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Leselupe.de > Humor und Satire
Ausgeschlossen....
Eingestellt am 06. 04. 2002 22:43


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MĂ¶ĂŸner, Bernhard
Routinierter Autor
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Ausgeschlossen....

Wer etwas verschließen will, braucht den dazu passenden Verschluss. Die meisten VerschlĂŒsse wurden der Natur irgendwie nachempfunden, wie etwa Stopfen, Pfropfen, Riegel, ja sogar ReißverschlĂŒsse, Haken und Ösen. Dass letztere VerschlĂŒsse noch bedienungsfreundlicher zu gestalten wĂ€ren, kann jederman(n) bestĂ€tigen, der schon einmal versucht hat, ein begehrtes weibliches Wesen zĂŒgig aus allerlei störenden UmhĂŒllungen zu befreien.
Wer etwas besitzt, was ein anderer auch gern besĂ€ĂŸe, hat das Bestreben, seine SchĂ€tze an- oder einzuschließen.
Gold, Silber, Edelsteine oder schöne Frauen sind Dinge, die es zu jeder Zeit vor RĂ€ubern und Dieben zu schĂŒtzen galt. Wie fast immer waren es die Götter, die den Menschen hierbei als Vorbilder dienten: HephĂ€stos, des Olympiers ungeliebter Stiefsohn sah sich genötigt, seine wunderschöne aber treulose Gattin Aphrodite in ein unsichtbares goldenes Netz einzuschließen.
Nicht ganz so kunstvoll, aber vergleichbar in der Wirkung waren jene GĂŒrtel, welche die misstrauischen Grafen und Kreuzritter ihren jungen Gattinnen anzupassen pflegten, bevor sie auszogen, die Muselmanen im heiligen Land zu bekriegen. Fielen die tapferen Helden dort den Streichen eines arabischen Krummschwertes zum Opfer, oder verfingen sie sich gar im Garn einer glutĂ€ugigen maurischen Schönheit, sah sich die zurĂŒckgebliebene Gattin daheim gezwungen, möglichst bald den heimischen SchlĂŒsseldienst zu rufen. Deren Bereitschaft, ihre Kundschaft jederzeit und möglichst noch unter der HaustĂŒr zufrieden zu stellen, nĂŒtzen die cleveren Mitglieder dieser Branche bis heute, um fĂŒr ihre Kunst StundensĂ€tze zu heischen, von denen selbst Herzchirurgen nur trĂ€umen können.
Auf jeden Topf findet sich ein Deckelchen, und in jedes Schloss passt auch ein SchlĂŒssel, so sind wir es gewohnt. Dabei brauchte es eine lange Entwicklungszeit, bis sich zum ersten Mal ein SchlĂŒssel in einem Schloss drehen ließ. Lange lebten die Menschen vertrauensvoll in Zelten und HĂŒtten zusammen. Was Mein ist, hieß es, das ist auch Dein! Der Bedarf an Schlössern und SchlĂŒsseln kam erst auf, als sich fĂŒhrende Mitmenschen vom gewöhnlichen Volk absonderten und sich auf Bergen und HĂŒgeln steinerne HĂ€user mit TĂŒren und Toren errichten ließen.
Schloss ist aber nicht gleich Schloss! Zwar passt in jedes Schloss ein SchlĂŒssel, allerdingt nicht zu jeder Zeit: Wer je nach einer feuchtfröhlich verbrachten Nacht versucht hat, seinen richtigen HaustĂŒrschlĂŒssel in das umherschwankende heimische HaustĂŒrschloss zu jonglieren, der kann von einem bösen SchlĂŒsselerlebnis erzĂ€hlen. Er blieb ausgeschlossen von Heim und Bett, obwohl er dessen dringend bedurft hĂ€tte. Ausgeschlossen bleibt auch, wer seinen SchlĂŒsselbund verlegt oder verloren hat. Es wĂ€re völlig sinnlos, im Garten vorsorglich fĂŒr solche FĂ€lle SchlĂŒsselblumen einzupflanzen: Im Gegensatz etwa zu Mohn- oder KastanienblĂŒten, deren FrĂŒchte ihrer BlĂŒte spĂ€ter einmal Ehre machen, entstehen aus SchlĂŒsselblumen so wenig neue SchlĂŒssel, wie SchlĂŒsselkinder je einem SchlĂŒsselbund entsprossen wĂ€ren.
Wer ein richtiges Schloss erwerben will, etwa mit Blick auf einen See oder in unverbaubarer Alpenlage, der wende sich vertrauensvoll an einen Immobilien-Makler in Monaco oder am Genfer See.
Mein einziger einst wohlhabender Freund Rudolf hat sich ein solches Schloss gekauft. Ein richtiges Schloss in den neuen BundeslÀndern!
Jetzt ist er pleite; mein Freund, nicht der Makler! DafĂŒr besitzt Rudolf jetzt ein Schloss mit mindestens, wenn nicht noch mehr RĂ€umen, mit einer kleinen KĂŒche und einem mĂ€ĂŸig funktionierenden Bad. Das Schloss ist so historisch, dass er jedes Mal einen Antrag mit vielen DurchschlĂ€gen an das zustĂ€ndige Denkmalamt einreichen muss, wenn er einen Wasserhahn abdichten will. Und seine WasserhĂ€hne tropfen immer.
Die RĂ€ume befinden sich in einem jĂ€mmerlichen Zustand. Drei davon hĂ€ngen voll mit den Bildern der Ahnengalerie seiner Schloss-Vor-Vorbesitzer, alle in Öl gemalt. Es ist ewig schade fĂŒr das verschwendete Öl! Rudolf brĂ€uchte dringend jede Menge antiker Möbel und KunstgegenstĂ€nde, damit er westlichen Besuchern sein Schloss vorfĂŒhren könnte. Von ihren Eintrittsgeldern könnte er seinen Bau sanieren. Ein wohlmeinender SachverstĂ€ndiger hat ihm empfohlen, in Zeitungsanzeigen die Ahnengalerie als Gruselkabinett bekannt zu machen.
Sein Schloss war einst der Stammsitz des ehrenwerten Raubrittergeschlechtes Klauen zu Klauenstein. Selbst auf Leinwand gebannt, können sie das Mausen nicht lassen! Als er mir die drei RĂ€ume mit ihren Bildern ersmals zeigen wollte, war ich so leichsinnig, meine Geldbörse in der GesĂ€ĂŸtasche meiner Hose stecken zu lassen. Rudolf hatte TrĂ€nen in den Augen, als ich ihm nachher den Verlust meldete. UnzĂ€hlige Geldbörsen musste er schon ersetzen. Rudolf wird diese Bande nie mehr los, sie wird ihn vollends ruinieren!
Dabei hatte er es sich so gut ausgedacht: Er wollte mir das Schloss zum nĂ€chstbesten Geburtstag schenken. Aber ich hĂ€tte dankend abgelehnt. Die fĂŒnf Schlösser, die ich besitze, stammen aus dem Baumarkt um die Ecke. Ich hĂ€tte eigentlich nur zwei gebraucht. Eins am Fahrradschuppen und eines an der TĂŒr zu meinem Weinkeller mit den guten badischen Tropfen. Da aber besagter Baumarkt kĂŒrzlich ein Sortiment, zu fĂŒnf StĂŒck, erstklassiger Marken-VorhĂ€ngeschlösser zum Spottpreis von neunundneunzig Cent im Angebot hatte, konnte ich nicht widerstehen. Man weiß nie, was noch kommt!
Auch mein ehemals wohlhabender Freund Rudolf hÀtte besser getan, ein solches Sonderangebot abzuwarten.
__________________
-Bernhard MĂ¶ĂŸner-

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Bruno Bansen
Guest
Registriert: Not Yet

SchlĂŒssel..

Hi Bernhard,

Macht wieder mal richtig Spaß, eine von Deinen Geschichten zu lesen - so, wie immer! Nur die Sache mit Hephaistos - der hat Aphodite eigentlich mit dem Netz gefangen, nach der Ares-AffĂ€re, nicht in erster Linie, um sie, bzw. eher sich vor weiterem Hörner-aufgesetzt-zubekommen zu beschĂŒtzen, sondern, er fing sie mit selbigem ein und stellte sie dann dem GelĂ€chter sĂ€mtlicher Olympier aus. Aber dieses ist eher im Leben dieses von Zeus und Hera stammenden, verkrĂŒppelten Sohnes eine Marginalie, wobei man Aphrodite dahingehend in Schutz nehmen muß, als daß eben dieser Hephaistos außer den legitimen Nachkommen, die sie zusammen hatten, er eine ganze Reihe von WechselbĂ€lgern mit Hilfe zahlreicher Geliebter auf die Beine gestellt hat...

Dieses nur zur Ehrenrettung der Aphrodite!!!

Mit augenzwinkernden GrĂŒĂŸen!

Bruno

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Bruno Bansen
Guest
Registriert: Not Yet

FĂŒnfzehn Minuten

Hi, ich nochmal, mich hat leider diese dösige 15-Minuten-Regelung voll erwischt, sodaß nur eine unkorrigierte undmodifizierte Version meines Kommentares erschienen ist.
Sorry! GrĂŒĂŸe Bruno

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MĂ¶ĂŸner, Bernhard
Routinierter Autor
Registriert: Dec 2001

Werke: 89
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Ausgeschlossen

Danke Bruno,
fĂŒr Dein fast ĂŒberschwengliches Lob. Die Geschichte mit dem armen HephĂ€stos kenne ich zwar auch, habe mich aber entschlossen, meine dichterische Freiheit bis zur Toleranzgrenze auszuschöpfen. Die hellenischen Götter nahmen es mit der Wahrheit auch nicht allzu genau.
-Bernhard-
__________________
-Bernhard MĂ¶ĂŸner-

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