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Leselupe.de > Kurzprosa
Bedeutungswandel
Eingestellt am 16. 05. 2010 20:25


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Rhea_Gift
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Bedeutungswandel

Er trat auf den Balkon. Die Luft duftete wunderbar nach in der Sonne getrockneter W├Ąsche.
Er streckte und reckte sich und winkte seiner Nachbarin ├╝ber der W├Ąscheleine zu. Unscharf erkannte er ihr Erwidern hinter dem halbdunklen Fensterglas und l├Ąchelte.
Kinderlachen drang vom Spielplatz an sein Ohr, hell und fr├Âhlich.
Immer noch gab es das alte Kiosk unten an der Ecke, und einer Laune folgend schnappte er sich sein Portomonnaie und stieg beschwingt die Treppe hinunter.
Pfeifend marschierte er zum B├╝dchen. Die T├╝rglocke bimmelte ihn drei├čig Jahre j├╝nger - dass ihm der Sohn der l├Ąngst verstorbenen Besitzerin entgegen sah, tat dem keinen Abbruch.

"Na, Heiner, das ├ťbliche?", fragte Maik hinter dem Thresen und griff schon nach der Schachtel Fair Play.
"Nee - sach ma, ihr habt doch auch Eis, oder?"
"Klar - da in der Truhe."
Begutachtend beugte er sich dar├╝ber, schob die Schutzscheibe beiseite und kramte suchend in den Eiskartons herum.
"Hmmm - Himmy Jimmy habt ihr nicht?"
"Himmy - was?"
"Kennste nich Himmy Jimmy??"
"Nee."
"Haste was verpasst."
Dann das gute alte Wassereis.
Er nahm ein giftgr├╝nes Waldmeister heraus und inspizierte neugierig die K├Ąstchen mit Gummizeug und Co..
"Ah, toll - ihr habt Veilchen!! Packste mir welche f├╝r nen Euro ein?"
"Klar..." Maik schaute etwas verwundert, packte ihm aber fraglos die lila Pillen in eine Papiert├╝te.
Kein Wunder, als er das letzte Mal Veilchen gekauft hatte, drang Maiks Gequ├Ąke nervend laut aus dem Kinderwagen neben dem Thresen...
Etwas traurig blickte er auf das halb gef├╝llte T├╝tchen, das Maik ihm hinlegte.
"Wohl bekomm's", schmunzelte Maik, als er bezahlt hatte und sich zum Gehen wandte.
"Hast ja keine Ahnung", murmelte Heiner, hob winkend die Hand und trat hinaus.
Im Gehen bi├č er die Plastikverpackung vom Wassereis auf, spuckte die Fetzen aus, w├Ąrmte das Eis noch etwas zwischen den H├Ąnden an und dr├╝ckte es dann m├╝hsam etwas heraus.
Begierig probierte er - - -
Hmm.
Schmeckte etwas anders als fr├╝her... egal.
Er grinste in die Sonne, lief an seiner Haust├╝r vorbei und statt dessen Richtung Spielplatz.

Dort angekommen setzte er sich auf eine Bank, sah l├Ąchelnd den Kindern beim Schaukeln zu und lutschte sein Eis. Der Junge auf der einen Schaukel guckte in seine Richtung, wurde langsamer, rief etwas und zeigte dabei lachend auf ihn. Das M├Ądchen lachte mit. Dann rief sie ihm irgendetwas zu, die zwei sprangen von der Schaukel und liefen davon.

Vielleicht Richtung B├╝dchen... dachte er.

Im Sandkasten etwas n├Ąher bei ihm bauten zwei Jungs erstaunlich kunstvoll eine gro├če Sandburg. Mit Zweigen und alten Eisstielen als Br├╝cken und einem ordentlich tiefen Graben, sauber herausgearbeiteten Zinnen, auch Tore und so etwas wie Fenster oder vielleicht Schie├čscharten gab es.

Vergn├╝gt und ungeniert laut schl├╝rfend saugte Heiner den gr├╝nen Saft aus der Plastikh├╝lle.

Einer der Jungs fand einen alten gelben ├ť-Ei-Beh├Ąlter im Sand.

"Ey, guck mal - ein Pok├ęmon!" rief der F├╝ndige erfreut, schrie laut "Pikachu!" und warf es dem anderen lachend an den Kopf.

Heiner erstarrte.

Das s├╝├če Zeug auf seiner Zunge schmeckte k├╝nstlich.


__________________
...Seele, bist du nun erwacht?...Und sie zittert, und sie lacht allen Himmelssternen zu... (Hesse)

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Ralf Langer
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hallo rhea,
auch mir gef├Ąllt dieser text.
es gelingt dir die situation glaubhaft und zwingend darzustellen.
der dialekt ist gef├Ąllig ohne zu sehr "ruhr(s)p├Âttisch" zu wirken.
allein der letzte satz ist m. e. zu stark:

"Das s├╝├če, klebrige Zeug auf seiner Zunge schmeckte pl├Âtzlich ekelhaft k├╝nstlich."

ich glaube
" das s├╝├če Zeug auf seiner Zunge schmeckte k├╝nstlich"
t├Ąte es.
das doppelte adjektiv zu beginn und das "ekelhaft" sind der geschichte nicht dienlich, da der leser diesen schlu├č von sich aus zieht.

gerne gelesen
ralf
__________________
RL

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Rhea_Gift
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er, der Pillen kauft, ist Heiner und denkt sich das w├Ąhrend Maik die Dinger einpackt - Heiner ist nat├╝rlich der, der sich ans Gequ├Ąke tats├Ąchlich erinnert! Er kannte die (verstorbene derweil) Besitzerin und ihren Sohn Maik schon als Baby, der eben JETZT gro├č ist - je nach dem wie alt man sich nun Maik denkt - kann man auch das Alter Heiners grob sich denken... die verj├╝ngende T├╝rglocke deutet auch schon was an...

LG, Rhea
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