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Leselupe.de > Essays, Rezensionen, Kolumnen
Bauen in Berlin und andere Zumutungen.
Eingestellt am 03. 05. 2018 10:10


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Robert Werner
Wird mal Schriftsteller
Registriert: May 2018

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Bauen ist etwas sehr Schönes. Es wird Neues geschaffen und Altes kann gelegentlich weg. Auch in Berlin. Der interessierte und gutwillige Berlintourist wandert seit vielen Jahren „Unter den Linden“ entlang und sucht zwischen hohen, bunt beklebten und mit Graffiti geschmĂŒckten BauzĂ€unen, hölzernen Behelfs- FußgĂ€ngertunneln und in 3-4 m ĂŒber den Köpfen gefĂŒhrten, farblich sehr hĂŒbsch schweinchenrosa gestrichenen, dicken Wasserrohren auf ebenso dicken Betonklötzen, also eher „Über den Linden“, nach geeigneten Fotomotiven. Von der Berliner City- Ost ist nicht viel zu erkennen, manch einer vermutet sich hier in Petropawlowsk- Kamtschatka. Da dieses unserem geschĂ€tzten rotrotgrĂŒnen Senats- FĂŒhrern lange bekannt ist, sorgt man sich, man sorgt sich hier ĂŒberhaupt sehr viel, nun, und macht VorschlĂ€ge. Nicht, dass die langen Bauarbeiten endlich zum Ende kommen sollten, nein, man möchte den Besuchern interessantere Ziele vorschlagen. Der Tourist soll nicht in den Cities Ost und West herumlungern, sondern sich unter den SehenswĂŒrdigkeiten der zweiten Linie, in anderen Bezirken nach Schnappschussmotiven umschauen. Unser BĂŒrgermeister, der Erbe von Herrn Wowereit, ( Klausi! ), Herr MĂŒller, könnte doch die MĂŒllverbrennungsanlage und die Tierkörperbeseitigungsanstalt in Ruhleben empfehlen, auch der, begrifflich sicher Herrn MĂŒller‘ s SPD zusagende, Verschiebebahnhof Rummelsburg lĂ€dt auf Grund seiner Weite zu langen ausgedehnten SpaziergĂ€ngen ein. Bei schlechtem Wetter findet jedermann in Berlin-Wittenau (ehemals Dalldorf) im dortigen StĂ€dtischen Irrenhaus einen aufgeschlossenen GesprĂ€chspartner bei Kaffee, Kuchen und Valium.

So, von den VorschlĂ€gen angeregt, macht sich der Tourist jetzt auf den Weg, natĂŒrlich mit den Öffentlichen. Sehr zu empfehlen ist die S- Bahn mit ihrem wirklich guten und weit reichenden Netz. Sie ist regelmĂ€ĂŸig tĂ€glich unterwegs. Falls nicht das neue PhĂ€nomen vorliegt, welches es frĂŒher nicht gab. Es heißt „Wetter“. Wenn es nĂ€mlich heiß, kalt, windig, regennass oder gar schneeig ist, auch vor HerbstblĂ€ttern auf den Gleisen wurde schon gewarnt, wird der gesamte Zugverkehr aus SicherheitsgrĂŒnden stark eingeschrĂ€nkt. Man wird durch Lautsprecher auf dem Bahnsteig direkt darĂŒber informiert: Der Zug auf Gleis „ss“ fĂ€hrt um „ekztnuhrnf“ ĂŒber „Llmsbrg“ nach „nnsee“. So ist man im Bilde und muss sich keine Sorgen machen. Aber ohne Wetter lĂ€uft es gut. Höchstens, es wird mal gestreikt. Die Gewerkschaft der Lok- (Vögel) FĂŒhrer ist sehr berĂŒhmt und hochgeachtet. Aber auch die anderen Berufsgruppen bei der S- Bahn sind in einer der vielen Gewerkschaften vertreten und jede Gewerkschaft kann problemlos alleine den Betrieb zum Stillstand bringen. Alle Menschen in der Stadt freuen sich dann ĂŒber das Engagement und haben VerstĂ€ndnis.

Ja, bauen könnte, wenn das mit dem Geld nicht wĂ€re, schön sein. Nach lediglich sieben Jahren und fĂŒr 440 Millionen, statt der geplanten 240 Millionen, steht unsere Staatsoper wieder zur VerfĂŒgung. Drinnen riecht es etwas nach Farbe, sonst ist es, bis auf neue Toiletten, wie vorher. Auf einen zeitgemĂ€ĂŸen Innenausbau mit besserer Akustik wurde explizit verzichtet, und der lustlose DDR Barock, die mĂ€ĂŸige Akustik, knapp bemessene Sitzreihen trotz neuer Bestuhlung, blieben erhalten. Auch braucht sich niemand die vertraute drangvolle Enge abzugewöhnen. Das viele Geld wurde wohl mehr im Untergrund, dem heimischen Terrain unseres Senates, verbaut.

SchrĂ€g gegenĂŒber befindet sich die Museumsinsel, der man, da dem Besucher nicht die Wahl zwischen einzelnen EingĂ€ngen der Museen zugemutet werden kann, ein zentrales (auch das Zentrale liegt dem Senat sehr nah!) EingangsgebĂ€ude zugedacht hat. Die Museumsinsel, der eine oder andere ahnt es bereits, ist von Wasser umgeben. Deshalb konnte auch niemand wissen, dass es nass wird, wenn man dort grĂ€bt. Durch konsequenten Einsatz deutscher Ingenieurskunst gelang schließlich der Neubau. Zwar kann man das gerade erst wieder aufgebaute „Neue Museum“ nun nicht mehr sehen, aber was ist das gegen die Chance, durch einen einzigen zentralen Eingang fĂŒr alle HĂ€user, gemeinsam Schulter an Schulter mit vielen Menschen aus der ganzen Welt in einer langen, gemeinschaftlichen Schlange anzustehen und schon mal das eine oder andere GesprĂ€ch anzuknĂŒpfen und Bier zu trinken. Bestimmt bleibt nach dem Kartenerwerb und Passieren des Nadelöhrs noch ein StĂŒndchen fĂŒr den Besuch der Ausstellungen ĂŒbrig, bis zur abendlichen Schließung.

Nach diesen vielfĂ€ltigen ReiseeindrĂŒcken möchte der Gast sicher nur noch das eine: So schnell wie möglich nach Hause!

Da bietet sich ein Flughafen an. Ja, ein neuer Flughafen, besser: Fluchhafen! Hier wird ein wenig ausgeholt: „L‘ Ă©tat, c‘est moi!“ sprach nicht der Sonnenkönig, aber der sonnige BĂŒrgermeister Wowereit (Klausi!) als er, mit wehender Fahne, nicht die mit dem Berliner BĂ€ren, aber mit der Regenbogenfahne, nicht die der Bauern vom Bundschuh, die diese in den Bauernkriegen vor sich her trugen, nein, die Regenbogenfahne SEINER Bauern und Followers, den Schwulen und Lesben dieser Stadt, und nach allerlei BĂŒrger- und Volksbegehren fĂŒr dessen Erhalt, doch den Tempelhofer Flughafen schließen ließ. Dann fiel ihm auf, dass nun ja KapazitĂ€ten fehlten. Da er selbst auch eine KapazitĂ€t war, beschloss er einen Neubau. 1992 wurden sieben mögliche Standorte nach umwelt-, verkehrlichen und wirtschaftlichen Aspekten geprĂŒft, der Standort am vorhandenen Flughafen Schönefeld in Brandenburg bei Berlin schnitt am schlechtesten ab und wurde, natĂŒrlich, genommen.

Nun ist das HauptgebĂ€ude eines Flughafens eigentlich nur eine Halle, also bautechnisch nichts Schwieriges. Man baute also los. Um die Umwelt zu schonen und die giftigen Rauchgase im Falle eines Brandes (obwohl der Flughafen „Willy Brandt“ heißt!) nicht nach draußen zu lassen sollten die Gase drinnen bleiben. Auch blieben im (in der) Feuerfalle die TĂŒren verriegelt. FĂŒr die in der vergasten und verriegelten Halle befindlichen FluggĂ€ste entstĂŒnde sicherlich eine gewisse Irritation ĂŒber ihre zu erwartende Nahtod- Erfahrung. Was haben die Architekten eigentlich frĂŒher so gebaut? Vermutlich bleibt die Flughafenbaustelle weiterhin, fĂŒr das sie vielleicht auch geplant war: Eine Goldmine fĂŒr den öffentlichen Auftraggeber und die Baulöwen, die die Mine noch an einige Generationen von Junglöwen und Spezialdemokraten weiter vererben wollen und werden.

Man hat jetzt einen neuen Manager gefunden, es ist Herr Engelbert LĂŒtke- Daldrup und so sieht er auch aus. Das Gehalt fĂŒr diese Aufgabe belĂ€uft sich auf 500.000,00 € p.a., nun, davon kann man nicht leben, und Herr Engelbert LĂŒtke- Daldrup erstritt erfolgreich die Fortzahlung seiner StaatssekretĂ€r- Pension von 1.321,48 € monatlich. Das war selbst manchem Genossen zu viel. Schon jetzt, inmitten der schöpferischen BautĂ€tigkeit, ist klargeworden, dass der Flughafen zu klein sein wird. Man plant schon Abfertigungsbaracken hinzu. Es wird kein Luftdrehkreuz, nur Sackgassenbetrieb wie schon die damaligen
Sackbahnhöfe der Kaiserzeit. Es kann sich scheinbar keiner vorstellen, dass jemand NICHT hier bleiben will. Ein grĂŒndliches Nachtflugverbot sorgt fĂŒr ein beschauliches Ambiente, alles ist wie immer in Berlin nebst Umland, kompliziert, begrenzt, eingeschrĂ€nkt und klein- klein. Die TaxiverbĂ€nde Berlin und Brandenburg befinden sich bereits im Kriegszustand und die Verkehrsanbindung mag man sich nicht ansehen. Die vorhandene U- Bahn endet etwa 2 Kilometer vor der Baustelle in Berlin und kann ja nicht an Brandenburg angeschlossen werden, weil, so etwas „hatte“ man noch nicht.

Kosten entstehen eben nicht nur beim Bauen. Sie entstehen auch beim Anwohnerschutz. Da erst seit dem 2. Weltkrieg dort gestartet und gelandet wird, fĂŒhlte sich mancher Anwohner regelrecht ĂŒberrumpelt. Der Brandenburgische Anrainer, das kann man kĂŒrzen auf „Brainer“ (und auch englisch aussprechen..) zeichnet sich in erster Linie durch drei Eigenschaften aus: Beharrlichkeit, UnverschĂ€mtheit und Einfallsreichtum. Er sitzt, verborgen hinter einer meterdicken, die Sonne verdunkelnden Schallschutzmauer und zentimeterdicken Panzerglasscheiben, die ihm die Flughafengesellschaft spendiert haben, in seinem Einfamilienhaus und schreibt Beschwerden und Eingaben. Dergestalt, dass, wenn man ein Ohr fest auf die Wand drĂŒckt und dabei die Luft anhĂ€lt, durchaus irgendwas zu hören sei. Aber es fliegt doch gar nichts! So wartet er wie eine Raupe fest verpuppt in seinem Kokon und wird uns vielleicht spĂ€ter, falls nicht zuvor vertrocknet, ĂŒberraschen, wenn er auf sehnigen Beinen kraftvoll auf der neuen Startbahn Anlauf nimmt und als prĂ€chtiger Falter auf samtenen Schwingen in den brandenburgischen Himmel aeroflott entschwebt - mit ernsthaftem Flugverkehr wird kaum zu rechnen sein.


Wenn es nur schon so weit wÀre..

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Arno Abendschön
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Lieber Robert Werner,

auch ich gehöre zu den entschiedenen Kritikern Wowereits und habe mir schon vor Jahren damit einigen Ärger eingehandelt (Spuren im Internet auffindbar). Aaaaber: Die Kritik an ihm und seiner Bilanz sollte ihrerseits nichts schlicht Unwahres enthalten. Stichwort BER: Die maßgebliche Weichenstellung fĂŒr einen neuen Berliner Flughafen am Standort Schönefeld ist durch die LĂ€nder Berlin und Brandenburg sowie den Bund schon 1996 erfolgt, also Jahre vor Wowereits Amtsantritt. Er hat "nur" als Aufsichtsratschef bei der Kontrolle der AblĂ€ufe des Bauvorhabens und durch einzelne fatale Fehlentscheidungen maßgeblich zu dem nicht enden wollenden Desaster beigetragen. Du solltest dieses Detail berichtigen, damit deine launige Glosse ein bisschen ernst genommen werden kann.

Freundlichen Gruß
Arno Abendschön

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