Ąhne. Danach kuschelte sie mit dem Teddy im Bett und dachte ├╝ber die Schule nach. Sie hoffte, dass sie schnell eine Freundin dort finden w├╝rde. Bald w├Ąre sie ein gro├čes M├Ądchen und w├╝rde den kurzen Schulweg ganz alleine gehen. Es war ja keine Stra├če zu ├╝berqueren, hatte Papa gesagt. Bald w├╝rden sie auch wieder Oma und Opa besuchen und der Opa hatte erst k├╝rzlich eine Schaukel im Garten aufgebaut. BaldÔÇŽ glitt sie in das Reich der Tr├Ąume, einem neuen, sch├Ânen Tag entgegen.

ÔÇ×Ist doch selber schuld, das Ding, wenn es mich ant├ÂrntÔÇť, sagte ihr M├Ârder ein knappes Jahr sp├Ąter in seiner Verhandlung.



__________________
Der Hobbyautor lebt nicht von seiner Schreibe, sondern von seinen Tr├Ąumen.

Version vom 30. 04. 2009 14:47

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Retep
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Registriert: Jun 2008

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Hallo Marz,

eine gute Idee hast du da gehabt. Erwartungen und Hoffnungen werden bitter entt├Ąuscht.
Ich dachte mir, da muss doch jetzt etwas kommen, ein "Hammer!"
Der kommt dann auch im letzten Satz. Finde ich gut.

Du solltest den Text vielleicht etwas k├╝rzen, nichts wiederholen, was du schon vorher gesagt hast, nichts Unn├Âtiges als Vorspann schreiben, dass du dann etwas sp├Ąter
beschreibst.

Mal ein Beispiel, damit du sehen kannst, was ich meine:

quote:
Auf dem Heimweg wurde der Kindergartentag bis ins kleinste Detail berichtet und analysiert.
Aus dem, was du anschlie├čend direkt schreibst, sieht der Leser,um was es sich handelt.

Vielleicht einige Formulierungen ├╝berpr├╝fen ?

quote:
im lachenden Umherwirbeln elterlicher Wiedersehensfreude.
quote:
unwillk├╝rlich
quote:
welches durch ihre Begr├╝├čungszeremonie ein wenig an Gl├Ątte verloren hatte und ihr jetzt mit dem ganzen Stolz der kindlichen K├╝nstlerin pr├Ąsentiert wurde.

quote:
w├Ąhrend dar├╝ber eine vielstrahlige Sonne einige knollige Sch├Ąfchenwolken weidete.
quote:
an ( mit ?)ihrem geliebten Kuschelteddy.
quote:
Zu Hause gab es einen kleinen Schatten, als Melli feststellte
quote:
einer tapferen Portion
quote:
und erschauerte unbewusst
quote:
runzelten ihr immer eine steile Falte ├╝ber die Nase.
quote:
das kommende Abenteuer namens Schule


quote:
Du kleiner Tigger
Meinst du Tiger?

Das sind nur Vorschl├Ąge. Wenn dich diese Formulierungen nicht st├Âren, lass sie stehen, es sind deine Geschichte und dein Stil.
Habe die Geschichte gerne gelesen.

Gru├č

Retep

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MarzAttak
???
Registriert: Apr 2009

Werke: 1
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Hi,

vielen Dank, Retep, f├╝r deinen ausf├╝hrlichen Kommentar. Ich bin sehr dankbar daf├╝r, denn ich schreibe erst seit einem guten halben Jahr und habe mich deswegen hier angemeldet, um an meinem Stil und an meinen Konzeptionen zu schleifen.

Deine Hinweise waren echt hilfreich. Ich habe den Text daraufhin nochmal durchgesehen und an einigen Stellen gestrafft. Ich glaube, das ist ihm gut bekommen.

By the way: 'Tigger' ist Absicht, so hei├čt der lustige, und sehr lebendige Tiger in Winnie Puuh.

Liebe Gr├╝├če
Marz
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