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Leselupe.de > Tagebuch - Diary
Aus einer Kindheit -1958-
Eingestellt am 13. 10. 2002 23:29


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Arkona
Festzeitungsschreiber
Registriert: Sep 2002

Werke: 5
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Ich hatte das Umzugschaos nicht gut verkraftet und lag krank im Bett. Die erste eigene Wohnung meiner Eltern bestand nur aus einem einzigen Zimmer. Es war Schlafzimmer, Wohnzimmer und Kinderzimmer zugleich. Die Toilette befand sich im Treppenhaus. Elf Stufen mußte man nach oben gehen, um sie zu erreichen. Aus dem winzigen Fensterchen konnte man auf den Hof sehen. Dort befanden sich mehrere aschefarbene MĂŒlltonnen und eine Teppichklopfstange, an der wir Kinder manchmal verbotenerweise herumturnten. Wie ich einige Zeit spĂ€ter herausfand, gab es noch einen zweiten Hof, auf dem sich eine Tischlerei und einige Garagen befanden. Ohne diese hĂ€tte man von dort direkt auf unsere Schule schauen können.
Aber noch ging ich nicht zur Schule, sondern lag krank im Bett und rief nach meiner Mutter.
Meine Mutter war jedoch nicht zu Hause. Mir schmerzte mein Hals nun um so mehr, da ich fast zu Heulen begann.
Aber da entdeckte ich auf dem Nachttisch auf einem Teller eine Streuselschnecke. Der Halsschmerz flog davon wie ein TĂ€ubchen.
Ich setzte mich aufrecht, nahm den Teller auf meinen Schoß und begann die Zuckerstreusel einzeln zu vernaschen. Viel mehr als die Streusel aß ich allerdings nicht. Kurz darauf war ich auch schon wieder eingeschlafen.
Stunden spĂ€ter wurde ich von einer flĂŒsternden Bemerkung meines Vaters ("Die Kleene schlĂ€ft sich jesund!") geweckt.
"Na, du machst ja Sachen!",sagte er zu mir und strich mir zĂ€rtlich ĂŒber den Kopf.
"Papa hat inzwischen zaubern jelernt!", flunkerte er und nach einigem "Simsalabim, Hokuspokus und dreimal schwarzer Kater", zauberte er aus einem alten Frotteehandtuch eine riesige Apfelsine hervor. Ich hatte bis zu diesem Zeitpunkt noch nie eine solche Frucht gesehen. Sie schien mir ein kleines Wunder zu sein. Schon das Wort allein löste in mir Verwunderung aus. Und dann diese unvergleichliche Farbe...
"Sollst mal sehen, wie schnell du wieder jesund wirst, wenn du die jejessen hast, meene Kleene!"
Am nĂ€chsten Tag ging es mir schon viel besser und ich mußte nicht mehr im Bett bleiben.
Auf dem Ruppiner Platz war ĂŒber Nacht eine Spritzeisbahn entstanden. Von unserem Fenster konnte ich gut beobachten, wie ein Mann mit einem unendlich langen Schlauch immerwieder Wasser auf die noch dĂŒnne Eisdecke sprengte. Einige Kinder standen schon erwartungsvoll mit Schlittschuhen ĂŒber der Schulter oder in der Hand , aber sie durften die EisflĂ€che noch nicht betreten.
"Morgen könnt ihr ruff!",rief der Mann und alle Kinder hielten sich ausnahmsweise an seine Anweisung. Sogar die dicke Toilettenfrau kam aus dem alten KlohĂ€uschen, das wohl schon seit 100 Jahren dort stand. Misstrauen sprang von ihrer runzeligen Stirn. Bis zum 14. Lebensjahr brauchte man auf öffentlichen Toiletten nichts zahlen und das sah jetzt nach verdammt viel Arbeit aus, die nichts einbringen wĂŒrde.
__________________
Arkona

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