Diese Seite verwendet Cookies. Wenn Sie das nicht akzeptieren, müssen Sie Cookies in Ihrem Browser verbieten oder diese Seite verlassen.    OK  
 leselupe.de
Werbung
 Meine Leselupe

Mitglieder:   5438
Themen:   92257
Momentan online:
99 Gäste und 1 Mitglieder
Username:
Passwort:
Registrieren
Passwort vergessen?


Leselupe.de > Kurzgeschichten
Bad Trip
Eingestellt am 01. 03. 2010 16:48


Autor
Ein neues Thema veröffentlichen.     Antwort veröffentlichen.
Lio
Häufig gelesener Autor
Registriert: Jul 2009

Werke: 35
Kommentare: 128
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um Lio eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil

Bad Trip


Ein roter Mond steht oben fett am Himmel, zeigt mir sein rundes Hinterteil. Ich muss schallend lachen. „Ja, ja, du Drecksack!“, rufe ich zu ihm hoch und drohe ihm mit der Faust.

In meiner Wasserflasche ist kein Tropfen mehr. Ich kneife das rechte Auge zu und versuche den Bauch der Flasche zu scannen. Nichts. Nur staubige Ödnis da drin und der Mond am Himmel hält seinen Hintern noch immer gelüftet.

„Kannst du vielleicht mal das Foppen sein lassen und mir verraten, wo ich hier bin?“, rufe ich hoch.
„Ho ho ho!“ kommt es von oben. „Du weißt nicht, wo du bist?“
Ich schleudere die Wasserflasche in seine Richtung. Warum habe ich überhaupt mit ihm gesprochen…
Unten spüre ich die Gräser und Disteln unter meinen Füßen. Bei jedem Schritt tausendfaches Piksen, so als würde jemand an meinen Nasenhaaren zerren.

Hinten, unter einer dicken Esche, sehe ich `was Blankes schimmern und der rote Mond grinst und grinst und grinst, der verdammte Fettsack.
Das schimmernde Etwas entpuppt sich als ein nackter Frauenleib. Ich drehe ihn um. Sarah! Was in Gottes Namen macht Sarah überhaupt hier? Ihr kleben die braunen Locken an der bleichen Stirn. Die herrliche Stupsnase ist plötzlich so spitz, sieht aus wie ein Fingerhut, den man ihr schräg aufgesetzt hat.
Ich rüttele sie und verteile Ohrfeigen. „Sarah! Was ist mir dir los?“
Da bewegen sich ihre Augenlieder. Sie sieht mich, lächelt.
„Sarah, geht es dir gut?“ Ihr Kopf sackt nach hinten. Ich lege sie behutsam auf den Boden und sehe hoch zum Mond.
„Du Arschloch!“ rufe ich zu ihm hoch.
„Aber, aber, solche Wörter!“ höre ich ihn. Wenn er jetzt eine Brille hätte, würde sie ihm auf die Nasenspitze rutschen.
„Was hast du mit ihr gemacht?“, rufe ich.
Keine Antwort mehr. Ich muss Hilfe holen.
„Ich bin gleich wieder bei dir!“, versichere ich Sarah auf Knien.

Dann geht es los. Ich renne so schnell wie ich nur rennen kann. Das Piksen unter meinen Füßen spüre ich fast gar nicht mehr. Nur manchmal brennt es meine Unterschenkel hoch.
Aber ich muss Sarah helfen. Endlich: Die Straße.
Immer noch ist es Nacht. Überall Sterne und mitten drin der grinsende, rote Mond. Nein, ich darf mich jetzt nicht ablenken lassen.
In der Ferne kommen zwei kleine Leuchtkugeln näher.
GOTT SEI DANK; EIN AUTO!
Im Scheinwerferlicht zeige ich dem Autofahrer an, dass er anhalten soll. Er verlangsamt und beschleunigt dann. Er fährt vorbei.
„FUCK OFF!“ brülle ich und höre kurz darauf die Baumwipfel des Waldes antworten. „Fuck off“ säuseln sie zurück.
„Was soll ich denn jetzt machen?“

Ich renne los, in die Richtung, in die das Auto davon ist. Irgendwo muss es doch hier ein Dorf geben. Wo bin ich nur, verdammte Scheiße.
Wieder ein Auto. Diesmal kommt es mir entgegen. Ich bleibe in der Mitte der Straße stehen.
Der Fahrer hält an, kurbelt das Fenster herunter. Es ist ein Bauer, mit huschenden Augen und Hängebacken.
„Was ist denn mir dir passiert?“ fragt er.
„Sarah, ist da drin!“ rufe ich. „Sarah, meine Freundin, stirbt, kommen sie schnell, kommen sie!“
Seine Augen flitzen über meine Nase, meinen Mund, den Wald hinter mir.
„Wo liegt sie denn?“, fragt er.
„Hinten! Kommen Sie!“ rufe ich und zerre ihn an seinem Flanellhemd.
„Bleib hier, wo du bist, ich rufe die Polizei!“ sagt er.
„NEIN! Verstehst du nicht, was ich sage, Sarah stirbt!“. Ich zerre noch ärger an seinem Hemd. Er schüttelt mich weg und drückt aufs Gas.

Irgendwann später sehe ich blaue Blinklichter näher kommen. Ich flüchte; mit den Bullen, will ich nichts zu schaffen haben. Immer den Abhang `runter, aber da stellt sich mir ein scharfer Brombeerbusch in den Weg, so dass ich ins Schleudern komme und der Länge nach hinknalle. Oben höre ich Türen schlagen. Zwei Schattengestalten kommen mit Taschenlampen herunter. „Bleiben Sie dort, wo Sie sind, wir kommen!“ ruft einer.
„Den Teufel werde ich tun!“, flüstere ich.

Ich will mich aufrichten, aber da zieht sich ein eiskalter Schmerz vom Knöchel bis in meine Fingerspitzen. Ich muss mir was verstaucht haben, oder gebrochen.
Jetzt stehen die Beiden über mir. Aber was ist das? Zwei Monstern sind das, mit gelbglühenden Augen. Der eine hat einen Schnauzer, der andere ein riesengroßes, glatt rasierten Kinn.
Ich sehe zu Ihnen hoch, sie schauen auf mich herab. „David gegen Goliath“, murmel ich und hebe die Fäuste.
„Haben Sie Drogen genommen!“, ruft Monster Eins mir ins Gesicht. Die Enden seines Schnauzers hüpfen.
„Ich hole eine Decke!“ sagt Monster Zwei.
„Ich brauche keine Decke!“, fauche ich und springe, trotz schrecklicher Schmerzen, nach vorne; verbeiße mich in einer Wade, verkralle mich in einem Oberschenkel.
Dann ein dumpfer Schlag und aus.

Ich wache auf. Meine Kehle ist staubtrocken. Das ist unangenehm, aber nicht so schlimm. Auch das stechende Pochen in meinem Fuß ist zu verkraften. Entsetzlich ist das Kreischen in meinem Kopf. So wie Fingernägel, die über Styropor fahren, hört es sich an.

Unter Ächzen sehe ich mich um. Neben mir liegt ein schlafender Junge mit einem Verband, um den Kopf.
Wo ist Sarah?
Mühsam hebe ich den Arm, drücke den Rufknopf. Sofort fällt mein Arm wieder herunter und dabei immer dieses Kreischen. Die Schwester kommt.
Ich lege die Stirn in Falten, rolle wohl mit den Augen, als ich frage: „Wo ist Sarah?“
„Ihre Freundin liegt im zweiten Stockwerk. Sie schläft sich aus!“, antwortet die Krankenschwester.
Für einen Augenblick ist das Kreischen weg, für einen Augenglick spüre ich die Trockenheit in meiner Kehle nicht mehr und den pochenden Schmerz in meinem Knöchel.
„Gott sei Dank!“, murmel ich.

Bearbeiten/Löschen   ebook  Druckversion


suzah
Guest
Registriert: Not Yet

hallo lio,
diese (alb-)traum geschichte gefällt mir.

einiges müsste meines erachtens allerdings etwas anders beschrieben sein, vielleicht fällt dir noch etwas besseres dazu ein:

"In der Ferne kommen zwei kleine Leuchtkugeln näher."
autoscheinwerfer wirken nicht wie leuchtkugeln, die ja hoch am himmel stehen würden.

"ein eiskalter Schmerz vom Knöchel"
ich würde das eher als stechenden schmerz empfinden.

"verbeiße mich in einer Wade, verkralle mich in einem Oberschenkel."
das ist mir nicht klar, ich würde denken, er meint eigentlich seine eigenen.

"Entsetzlich ist das Kreischen in meinem Kopf. So wie Fingernägel, die über Styropor fahren, hört es sich an."
hm,ich kann mich nicht erinnern, dass das so ein geräusch macht? ich würde eher an eine motorsäge denken oder evtl das kratzen eines messers über einen teller.

liebe grüße suzah

Bearbeiten/Löschen    


1 ausgeblendete Kommentare sind nur für Mitglieder und nur mit eingeschaltetem Javascript erreichbar.
Zurück zu:  Kurzgeschichten Ein neues Thema veröffentlichen.     Antwort veröffentlichen.


Leselupe-Bücher



Amazon



Facebook


Werde Fan der Leselupe auf Facebook!