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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Begegnung Part IV
Eingestellt am 11. 11. 2003 20:12


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Senerva
Festzeitungsschreiber
Registriert: Sep 2003

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*

„Na hopp! Erzähl schon, Jana!“ Ich rührte nachdenklich in meinem Cafe herum, ehe ich zu Sarah blickte. Mein Blick schien abwesend, nicht wirklich hier. Sarah hob eine Braue, zuckte kurz die Schultern und nahm einen kräftigen Schluck von ihrem Kakao. „Was soll ich erzählen? Er hat für uns gekocht und wir haben viel rumgealbert – mehr war wirklich nicht.“ „Und heute Morgen? War er da noch da?“ Sie zwinkerte. Ich schüttelte kurz den Kopf. „Nein. Er war irgendwann in der Nacht nach Hause gegangen. Er hat mir einen Zettel hinterlassen, dass er heute ab 5 Uhr zu Hause ist – seine Adresse stand dabei.“ Sarah verfiel in ein hysterisches Lachen. „Gehst du hin, Jana?“ Ich blickte sie an, nickte dann kurz. „Mir gehen bestimmte Worte nicht aus dem Kopf und wenn ich heute nicht zu ihm gehen würde, würde ich mich wohl selbst hassen.“ Sarah nickte und biss in das Käse-Schinken Croissant, dass die Kellnerin so eben gebracht hatte. „Und was machst du heute Abend, Sarah?“ Ich neigte den Kopf leicht zur Seite – natürlich, ich wusste sofort, wohin sie gehen würde; das breite Grinsen verriet sie sofort. „Zu wem wohl – Matthias natürlich. Er hat gestern Abend bei mir angerufen und gefragt, ob ich nicht Lust hätte, heute Abend zu ihm zu kommen – wir machen es uns gemütlich und gucken uns ein paar Filme an. Schade, eigentlich hätte ich dich gerne mitgenommen, Jana.“ Ich seufzte leise, statt ihr eine Antwort zu geben, und trank den letzten Schluck meines Cafes. „Sehen wir uns morgen?“ „Ja, morgen im Training, Jana.“ Ich klatschte mir, ob meiner Dummheit wohl, an den Kopf. „Ach ja … morgen ist Training. Um 17 Uhr, richtig?“ Sarah nickte grinsend und tippte sich selbst an die Stirn. „Du, mein liebes Fräulein, hast zu viel Craig da oben drinne. Also mach was draus.“ Ich zwang mir ein Lächeln auf die Lippen. „Ich werde es versuchen, meine Süße.“ Ich legte das passende Kleingeld auf den Tisch, erhob mich und zog den Mantel über. Ich winkte Sarah noch einmal zu und wandte mich dann um, um das Cafe zu verlassen.

Ich verdrehte, genervt schnaufend, die Augen. „Tyler! Nein, verdammt noch mal, ich habe heute Abend keine Zeit.“ Tyler zog eine Schnute, was für Kerle höchst unwahrscheinlich war und blickte mich, mit seinen liebsten braunen Hundeaugen, an. „Och bitte, Jana.“ Ich schüttelte entschieden den Kopf und beugte mich über meinen aufgeschlagenen Ordner, um noch einmal das durchzulesen, was ich für Deutsch geschrieben hatte. Ich war in meiner Uni und der nervende Kerl vor mir, ja, das war eben Tyler – ein Junge, der seit der 10ten Klasse in mich verknallt war und mich jedes Mal um eine Verabredung anflehte. Die Gefühle schienen die Jahre bei ihm überstanden zu haben und nun stand er wieder vor mir. ‚Gleich fängt er an zu heulen’, dachte ich genervt und lenkte meine Gedanken wieder auf das Deutsch Referat. „Och bitte, Jana. Nur einmal!“ „Tyler, du Idiot, nun nerv mich nicht!“ Ich schlug mit der flachen Hand auf den Tisch auf – Tyler zuckte zusammen und wich rasch einige Schritte zurück; doch nur um seinen schmollenden Blick auf mich wirken zu lassen. Ich verdrehte wieder die Augen. „Ich habe keine Zeit – vielleicht ein anderes Mal.“ Tyler grinste und klatsche gespielt siegend in die Hände. Dann wandte er sich um, wohl, um andere Mädels anbaggern zu gehen. Ich griff in meine Tasche und holte mein Handy hervor – dabei immer auf die Türe schauend, die in das ‚Klassenzimmer’ führte. Schnell schaltete ich es an und wartete darauf, dass es ein leises Piepsen – als Zeichen einer neuen SMS – von sich gab. Meine Hoffnungen wurden jäh erfüllt – doch erst dann, als meine Tutorin schon mit polternden Schritten in das Zimmer kam. Ich hasste diese Frau – wohl ob ihrem optischen Auftauchen. Sie trug immer die neusten, selbstgenähten Kleider, die ihre Kinder immer für sie anfertigten. Dann immer diese Broschen und diese Ketten mit den riesengroßen Steinen dran. Ich lehnte mich ein wenig zurück und las die Nachricht, die Craig mir geschickt hatte. „Wunderschönen guten Morgen, meine Süße! Ich hoffe, die Tutoren nerven dich genauso wie mich ;) Du kommst heute Abend, richtig? Um 17 Uhr? Ich freue mich schon! Bis dann, C.“ Ich blickte auf – die Tutorin war gerade dabei, ihre vielen Deutschbücher auf dem Tisch zu stapeln. Ich grinste leicht und tippte schnell eine Nachricht ein. „Hi Craig. Ich bin heute Abend so gegen 17 Uhr bei dir, denke ich. Und ja, die Tutoren nerven! Bis dann, Jana.“ Ich schaltete das Handy aus und steckte es in die Tasche – dann widmete ich mit voller Interesse dem Unterricht.

Geschafft und müde ließ ich mich auf die Couch fallen. Ich hasste es, so spät nach Hause zu kommen. Ein Blick auf die Uhr genügte, um zu erkennen, dass ich noch 1 ½ Stunden Zeit hatte, mich zu duschen, umzuziehen und den Weg zu Craigs Wohnung zu finden. Ich seufzte genervt – jetzt fehlte nur noch ein Anruf von Sarah. Das Telefon klingelte. Ich schmunzelte, krabbelte über die Couch und griff nach dem Telefonhörer, der neben der Couch auf dem kleinen Eichentisch stand. „Hallo?“ „Hallo, Jana – Süße!“ „Oh, hi Sarah.“
Im Hintergrund hörte ich, wie Matthias nach Sarah rief. „Matthias meckert wieder rum. Aber ich wollt’ dich noch schnell fragen, ob du mich morgen ins Training mitnehmen kannst? Meine Mum kann mir ihr Auto nicht leihen.“ „Ja, okay. Bist du dann so gegen halb 5 bei mir?“ „Kein Problem. Danke noch. Liebe Grüße von Matthias und viel Spaß heute Abend bei Craig.“ „Danke, werde ich haben.“ Ich kicherte leise, als Matthias rief: „Wer ist Craig?“ Sarah stimmte in mein Kichern auf und flüsterte ein leises „Bye“, ehe sie auflegte.
Ich legte den Hörer ebenfalls auf und sprang von der Couch auf. ‚Zeit, sich fertig zu machen’, dachte ich und hüpfte, gespielt gut gelaunt, Richtung Bad.

Ich klingelte. Etwas nervös stand ich nun vor Craigs Wohnungstür. Seine Wohnung war gute 20 Minuten von der Meinen entfernt – doch seine lag eindeutig im besseren Teil der Stadt, da er mehr im Zentrum wohnte, als wirklich am Stadtrand, so wie ich.
Ich hörte, wie es drinnen verdächtige polterte – dann wurde die Tür erst einen Spalt breit, dann ganz geöffnet. „Oh, Jana, einen Moment bitte.“ Er schloss die Tür wieder und ließ mich auf dem Flur stehen. Es polterte noch einmal, dann wurde die Tür wieder geöffnet und Craig bat mich hinein. „Sorry, ich bin erst vor 10 Minuten nach Hause gekommen und habe versucht, meine Wohnung in irgendeinen anständigen Zustand zu bringen.“ Er zuckte leicht die Schultern und schloss die Tür hinter mir, nachdem ich eingetreten war. „Hast Du schon etwas gegessen?“ Ich zog meinen Mantel aus und streifte die dicken Handschuhe, die ich wegen der Kälte trug, von den Fingern. „Ein kleinen Bissen – ich habe heute wieder mal einen Tag, wo ich keinen Hunger hab. Wo kann ich meine Jacke hinhängen?“ Craig deutete mit dem Zeigefinger auf eine Garderobe, die hinter der Tür stand. „Danke.“ Ich lächelte ihm zu, denn er war schon wieder in der Küche verschwunden, um einige Getränke zu holen – Vorsichtig henkte ich meinen Mantel auf, der Schal und Handschuhe in den Ärmeln beinhaltete. Ich rieb leicht beide Hände aneinander, um wieder ein Gefühl in jenen zu bekommen. Mein Blick glitt durch die Wohnung und ich musste feststellen, dass Craig entweder reiche Eltern hatte oder viel mit seinem Nebenjob verdient. Die Wohnung war im 2. Stock gelegen – das Haus wirkte von außen ein wenig altmodisch, ob der Apricotfarbe. Doch die Wohnung an sich war gemütlich eingerichtet – sie hatte 3 Zimmer, eine Küche und ein großes Bad. Das Mobiliar war modisch, als wäre es gerade erst gekauft worden. In einer Ecke standen mehrere Kartons aufeinandergestapelt – vielleicht war Craig gerade erst hierher gezogen? Nichts erinnerte an sein Leben als … Gothic.
Craig schmunzelte leicht, als er mich so dastehen sah. Er trat an meine Seite und hielt mir einen Becher vor die Nase. Ich schnupperte leicht. „Kakao. Wie konntest Du das wissen?“ Craig lachte leise und wartete, bis ich den Becher selbst in die Hand holte. „Ich weiß es – ganz einfach. Sollen wir uns nicht setzen?“ Er deutete mit einem Kopfnicken auf die große Couch. Ich nickte und folgte ihm, als er darauf zuging. „Du hast es sehr schön hier. Willst Du nicht mit mir tauschen? Ich kriege Deine Wohnung, Du meine.“ Craig ließ sich auf dem Sofa nieder und blickte zu mir auf. „Das wäre ein verlockendes Angebot, aber ich lehne dankend ab. Wer weiß – vielleicht wohnen wir in einem Jahr zusammen.“ Ich hob eine Braue und wollte etwas darauf erwidern, doch Craig zog mich hinab auf die Couch. „Wie war Dein Tag, Jana?“ „Anstrengend.“ Ich seufzte leise und lehnte mich leicht zurück. „Meine Tutoren können so was von nerven, eh. Die Vorlesungen werden mittlerweile zur täglichen Qual. Zum Glück habe ich morgen etwas Abwechslung in dem alltäglichen Programm.“ Craig blickte auf und nippte einmal an dem heißen Kakao. „Du gehst morgen tanzen?“ Ich nickte und strich mit der Spitze des Zeigefingers über den Rand des Bechers. „Wenigstens eine kleine Abwechslung.“ Craig schnaubte leise und stellte den Becher auf dem Eichentisch ab, der vor der Couch stand. Die Hände faltete er vor seinem Bauch. „Sind unsere Treffen keine Abwechslung, Jana?“ Ich blickte zu ihm, blinzelte ungläubig. „Doch, natürlich. Ich freue mich jedes Mal wieder, Dich wiederzusehen, Craig.“ Craig lächelte darauf nur und schloss die Augen. „Ich müsste mal zum Arzt gehen. Ich hab seit einigen Tagen Dauerkopfschmerzen.“ „Warte, das haben wir gleich.“ Ich stellte meinen Becher auf dem Tisch ab und rutschte näher an Craig heran, wobei sich meine Fingerspitzen auf seinen Schläfen niederlag. Sanft begann ich diese zu massieren – von Craig war nur ein wohliges Brummen zu hören. Sein Atem wurde gleichmäßig und als Craig nichts mehr sagte, merkte ich, dass er eingeschlafen war. „Sein Tag muss stressig gewesen sein“, murmelte ich leise und hörte auf, ihn zu massieren. Ich nahm einen kräftigen Schluck von dem Kakao und blickte mich im Zimmer um. Ich spürte, wie seine Hand die meine umfasste im Schlaf, und rang mir darauf nur ein Lächeln ab.

Ich schien wohl ebenfalls ein wenig eingenickt zu sein, denn, als ich die Augen öffnete, war es dunkler in dem Zimmer – eine einfache, weinrote Kerze brannte noch, die vor mir auf dem Tisch stand. Ich gähnte leicht und streckte mich, ehe ich den Kopf zur Seite wandte. Craig war damit beschäftigt, in meinen Geschichten zu stöbern, von denen er einige mit nach Hause genommen hatte – noch immer hielt er meine Hand und er ließ sie auch nicht los, als er merkte, dass ich wach bin. „Danke, dass Du mich schlafen gelassen hast – ich hatte es wohl dringend nötig.“ Ich nickte leicht und rutschte näher an ihn heran, um zu sehen, was er mit dem Bleistift an den Rand der Blätter schrieb. „Du hast manchmal die Zeiten geändert, aber das ist nicht weiter schlimm. Sie sind gut – sehr gut sogar.“ „Danke, Craig.“ Ich lehnte den Kopf an seine Schulter und schloss die Augen. Genau diese Worte hatte ich gebraucht, um mich ein wenig besser zu fühlen. „Nichts zu danken.“ Er beugte sich ein Stück vor, wobei er stets darauf bedacht war, dass ich ihm mit meinem Kopf folgte, und legte die Blätter sowie den Bleistift auf dem Tisch ab. „Möchtest Du heute Nacht hier bleiben, Jana? Ich meine, es ist schon nach 10, und Du brauchst jetzt nicht mehr nach Hause zu fahren. Du bist übermüdet – ruh Dich aus.“ „Oh, danke. Zum Glück habe ich morgen erst später.“ Ich nickte nur und wartete darauf, dass er sich wieder richtig hinsaß. Doch das, was ich erwartete, kam nicht. Plötzlich spürte ich, wie er seine Hand unter mein Kinn legte und dieses so anhob – seine Lippen berührten zögerlich die meinen. Meine Gedanken kreisten, als ich den Kuss sanft erwiderte und mich an ihn kuschelte. Warum geschah das jetzt? Warum nur? Warum ich? Warum er? All diese Fragen quälten mich, als er mich näher zu sich zog und den Kuss langsam löste. „Willst Du noch etwas trinken?“ Er deutete auf den mittlerweile leeren Kakaobecher. „Ja, gerne.“ Er erhob sich und ich rutschte ein Stück zurück, um ihm Platz zu machen. In der Zeit, in der Craig zwei Gläser und eine Flasche Wasser holte, zog ich meine Schuhe aus und klopfte das Kissen zu recht, dass hinter mir lag. „Na, Du scheinst Dich ja hier wie zu Hause zu fühlen, Jana.“ Ich grinste über beide Ohren und nickte. „Es ist schön hier, ja. Es gefällt mir.“ Craig stellte die Gläser und die Flasche auf dem Tisch ab, ehe er sich wieder auf die Couch fallen ließ. Er blickte zu mir und lächelte, wobei er eine Hand nach mir ausstreckte. Ich sah zuerst auf die Hand, dann zu ihm. Er lächelte noch immer. Ich zögerte für einen Moment, umfasste dann jedoch seine Hand – wollte er vielleicht das wiederholen, was vorhin geschehen war? Er zog mich vorsichtig zu sich und legte die Arme um meine Hüfte. Ich schloss die Augen und lehnte den Kopf an seine Brust, als er mich leicht drückte. Die Stille, die darauf folgte, war jene Stille, an die ich mich mein ganzes Leben erinnern werde.

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