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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Auslöschung
Eingestellt am 12. 09. 2003 15:33


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Nicholas Cyphre
One-Hit-Wonder-Autor
Registriert: Apr 2001

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Verlassenwerden und Auslöschung

Es war ein lauer Sommerabend, die Sonne war seit Stunden im Untergehen begriffen.
Am Ufer des Rheins tummelten sich Pärchen und Ruhelose, an den Stegen hockten die Angler, hier und da schallte der Lärm von den nahen, gutbesuchten Biergärten herüber, die gerade das Abendgeschäft begonnen hatten. Der Fluss glitzerte golden und rot und auf der anderen Seite brannten schon die Laternen und ließen ihn größer und traumhafter erscheinen, als er war. Wir saßen in einem Biergarten, der sich auf einer schmalen Landzunge zwischen dem Wasser und dem Winterhafen, in dem sanft die Boote schaukelten, befand. Über den Winterhafen führte eine lange, hölzerne Brücke her, und die Schritte der Ankommenden waren deutlich zu vernehmen, ehe diese aus dem warmen Düster der Nacht schieden. Wir befanden uns am Rand, unter uns das finster-blitzende, verlockende Nass mit den Fischen, die hungrig unter der Oberfläche kreisten, an einem der äußeren Tische. Bald versank die Sonne hinter den Weinbergen in unserem Rücken. Mainz wurde in eine köstliche, vom vielfachen Laternen-, Fackel- und Kerzenlicht durchwirkte Dunkelheit getaucht, die dich flüstern machte und von Dingen sprechen, die das Tageslicht nicht hervorbringen konnte, und du rücktest näher an die Mädchen heran und die Musik wurde langsamer, dunstiger wurde die Luft und wärmer die Nacht. In die trinkende, qualmende und sich unterhaltende Gesellschaft des kleinen Biergartens drang da ein zwergenhafter, geschminkter Mensch, der ein altes Akkordeon auf seinem beträchtlichen Bauch trug und fröhlich spielte und sang. Seine Lippen waren glühend rot, die Augen weiß bemalt, er trug gestreifte Hosen und hatte schiefe, gelbe Zähne. Die Stimme des Menschen war krächzend, unschön, bald unerträglich, dennoch lauschten ihm die Leute; vielleicht, weil er so furchtbar schlecht war, weil man sah, dass er ein geschminkter Greis war, weil man die Worte nicht verstand, die er formte, aber die Musik. Die Musik war schauerlich und schräg; wie sein Gang, wie sein ganzes Wesen; sie wirkte, als tropfte sie geradewegs aus einem grotesken Traume. Da war das Lied beendet, und niemand klatschte, nicht einmal ich, der aus Mitleid zu klatschen pflegte. Der Alte grinste hässlich und ging mit seinem Hut durch die Reihen, bat in gebrochenem Deutsch um einige klimpernde Münzen. Das Merkwürdige war: Er bekam Geld, mehr als je ein anderer vor ihm! Man füllte ihm den Schlapphut nicht allein mit Münzen, dass er teuflisch spannte; - nein, man reichte ihm Scheine hinterher! Ich saß perplex, bis ich an die Reihe kam und ihm verwirrt einen Fünfer zusteckte. Seine grünen Augen funkelten vergnügt, als er murmelte, danke, danke, morgen sei er wieder da, adieu, und verschwand.
Wir saßen noch lange an jenem Tische und sprachen vom Leben, der Liebe, den Freundschaften und all den anderen belanglosen Dingen, die Sechzehnjährigen den Kopf zu verdrehen pflegen; allein der alte Sänger wurde nie wieder erwähnt, heute weiß ich nicht einmal mehr, ob es ihn wirklich gegeben hat, oder ob er nicht ein Gespinst meiner Einbildung, von allzu vielen Pernods bezaubert, war.
Endlich, der Abend war längst vergangen, und der Rhein funkelte schelmisch im ersten Morgenrot; wir waren die letzten Zecher und nur noch wenige, entschied man sich zum Aufbruch, zurück nach Laubenheim, ins Bett, wo man den kommenden Tag zu verbringen gedachte. Die letzen Busse, Bahnen waren vor Stunden gefahren. Still lagen die Straßen, die Plätze und Promenaden, einsam und verlassen. An den größten Kreuzungen, wo tagsüber Dutzende Fahrzeuge einander kreuzten, blinkten nutzlos die Ampeln.
Und ich ahnte, ich wusste, ich schmeckte die Musik des Greisen.
Entlang des Flusses nach Laubenheim zurückkehrend, kamen wir an einen knochigen Baum, der weit über das strömende Wasser hing. Ich verbat mir einen Augenblick und blieb zurück, bei dem alten, sich windenden, schwarzen Baum. Es war leicht, hinaufzuklettern, bis ich auf dem äußersten Ast einige Meter weit über dem Wasser hing und in die leuchtende Tiefe des Flusses starrte; woraus alles geboren wurde, wohin alles zurückkehrte, der Strom, der Allesauslöschende und Allesgebärende, das fließende Nichts der ewige Wiederkehr. Eine einzige Hand hielt mich, und mein Atem triefte von Anis. Ein Griff, und ich fiel ins Vergessen.

__________________
von Christophe B

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Stoffel
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One-Hit-Wonder-Autor

Registriert: Jun 2002

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Hallo,

es ist immer schwer, eine Stimmung, eine besondere Stimmung wiederzugeben. Du hast m.E. nach viele zu lange Sätze gebraucht. Ich werde selbst beim lesen, etwas atemlos..
Nur mal vage Gedanken, als Anregung dazu..

lG

Stoffel

Es war ein lauer Sommerabend und die Sonne war in Begriff unterzugehen.
Am Ufer des Rheins tummelten sich diePärchen und die Ruhelosen und auf den Stegen hockten die Angler. Hier und da schallte der Lärm von den nahen, gutbesuchten Biergärten herüber, in denen geradedas Abendgeschäft begonnen hatte.
Der Fluss glitzerte goldrot und auf der anderen Seite brannten schon die Laternen, die ihngrößer und traumhafter erscheinen liess als er war. Wir saßen in einem Biergarten, der sich auf einer schmalen Landzunge zwischen dem Wasser und dem Winterhafen befand,in dem sanft die Boote schaukelten.
Über den Winterhafen führte eine lange, hölzerne Brücke her, und die Schritte der Ankommenden waren deutlich zu vernehmen, ehe sieaus dem warmen Düster der Nacht schieden. Wir saßen am Rand an einem der Tische und unter uns das finster-blitzende, verlockende Nass mit den Fischen , die hungrig unter der Oberfläche kreisten.
Bald versank die Sonne hinter den Weinbergen in unserem Rücken. Mainz wurde in eine köstliche, vom vielfachen Laternen-, Fackel- und Kerzenlicht durchwirkte Dunkelheit getaucht, die dich flüstern machte.
Und sie ließ dich von Dingen sprechen, die das Tageslicht nicht hervorbringen konnte. Du rücktest immer näher an die Mädchen heran, während die Musik immer langsamer wurde und die Luft immer dunstiger und wärmer. Ein zwergenhafter Mann in einer gestreiften Hose, der ein altes Akkordeon auf seinem dicken Bauch trug,mischte sich unter die trinkende, qualmende und sich unterhaltende Gesellschaft des kleinen Biergartens. Seine Lippen waren glühend rot und die Augen weiß bemalt.
Seine Stimme war krächzend, unschön, bald unerträglich, dennoch lauschten ihm die Leute; vielleicht, weil er so furchtbar schlecht war, weil man sah, dass er ein geschminkter Greis war, weil man die Worte nicht verstand, die er formte, aber die Musik. Die Musik war schauerlich und schräg; wie sein Gang, wie sein ganzes Wesen; sie wirkte, als tropfte sie geradewegs aus einem grotesken Traume. Als das Lied endete, klatschte niemand, nicht einmal ich, der aus Mitleid sonst klatschen würde.
Der Alte grinste hässlich und ging mit seinem Hut durch die Reihen, bat in gebrochenem Deutsch um einige klimpernde Münzen. Das Merkwürdige war: Er bekam Geld, mehr als je ein anderer vor ihm! Man füllte ihm den Schlapphut nicht allein mit Münzen, dass er teuflisch spannte; - nein, man reichte ihm Scheine hinterher!
Perplex sass ich da und staunte, bis ich an die Reihe kam und ihm verwirrt einen Fünfer zusteckte. Seine grünen Augen funkelten vergnügt, als er murmelte, danke, danke, morgen sei er wieder da, adieu, und verschwand.
Wir saßen noch lange da und sprachen vom Leben, der Liebe, den Freundschaften und all den anderen belanglosen Dingen, über die sechzehnjährige so redeten.

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GabiSils
???
Registriert: Mar 2002

Werke: 1
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Liebe Stoffel,

ich glaube nicht, daß das "Bügeleisen" dem Text gut tut. Deine Vorschläge sind sicher nicht falsch, nehmen der Geschichte aber eben das Besondere, die Atmosphäre. Als atemlos empfinde ich die Sprache nicht; drängend, vielleicht, aber das paßt.

Gruß,
Gabi

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Stoffel
gesperrt
One-Hit-Wonder-Autor

Registriert: Jun 2002

Werke: 468
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liebe Gabi,

so unterschiedlich sind Geschmäcker.
MIR fehlte noch ein Quentchen Athmo und die Sätze sind atem-los lang...leider.
Aber ich denke mal, wer hier in die Lupe geht, möchte JEDE Meinung hören..und sich gern verbessern. So wars zumindest seit über drei Jahren bei mir

lG
hab n schönes WE
Susanne

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