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Leselupe.de > Kurzprosa
Auszeit
Eingestellt am 03. 03. 2007 15:04


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Franka
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Auszeit

Die alten Gaslaternen waren angegangen. Doch sie lenkte ihre Schritte weiterhin zielstrebig in Richtung Strand. Feiner Nieselregen fiel bereits seit dem fr├╝hen Nachmittag. Sie hielt ihren gro├čen Schirm sch├╝tzend ├╝ber sich. Ihre F├╝├če steckten in farbigen Gummistiefeln. Der Regen machte ihr so nichts aus.
Unterwegs begegneten ihr nur wenig Menschen. Wer ging auch bei solch einem Wetter hinunter ans Wasser!

Heute war Freitag, der 13. Mai. Als sie sich vor einem Jahr trennten, hatten sie dieses Treffen verabredet. W├╝rde er, wie sie, sein Versprechen halten?
Wenn sie weiter so z├╝gig ginge, w├╝rde sie auf jeden Fall zu fr├╝h am verabredeten Treffpunkt, an der sehr abseits gelegenen, nur den Verliebten bekannten, Badestelle ankommen.
Ob er sich sehr ver├Ąndert hatte? So wie sie?
Noch vor einem Jahr wog sie zehn Kilo weniger, trug das Haar raspelkurz und war ein richtiges Nervenb├╝ndel. Mit ihrer Eifersucht hatte sie ihre Beziehung zerpfl├╝ckt, jeden Tag ein wenig mehr. So, wie man einem G├Ąnsebl├╝mchen mit ÔÇťer liebt mich, er liebt mich nichtÔÇŁ die Bl├╝tenbl├Ątter raubt. Irgendwann konnte er es nicht mehr ertragen, und bat sie um eine Auszeit.

Zun├Ąchst zog er in eine kleine Pension. Ihr blieb die gemeinsame Wohnung. Nachdem er nur wenige Wochen sp├Ąter einen Job in Hamburg angenommen hatte, fuhr sie mit ihrer Theatertruppe f├╝r ein halbes Jahr nach Paris.
Er brachte seine pers├Ânlichen Sachen zu den Eltern und sie bat ihre Schwester um eine Unterstellm├Âglichkeit f├╝r die ihrigen. Beide waren sie nun wohnungslos, traurig, aber gleichzeitig auch erleichtert.
In diesem Jahr der Trennung wollten sie dar├╝ber nachdenken, ob sie noch etwas verband und ob ein Neuanfang ein Chance sein k├Ânnte.

Die ersten Wochen in der Fremde wurden eine Tortour. Sie litt an Schlafst├Ârungen und fra├č allen Frust in sich hinein. Die freien Abende verbrachte sie vor dem Fernseher, mit Chips und Whisky.
Pl├Âtzlich stellte sich, sozusagen ├╝ber Nacht, Erfolg ein. Ihre Kollegin, die erste Besetzung, brach sich ein Bein und sie musste, durfte einspringen. F├╝nf Abende in der Woche stand sie nun auf der B├╝hne. Die Vorstellung war regelm├Ą├čig ausverkauft und der grandiose Erfolg des St├╝ckes f├╝hrte zu einer Verl├Ąngerung des Engagement der kleinen Theatertruppe. Zum ersten Mal in ihrem Berufsleben konnte sie zeigen, was wirklich in ihr steckte.
Am Ende der Spielzeit wurden die Vertr├Ąge verl├Ąngert und ihr eine Hauptrolle f├╝r die n├Ąchste Spielzeit angeboten.
Zeit zum Gr├╝beln blieb ihr nicht. Sie arbeitete hart. Die neue Rolle forderte Einsatz in einer ihr bis dahin unbekannten Weise. Bis sp├Ąt in die Nacht lernte sie Texte. Die verbleibende Zeit war durch einen Tanz - und einen Fechtkurs ausgef├╝llt. Die Tage und N├Ąchte vergingen mit Schallgeschwindigkeit. Zur Premiere war das Theater ausverkauft. Mit ihr als Star des Abends.

Fr├╝her hatte sie stets darauf geachtet, dass die Beziehung nicht unter ihrem Beruf litt. Sie wollte f├╝r ihn da sein. Er war es h├Ąufig nicht. Sehr oft wurde es sp├Ąt und das liebevoll zubereitete Essen kalt. Er war nach der Arbeit h├Ąufig m├╝de und schlief schon beim Gutenachtkuss ein. An ihren spielfreien Wochenenden brachte er Akten mit nach Hause oder fuhr sogar am Sonntag noch in die Kanzlei. Immer, wenn sie dann bei ihm anrief, ging seine Assistentin ans Telefon. Irgendwann fing sie an, das G├Ąnsebl├╝mchenspiel zu perfektionieren. Wenn er jetzt v├Âllig abgespannt nach Hause kam, gewitterte es Vorw├╝rfe und Verd├Ąchtigungen.

Der Regen hatte nachgelassen, sie den Treffpunkt erreicht. Ein Blick auf die Uhr zeigte, dass sie f├╝nfzehn Minuten zu fr├╝h war. W├Ąhrend sie nach einer trockenen Sitzgelegenheit suchte, ging sie in Gedanken noch einmal all das durch, was sie ihm unbedingt sagen wollte. Das Jahr hatte sie ver├Ąndert. Sie war sich nicht mehr sicher ihn zu lieben. Nein, es gab keinen anderen Mann in ihrem Leben, aber sein Platz war trotzdem besetzt und daf├╝r gab es viele Gr├╝nde. Sie w├╝rde mit ihm sehr ruhig dar├╝ber sprechen und dann ...
Sie schaute auf die Uhr. Er w├╝rde sich versp├Ąten.
Nach weiteren zwanzig Minuten war dann klar, dass es wohl keine Versp├Ątung war, er nicht kommen w├╝rde. Eigentlich m├╝sste sie w├╝tend auf ihn sein, doch f├╝hlte sie sich einfach nur erleichtert und frei. Beschwingt machte sie sich auf den Heimweg.

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no-name
Guest
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Hallo Franka,

ich gestehe, ich dachte bis zum Ende Deines Textes, der Mann w├Ąre verstorben und konnte deswegen nicht zum vereinbarten Treffpunkt kommen. (Ich stand sicher noch unter dem Einflu├č dieser wundervollen Tr├Ąnendr├╝sendr├╝cker-DVD, die ich heute Morgen genossen habe, denn da ging es um ein ├Ąhnliches Thema.) Mich hat die Aufl├Âsung irgendwie entt├Ąuscht, wohl, weil ich gedanklich auf ein anderes Ende fixiert war. Das Ende einfach offen zu lassen und nicht aufzul├Âsen, warum der Mann nicht kommt, halte ich auch f├╝r die beste Alternative. Was meinst Du? K├Ânntest Du Dich mit einem offenen Ende anfreunden?

Liebe Gr├╝├če von no-name.

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no-name
Guest
Registriert: Not Yet

Noch etwas...

dann m├╝sste allerdings meiner Meinung nach auf der Titel ge├Ąndert werden. ;-)

Gr├╝├če von no-name.

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Burana
Guest
Registriert: Not Yet

Hmmm ja, also ich w├╝rde das Ende ebenfalls offen lassen. Meiner Ansicht nach bleibt damit der Bogen gespannt, den Du sanft aufgezogen hast. Ich hatte mir beim Lesen schon gedacht, dass er nicht aus Arbeitseifer am Sonntag in der Kanzlei war, und die Assistentin gleich mit. Lass Deine Leser den Pfeil abschie├čen, ich zumindest w├╝nsche mir (f├╝rm mich)diese M├Âglichkeit am Schluss.
Liebe Gr├╝├če, Burana

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Franka
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Danke,
Schluss und Titel ge├Ąndert. (Weshalb bin ich blo├č nicht selber auf die Idee gekommen?)

Liebe Gr├╝├če
Franka

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Burana
Guest
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Ja, jetzt ist die Geschichte wirklich gut! Auch der Titel passt. Aus-Zeit...
Liebe Gr├╝├če, Burana

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flammarion
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der

korinthenkacker hat zwei fehler gefunden: . . .dass die Beziehung nicht unter ihren Beruf litt - ihrem, bitte
. . .machte sie sich auf dem Heimweg. auf den, bitte.
lg
__________________
Old Icke

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