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Leselupe.de > Kurzprosa
Aus dem Staub
Eingestellt am 07. 07. 2002 11:23


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anemone
Schriftsteller-Lehrling
Registriert: Sep 2001

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Irgendwo dort, tief unten, da lag sie: Die Wahrheit, unter einer dicken Staubschicht. „Beschwere dich nicht bei mir!“ sagte ich zu ihr, als ich sie da so im Dreck liegen sah,
„Es ist nicht meine Schuld, dass du da so armselig liegst!“ „Aber meine vielleicht!?“ gab sie mir zur Antwort.
Ich wollte es ihr nicht sagen, aber sie hatte recht damit: Es war wirklich ihre eigene Schuld, falls es galt, nach einem Schuldigen zu suchen und ich ├╝berlegte, ob ich ihr aufhelfen sollte.
Sollte ich mir die Finger schmutzig machen und sie aus dem Dreck ziehen?
„Du k├Ânntest dir selbst helfen!“ fiel mir daraufhin ein. „Wie denn?“ wollte sie von mir wissen.

„Kennst du die L├╝ge?“ fragte ich sie. „Nee, woher denn?“ gab sie mir zur Antwort. „Versuch es mal mit ihr!“ sagte ich und lie├č sie in dem Dreck liegen. Ich gebe zu, das war keine feine Art von mit und dergleichen hatte die Wahrheit wirklich nicht verdient. Deshalb schlug mir schon nach kurzer Zeit das Gewissen und ich ging zur├╝ck um sie zu suchen, um sie aufzuheben; ihr behilflich zu sein, doch was ich da erlebte, als ich in den Raum kam war wirklich die H├Ąrte:
Es befanden sich drei Leute dort und ich h├Ârte die Wahrheit mit erstickter Stimme reden: „Warum habt ihr mich getreten, konntet ihr mich nicht erkennen?“
„Doch doch,“ sagte einer von ihnen, „aber wir wollen dich nicht kennen! Bleib da unten in dem Dreck und lass uns in Ruhe das machen, wozu wir Lust haben. Unsere Wahrheit ist die L├╝ge, die ist viel netter als du!“
„K├Ânnt ihr mir einen Gefallen tun?“ bat die Wahrheit mit schmerzverzerrtem Gesicht, „Ich m├Âchte gern die L├╝ge kenne lernen! Bitte schafft sie mir herbei, dann verzeih ich euch die Fu├čtritte!“

Ver├Ąchtlich schauten die drei Burschen auf das, was sich unter der Staubschicht schmerzvoll wandt. Es war eine bedauerliche Kreatur und h├╝bsch sah sie wirklich nicht aus. Die drei sahen sich an, - Sollen wir das wirklich f├╝r sie tun? – schien ihr Blick zu sagen und ich hatte den Eindruck, als h├Ątten sie sich f├╝r die Antwort „nein“ entschieden. Als ich sie dann ebenfalls um den Gefallen bat, nahmen sie mich erst richtig wahr und versprachen mir, sie zu schicken:
„Was willst du mit der L├╝ge?“ fragte ich die Wahrheit, als die drei den Raum verlassen hatten. „Ich will sie einfach nur mal kennen lernen und wissen, was an ihr so Besonderes ist, dass alle sie so toll finden.“
„Ich bin zur├╝ck gekommen, um dir zu helfen! Du brauchst die L├╝ge nicht mehr, sie hilft dir ja doch nicht auf!“ sagte ich zu ihr, doch sie wollte davon nichts h├Âren. „Jetzt will ich sie auch erfahren!“ sagte sie bestimmt und sie verweigerte mir ihren Arm, an dem ich sie hochziehen wollte.

Meine Zeit war zwar begrenzt, aber es lie├č mir keine Ruhe und ich wollte sehen, wie das Ganze ablief. Also dr├╝ckte ich mich in die Ecke und tats├Ąchlich kam auch schon bald die L├╝ge in den Raum. „Hier will mich jemand kenne lernen!“ stellte sie fest und sah sich um.
Sie sah auf mich, die ich in der anderen Ecke des Raumes kauerte und ├╝bersah die Wahrheit v├Âllig. „Ne, ne“ sagte ich und wies auf die Wahrheit, doch die L├╝ge schaute ungl├Ąubig in die Schmutzecke und erkannte nichts. Sie lachte und sagte: „Du willst mich wohl veralbern!“ und zeigte ihre Gr├╝bchen in dem blond belockten Gesicht. Die Wahrheit sprach sie an: „Ich wollte dich mal kennen lernen!“ „Nett!“, sagte die L├╝ge und sah mich dabei an. Ob sie wohl dachte, ich rede mit ihr? „Jetzt kennst du mich ja, dann kann ich wohl wieder gehen!“ stellte sie fest und wollte sich Richtung T├╝re begeben, als erneut die Wahrheit sprach: „Man sagte mir, du k├Ânntest mir aufhelfen!“ Die L├╝ge sah wieder nur mich an, die ich mich noch immer kauernd in der Raumecke befand. „Tut mir leid, das kann ich nicht!“ sagte sie und verlie├č den Raum mit einem federnden Schritt, wog sich in den H├╝ften und verlie├č den Raum. Ich sprang auf und lief ihr hinterher und rief in den Flur hinaus: „Wieso nicht?“ Sie machte nur „Phyy“ und hakte sich bei den drei Burschen ein, die hinter der T├╝r auf sie warteten. Sie fragte mich nicht:
Wie bist du denn so von alleine zur T├╝r gekommen? Und sie lachte mit ihnen und ich h├Ârte sie noch von Wahrheit reden.
Schnell lief ich zur├╝ck und zog die Wahrheit aus dem Staub.

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