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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Aus einem Tagebuch
Eingestellt am 18. 10. 2000 07:44


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Wird mal Schriftsteller
Registriert: Sep 2000

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Aus einem Tagebuch


Montag, 13.7.

Ich sitze am Computer und meine Gedanken sind so zÀh wie altes Kaugummi.
Verdammt noch eins! Dieser Roman sollte mein Bestseller werden.
Es wird Zeit, dass ich es all den Leuten zeige, die mir mĂŒde oder mitleidig zulĂ€cheln, wenn ich deren Fragen auf Bezug meines Berufes beantworte.
Was glauben die eigentlich! HĂ€tten die mein Essay gelesen, dann wĂŒssten sie, was auf sie zukommt. Mein Verleger war so begeistert, dass er fast weinte, als er den letzten Satz gelesen hat.
Und nun hocke ich hier und nichts passiert in meinem Kopf.
Verdammter Mist auch!

Dienstag, 14.7.

Es ist 14.30, bin gerade erst aufgestanden. Mein SchÀdel brummt wie ein BÀr der Tollwut hat.
Was fĂŒr ein Ă€tzender Geschmack im Mund. Zuviel Pesto, zuviel Ouzo und zuviel Zigarrillos.
MĂŒsste ich jetzt jemanden anscprechen, wĂŒrde mein GegenĂŒber stumpf umfallen.
Kaffee kochen, ins Badezimmer und bloß keinen Blick in den Spiegel werfen.
Gehe zurĂŒck in die KĂŒche, vorbei an meinen Computer, wĂŒrdige ihn keines Blickes.
Saublödes Teil du!

Mittwoch, 15.7.

Meine Mutter war hier! Wasserstoffblond und kĂŒnstlich gebrĂ€unt. Die Haut ist schon das reinste Leder, besonders am Hals. Sollte es ihr mal wider erwarten schlecht gehen, kann sie immer noch `nen Deal mit ihrem Schuster machen. Oh Gott! Gut, dass keiner meiner Freunde hier war. Ich schĂ€me mich immer noch fĂŒr meine Mutter. OberflĂ€chlich, stets gut gelaunt und immer nach der neuesten Mode gekleidet.
Ich glaube, ich sollte meinen Therapeuten wieder mal anrufen. Vielleicht ist sie ja schuld an meiner Schreibblockade.
Mein Verleger rief mich an, wie`s so lĂ€uft. > Super, echt toll! < Die LĂŒge flutschte wie ZĂ€pfchen.
Ich fĂŒhle mich scheußlich.
Da! Ein MigrÀneanfall. Auch das noch. Ich ruf Ricardo an. Soll er mich ein wenig verwöhnen. Vielleicht insperiert er mich ja.

Donnerstag, 16.7.

Im Cafe International war wieder mal die Hölle los. Antonio musste seine Flamencointerpretation zum besten geben und nahm huldvoll die Ovationen entgegen.
Esther hat sich ihr Haar giftgrĂŒn gefĂ€rbt. Sieht scheußlich aus! Ihre kleine Tochter weigert sich, auf ihren Schoß zu gehen und ruft sie nur noch Hexe.
Ich bin unzufrieden. Da sitze ich im Cafe herum, kaue an meinen FingernĂ€geln, trinke Gin –Tonic und denke die ganze Zeit an meinen Roman.
Ich kann mich aber nicht aufraffen. Wozu auch? SpĂ€testens vor meinem Computer sind alle Ideen und Gedanken davongeflogen. Angelockt durch Menschen und Geschehnisse, wie Vögel durch Brotkrumen, aber will man sie berĂŒhren oder festhalten, flattern sie auf und davon.

>Du bist zu angespannt, schau deine HĂ€nde. Entweder du nagst an deinen NĂ€geln oder du machst FĂ€uste. Deine Beine sind immer ĂŒbereinandergeschlagen, so verknotet. Oder sie hĂŒpfen rauf und runter, ganz schnell.
Du musst locker werden, lass alles fließen, wie ein Fluß, endlos und weich. Dann fließen auch die Gedanken aus dir heraus< , meinte Kolja, mit seinem wunderbar russischem Akzent.
Oh Gott! Stundenlang könnt`ich ihm zuhören. Eine Stimme wie weiches Schmiergelpapier, so eben angerauht. So herrlich tief und beruhigend, wie schmelzendes Schokoladeneis. Ein Schauer durchlÀuft mich. Ich frag ihn, ob ich ihn als meinen Guru anstellen darf.
Er lacht laut auf, streicht mir ĂŒber die Wange und sagt, ich brĂ€uchte keinen.
>Du hast deinen eigenen Guru in dir. Du traust nur nicht ihn herauszulassen, aus Angst vor der Schönheit seines Geistes. Öffne ihm endlich das Tor. Deine BlĂ€tter werden sich fĂŒllen mit Wörtern, die blĂŒhender sind als der schönste Lotus! Erfrischender als sprudelndes Quellwasser und tiefer als die leidenschaftlichste Liebe!<
Sprich weiter Kolja, welch ein Genuss! Woher nimmst du nur diese bildhafte Sprache? Er schaut mich erstaunt an und meint, Sprache entstĂŒnde doch erst durch Bilder.
>Ohne Bilder in deinem Kopf, bleibt alles Geschriebene farblos und nichtssagend.<
Ich bitte ihn, meinen Roman zu schreiben und das Geld gnÀdig mit mir zu teilen.

Freitag, 17.7.

Liege im Bett, mag nicht aufstehen. Denke stÀndig an den Bibelvers ....und wandre ich auch im finstren Tal.... oder so Àhnlich.
Habe eine Depression. Will niemanden sehen und hören.
Muss in den Waschsalon, habe keine UnterwĂ€sche mehr. Der VogelkĂ€fig stinkt und der KĂŒhlschrank ist auch leer.
Mein Verleger spricht schon das achte Mal auf meinen Anrufbeantworter.
Lasst mich doch alle in Ruhe!!

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