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Leselupe.de > Humor und Satire
Begegnung mit Bin Laden
Eingestellt am 06. 04. 2003 19:20


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habibi
Autorenanw├Ąrter
Registriert: Mar 2003

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Begegnung mit Bin Laden

Auf der s├╝dlichen arabischen Halbinsel, dort, wo sich die W├╝ste dreitausend Meter zum Jemen hochwirft, liegt in tausendneunhundert Metern der Ort Taif.
Die Wasserversorgung der Siedlung war nicht mehr sicher gestellt, nachdem zunehmend die oberen Schichten der Hafenstadt Jeddah, Angeh├Ârige der saudischen K├Ânigsfamilie und Hotelketten ihre Pal├Ąste und Residenzen f├╝r den Sommeraufenthalt dort errichtet hatten. Die vorhandenen Quellen waren Jahrhunderte lang ausreichend f├╝r die wenigen Beduinen gewesen, doch die zunehmende Zahl der Sommerg├Ąste, die aus der Hitze der W├╝ste in das vergleichsweise k├╝hle Taif fl├╝chteten, machte zus├Ątzliches Wasser notwendig.
Wir hatten den Auftrag bekommen, eine doppelte f├╝nfundvierzig Zoll Wasserleitung von der Meerentsalzungsanlage in der N├Ąhe von Makkah zu dem etwa zw├Âlf Kilometer entfernten Taif hoch zu bauen. Das schloss auch einen Tunnel mit ein, ausreichend f├╝r das Doppelrohr und eine befahrbare Fluchtspur f├╝r die k├Ânigliche Familie. Der vier Kilometer lange Tunnel war notwendig, weil im felsigen Gel├Ąnde eine offene Rohrf├╝hrung wegen der saisonbedingten heftigen Regenf├Ąlle zu riskant war. Der Regen siegelt den Boden sofort ab, ein Versickern des Wassers ist damit unm├Âglich und damit schwellen die Abfl├╝sse in Minutenschnelle zu rei├čenden Fl├╝ssen an. Es ist bekannt, dass wesentlich mehr Menschen und auch Tiere durch solche Ereignisse zu Schaden kommen, als wegen Mangel an Wasser in der W├╝ste verdursten.

Bei der Begehung der vorgesehenen Leitungstrasse legten wir das Tunnelportal fest und entdeckten ungef├Ąhr achtzig Meter oberhalb sechs ├Ąltere verlassene Baracken. Beduinen in der N├Ąhe gaben uns die Auskunft, dass dies die Arbeiterunterk├╝nfte f├╝r den Bau der Strasse von Makkah nach Taif gewesen w├Ąren.
Vor einigen Jahren hatte Bin Laden eine Autobahn gebaut, die besonders dem K├Ânigshaus erlaubte, in wenigen Minuten seinen Palast in Taif zu erreichen. Sie ersetzte die vormals nur schwer zu befahrende unbefestigte Piste. Die Arbeiten an der Autobahn waren Bin Laden im Cost - Plus Verfahren ├╝bertragen worden, das hei├čt, er konnte seinen Aufwand inklusive einem Gewinn risikolos und ohne ├ťberpr├╝fung abrechnen. Das war die Grundlage f├╝r den sp├Ąteren Reichtum des Bin Laden Clans.
Wir kontaktierten die Firma Bin Laden in Riyadh und bekamen f├╝r eine geringe Geb├╝hr die Nutzungsrechte f├╝r die alten Baracken, reparierten sie etwas, bauten eine K├╝che ein und bezogen das Camp. Einhundertvierzig Asiaten, f├╝nfunddrei├čig Europ├Ąer und zw├Âlf Pal├Ąstinenser. Nach etwa zwei Monaten traf das Tunnelbohrger├Ąt ein, ein Koloss von vier Metern Durchmesser und f├╝nfundvierzig Metern L├Ąnge. Inzwischen war das Tunnelportal gesprengt, der Angriff in f├╝nfzehn Metern Tiefe vorbereitet, die eigentlichen Bohrarbeiten begannen.
Die Kantine war in Betrieb und p├╝nktlich jeden Tag kamen die Paviane aus den umliegenden Bergen und warteten auf die Abf├Ąlle. Verteilt, die Felsen vom Camp hinunter, sa├čen sie, die mutigen nahe, die weniger Vorwitzigen weiter unten. Sie sortierten je nach Position das Obst, Gem├╝se, Brot und das Gekochte, das die K├╝chenhilfen ├╝ber den Abgrund kippten. Dabei fiel ein alter Affe auf, der weit fr├╝her als all die anderen ganz oben sich hinhockte und im laufe der zeit immer n├Ąher r├╝ckte, schlie├člich direkt an der Kantinent├╝re sa├č. Die Philippinos bauten ihm einen Verschlag, sp├Ąter eine richtige offene Unterkunft, in der der alte Herr gef├╝ttert wurde und schlafen konnte. Er wurde nach dem fr├╝heren Besitzer des Camps ÔÇ×Bin LadenÔÇť benannt, war friedlich und zufrieden und freundlich. Weil er des ├ľfteren von den anderen Pavianen bel├Ąstigt wurde, die ihm den Fra├č klauten, bauten wir ihm auch noch eine T├╝re mit einem Schloss in die Behausung ein.
Nach ungef├Ąhr vier Monaten reiste die Belegschaft wegen der Weihnachtfeiertage nach Hause oder zu Freunden, es blieben nur vier Mann zur Bewachung das Camps zur├╝ck. Damit war auch der Kantinenbetrieb eingestellt. Womit wir nicht gerechnet hatten ÔÇô die Paviane akzeptierten dies nicht. Zwei Tage f├╝tterten wir sie noch mit altem Brot, dann war Schluss, wir hatten keine Abf├Ąlle mehr. Weitere zwei Tage warteten die Affen zur ├╝blichen F├╝tterzeit auf ihren Fra├č. Am folgenden Tag, als wieder kein Futter f├╝r sie ausgegeben wurde, st├╝rmten sie das Camp.
Zuerst befreiten sie Bin Laden, wohl auch, weil in seinem Verschlag noch Futter war. Sie rissen das Schloss mit dem Riegel einfach ab. Wir verzogen uns in die Kantine, schlossen die Fensterl├Ąden und warteten ab. Nicht ohne Angst, denn die Meute von mehr als f├╝nfzig Pavianen r├╝ttelte an den L├Ąden und versuchte sie abzurei├čen. Bei zwei der Arbeiterbaracken gelang ihnen das auch, sie zertr├╝mmerten anschlie├čend die Fensterscheiben und zogen sich dabei blutige Verletzungen zu. Das versetzte sie noch mehr in Rage, sie hausten wie die Vandalen, zerst├Ârten die Betten und Spinde, rissen die Kleider heraus und verstreuten das Zeug bei ihrem Abzug in der Gegend. Wir fanden sp├Ąter Teile davon noch in Kilometern Entfernung. Bin Laden turnte mit ihnen ab.
Wir verrammelten nach dem Abgang der Meute das Camp so gut es ging und fl├╝chteten nach Taif, wo wir bis zum Ende der Feiertage blieben.
Erst als die Arbeiterbelegschaft zw├Âlf Tage sp├Ąter aus dem Urlaub zur├╝ck kam bezogen wir das Camp wieder. In seiner H├╝tte sa├č Bin Laden und wartete.
Das Camp wurde repariert, der normale Betrieb ging weiter, auch die Paviane wurden wieder gef├╝ttert, alle waren zufrieden. Die H├╝tte Bin Ladens wurde wieder verriegelt, damit ihn die anderen Affen nicht bel├Ąstigten oder ihm das Futter wegstibitzten.
Nach etwa acht Monaten war das Projekt zu Ende und wir l├Âsten das Camp auf, nagelten die Fensterl├Ąden und T├╝ren zu , rissen die Behausung Bin Ladens ab und verlie├čen das Land.
├ťber das weitere Schicksal Bin Ladens sind nur Informationen aus Medienberichten bekannt. Aber m├Âglicherweise handeln die ├╝ber einen anderen Bin Laden?!

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M├Â├čner, Bernhard
Routinierter Autor
Registriert: Dec 2001

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Begegnung mit Bin Laden

Hallo habibi, deine Geschichte h├Ątte mehr Aufmerksamkeit verdient! Es ist zwar keine Satire im eigentlichen Sinn, sie ist aber sehr informativ geschrieben. Hoffentlich bekommen die Amerikaner keinen Wind davon, die w├╝rden doch zu gerne einen Bin Laden einfangen, und w├Ąr es auch nur fast der Richtige.
-Bernhard-
__________________
-Bernhard M├Â├čner-

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casagrande
???
Registriert: Mar 2002

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Hi Bernhard
Gebe dir recht, die Geschichte w├Ąre besser in den Kurzgeschichten aufgehoben. Aber das war der Moderatorin zu hei├č und sie hat den Text in die Satire verschoben. Vielleicht w├Ąre der Name tats├Ąchlich f├╝r die Auserw├Ąhlten eine Notwendigkeit zum Einschreiten gewesen.
Herzlich Habibi

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