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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Begegnungen
Eingestellt am 04. 01. 2005 19:53


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AdamSmith
Festzeitungsschreiber
Registriert: Dec 2004

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Kommentare: 9
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Sie sa├č an der Bar - wie jeden Abend - und trank einen Martini - wie jeden Abend, um nicht nach Hause gehen zu m├╝ssen. Es war eine jener Upperclass-Bars, in die es die Yuppies nach ihrem 14 Stunden Tag in der Multimedia-Branche verschl├Ągt, damit sie sich mit ihrem Chef, der nur wenig ├Ąlter ist, zulaufen lassen k├Ânnen.
Theoretisch geh├Ârte auch sie hier her. Sie war jung und erfolgreich im Beruf - aber sie hatte ein Kind. Und sie wollte nicht nach Hause. Bis sie dann nach Hause kam schlief das Kind meist. Eine Nanny passte tags├╝ber auf es auf. Es war noch sehr jung. Jung genug um eine Mutter dazu zu bewegen nicht arbeiten zu gehen. Aber bei ihr war das anders.
Der dunkele Mann betrat die Bar, als sie ungef├Ąhr die H├Ąlfte ihres Martinis getrunken hatte. Er war dunkel - ein anderes Wort daf├╝r viel ihr nicht ein. Dunkel und Durchschnitt. Dunkele Kleidung, dunkele Haare, durchschnittliche Gr├Â├če, durchschnittliches Gewicht. Als er die Bar betrat brachte er die Herbstluft von drau├čen mit. Sie sp├╝rte einen Schauer - sie sa├č stets dicht bei der T├╝r. Der dunkele Mann sah gut aus. Er betrat die Bar und wurde nicht langsamer - er hielt nicht inne um sich nach einem freien Platz umzusehen er ging Zielstrebig auf sie zu. Das fand sie komisch. Nicht beunruhigend. Sie wurde nerv├Âs, als er sich auf den Platz neben sie setzte. Er zog noch nicht einmal seinen Mantel aus. Sie sp├╝rte wie ihre Handfl├Ąchen feucht wurden. Nicht richtig feucht - die Art von penetranter Feuchtigkeit, deretwegen man sich beim H├Ąndesch├╝tteln sch├Ąmt, obwohl der andere sie gar nicht wahrnimmt.
\"Was machen Sie hier?\"
Hatte er sie gerade angesprochen. Sie war sich nicht sicher. In der Bar war es ger├Ąuschvoll. Kein L├Ąrm - nur zu laut um sich sicher zu sein, dass man angesprochen wurde. Sie riskierte es und sah ihn an.
Seine Augen waren dunkel. Nicht die Farbe selber - sie sah die Farbe nicht einmal - die Augen waren dunkel. Sein Gesicht war fein geschnitten. Jede Partie des Gesichtes hatte die richtige Gr├Â├če. Es war eines von jenen Gesichtern, die man sich nicht wieder vor Augen rufen kann, wenn man die Person nicht sieht. Es war zu normal. Sie bekam Angst.
\"Was machen Sie hier?\"
Dieselbe Frage. Sie klang genauso wie beim ersten Mal. Wieder war sie sich nicht sicher. Sie musste es riskieren zu antworten.
\"Was?\"
Etwas Besseres fiel ihr nicht ein.
\"Warum sind sie nicht zu hause bei ihrem Sohne?\"
Jetzt h├Ątte sie erschrecken sollen. Sie wusste es - aber sie tat es nicht. Woher wusste er von ihrem Kind? Wer war er?
\"Ich...\"
Sie wusste nicht, was sie sagen sollte. Sie war sprachlos. Es war als w├╝rde alles was sie war und konnte keine Rolle mehr spielen - als w├Ąre sie nur eine Person in einer Kommunikation.
\"Sie gehen nicht mehr nach Hause.\"
Sogar seine Stimme war dunkel.
\"Ich gehe jeden Abend nach Hause!\"
Die Banalit├Ąt dieses Satzes - jedes einzelnen Wortes erschreckte sie.
\"Erst wenn ihr Sohn schl├Ąft. Dann ist es kein zu Hause mehr.\"
Das war wahr. Am Anfang hatte sie es nicht wahr haben wollen. Sie hatte sich gesagt, dass sie jung war und ihr Leben noch ein wenig genie├čen wollte. Es war eine Ausrede gewesen. Eigentlich war sie noch nicht einmal gerne in dieser Bar.
\"Ich...\", ihr fiel nichts mehr ein, sie musste es sagen \"mein Mann er...!\"
Er nickte: \"Sie tragen daran keine Schuld.\"
Sie sah ihn an. Das wusste sie nat├╝rlich. Ihr fiel auf, dass sogar die Stimme des Mannes dunkel war.
\"Er ist tot.\" Sie wusste nicht, warum sie das gesagt hatte - warum sie ├╝berhaupt mit dem Mann ihr gegen├╝ber redete.
Er nickte wieder: \"Ein Autounfall.\"
Sie redete weiter: \"Er und sein Bruder... beide...\"
Der Mann sah sie einfach weiter an. Der Moment war fern jeder Beschreibung. Wie ein kleines Gef├╝hl tief in einem drin. Klein und unruhig aber man bekommt es nicht zu fassen.
\"Sein Bruder wollte mit Ihrem Mann an jenem Tag reden. ├ťber etwa bestimmtes. Ihr Sohn hat seinen Vater nie kennen gelernt - und dessen Bruder auch nicht.\"
Sie fragte sich nicht einmal woher der Mann ihr gegen├╝ber das alles wusste. Sie f├╝hlte sich wie ein Eimer der Farbe, der an eine Wand gesch├╝ttet wurde: Sie tropfte langsam dem Boden entgegen - sie zerlief. Sie f├╝hlte sich einsam und...
\"Daf├╝r k├Ânnen sie nichts!\"
..verlassen und traurig. Unendlich traurig.
\"Und ihr Sohn kann daf├╝r auch nichts. Gehen Sie nach Hause. Gehen Sie zu Ihrem Sohn!\"
Der Mann stand auf, drehte sich um und verlie├č die Bar in jener absoluten Art der Zielstrebigkeit, in der er sie betreten hatte.
Sie starrte weiter vor sich hin. Eine Ewigkeit sp├Ąter begann sie sich wieder zu bewegen. Die Muskeln funktionierten noch.
Sie bezahlte und ging nach Hause zu ihrem Sohn. Dem Sohn des toten Bruders ihres toten Mannes. Sie war - in dieser Yuppie-Bar - zu Hause angekommen.

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nobody
Guest
Registriert: Not Yet

Hi, willkommen in der LL!
Spontan eine "8" f├╝r den ersten guten Eindruck von Deiner Geschichte - der Text sollte aber schon noch einmal abgeklopft werden: Rechtschreibfehler, Wiederholungen (dunkel), das Bild mit dem Eimer Farbe. Lass Dich aber nicht entmutigen.
Meine Meinung!
Gru├č nobody

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Susanne Henke
Wird mal Schriftsteller
Registriert: Oct 2004

Werke: 9
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Hallo Adam Smith

interessante Idee, Stimmung in Bar kommt gut r├╝ber.

"Nicht richtig feucht - die Art von penetranter Feuchtigkeit, deretwegen man sich beim H├Ąndesch├╝tteln sch├Ąmt, obwohl der andere sie gar nicht wahrnimmt." Das hat mir gefallen!

Ein paar Rechtschreib-Kleinigkeiten sind mir aufgefallen.

"Der dunkele Mann" ÔÇô der dunkle Mann . ÔÇô und alle anderen "dunkeles"

"umzusehen er ging Zielstrebig auf sie zu." Punkt nach umzusehen, er gro├č und zielstrebig klein

"Hatte er sie gerade angesprochen." Ein Fragezeichen am Ende

"nur zu laut um sich sicher zu sein" - Komma nach laut

\"Warum sind sie nicht zu hause bei ihrem Sohne?\" ÔÇô zu Hause und Sohn

"Es war als w├╝rde alles was sie war und konnte keine Rolle mehr spielen - als w├Ąre sie nur eine Person in einer Kommunikation. " - da fehlt etwas nach "was sie war" / Komma nach dem ersten war und nach alles

"es sagen \"mein Mann er...!\"" Komma nach sagen und Mann

"Klein und unruhig aber" Komma nach unruhig

Deinen Anf├╝hrungszeichen ist die Konvertierung irgendwie nicht bekommen ;-)

Und ein paar Dinge in Sachen Wortwahl und Wiederholungen

"der nur wenig ├Ąlter ist, zulaufen lassen k├Ânnen" bin nicht ganz sicher, aber volllaufen w├Ąre, glaube ich, besser

"Eine Nanny passte tags├╝ber auf es auf. Es war noch sehr jung." - vielleicht besser "passte auf ihn auf" oder "auf den Jungen" "Er war ...."

"Als er die Bar betrat, brachte er die Herbstluft von drau├čen mit. ..... Er betrat die Bar und wurde nicht langsamer" ÔÇô einmal betreten reicht

"Das war wahr. Am Anfang hatte sie es nicht wahr haben wollen. Sie hatte sich gesagt, dass sie jung war und ihr Leben noch ein wenig genie├čen wollte. Es war eine Ausrede gewesen. Eigentlich war sie noch nicht einmal gerne in dieser Bar." Hier sind ein paar "wars" und "wahrs" zuviel

"Sogar seine Stimme war dunkel...... Ihr fiel auf, dass sogar die Stimme des Mannes dunkel war. " ÔÇô einen Satz davon kannst Du weglassen

"in jener absoluten Art der Zielstrebigkeit," ÔÇô wie w├Ąre es mit "absoluten Zielstrebigkeit"?

."Sie f├╝hlte sich wie ein Eimer der Farbe, der an eine Wand gesch├╝ttet wurde: Sie tropfte langsam dem Boden entgegen - sie zerlief." ÔÇô ein interessantes Bild, aber sie f├╝hlt sich wohl eher wie die Farbe und nicht wie der Eimer

Die Beschreibung des Mannes irritiert mich ein bisschen - er sieht gut aus, alles dunkel, feingeschnittenes Gesicht, aber dann doch zu normal, um sich das Gesicht in Erinnerung rufen zu k├Ânnen (das gef├Ąllt mir ├╝brigens auch sehr gut: zu normal...)

Lass Dich durch diesen Kommentar blo├č nicht entmutigen ÔÇô bin schon gespannt auf Deine n├Ąchste Story!

Herzliche Gr├╝├če

Susanne

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sohalt
Routinierter Autor
Registriert: Apr 2003

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Es gibt da eine amerikanische Fernseh-Show, Psy-Factor, hei├čt die, glaub ich. Da passt deine Geschichte perfekt rein. N├Ąmlich auch vom zeitgeistigen Umfeld her, da dr├╝ben ist man ja jetzt wieder sehr auf konservativ und super-moralisch unterwegs.

Jaja, das pflichtvergessene Weib, dass sich da in der Bar am├╝siert (nat├╝rlich nicht wirklich, die arme Irre-Geleitetete, denn das wahre Wesen der Frau findet nur daheim bei Kind und Herd Erf├╝llung ) - die geh├Ârt nat├╝rlich geschreckt und gel├Ąutert durch einen Besuch aus der Geisterwelt.

Selbst wenn man mit der Moral konform geht (und recht viel anderes wird einem zugegeben nicht ├╝brig bleiben, dagegen, dass M├╝tter von Kleinkindern nicht unbedingt dauernd in Bars rumsitzen m├╝ssen, l├Ąsst sich allerdings schwer was sagen, auch wenn, f├╝rcht ich, in deinem Text etwas mehr mitschwingt - mich w├╝rd zum Beispiel schon interessieren, warum sie nicht nach Hause will, und ob du's glaubst oder nicht, es kann daf├╝r Gr├╝nde geben; wenn auch vielleicht keine "guten"; eine bessere Geschichte w├Ąre auf jeden Fall eine, die der Frau nicht nur Predigten h├Ąlt, sondern zumindest versucht, sie zu verstehen) - also selbst wenn einem diese Moral bei teilweise durchaus gegebener Berechtigung doch ein wenig sauer aufst├Â├čt - sie kommt auf jeden Fall zu holzhammerm├Ą├čig daher.

Und dass das Kind nicht das Kind ihres Mannes, sondern dass Kind seines Bruders ist, ist ├╝brigens meiner Meinung nach eine v├Âllig ├╝berfl├╝ssige Wendung, die weder zu deiner Message noch zur Spannung der Geschichte etwas beitr├Ągt.

Es gibt allerdings eine breite Leserschaft, deren Geschmack du mit dieser Art von Geschichten genau treffen kannst, du musst dich also durchaus nicht von mir entmutigen lassen.

lg
sohalt

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nobody
Guest
Registriert: Not Yet

Hallo sohalt,
Dein Kommentar hat mich schon ziemlich nachdenklich (und betroffen) gemacht - von dieser Seite hatte ich die Geschichte nicht betrachtet, und auf der Seite m├Âchte ich auch nicht stehen.
Effekt: K├╝nftig werde ich meine Spontaniet├Ąt etwas z├╝geln m├╝ssen.
Gru├č nobody

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AdamSmith
Festzeitungsschreiber
Registriert: Dec 2004

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Hallo sohalt,
erst einmal vielen Dank f├╝r deine Kritik. Ich muss gestehen ich bin geschockt und kann nobody nur Recht geben: Auf dieser Seite m├Âchte ich auch nicht stehen. Tats├Ąchlich ist es mir nie in den Sinn gekommen, dass meine Geschichte so gelesen werden k├Ânnte und ich m├Âchte mich daf├╝r entschuldigen.
Tats├Ąchlich liegt mir jede Moralpredigt ├Ąu├čerst fern und es war auch nicht meine Absicht, dass mein kleines Werk einen solchen Anstrich erh├Ąlt.
Was mich viel mehr interessiert als jede Moral ist die ├╝berraschende Wendung, das unerwartete Ende. Wenn du also schreibst, dass diese Wendung dir ├╝berfl├╝ssig erscheint dann bin ich wohl gescheitert.
Es geht mir viel weniger um eine Kritik an der Mutter, die sich in der Bar rum treibt, ob sie Spa├č hat oder nicht - das ist ein Thema, dass ich auf eine ganz andere Art darstellen w├╝rde. Auch interessiert mich nicht im eigentlichen Sinne, dass sie ihren Mann betrogen hat oder, dass sie nicht bei ihrem Kind ist. Das waren f├╝r mich lediglich Mittel um den Leser in Sicherheit zu wiegen - ihn in eine bestimmte Richtung zu treiben.
Mit der ├╝berraschenden Wendung wollte ich dann den Blickwinkel pl├Âtzlich verzerren und so die ganze Geschichte ├Ąndern - etwas das mir wohl misslungen ist. Den Fehler mache ich kein zweites Mal.
Die Message die ich transportieren wollte ist, um ein Fazit zu ziehen, weniger eine inhaltliche sondern viel mehr der Versuch den Leser dazu zu bringen zu denken: "Mensch, der Mistkerl hat mich die ganze Zeit in die falsche Richtung gucken lassen.

Ich w├╝rde mich freuen beim n├Ąchsten Versuch wieder eine Kritik von dir zu lesen.


Liebe Gr├╝├če
Adam

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