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Leselupe.de > Kurzprosa
Ausgespült
Eingestellt am 08. 04. 2006 23:27


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Franka
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Ausgespült


Da ist Blut. Und es schmeckt süß.
Erneut führe ich den Finger an meine Lippen. Noch kann ich nicht glauben, was ich fühle, was ich schmecke.

Schön, wie langsam es fließt. Rot, dick, fast wie Sirup. Warum ist mir das früher nie aufgefallen?
Bisher auf dem Boden nur ein winziger Fleck. Bewusst habe ich den kleinen Schnitt gesetzt. So etwas braucht Zeit. Ich werde es völlig austreiben. Alles! Seine Berührungen, seinen Geruch, den Ekel, die Schmerzen und vor allem den gelebten Tod.
Jeder Tropfen, der die kleine Pfütze vergrößert, spült es aus. Ganz langsam. Für immer.

Ich bin bereits müde. Doch der Schlaf muss warten. Noch atme ich Erlebtes.

Seit heute Vormittag bin ich wieder daheim. Der Chefarzt hat mich entlassen. Geheilt! Irgendwie stimmt das sogar, es gibt keine sichtbaren Wunden mehr. Nur zarte, rosa Linien berichten über das Vergangene. Mein Therapeut hat gesagt: “Die werden auch noch verblassen. Sie haben wieder eine Chance. Er wird Ihnen nichts mehr antun.”
Und wieder haben Ärzte irgendwie recht: Sie haben ihn abgeholt.
Die Erinnerungen an diesen Tag sind verblasst. Doch in den Träumen fühle ich ihn wieder, den kalten Stahl in meiner Hand. Sehe, wie Blut durch das Zimmer spritzt. Dunkler als meines. Die Spritzer schmecken bitter auf den Lippen.

Er hatte Glück, gute Ärzte und noch bessere Anwälte. Was sind Monate gegen eine Kindheit, meine Kindheit!

Eine wohlige Kälte lässt mich erschaudern. Ich kenne dieses Gefühl. Müde, aber glücklich schließe ich die Augen.
Jetzt habe ich wirklich meine Chance. ©



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Sunny Rose
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Liebe Franka,
dein Text hat mich sehr berührt.

Viele liebe Grüße Sunny Rose

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