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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Aus einem Forscherleben
Eingestellt am 06. 10. 2015 21:17


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wowa
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Aus einem Forscherleben

Mein Vater war schon immer ein verr├╝cktes Huhn gewesen. Alles, was er tat, betrieb er mit geradezu enthusiastischer R├╝cksichtslosigkeit. In den ersten Jahren unserer Bekanntschaft widmete er sich der Idee einer fressbaren Plastikfolie, ein zugegeben reizvoller Gedanke. Ausl├Âser war eine Indienreise. Indische K├╝he fressen Plastik, zumindest versuchen sie es.
Aber irgendwie traf er nie die richtige Mischung. Mal zerfielen die Folien unter Sonnenlicht, hatten daf├╝r jedoch einen gewissen N├Ąhrwert. Erf├╝llte die Plastik hingegen die herk├Âmmlichen Kriterien, konnten die Tiere nichts damit anfangen, wurden krank oder verhungerten.
Unbeirrt und mit der ihm eigenen Z├Ąhigkeit experimentierte er weiter.
Schlie├člich lie├č meine Mutter sich scheiden und entzog ihm damit die Mittel. Sie verlie├č die Stadt, nahm die Kinder mit, verheiratete sich neu, doch der Kontakt riss nie v├Âllig ab. Mein Vater blieb quasi Familienmitglied, nur nicht mehr so pr├Ąsent wie fr├╝her.
Merkw├╝rdigerweise begann er jetzt, sich mit seiner Familie zu besch├Ąftigen, freilich auf seine Art.
Genealogie hie├č das neue Zauberwort.
Er vergrub sich in die Ahnenforschung und mit Hilfe entsprechender Datenbanken entwickelte er einen monstr├Âsen Stammbaum. Dessen feinste Ver├Ąstelungen reichten weit ├╝ber den Kontinent hinaus und auf mein Frage, was das denn solle, sagte er, es habe ihn schon immer interessiert, wie sich unser dominantes schwarzes Haar erkl├Ąren lasse. -
Bei unserem letzten Familientreffen kam er mir seltsam ver├Ąndert vor. Er hatte sich die Augenbrauen rasiert. Auf Nachfrage er├Âffnete er den erstaunten Zuh├Ârern, dass er sich neu verliebt habe und demn├Ąchst heiraten werde. Gro├čes Hallo, Schulterklopfen und wer die Gl├╝ckliche denn sei ?
Mein Vater l├Ąchelte, diese kleinen Auftritte lagen ihm.
Seine genealogischen Forschungen hatten ihn in ein Bergdorf im Kaukasus gef├╝hrt. Dort vermutete er den Stammvater unserer Sippe. Den D├Ârflern war das herzlich egal, doch sie nahmen ihn freundlich auf. Gl├╝cklicherweise fand man eine ledige Frau, die flie├čend Englisch sprach. Und wie der Zufall es will, die beiden verstanden sich derma├čen gut, dass die Dorfgemeinschaft alsbald auf eine Legalisierung der Beziehung dr├Ąngte.
Und warum die rasierten Augenbrauen?
In jener Gegend, sagte mein Vater, stehe die Hauskatze in hohem Ansehen, wohl weil sie die Getreidespeicher vor den M├Ąusen sch├╝tze. Die seiner Verlobten sei k├╝rzlich gestorben und als Zeichen der Trauer rasiere man sich die Augenbrauen. Eine Sitte, die schon im antiken ├ägypten verbreitet war. Wie sie allerdings von dort in den Kakasus gelangte, sei noch unerforscht.
Egal, zur Hochzeit sind wir alle eingeladen. Ich glaube, ich fahre hin.
Wie gesagt, schon ein verr├╝cktes Huhn, mein Alter ...

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wowa
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Hi, Sebahoma!

Danke f├╝r dein Feedback.
Aus der Perspektive einer neutralen Beobachterin ist die Verkn├╝pfung Scheidung - Genealogie plausibel. Dem Sohn hingegen, der sich vom Vater vernachl├Ąssigt f├╝hlt, kommt dessen ├╝berraschende Aktivit├Ąt in famili├Ąrer Richtung schon merkw├╝rdig vor.
Was die Motive des Vaters betrifft, spielen sicher die Beweggr├╝nde, reich & ber├╝hmt zu werden, anfangs eine zentrale Rolle. Der Erfinder fressbarer Plastik ist ein Kandidat f├╝r den Nobelpreis!
Dem Sohn ist das egal, er ist zu dem Zeitpunkt noch Kind und betrachtet die Spiele der Erwachsenen um ihn herum mit entsprechender Distanz. Und auch r├╝ckblickend interessiert ihn diese Phase offenbar nicht besonders, zumal sie durch das v├Ąterliche Scheitern ein St├╝ck weit entwertet ist.
Beim 2. Projekt verh├Ąlt er sich anders. Da fragt er nach und der Vater gibt bereitwillig Auskunft ("dominante schwarze Haare" etc). Das sollten wir ihm glauben und letztlich hat ja sein durch keine materiellen Ambitionen getr├╝btes Erkenntnisinteresse durchaus erfreuliche Konsequenzen.
Alles Gute
wowa

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