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Leselupe.de > Humor und Satire
Autoliebe
Eingestellt am 07. 10. 2005 22:43


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Marius Speermann
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Neulich traf ich im Kaffeehaus meinen alten Freund Adi aus Israel, der seit kurzem hier in San Francisco wohnt. Er saß neu eingekleidet und entspannt bei einer Tasse Kaffee und las die Gebrauchtwagenanzeigen. Er winkte mir schon von weitem aufgeregt zu und lud mich zu sich an den Tisch. Rasch bestellte er fĂŒr mich einen Kaffee und bezahlte ihn sogleich mit einer großen Banknote.
Ich war erstaunt. Normalerweise war Adi der grĂ¶ĂŸte Schnorrer vor dem Herrn, ein König unter den sich schamlos einladen lassenden. Und jetzt diese Wandlung. Was war geschehen?

Adi lĂ€chelte und begann genußvoll zu schildern.
„Weißt Du, vor einiger Zeit hatte ich einen gebrauchten Wagen gekauft. Und zwar einen Toyota Camry, der im Erstbesitz war. Die Besitzerin war eine im fĂŒnften Monat schwangere junge Chinesin. Ihr Mann hatte beschlossen, daß sie einen auf den neuesten Sicherheitsstandards basierenden Volvo haben sollte. So weit, so gut.“

Adi tat einen Schluck und fuhr fort.
„Wie sich aber herausstellen sollte, war dieser Wagen der erste, den die werdende Mutter besessen hatte. Sie war bereits zögerlich, als sie die Unterschrift auf den Verkaufsvertrag setzen sollte. Ihr Gatte mußte sie sanft anstubsen, damit sie endlich unterschrieb. Bei der Übergabe des AutoschlĂŒssels hielt sie den SchlĂŒsselbund so krampfhaft fest, daß uns, also ihrem Mann und mir, es nur durch gewaltsames Aufbrechen ihrer Finger gelang, ihr die SchlĂŒssel aus der Hand zu reißen.
In ihrer Verzweiflung stĂŒrzte sie sich anschließend auf die Motorhaube des Wagens, umarmte ihn und brach in lautes Schluchzen aus.“

Ich schĂŒttelte unglĂ€ubig den Kopf. Aber Adi deutete mir Geduld und erzĂ€hlte weiter.
„Nach nicht mal zwei Stunden Geheule und Geschluchze stieg sie geknickt am Arm ihres Mannes in den Volvo und sie fuhren fort.
Damit könnte die Geschichte ein Ende haben. Dem war aber nicht so.“

Adi holte Luft, bestellte mir noch einen Kaffee und begann von Neuem.
„Am nĂ€chsten Tag glaubte ich kaum meinen Augen zu trauen. Draußen in der Einfahrt stand die Vorbesitzerin und legte eine Rose auf den Wagen. Dabei kĂŒĂŸte sie herzhaft die Windschutzscheibe und halste die TĂŒr. Ich rief sofort ihren Mann an, der sie dann auch sogleich abholte. Ich beschloß, den Wagen von nun an nur mehr in der Garage zu parken.“

Mein Kaffee war unberĂŒhrt kalt geworden, ich lauschte gespannt Adis ErzĂ€hlung.
„Am darauffolgenden Morgen sah ich Licht in der Garage. Normalerweise schalte ich es nie ein, man möchte ja schließlich Strom sparen. Aber es schimmerte ganz deutlich durch den TĂŒrspalt. ‚Einbrecher’, schoß es mir durch den Kopf und ich pirschte mich leise an die GaragentĂŒr. Vorsichtig schob ich die TĂŒr einen Spalt auf und erhaschte einen Blick auf – rate mal wen? – die Chinesin. Sie war irgendwie in die Garage eingedrungen und wischte mit TrĂ€nen in den Augen den Wagen ab.
Du kannst Dir vorstellen, daß ich fuchsteufelswild wurde. So konnte das doch nicht weitergehen. Ich zerrte sie raus und ihr Mann holte sie sogleich unter gestammelten Entschuldigungen ab.“

Er hielt inne. Ich sah in seinem erschöpften Blick die Geschichte von einem Mann, der Schlimmstes durchgemacht haben mußte.
„Ich fuhr sofort in den nĂ€chsten Heimwerkermarkt und kaufte alles Notwendige ein. Stacheldraht, Leuchtdioden, Alarmanlage – was man eben so braucht. Ich umgab mein Haus mit einer undurchdringlichen Sperre. Keine MĂŒcke sollte mehr unbemerkt durchkommen.“

Adi verschnaufte.
„Was soll ich sagen? Am nĂ€chsten Tag um die gleiche Zeit, wer steht in der Garage unbemerkt drin? Und dieses mal sogar mit einem großen Blumenstrauß und einem schleifenverzierten ÖlflĂ€schchen?
Ich verzweifelte. Ich baute einen SchĂŒtzengraben, stellte ehemalige Marinesoldaten als ScharfschĂŒtzen ein, legte Minenfelder um die Garage an, ließ blutrĂŒnstige Wachhunde um die Garage patroullieren, hatte Kampfeichhörnchen im Gras herumspringen. Nichts! Absolut Nichts! Jeden Tag hatte sie sich aufs Neue Zutritt verschafft, der Teufel weiß, wie ihr das gelang. Ich ging sogar so weit, daß ich den Wagen woanders parkte. Egal wo, sie fand den Wagen und streichelte ihn, streute RosenblĂ€tter vor seine Reifen oder schmußte ihn ab. Ich fuhr sogar nach Alaska, Mexiko und Hawaii, und wen traf ich dort auf egal welchem Parkplatz? Sie!“

Er war außer sich vor, er atmete schwer.
„Dann hatte ich eine Idee. Ich stellte vor der Garage eine Tafel auf und schrieb ‚1 Stunde - 5 Dollar’. Das wirkte. Sie kam, las, reichte mir die fĂŒnf Dollar und verbrachte eine zĂ€rtliche Stunde mit dem Wagen. Seit sie ihr Baby bekommen hat, nimmt sie es mit und bezahlt fĂŒr zwei. Manchmal begleitet sie auch ihr Ehemann oder sie bringt Freunde mit.“

Adi lehnte sich zufrieden zurĂŒck.
„Seither habe ich einige weitere Gebrauchtwagen gekauft und stelle sie aus. Die Vorbesitzer kommen regelmĂ€ĂŸig, zahlen die EintrittsgebĂŒhr, hĂ€tscheln und tĂ€tscheln ihre ehemaligen Wagen und ich muß mich um nichts kĂŒmmern, außer das Geld auf die Bank zu tragen. Ich muß dorthin zwar zu Fuß gehen, aber was macht man nicht alles fĂŒr seine Kunden?“

Er griff nach seinem Kaffee, trank ihn aus und entschuldigte sich.
„Ich habe heute noch einen Termin auf der Bank, wegen einer Vermögensanlage. Meine SparbĂŒcher sind bereits so fett, daß sie schon gar nicht mehr zuklappen wollen.“

Adi entschwand vergnĂŒgt lĂ€chelnd und federnden Schrittes. Ich machte mich nachdenklich auf den Weg nach Hause. Mir konnte sowas leider nicht passieren. Mein fabriksneuer Wagen hatte keinen Vorbesitzer gehabt.

Vor meiner HaustĂŒr traf ich einen schĂŒchternen Glatzkopf mit einem Strauß Rosen in der Hand. „Entschuldigen Sie“, sprach er mich an, „Sind Sie der Besitzer dieses fabriksneuen Wagens da drĂŒben? Sie mĂŒssen wissen, ich arbeite im Automobilwerk, und dieser Wagen war der erste der neuen Serie, den ich zusammengebaut habe.“
Mein Blick erhellte sich.
„DĂŒrfte ich ihn mal berĂŒhren?“ bettelte er.
„FĂŒnf Dollar!“ antwortete ich ungerĂŒhrt. Was kann man nicht alles von seinen israelischen Freunden lernen...

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NewDawnK
???
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Hallo Marius,

das beste ist wieder einmal Dein Spannungsbogen.
An der Stelle "halste die TĂŒr" bin ich leicht ins Stocken und RĂ€tseln geraten... so gesehen eine schöne Entspannungspause.
"Israel" muss meiner Meinung nach nicht sein, das klingt so nach Zaunpfahl. Mich sprechen Deine Texte eher an als die von Kishon, weil Deine Themen aktueller und vor allem lebensnaher sind.
"Chinesin" liest sich in meinen Augen ein bisschen diskriminierend - wer weiß, weshalb. Man staunt manchmal ĂŒber die eigenen latenten Vorurteile.
"Kampfeichhörnchen" ist obergenial, und die GeschÀftsidee ist mehr als ein paar Gedanken wert.

Danke fĂŒr die LĂ€cheln (Plural!) am frĂŒhen Morgen,
NDK

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Marius Speermann
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Danke fĂŒr Deinen Kommentar.

BezĂŒglich Israel und Chinesin: die Geschichte ist, zumindest die erste Phase, wirklich so passiert. Adi gibt's wirklich, er ist ein Mitarbeiter, den ich innerhalb unserer (ĂŒbrigens deutschen) Softwarefirma von Israel nach Kalifornien transferiert habe und der in meinem Team arbeitet.
Hier in der Bay Area/Silicon Valley hat das nichts diskriminierendes an sich, wenn ich von Chinesen, Indern, Israelis etc. spreche, weil wir genau dieses Gemisch haben. In meinem Team von 9 Leuten sind wir 7 NationalitÀten, aus mehr oder weniger allen Ecken der Welt.

Wenn natĂŒrlich der Bezug zu Israel zu sehr nach Anbiederung an Kishon klingt, dann könnte ich das rausnehmen. Andererseits können wir (EuropĂ€er) immer von den Amis und Israelis lernen, wie man "GeschĂ€fte" macht ;-)

Mario

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flammarion
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nee,

laß mal die geschichte, wie sie ist. es ist doch allgemein bekannt, dass sich in amerika an jeder ecke fast alle nationalitĂ€ten treffen.
lg
__________________
Old Icke

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Denschie
Guest
Registriert: Not Yet

hallo marius,
eine gelungene geschichte.
an einigen stellen klingen die formulierungen
seltsam:

quote:
„Weißt Du, vor einiger Zeit hatte ich einen gebrauchten Wagen gekauft. Und zwar einen Toyota Camry, der im Erstbesitz war. Die Besitzerin war eine im fĂŒnften Monat schwangere junge Chinesin.
1) "habe ich einen gebrauchten wagen gekauft"
2) "erstbesitz" ist ein komisches wort. ich glaube
nicht, dass man das von einem wagen sagt. außerdem
erwÀhnst du im satz davor, dass es sich um einen
gebrauchtwagen handelt, und im satz danach, dass die
besitzerin eine chinesin war. du könntest den nebensatz
also ganz einsparen.
quote:
„Nach nicht mal zwei Stunden Geheule und Geschluchze stieg sie geknickt am Arm ihres Mannes in den Volvo und sie fuhren fort.
wieso "nach nicht mal? zwei stunden sind eine lange
zeit, es mĂŒsst dann doch eher heißen: "nach geschlagenen
zwei stunden" oder "endlich, nach zwei stunden, ..."
oder? irgendwie ist das unlogisch.
quote:
Ich rief sofort ihren Mann an, der sie dann auch sogleich abholte.
"sofort" und "sogleich" klingt sehr nach wiederholung.
eines wĂŒrde ich herausnehmen.
quote:
„Was soll ich sagen? Am nĂ€chsten Tag um die gleiche Zeit, wer steht in der Garage unbemerkt drin?
hier ist der satzbau nicht ganz korrekt.
quote:
Egal wo, sie fand den Wagen und streichelte ihn, streute RosenblĂ€tter vor seine Reifen oder schmußte ihn ab.
"schmuste" schreibst sich ohne "ß".
quote:
„Ich habe heute noch einen Termin auf der Bank, wegen einer Vermögensanlage. Meine SparbĂŒcher sind bereits so fett, daß sie schon gar nicht mehr zuklappen wollen.“
das ist eher ein inhaltlicher kritikpunkt. ich finde
den spruch von den sparbĂŒcher, die sich nicht mehr
zuklappen lassen nicht sonderlich witzig.
quote:
fabriksneuen
muss "fabrikneuen" heißen.

ich dachte ĂŒbrigens auch darĂŒber nach, ob sich durch
den letzten satz nicht das vorurteil ĂŒber die juden,
die ach-so-gut geschÀfte zu machen wissen, reproduziert.
eine schwierige sache. in amerika hat man bestimmt ein
unverkrampfteres verhÀltnis dazu. letztendlich stört es
mich nicht, bloß wĂŒrde ich niemals eine geschichte
ĂŒber einen israeli schreiben, der mich auf eine
geschÀftsidee gebracht hat. selbst wenn es wirklich so
passiert wÀre. irgendwas sperrt sich mir da. wirklich
unbefangen könnte ich nicht an das thema gehen.

lg, denschie

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Marius Speermann
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Lieber Denschie,
Danke fĂŒr den starken Kommentar. Ich werde die Änderungen durchgehen.

Was Israeli/Juden betrifft: ja, da haben wir aus unserer gemeinsamen Geschichte immer noch ein sensibles VerhĂ€ltnis. Warum sich das auch nicht entspannt, ist m.M. nach auch das Fehlen direkter Erfahrung. Sprich: wo hat man in Ö oder DE tĂ€glich Umgang mit Juden? Es gibt zu wenige, als dass ich Erfahrung und Wissen sammeln könnte.

Ich habe hier in Kalifornien aber sowohl das, was man unter klassisches amerikanisches Judentum - sprich jenem, das aus dem europÀischen durch Emigration hervorging, kennengelernt, als auch mit den jungen, in Israel geborenen Israelis zu tun (in meinem Team arbeiten alleine zwei), und zwar sowohl dienstlich als auch privat.

Man erkennt einen Wesensunterschied, vor allem im Witz: der jĂŒdische Witz ist anders, als der israelische. Letzterer ist sehr stark von Stolz und Selbstsicherheit geprĂ€gt. Immerhin zĂ€hlt man zu den ersten 2-3 Generationen, wo man sein Schicksal selbst in die Hand nehmen und mehrmals Gefahr abwenden konnte.

Was dann aber doch wieder zeigte, wo ihre Wurzeln sind, sah ich dann, als ich den einen israelischen Kollegen mitsamt seiner Familie nach Kalifornien ĂŒbersiedeln habe lassen. Die Art an AktivitĂ€ten und Netzwerk, die sie da ausgeschöpft haben, war erstaunlich. Auch in einer unglaublichen flexiblen Art, schnell was zum "Handelsabschluss" zu kriegen.
Klar: irgendwie macht das jeder, wenn er vor so einer Situation steht, aber im Vergleich zu Kollegen aus anderen LÀndern (Europa,...), die Àhnliches tun mussten, war das einfach völlig anders und meiner Meinung nach viel effizienter.

Aber ich kann natĂŒrlich voreingenommen sein. Was ich sagen will: ich möchte diesen Teil ganz bewusst drinlassen, auch weil ich hier in USA eine etwas andere Sicht auf die Dinge bekam. Das soll ja den Charme der Geschichten auch ausmachen, eben von einem EuropĂ€er, der in USA vor allem mit seinen Vorurteilen kĂ€mpft...

Marius

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