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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Begegnung im Park
Eingestellt am 30. 06. 2014 13:00


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Maribu
???
Registriert: Jun 2012

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Begegnung im Park

Er hatte, wie so oft bei sch├Ânem Wetter, einen Rundgang durch den 'Botanischen Sondergarten' unternommen, die gepflegten Beete bewundert, an verschiedenen Blumen geschnuppert und festgestellt, dass sie nicht alle einen angenehmen Duft verstr├Âmten. Danach hatte er einen Sessel im Halbschatten in Beschlag genommen, den er gerade noch vor einem anderen Besucher erreicht hatte, und sich in ein Buch vertieft.
Irgendwann hatte er das Verlangen nach Kaffee und blickte auf die Uhr. Wie schnell waren zwei Stunden bei einem spannenden Buch vergangen! Er stand auf, steckte es in die Innentasche des Sakkos und ging durch die Pforte, die in den Stadtpark f├╝hrte.
Er hatte seinen Blick auf den Boden gerichtet, um den vielen Pf├╝tzen auszuweichen, denn am Vortag hatte es stundenlang geregnet.
Pl├Âtzlich wurde er von einem Hund angesprungen. Die Pfoten hinterlie├čen Matschflecke auf seiner hellen Hose. Bevor er "Verflixter K├Âter!" schreien konnte, kam sein Frauchen angelaufen, die den 'Golden Retriever' an einer langen Leine hatte. "Entschuldigen Sie bitte! Das macht sie sonst nie. Ich komme selbstverst├Ąndlich f├╝r die Reinigung auf."
"Es hilft mir nicht! Jetzt muss ich mich mit der beschmutzten Hose unter die Leute wagen!"
Ihr war das unangenehm und sie erwiderte: "Das tut mir aufrichtig leid! Aber Sie m├╝ssen etwas an sich haben, was sie mag! Vielleicht haben Sie ein angenehm duftendes Rasierwasser oder das Tier sp├╝rt, dass Sie Hunde m├Âgen!"
Er lachte. "Nun bin ich auch noch schuld! Ich wollte gerade zum Kaffeetrinken ins Restaurant gehen. - W├╝rden Sie mich begleiten?"
Bevor sie antwortete, betrachtete sie ihn: Mittelgro├č, schlank, dunkle Haare, an einigen Stellen ins Graue ├╝bergehend. F├╝r einen etwa 50-J├Ąhrigen noch ganz passabel. Trotzdem wollte sie nicht dankbar zustimmen. "Wenn ich nicht in Ihrer Schuld w├Ąre, w├╝rde ich nicht darauf eingehen und...
Komm zur├╝ck Isolde!" unterbrach sie ihren Satz. Die H├╝ndin hatte die Leine bis zum Anschlag angezogen. Sie parierte sofort, flitzte wie ein Windhund zur├╝ck und sprang ├╝berm├╝tig ein zweites Mal an ihm hoch. Diesmal an der anderen Seite, sodass jetzt beide Hosenbeine dunkle Flecken aufwiesen.
"Nun ist aber genug!" schimpfte sie.
Er nahm es mit Humor. "Das ist zwar meine einzige und beste Hose, aber sie sieht jetzt viel besser aus! Man k├Ânnte denken, dass w├Ąre ein Muster."
Sie sch├╝ttelte l├Ąchelnd den Kopf und empfand Sympathie, weil er es so gelassen und witzig hinnahm.
Inzwischen hatten sie die Terrasse erreicht und nahmen unter einem Sonnenschirm Platz, bestellten zwei K├Ąnnchen Kaffee und den hausgebackenen Kuchen, der auf einem Schild besonders angepriesen wurde. "Habe ich eben richtig geh├Ârt?" nahm er das Gespr├Ąch wieder auf. "Riefen Sie Isolde?"
"Ja, das ist ein ungew├Âhnlicher Hundename, ich wei├č! Dazu m├Âchte ich Ihnen etwas erkl├Ąren: Mein Mann liebte die Musik Wagners ├╝ber alles. 'Den Ring' hat er sich an vier Abenden hintereinander angesehen. Aber das Gr├Â├čte war f├╝r ihn das Musikdrama 'Tristan und Isolde'. Als er vor einem Dreivierteljahr starb, habe ich mir kurz danach diesen Welpen geholt. Eigentlich wollte ich einen 'Tristan' haben, aber sie sah so traurig aus und lief mir entgegen."
Er lachte. "Ganz das Gegenteil von heute! - Haben Sie denn keine Kinder?"
"Doch. Mein Sohn wohnt mit seiner Familie in Frankfurt. Ich hatte ein schlechtes Gewissen, als ich ihm vom Hund erz├Ąhlte. Er wollte als Kind n├Ąmlich immer so einen 'Golden Retriever' haben. Mein Mann und ich konnten ihm das ausreden, so ein Tier in der Wohnung zu halten. Er musste sich mit einem Wellensittich tr├Âsten."
"Und wie hat Ihr Sohn reagiert?"
"Ganz lieb. Er sagte, er k├Ânne es verstehen, weil ich dann nicht mehr so allein sei. Au├čerdem h├Ątte ich einen Grund, an die Luft zu gehen. Und er hatte sich besonders gefreut, dass ich mich f├╝r seine Lieblingsrasse entschieden hatte. Am Wochenende danach besuchte er mich mit meinen Enkelkindern"
"Die Ausrede mit einer Wohnung hatte ich leider nicht!" Er l├Ąchelte. "Meine Tochter hatte Mitleid mit Tieren und kam eines Tages mit einem schwarzen Mischling in Sch├Ąferhundgr├Â├če an, den sie aus einem Tierheim geholt hatte. Wir hatten damals ein Haus mit Garten, indem wir ihn nach f├╝nfzehn Lebensjahren begraben haben."
Der Kellner kam mit einem Tablett und sie schwiegen, bis er serviert hatte. Er nahm sich ein St├╝ck Kuchen, biss ab, kaute und trank sofort Kaffee hinterher. "Der ist aber trocken!"
"Wirklich? Der soll doch hausgemacht sein!"
"Ja, fragt sich nur, wann?" Sie mussten beide lachen.
Trotz seiner Warnung griff sie auch zu und sagte nach einigen Bissen: "Mir schmeckt er. Aber wir wollen ja nicht den Kuchen testen. - Sie haben das Haus also nicht mehr?"
"Nein, es war zu gro├č. Ich habe mir eine Eigentumswohnung gekauft."
"Wollte Ihre Tochter es nicht haben?"
"Sie hat einen Mann mit einem Reihenhaus geheiratet."
"Wie clever! Und - Ihre Frau, war die mit dem Verkauf des Hauses einverstanden?"
Er griff nach der Tasse und nahm einen gro├čen Schluck. "Sie hatte mich vorher schon verlassen. Ich m├Âchte aber nicht dar├╝ber sprechen."
"Vielleicht ein anderes Mal?" Sie l├Ąchelte verlegen.
Er bemerkte es. Konnte es sein, dass diese gutaussehende Frau, die vielleicht f├╝nf Jahre j├╝nger als er war, Anteil nehmen wollte? "Sind Sie ernsthaft daran interessiert oder erwarten Sie eine Klatschgeschichte wie aus einer Illustrierten, die einem beim Friseur oder Arzt die Wartezeit ertr├Ąglich macht?"
"Das wei├č ich noch nicht; wir haben uns ja eben erst kennen gelernt! - Lieben Sie denn auch klassische Musik?"
"Ja, aber nicht Wagner. Ich mag Beethoven und Verdi."
Statt einer Antwort sagte sie: "Schauen Sie mal hinter sich!"
Die H├╝ndin, die sie locker am Schirm angebunden und die es sich auf dem breiten St├Ąnder bequem gemacht hatte, war hinter ihn geschlichen. Sie hatte alle Viere von sich gestreckt, mit dem Kopf lag sie unter seinem Stuhl. "Na Isolde, sitzt hier Tristan?" fragte er lachend und langte mit dem Arm hinunter.
Sie schien es zu bejahen, indem sie an seiner Hand leckte.
Ihr Frauchen musste ebenfalls lachen. "Wenn das keine Zuneigung ist! - Gehen Sie hier ├Âfter spazieren?"
"Ja, aber morgens."
"K├Ânnen Sie das denn mit Ihrer Arbeitszeit vereinbaren?"
"Ich arbeite zu Hause und kann mir die Zeit einteilen."
Vielleicht ist er arbeitslos, dachte sie und musterte ihn kritisch. Er widerlegte das aber sofort. "Die Firma, f├╝r die ich t├Ątig bin, hat einige Arbeitspl├Ątze ausgelagert. Ich bin selten im B├╝ro. Nur bei Problemen oder Konferenzen, die ├╝ber Video zu kompliziert w├Ąren. Ich bin Software-Entwickler."
Den Kaffee hatten sie ausgetrunken, zwei St├╝cke Kuchen lie├čen sie liegen. Er nahm sein Portemonnaie in die Hand und winkte dem Kellner. Sie protestierte. "Das wollte ich doch bezahlen wegen der Hose!"
"Nein, sie musste sowieso in die Reinigung! Ich m├Âchte mich aber noch vorstellen. Mein Name ist Wiegand. Ich wohne in der N├Ąhe am S├╝dring." Er machte eine Pause und sah sie bedeutungsvoll an. "Als Gegenleistung k├Ânnten Sie mir Ihre Adresse geben, dann w├╝rde ich ab und zu mit Ihrer H├╝ndin Gassi gehen!"
Der ist ja raffiniert! Sie musste innerlich l├Ącheln. Das Tier vorzuschieben, um mich n├Ąher kennen zu lernen, und sie entgegnete: "Einverstanden! Aber nur, wenn Sie Isolde nicht umbenennen in Leonore oder Aida!"

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USch
Guest
Registriert: Not Yet

Hallo Maribu,
nette kleine Alltasgsgeschichte mit am├╝santen Einsprengseln. ├ťber Hunde l├Ą├čt sich wohl gut in Kontakt treten - im Guten wie im Schlechten. Als Jogger habe ich fr├╝her allerdings keine guten Erfahrungen gemacht, kann aber beobachten wie schnell einsame Hundebesitzer ins Gespr├Ąch kommen.
Ich w├╝rde dir empfehlen, mal ├╝ber die vielen <hatte> nachzudenken. Das klingt nicht so gut.

quote:
Er hatte, wie so oft bei sch├Ânem Wetter, einen Rundgang durch den 'Botanischen Sondergarten' unternommen, die gepflegten Beete bewundert, an verschiedenen Blumen geschnuppert und festgestellt, dass sie nicht alle einen angenehmen Duft verstr├Âmten. Danach hatte er einen Sessel im Halbschatten in Beschlag genommen, den er gerade noch vor einem anderen Besucher erreicht hatte, und sich in ein Buch vertieft.
Irgendwann hatte er das Verlangen nach Kaffee und blickte auf die Uhr. Wie schnell waren zwei Stunden bei einem spannenden Buch vergangen! Er stand auf, steckte es in die Innentasche des Sakkos und ging durch die Pforte, die in den Stadtpark f├╝hrte.
Er hatte seinen Blick auf den Boden gerichtet, um den vielen Pf├╝tzen auszuweichen, denn am Vortag hatte es stundenlang geregnet.
Etwas Straffung k├Ânnte der Text auch noch vertragen.
LG USch

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