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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Begegnung ohne Zukunft
Eingestellt am 13. 06. 2006 11:02


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ScarlettMirro
One-Hit-Wonder-Autor
Registriert: Nov 2003

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Immer wieder durch all die Jahre hindurch hab ich mir ausgemalt, wie es sein m├╝sste, wenn ich ihn wieder sehe. In meinen Gedanken konstruierte ich jede Menge zuf├Ąlliger Begegnungen, nach den Geburten, bei der Einschulung, bei einem Umzug oder auch bei einer festlichen Veranstaltung. An Ideen mangelte es mir nicht.
Als ich ihm dann schlie├člich wirklich begegnete, erwischte mich das trotz dieser jahrelangen Vorbereitungen v├Âllig ├╝berraschend bei irgendeiner unwichtigen Gelegenheit an einer Schule meiner Kinder.

Ich hockte neben dem Fahrrad meines j├╝ngeren Sohnes und versuchte zu ergr├╝nden, was nun gerade klemmte, und sah lediglich aus der Situation des Nachdenkens hoch. Und da stand er, ca. 50 Meter von mir entfernt. Ich erkannte ihn nach all den Jahren sofort. Diese aristokratische Haltung, die Gr├Â├če, die Bewegung von Armen und H├Ąnden. Seine Kleidung und seine Frisur vervollst├Ąndigten das Bild, wie ich es in Erinnerung hatte. Wie elektrisiert sah ich ihn an, er sah mich an. Wir waren beide ├╝berrascht. Was tun? Ich stand langsam auf und beschirmte meine Augen mit einer Hand. All die Jahre des Wartens und Hoffens waren wie weggewischt, doch die Angst kletterte in mir hoch.
Ich sah ihn an. Und auch bei ihm erkannte ich das Z├Âgern. Ich l├Ąchelte versuchsweise und auch er l├Ąchelte und kam mir entgegen. Ich ging auf ihn zu, meine Schritte wurden schneller. Zehn Schritte auseinander blieben wir stehen. Wenn ich mich h├Ątte vorbereiten k├Ânnen, dann h├Ątte ich nach kleinen Miniaturausgaben von ihm Ausschau gehalten, dann h├Ątte ich auch nach einer Frau gesucht, die best├Ąndig einen Blick auf ihn warf, so wie eine Spinne ihr Netz best├Ąndig pr├╝fte. Er blieb stehen.
Zwischen uns lag das fein gesponnene Band unserer Zuneigung. Ich war unsicher. So unsicher wie vor meinem ersten Kuss von ihm. Ich suchte in seinem Gesicht nach einem Zeichen. Und da ging ein kleiner Impuls von seinen Armen aus, oder war ich es gewesen. Ich fiel in seine Arme, sp├╝rte seinen festen starken Arm und f├╝hlte in mir diese W├Ąrme und die Geborgenheit als flammender Strudel hochsteigen, der alle Angst aus den Ecken heraussaugte. Ich sp├╝rte sein Herzschlag in meinem aufgehen, und ich f├╝hlte seinen warmen Puls an meinen Lippen, als ich meine Nase gegen seinen Hals dr├╝ckte. Ich roch diesen angenehm schweren holzigen Geruch, die Symphonie seines K├Ârpergeruchs mit dem Deo. Die Vertrautheit gurgelte durch mich hindurch wie ein angenehm k├╝hler Bach, an dem ich mich laben wollte. Kein einziges Wort kam ├╝ber unsere Lippen und wir sagten uns in diesem Moment alles, was wir wissen mussten. Kein Zweifel lag in mir, dass es nur mir so gehen k├Ânnte. Ganz klar hatten mein Gef├╝hl und mein Verstand den Code dechiffriert. Mir tropfte eine Tr├Ąne der Freude aus dem Auge, die ich nicht aufhalten konnte. Ich f├╝hlte mich weit und gro├č und m├Ąchtig. Alles h├Ątten wir tun k├Ânnen. Jetzt und Hier waren wir zusammen.

Dann schob er mich sanft von sich, meine H├Ąnde hielten noch kurz die seinen. Er dr├╝ckte sie, sah mich liebevoll an. Sein Blick wurde traurig und schwer. Ich schluckte.
Er dr├╝ckt meine H├Ąnde so fest, als wolle er sie behalten.

"Meine Frau, da vorn und das ist mein Sohn."
"Ja, mein J├╝ngster und da mein Mann."
"War sch├Ân, dich wieder zu sehen. Mach es gut!"
"Du auch!"

Ich sehe ihm nach. In mir schreit es laut, doch ich lass ihn gehen. Lass ihn gehen. Lass ihn gehen.

__________________
Kritik? Gern sachlich und konstruktiv, aber bitte mit Sahne!

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ScarlettMirro
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Hallo ???
liest den keiner mehr mit Kommentar?

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Gandl

Autorenanw├Ąrter

Registriert: Jul 2003

Werke: 1
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Hi ScarlettMirro,
manchmal ist es nicht so ganz leicht, einen schnellen, leichtf├╝├čigen Kommentar zu schreiben. So erging es mir. Ich las die Geschichte vor einigen Tage, nahm sie im Kopf mit auf eine Reise, jetzt liegt sie da wieder, du fragst ...
Und ich antworte: Es ist eine schei├čverdammtgute Geschichte ... Ich bin zwar nur ein Mann, kann mich aber so unendlich gut in die Frau hineinversetzen, die ewige Sehnsucht, die zarte Hoffnung, dass doch vielleicht alles anders werden k├Ânnte, wenn ... ja, was ÔÇô wenn ... Und dann das Loslassen ... ÔÇô das hast du sehr sch├Ântragisch beschrieben. Keine dramatische ÔÇ×jetzt-treffen-wir-uns-und-ficken-und-alles-wird-super-GeschichteÔÇť. Das w├Ąre Kitsch. Du hast Das Leben aufgeschrieben. So isses ... Ja. Schei├če.
Ganz lieben Gru├č
Gandl

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ScarlettMirro
One-Hit-Wonder-Autor
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Hi Gandl,

sch├Ân wieder mal von dir zu lesen...

Danke f├╝r deinen Kommentar. Ich frag mich einfach manchmal, ob ├╝berhaupt jemand meine Texte liest, wenn man so gar kein Echo h├Ârt.

Sch├Ân auch, dass es dir gefallen hat.

Irgendwie kennt jeder diese Sehnsucht, glaub ich, mal haben wir Sehnsucht nach der Vergangenheit (wie in diesem Beispiel), mal nach der Zukunft, weil wir dort auf den besondern Menschen hoffen. Meist sehen wir den Wald vor lauter B├Ąume nicht ... gell. Mit der Gegenwart zufrieden zu sein und in Frieden zu leben ist auch f├╝r mich die gr├Â├čte Herausforderung.

Gr├╝sse u Danke
Scarlett
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flammarion
Foren-Redakteur
Routinierter Autor

Registriert: Jan 2001

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beinahe

zum heulen sch├Ân. bitte mehr davon!
lg
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Old Icke

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Anygirl
Festzeitungsschreiber
Registriert: Jun 2006

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Hallo,

am sch├Ânsten finde ich das Ende, der Einstieg ist etwas holprig, aber den letzten Absatz find ich ganz gro├č!

Gru├č Anygirl

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ScarlettMirro
One-Hit-Wonder-Autor
Registriert: Nov 2003

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Danke f├╝r euer Lob, tut mir gut ...

Zur Zeit schreib ich nur selten noch Kurzgeschichten, arbeite an einem l├Ąngeren text ... *├Ąchtz
Vielleicht hat das dann ein Happy End...

Ich fand die Vorstellung auch grausam ... und diese Geschichte ist das genaue Gegenteil zu einer anderen Wiederbegnungsgeschichte ... die ist dann Happy ... werd sie mal einstellen ... so als Kontrast ...

Ist aber l├Ąnger ... sie hei├čt SINNESRAUSCHEN.

Gr├╝sse
Scarlett
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