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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Begegnung
Eingestellt am 26. 11. 2002 20:34


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K.F.Bean
Hobbydichter
Registriert: Nov 2002

Werke: 3
Kommentare: 2
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Begegnung

Es ist frĂŒh am Morgen und ich gehe die Strasse hinunter. Allein. Der Himmel ist schwarz und im Osten ist nichts, was auf einen baldigen Tagesanbruch hindeutet.
Ich nehme einen tiefen Zug von meiner Lucky Strike und drehe mich um. Hinter mir ist niemand, genau so wenig wie vor oder neben mir. Ich bin allein.
Der Rauch strömt aus meinen Lungen und zerteilt sich vor meinen Augen in zwei graublaue Schlangen, die in den Nachthimmel aufsteigen und schließlich verschwinden.
Ich muss lĂ€cheln. Mit welcher Eleganz und Leichtigkeit sich etwas bewegen kann, dass mich auf Dauer umbringt. Man weiß nie, was fĂŒr einen gut ist. Und wenn man es weiß, ist es meist zu spĂ€t.
Um die Laternen liegt ein sanfter Dunstschleier, der das Orange des Lichts in ein schmutziges Gelb verwandelt. Noch immer ist niemand hier außer mir.
Es ist kalt und auf dem Pflaster hat sich eine dĂŒnne Reifschicht gebildet. Wenn man nicht aufpasst, fĂ€llt man. Ich falle oft. Auch wenn ich meine aufzupassen.
Ein Blick auf die Uhr, die Bahn wird bald da sein. Ich werfe die halb aufgerauchte Zigarette
weg. Verdammt, warum bringe ich nie etwas zu Ende.
Ich fange an, das Lied vor mich hinzusummen, dass ich zuvor zu Hause gehört habe. „...I’m not like them, but I can pretend ...“ Ich mag Nirvana. So intensive Songs. Aber dermaßen verwirrt
manchmal bin ich das auch. Oft sogar.
WĂ€hrend ich vor mich hinsumme, tritt von hinten jemand an mich heran. Ich bemerke ihn erst, als er neben mir steht. Langsam und unauffĂ€llig drehe ich meinen Kopf in seine Richtung. Ich meine ihn zu kennen...plötzlich schaut er mich an, und ich weiß es.
Sein Blick durchdringt mich und ich beginne zu zittern. Verdammt, er merkt es. Er schaut nach vorn und holt tief Luft. Etwas in mir explodiert. Es dĂ€mmert im Osten. Die Laternen strahlen hell. Der Rauch verfliegt. Die Straße beginnt zu leben, als er mich nach meinem Namen fragt.




__________________
K.F.Bean 2002

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Tabasco
gesperrt
???

Registriert: Mar 2001

Werke: 53
Kommentare: 60
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...

Wow!

Echt. Find ich wirklich sehr gelungen. Ich mag's total, wenn Geschichten ziwschen all ihrer Melancholie immernoch einen kleinen fragwĂŒrdigen Pukt offen lassen, der vielleicht Hoffnung spenden kann. Außerdem find ich's klasse, wenn man es schafft, hindurch durch Traumwelten und seelischer Verwirrung noch RealitĂ€tsbewusstsein und Kleinigkeiten des eigenen oder bekannten Alltags einzubinden, um vermuten zu lassen, dass eben die beschriebene Situation auch im realen Leben auf jeden einzelnen in dieser Stimmung zutreffen kann. Das wirkt.

Und ganz abgesehen davon, find ich's total gut, dass du eine nicht so theatralische ErzÀhlweise hast, wenn du depressive Stimmungen zum Ausdruck bringst.

Ist ja wie immer nur meine eigene Meinung, aber mir gefÀllts sehr.

Ich habe auch mal was Àhnliches geschrieben. Ist vielleicht nicht eine meiner besten Geschichten, auch so vom Ausdruck her, aber thematisch passt die ziemlich zu deiner, glaube ich...
Hast sie ja vielleicht auch schon mal hier gelesen. Wenn nicht:

Das ist sie:


Ein nÀchster letzter Herbst...

Die Musik ist laut. Zu laut. In meinem Haar spiegelt sich das reflektierende Licht der Stroboskope wider, erzĂ€hlt man mir spĂ€ter. Hier drin bemerke ich den Anfang des Herbstes kaum. All die Stille, die der Oktober fĂŒr mich bereit halten wird, scheint jetzt so bedeutungslos. Ich weiß, dass ich leiden werde. Und ich freue mich darauf. Irgendwann werde ich raus gehen, durchgeschwitzt. Dann werde ich atmen und mir ist klar, was ich dabei fĂŒhlen werde. Vorhin als ich ankam, hatte ich schon einen Hauch dieses GefĂŒhls zu spĂŒren bekommen und schwelgte in dĂŒsteren, dennoch warmen Erinnerungen. Diese werden mir in ein paar Stunden noch bewusster sein. Der Alkohol wird seinen Nutzen fĂŒr meine GefĂŒhle verĂ€ndern und mich in DepressivitĂ€t fallen lassen. Die BlĂ€tter rascheln dann wieder unter meinen Springerstiefeln und der Wind blĂ€st unaufhaltsam Todestöne durch die Schlupfwinkel meiner schwarzen Kleidung. Alles bunte wird im Nebel des Morgen grau erscheinen und alles helle einen unĂŒbersehbaren Schatten auf die asphaltierten Gehwege werfen. Ich werde nach Hause laufen mĂŒssen. Die Strecke ist lang genug, um ĂŒber vieles Nachzudenken und mich am Ende des Weges zu tiefer EmotionalitĂ€t zu bewegen, die dazu fĂŒhren wird, dass ich mich wie letztes Jahr auf die Stufen meiner Eingangstreppe setzen, eine Zigarette rauchen und weinen werde. Niemand wird mich dann festhalten. Und irgendwann, ein paar halbe Stunden spĂ€ter, werde ich mich wieder soweit gefangen haben, um das Haus zu betreten, mich ausziehen und letztendlich schlafen gehen zu können. Ich werde an dich denken, vor dem Einschlafen. Vermutlich werde ich dann noch mal weinen, bevor ich das Bewusstsein verliere.

Am nĂ€chsten Morgen werde ich erwachen. Alles wird so kalt sein, wie in der Nacht zuvor. Ich schmeiße mich dann sicher in meinen Bademantel und durchstreife das Haus geisterĂ€hnlich nach etwas Essbarem. Ich werde fĂŒndig werden. Ein Blick aus dem Fenster verrĂ€t mir dann die Uhrzeit. Ich habe viel zu lang geschlafen. Die erste Zigarette des Morgens wird folgen. Ich öffne das Fenster und atme, ganz tief. Schon wieder dieser Geruch. Schon wieder all diese Erinnerungen. Ich werde hassen und lieben. Im Fernsehen kommt nur MĂŒll. Die Abende beginnen frĂŒher, das Tageslicht verschwindet schnell. Kerzen durchleuchten das Haus und aus kleinen Duftflaschen tröpfeln mysteriöse GerĂŒche in die dafĂŒr vorgesehenen Schalen und lassen nur wenig spĂ€ter das ganze Umfeld in einer melancholischen AtmosphĂ€re erscheinen. Ich werde dann sehr traurig sein, fast hoffnungslos. Dann beschließe ich, die Arbeit zu kĂŒndigen, hinterfrage den Sinn meiner Existenz, immer und immer wieder, um abermals festzustellen, keinen Ausweg zu finden. Ein Teufelskreis wird meinen Kopf durchschweben und lĂ€sst mich leiden. FrĂŒhzeitig geh ich dann wieder zu Bett, um Ruhe vor den eigenen Gedanken und GefĂŒhlen zu haben. Ich freue mich auf den Schlaf, der so schnell nicht eintreten wird, da ich trotz meiner Lebessunlust und TrĂ€gheit keinerlei MĂŒdigkeit verspĂŒre. Vielleicht klingelt dann das Telefon. Vermutlich ziehe ich den Stecker, um allein zu sein. Nachts, ich schlafe noch immer nicht, beginnen dann erste vereinzelte Schneeflocken vom Himmel zu rasseln. Im Wohnzimmer des Nachbarn erkenne ich einen Schwippbogen und Weihnachtsbeleuchtung. UnglĂ€ubig schĂŒttle ich den Kopf. Irgendwann schlafe ich wieder. AlptrĂ€ume plagen mich. Du wirst darin vorkommen. Du wirst mich retten, unbewusst. Du erkennst mich nicht.
Nach dem Aufwachen werde ich mir ein Messer nehmen und mit 2 Schnitten an meinen Pulsadern, diesem Leben ein Ende setzen.

Doch zur Zeit, zur Zeit stehen wir hier und tanzen. Wie wild tanzen wir. Wir lÀcheln uns an. Das Licht der Stroboskope spiegelt sich auch in deinen Haaren wider. Und ich glaube, diesmal könnte es etwas ernstes werden.

Tabasco 2002


Nun ja...Geschichten entstanden aus Emotionen wĂŒrd ich sagen *g* ...da verbindet wohl jeder etwas ganz persönliches mit. Aber die verschiedenen Betrachtungsweisen machen das Ganze ja auch erst wirklich spannend, denke ich.

Wie auch immer....hast ne echt schöne Geschichte geschrieben! WĂŒrde mich freuen, noch mehr von dir zu lesen!

GrĂŒĂŸe,

tab


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