Diese Seite verwendet Cookies. Wenn Sie das nicht akzeptieren, müssen Sie Cookies in Ihrem Browser verbieten oder diese Seite verlassen.    OK  
 leselupe.de
Werbung
 Meine Leselupe

Mitglieder:   5438
Themen:   92228
Momentan online:
418 Gäste und 19 Mitglieder
Username:
Passwort:
Registrieren
Passwort vergessen?


Leselupe.de > Kurzprosa
Begegnung auf dem Dach (überarbeitet)
Eingestellt am 09. 07. 2007 19:43


Autor
Ein neues Thema veröffentlichen.     Antwort veröffentlichen.
Franka
Foren-Redakteur
Routinierter Autor

Registriert: Feb 2006

Werke: 208
Kommentare: 2386
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um Franka eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil

Begegnung auf dem Dach


Gestern, nach meiner letzten Chemotherapie, der Mond stand als leuchtende Scheibe am Himmel, also Vollmond, saß ich auf dem Dachsims meines Hauses, zählte Sterne, wollte wissen, wie viele Monate mir noch bleiben, war jedoch zu müde, so eine Behandlung steckt man schließlich nicht so einfach weg, so dass ich zu schnell aufgab, mir die Augen zufielen.

Eine Stimme war es, die mich die Augen wieder öffnen ließ, doch das konnte nicht sein, Mutter war schon zu lange fort, ich war erst fünf als sie starb, doch ihre Stimme lebt in meinem Gedächtnis, durch ihre Liedern, den Märchen am Abend, ihre Worte beim Gehen, sie blieb bei mir, aber nicht ihr Gesicht.

Doch es war wahr, sie war es, saß da, neben mir, auf dem Dach.

Wir sahen uns an, lange, gründlich, sie hatte wieder ein Gesicht, Augen, Mund, Nase, ein Lächeln, sah gesund aus, das Haar nachgewachsen, wie bei mir kringelten sich feine Löckchen auf der Stirn.
Ich war gestern so alt wie sie damals, als ich fünf war, ich als Halbwaise aus dem Krankenhaus zurückkehrte.
Meine Zunge lag schwer im Mund, ein Fremdkörper, ein Stein, auch ihre Zunge schien eine Lähmung zu haben, bloß gut, dass unsere Augen sprechen konnten, es gab so viel zu sagen, zu fragen, ein Vierteljahrhundert lag zwischen uns.

Mein Mund ließ sich einfach nicht öffnen, so suchten meine Hände die ihren, sie waren kalt, die meiner Mutter, die meinen, von der Nacht, oder der Angst und plötzlich begriff ich, warum sie gekommen war.

Ich sah sie fest an und sagte: „Ich habe noch Zeit, sehr viel sogar, die Medizin verbringt immer häufiger Wunder, bitte, hilf mir daran zu glauben, meine Tochter ist doch auch erst fünf.“

Bearbeiten/Löschen   ebook  Druckversion


2 ausgeblendete Kommentare sind nur für Mitglieder und nur mit eingeschaltetem Javascript erreichbar.
Zurück zu:  Kurzprosa Ein neues Thema veröffentlichen.     Antwort veröffentlichen.


Leselupe-Bücher



Amazon



Facebook


Werde Fan der Leselupe auf Facebook!