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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Begebenheiten
Eingestellt am 22. 12. 2000 18:46


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Alex
Wird mal Schriftsteller
Registriert: Dec 2000

Werke: 13
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Sein Name war Paul, er war sechs. Am Tag zuvor waren die neuen Nachbarn in das Hochhaus gezogen, in dem der Junge wohnte.
"Papi, ich mag die Neuen nicht!" erklĂ€rte er verlegen. Verdutzt schaute sein Vater von der Arbeit auf, den Schraubenzieher noch in der Hand. Die SpĂŒle tropfte schon seit Wochen, die Mutter war am Morgen ziemlich laut geworden, hatte ihren Mann schon ein halbes Dutzend mal daran erinnert. "Wieso, was war denn?" fragte Herr MĂŒller, setzte gerade die neue Dichtung ein. Nervös trat der Kleine von einem Bein aufs andere. "Sie...sie sind schwarz!" brachte er schließlich hervor. "Aber Paul, dass ist doch dumm!"

Nie wieder hatte er etwas gesagt. Er war jetzt elf, saß in der Schule meistens allein. Die Klasse hatte gerade Geschichte, das mochte Paul besonders. Vielleicht lag es nur daran, wie freundlich die Lehrerin immer lĂ€chelte, aber bei Frau Luft machte der Unterricht wirklich Spaß. In diesem Augenblick öffnete sich die TĂŒr, ein Junge kam herein, den Paul nicht kannte. Er sah ein bisschen seltsam aus, aber ansonsten war alles in Ordnung. Es folgte ein kurzer Wortwechsel mit der Lehrerin. "Das ist Hakan, euer neuer Klassenkamerad! Setz dich doch am besten...zu Paul!" sagte Frau Luft freundlich, auf den Platz neben dem Jungen deutend.
Ein Schauer lief Paul ĂŒber den RĂŒcken, als sich sein Blick mit dem des Anderen kreuzte. Der lĂ€chelte schĂŒchtern, setzte sich auf den freien Stuhl. "Hallo, ich bin Hakan!" stellte sich der Junge vor, mit einem Akzent der Paul unwillkĂŒrlich an die schwarzen Nachbarn denken lies.
Paul traute sich nicht sofort etwas zu sagen, aber nach der Stunde blieb er im Klassenzimmer. "Alles in Ordnung Paul?" fragte Frau Luft freundlich. "Ich mag Hakan nicht!" erklĂ€rte er verlegen. "Wieso, was war denn?" ging die Lehrerin auf ihn ein. "Er...er sieht seltsam aus und spricht komisch!" erklĂ€rte Paul nach einer Weile. EntrĂŒstet baute sich seine Lehrerin vor ihm auf: "Aber Paul, dass ist doch dumm!"

Dabei war es geblieben. Nun war Paul dreizehn, saß in der Schule noch immer neben Hakan, wenn er denn mal hinging. Gerade spielte er mit Robert und Chris, seinen besten Freunden, die er noch aus der Grundschule kannte, wie so oft Nintendo. Sie waren bei Robi, wo Paul auch ĂŒbernachten wĂŒrde, seine Eltern hatten die Nachbarn zum Abendessen eingeladen. "Gewonnen!" krĂ€hte Robi laut, sein Auto war ĂŒber der Ziellinie, Pauls noch eine halbe Runde entfernt. Verdrossen warf Paul das Pad von sich, nahm einen Schluck Cola. "Robi, ist doch okay, wenn Mirko auch noch kommt?" fragte Chris, sich das Pad schnappend. "Jau Mann, voll cool, dann sind wir vier!" erklĂ€rte Robi.
Seit Wochen faselten sie ihm schon die Ohren voll, Mirko da, Mirko dort, wie er es hasste. Die beiden waren noch mitten im Spiel, als es klingelte. "Geh mal an die TĂŒr, Paul!" meinte Robi, ohne auch nur den Blick vom Bildschirm zu nehmen.
"Wer bist denn du?" fragte ihn der Junge, wohl Mirko, mit ĂŒblem Akzent, lies ihn aber einfach stehen. Im Zimmer tauschte er dann HandschlĂ€ge mit den Anderen.
"Ich mag Mirko nicht!" erklĂ€rte Paul, als der gerade auf der Toilette war. "Wieso, was war denn?" antwortete Robi zerstreut, war voll auf das Spiel konzentriert. "Er...er ist irgendwie anders!" versuchte Paul seine GefĂŒhle in Worte zu fassen. Überrascht sah Robi vom Bildschirm auf, sah ihn scharf an. "Aber Paul, dass ist doch dumm!"

Dass war es dann gewesen. Mit fĂŒnfzehn hatte Paul die Schule geschmissen, niemanden mit dem er reden konnte und war von zu Hause ausgezogen. Am liebsten saß er unten am Fluss, in dessen Fluten dann ein Sixpack kĂŒhlte, starrte trostlos in die Ferne.
"Hey, was fĂŒr ein Problem hat denn der?" hörte er jemanden hinter sich sagen. "Ach komm Sepp, lass den doch, dass is ne Gurke!" fluchte ein anderer. Langsam, er hatte schon ein paar Bier intus drehte Paul sich um. Es waren zwei Burschen, vielleicht ein paar Jahre Ă€lter als er. Einer von ihnen trat vor ihn hin, grinste ihn herausfordernd an. "Also Kleiner, was ist dein Problem?" Dann spuckte er, Sepp?, auf den Boden. "Ich...ich mag keine AuslĂ€nder!" gab Paul niedergeschlagen zu. Einen Moment schaute ihn der Andere ganz seltsam an, dann grinste er: "Wer mag Die schon!" und Paul fĂŒhlte sich verstanden.




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Ralph Ronneberger
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Hallo Alex,

keine Ahnung, warum hier noch niemand reagiert hat. Ich muß aber zugeben, daß ich mich auch schon eine Weile davor drĂŒcke. Woran liegt das? Der Text ist gut geschgrieben - klar und verstĂ€ndlich. Und schnörkellos - so, wie es der Stoff verdient. Liegt es vielleicht daran, daß der Weg des kleinen Jungen zu stark vereinfacht wird? Hast Du hier versucht, einen Romanstoff in eine Kurzgeschichte zu pressen? Die Entwicklung ist jedoch trotz aller KĂŒrze nachvollziehbar geschildert - auch wenn hier nur wenige Begebenheiten herangezogen werden, die allein nicht prĂ€gend sein können. Aber die Grundaussage ist o.k.
Oder hÀngt allen dieses Thema lediglich schon zum Halse raus? Das wÀre schade.

Gruß Ralph
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Alex
Wird mal Schriftsteller
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Hallo Ralph,
warum keiner reagiert weiß ich auch nicht. Vielleicht liegts am Titel, aber den habe ich bewusst so gewĂ€hlt, er ist AussagetrĂ€ger.
Es sind tatsÀchlich nur Fragmente aus einem lÀngeren Text, allerdings einer Kurzgeschichte mit ca. 50 Normseiten.
Aber ich denke, die Grundaussage kommt auch so herĂŒber, von sich alleine sind drei Begebenheiten natĂŒrlich nicht prĂ€gend, aber wenn man sie als Beispiele fĂŒr die Ablehnung nimmt, die dem Jungen immer wieder entgegenschlĂ€gt, denke ich ist es glaubhaft.
Auf jeden Fall danke ich dir fĂŒr die Antwort, vielleicht folgen jetzt ja auch andere deinem Beispiel, mal sehen.

Tschau


Alex

"Der Text ist gut geschrieben - klar und verstÀndlich. Und schnörkellos - so, wie es der Stoff verdient." Da kann ich einfach nur Danke sagen. (Ziel erreicht, Alex-klopf-selbst auf Schulter)





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Ralph Ronneberger
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Hallo Alex,
ich bis nur noch mal. Also, wenn das tatsÀchlich ein Extrakt aus 50 Normseiten ist, dann hast Du deinen Text aber verdammt gut zusammengebastelt. Hochachtung! Ich wollt', mir gelÀnge so etwas auch.

Gruß Ralph
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Alex
Wird mal Schriftsteller
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Hallo Ralph,
Kein Extrakt, es sind Ausschnitte.
Es gibt wichtigere Begebenheiten, aber da hĂ€tte ich lĂ€nger ausholen mĂŒssen, da komplizierter.
Da ich aber die Vorliebe der meisten LL-Leser zu kurzen Sachen (nicht du, hab ich ja bei der Diskussion gelesen) inzwischen kenne, habe ich mir die deutlichsten, ohne viel ErklÀrungen verstÀndlichen herausgesucht.

"wollt', mir gelÀnge so etwas auch." Das geht nicht immer, kommt auf die Art des Textes an. Ich habe viele lÀngere Sachen geschrieben, aber hier hatte ich zum ersten Mal etwas, wo es ging.
Gerade bei ZusammenhÀngendem Plot ist es meistens unmöglich, weil die Charaktere ohne Hintergrund völlig unverstÀndlich handeln.

Bin aber trotzdem stolz, dass es mir anscheinend ganz gut gelungen ist.


Alex

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