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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Bannwald
Eingestellt am 20. 04. 2014 16:02


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Lomil
One-Hit-Wonder-Autor
Registriert: Apr 2014

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Bannwald

Nur f├╝r ge├╝bte Wanderer mit entsprechender Kleidung und geeignetem Schuhwerk, stand auf dem Schild am Eingang des Wanderweges, der hinunter ins Simonsw├Ąldertal f├╝hrte.
Den ersten Teil der Anordnung erf├╝llte ich uneingeschr├Ąnkt, und beim Zweiten entschloss ich mich; Jeans, T-Shirt und Turnschuhe als entsprechend geeignet gelten zu lassen.
Mit der Fl├╝chtigkeit eines Gedankens, der Angst ihn zu Ende zu denken, entschloss ich mich den Weg zu gehen.
Meine eigene Entscheidung missbilligend sch├╝ttelte ich den Kopf.
Was sollte passieren. Oft genug waren wir diesen Weg gegangen.
Er, den ich meinen Mann nannte,unsere Tochter Vater, seine Eltern Sohn, Bruder, Schwager, Schwiegersohn, Freund.
Zur Pr├╝fung der Wetterlage schaute ich zum Himmel. Er sah unaufger├Ąumt aus. Wie nach einem Streit an dem die Dinge ihrer eigentlichen Position beraubt, achtlos liegen gelassen wurden.
Er, den ich meinen Mann nannte, konnte Tage im voraus, auf Grund von Wolkenbildung und Windrichtung das Wetter bestimmen. Und er irrte nie. Geduldig hat er mir immer wieder zu erkl├Ąren versucht, um immer wieder an die Grenzen meines Verstandes zu sto├čen.

Nun war Schweigen an die Stelle unserer, fr├╝her immer so lebhaften und m├╝helosen Gespr├Ąche getreten. Ich wei├č nicht mehr wie seine Stimme klingt, mit der er nicht mehr zu mir spricht, um mir auf meine Fragen zu antworten. Dabei w├Ąre die Entfernung die uns trennt, gerade noch gering genug. Doch er tr├Ągt seine Stimme, die in ihm eingeschlossen ist, mit sich fort. Ich verliere seine Stimme.

Im Schlaf hat sich seine Stimme manchmal zu mir her├╝ber gestohlen. Im Traum hab ich ihn reden h├Âren. Warm sind die Worte aus seinem Mund gekommen. Ich f├╝rchte mich davor seine Stimme zu verlieren. An die Art des Schweigens das zwischen uns liegt, wie ein Fremdk├Ârper.

Ich hatte die Br├╝cke betreten, die durch die Schlucht f├╝hrte.
Linksseitig in den Fels geschlagen. Rechts diente ein lose h├Ąngendes Stahlseil als Gel├Ąnder.Gesichert durch, alle zwei Meter, angebrachte Querverstrebungen.
Die Gr├╝nspan ├╝berzogenen Holzplanken und mein ungeeignetes Schuhwerk lie├čen es nicht zu, die Schlucht schnell zu durchqueren.
Wenn ich stehen blieb, war es, bis auf meinen Herzschlag, der in meinen Ohren dr├Âhnte, totenstill. Selbst der Bussard, der mich seit geraumer Zeit begleitete, lag ohne Fl├╝gelschlag auf dem Wind.

Ich schrie den Namen von dem, den ich meinen Mann nannte; immer und immer wieder. So, dass Echo und Ruf aufeinander prallten, bis es mir weh tat.Die kalte Luft, die meine Lungen f├╝llte, um sich im Schrei zu entladen, versetzte meinen Bronchien Nadelstiche. Der erh├Âhte Pulsschlag wurde durch die angeschwollene Schlagader sichtbar. Wei├č traten die Kn├Âchel meiner H├Ąnde hervor, mit denen ich das Stahlseil umklammert hielt. Lie├čen die Muskelstr├Ąnge an den Armen st├Ąrker heraustreten.

Ich vermisse die H├Ąnde von dem, den ich meinen Mann nannte. Gro├če kr├Ąftige H├Ąnde mit feingliedrigen Fingern. Gepflegte H├Ąnde. Z├Ąrtliche H├Ąnde. Wie sie den F├╝ller hielten, mit dem er stets schrieb. Saubere akkurate Schrift. Wie er das Besteck hielt, das Glas, das Lenkrad. den Apfel, den Schneeball formte.....
Meine Hand in die Seine nahm, wenn wir nebeneinander herliefen.

Haltlos hatte ich die Schlucht durchquert und befand mich auf einem kleinen Anstieg, bevor es endg├╝ltig hinab ging ins Simonsw├Ąldertal. Erst hier wurde deutlich, wie sehr man die Natur sich selbst ├╝berlassen hatte. Es wurde nicht aufgeforstet. Abgestorbenes blieb liegen.

Der, den ich meinen Mann nannte, hatte den Hunger nach Farben und Ger├╝che der Natur in mir geweckt, die sich jetzt so elementar vor mir ausbreiteten.
Ich setzte mich, auf das von Moos ├╝berwachsene, abgestorbene Geh├Âlz.
Wielange es wohl dauern w├╝rde, bis mich jemand findet?



Version vom 20. 04. 2014 16:02
Version vom 22. 04. 2014 16:18
Version vom 22. 04. 2014 16:33

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eisblume
Guest
Registriert: Not Yet

Hallo Lomil,

ich gehe mal davon aus, dass der, den sie ihren Mann nannte, verstorben ist.
Was mir z. B. sehr gut gef├Ąllt, ist dieser Satz (trotz fehlendem Komma):

quote:
Ich f├╝rchte mich davor seine Stimme zu verlieren.

Ansonsten spricht mich die Geschichte aber jetzt nicht an.
Eine Frau vermisst ihren Mann, trauert, und obwohl aus der Ich-Perspektive erz├Ąhlt, l├Ąsst mich das v├Âllig kalt. Ich bin der ├ťberzeugung, dass die Geschichte durch eine K├╝rzung, die mehr den Inhalt im Auge behielte, als sich mit sprachlichen Spielereien besch├Ąftigte, deutlich gewinnen w├╝rde.

Als Beispiel sei diese Stelle aufgef├╝hrt:
quote:
Mit der Fl├╝chtigkeit eines Gedankens, der Angst ihn zu Ende zu denken, entschloss ich mich den Weg zu gehen. Fl├╝chtigkeit. Flucht. Angst gehalten, ausgehalten, zu Ende gedacht werden.
Das fett Markierte klingt jetzt wohl formuliert, ist an der Stelle aber zu viel des Guten und wirkt zudem zu aufgesetzt.


Noch so einiges, das mir unsch├Ân ins Auge gesprungen ist:
quote:
Er, den ich meinen Mann nannte. Unsere Tochter Vater, seine Eltern Sohn. Bruder, Schwager, Schwiegersohn, Freund.
Die Punkte dazwischen sind unn├Âtig irref├╝hrend, wie das gesamte Konstrukt sehr unsch├Ân ist.

quote:
Mein Blick zum Himmel zur Pr├╝fung der Wetterlage, sagte mir nichts. Er sah unaufger├Ąumt aus.
Hier stimmt zum einen der Bezug nicht; das "Er" bezieht sich auf den Blick und nicht auf den Himmel; zum anderen finde ich die Wendung "Mein Blick sagte mir nichts" recht schr├Ąg.

quote:
Doch er tr├Ągt seine Stimme, die in ihm eingeschlossen ist, mit sich fort. Unerhoben, unverwendet.
Der Satz an sich ist sehr sch├Ân, das fett Markierte ist ├╝berfl├╝ssig (wie soll er seine Stimme erheben/verwenden, wenn er tot ist).

quote:
Ich f├╝rchte mich davor seine Stimme zu verlieren. An der Art des Schweigens das zwischen uns liegt, wie ein Fremdk├Ârper.
Welche Arten des Schweigens gibt es denn, wenn er tot ist?
(Au├čer nat├╝rlich, er w├Ąre gar nicht tot. Dann allerdings w├╝rde mich die Geschichte noch mehr verwirren. )

Dabei belasse ich es jetzt.
Vielleicht noch eine kurze Anmerkung zum Schluss. Eine Kurzgeschichte soll/muss ja mit einem offenen Ende enden, hier sehe ich nur so ein offenes Ende nicht. F├╝r mich h├Ârt die Geschichte einfach mittendrin auf, ganz so, als sei sie dir inzwischen lang genug und du wolltest zum Ende kommen.

freundlichen Gru├č
eisblume

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Lomil
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Hallo eisblume.

Vielen Dank f├╝r Deine konstruktive Kritik. Ich werde den Text nochmal ├╝berarbeiten.

Gru├č Lomil

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