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Leselupe.de > Kurzprosa
Begegnung im Park
Eingestellt am 22. 08. 2006 21:33


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IceHand
Wird mal Schriftsteller
Registriert: Dec 2002

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Die BĂ€ume werfen ihren Schatten auf mich. Ich sitze auf einer Parkbank und beobachte die Sonne, wie sie langsam untergeht. Ich bin allein. So spĂ€t geht selten jemand in den Park. Die Menschen haben Angst vor Landstreichern, Obdachlosen und Kriminellen, die hier möglicherweise Zuflucht suchen. Mir ist es nur recht, ich genieße die Stille.
Langsam wird es dunkler. Ich höre Schritte, aber ich drehe mich nicht um. Sie werden lauter; nein, nicht wirklich lauter, nur deutlicher hörbar. Sie kommen direkt auf mich zu.
Ich drehe mich nicht um.
Jemand bleibt stehen, ganz in meiner NĂ€he, setzt sich neben mich. Eine Frau.
Ich sehe sie aus den Augenwinkeln an und hebe eine Braue, ansonsten zeige ich keine Regung. Die Frau hat schulterlange dunkle Haare, eine spitze Nase und eine Narbe an der SchlĂ€fe. Ihre Augen sind geradeaus gerichtet, zur Sonne, die ihr letztes feuriges GlĂŒhen zeigt.
»Amy«, sagt die Frau, ohne sich zu mir umzudrehen. »Bevor du nach meinem Namen fragst.«
Ich blinzle. Amy, so? Ich sage nichts.
»Ich habe heute mein Geld zusammengekratzt, bin in den Bus gestiegen und so weit damit gefahren, wie ich konnte.«
Warum erzÀhlt sie mir das?
»Am Ende bin ich hier gelandet. Ich glaube, es ist weit genug. Leider ist von meinem Geld nicht mehr viel ĂŒbrig.«
Sie scheint vor etwas oder jemandem zu flĂŒchten. Aber was hat das mit mir zu tun? Ich sehe starr geradeaus, mich geht das nichts an. Soll sie doch selbst sehen, wo sie bleibt.
»Na ja, ich hoffe, in den nÀchsten Tagen einen kleinen Job zu kriegen und dann vielleicht eine Wohnung.«
Ich drehe den Kopf und sehe sie an. In ihren Augen sehe ich nackte Hilflosigkeit. Ich sehe weg. Es geht mich nichts an.
Sie seufzt. »Ich werd' mir dann eine gemĂŒtliche Parkbank suchen und hoffen, dass es heute Nacht nicht allzu kalt wird. Entschuldige die Störung.«
Sie steht auf und geht. Ich öffne meinen Mund, um etwas zu sagen, aber bevor mir die passenden Worte einfallen, ist sie verschwunden. Wieso habe ich nichts gesagt? Wieso habe ich nicht ...?
Ich stehe auf. Es ist sinnlos, auf eine Antwort nach diesen Fragen zu suchen. Ich verlasse den Park.


© 2005 Sune Donath

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