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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Begegnungen mit dem Schicksal
Eingestellt am 03. 12. 2016 23:39


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Alex Knov
Festzeitungsschreiber
Registriert: Jul 2015

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Er trat aus dem Starbucks, einen gro├čen Kaffeebecher in der Hand, und kn├Âpfte seinen grauen Mantel zu, um sich vor der K├Ąlte zu sch├╝tzen. Es war Winter, doch die Sonne schien zum Trotz umso st├Ąrker in sein Gesicht. Er nahm einen tiefen Atemzug der frischen Winterluft und genoss den Moment. Aus seinen Kopfh├Ârern kam ruhige, traurige Musik, die von Schmerz und Depression handelte. Die meisten Menschen h├Ârten, wenn ├╝berhaupt, solche Musik nur, wenn es ihnen furchtbar ging und sie schon eine halbe Flasche Wein auf hatten. Doch ihn erf├╝llte die Musik. Sie machte ihn weder traurig, noch gl├╝cklich. Sie erinnerte ihn an eine schwierige Zeit, die er glaubte, hinter sich gelassen zu haben.

Er stand mitten in einer Fu├čg├Ąngerzone, um ihn herum Caf├ęs, Fastfood Restaurants und Elektrol├Ąden. Menschenmassen bewegten sich um ihn herum und waren doppelt so schnell wie er, doch das st├Ârte ihn nicht. Im Gegenteil. Er beschloss, bei dem guten Wetter den Park zu besuchen, in dem er fr├╝her immer nachgedacht hatte.

Als er gerade losgehen wollte, sah er sie. Mitten durch die K├Âpfe all der Menschen sah er sie. Mit ihm. Sie hatte ihn noch nicht bemerkt. Die Menschen, die vorher doppelt so schnell waren wie er, bewegten sich nun in Zeitlupe, und sein Herz fing an zu rasen. Sein Gesicht f├Ąrbte sich rot und er stand wie angewurzelt mitten vor der T├╝r des Starbucks, welches er soeben verlassen hatte. Tausend Gedanken auf einmal schossen ihm durch den Kopf, ein paar waren dar├╝ber, wie er eine Panikattacke verhindern konnte, der Rest ├╝ber sie und ihre Vergangenheit.

Doch dann geschah es. Sie dreht ihren Kopf, ihren wundersch├Ânen Kopf, um ein paar Grad nach links und sah ihn. Ihre Augen weiteten sich, als sie Blickkontakt aufnahmen, und ihr Blick ver├Ąnderte sich. Es war der gleiche Blick wie damals, nach all der Zeit. Was sollte er tun?

Es war zu sp├Ąt, sein K├Ârper brach unter dem psychischen Druck zusammen und er drehte sich innerhalb von einem Bruchteil einer Sekunde, so kam es ihm vor, um und ging in die entgegengesetzte Richtung. Er bildete sich ein, ihre Stimme zu h├Âren, die seinen Namen rief. Er drehte sich im Gehen um, fand ihr Gesicht in der Menschenmenge jedoch nicht wieder. Seine Schritte wurden schneller.

Er zitterte. Alles, was er sich die letzten Jahre angeeignet hatte, war f├╝r nichts. Er setzte sich auf eine Bank neben einer kleinen Kirche und versuchte, sich zu beruhigen. Er z├Ąhlte. Vier Sekunden einatmen, sechs Sekunden wieder aus. Er hatte das Gef├╝hl, er m├╝sste sich ├╝bergeben und in Ohnmacht fallen gleichzeitig.

Er wusste alles ├╝ber diese Situationen, was es zu wissen gab. Stunden und Wochen hatte er sich alle wissenschaftlichen und nicht wissenschaftlichen B├╝cher dazu durchgelesen. Damals hatte das alles so viel Sinn gemacht, doch jetzt gerade nicht. Er war ersch├Âpft. Aus halbem Dilirium sah er hoch zu dem Kirchturm und erinnerte sich. Er war schon einmal hier gewesen. Damals, damals war er hier gewesen.

Eine Motivation, die er noch nie zuvor versp├╝rt hatte, packte ihn und er rannte zur├╝ck. Zur├╝ck zum Caf├ę, zur├╝ck in die einengende Menschenmenge, zur├╝ck zu ihr. Panisch, doch nicht wirklich panisch, schaute er sich nach ihr um. Sie war nirgends zu sehen.

Er konnte nicht aufgeben, dies war seine Chance. DIE Chance! Die einmal im Leben Chance. Und er rannte weg wie ein kleines M├Ądchen, ein Schw├Ąchling der er war. Wut f├╝llte seine Brust und er konnte sie nur mit M├╝he in sich halten.

Doch da war sie! Sie kam aus einem der Gesch├Ąfte, guckte sich unsicher um, als w├╝rde auch sie nach ihm suchen. Vielleicht w├╝nschte er sich das auch nur, doch sie war da.

ÔÇ×KATHY!ÔÇť, rief er lauter als er es wollte.

Sie drehte sich um, sah ihn, und eine Spur von Freude zeigte sich auf ihrem Gesicht. Nur eine kleine, neben deutlicher Unsicherheit und Angst. Doch Freude war auch dabei, ein bisschen jedenfalls.

Er lief zu ihr und schaute sie an. Sie sah aus wie fr├╝her, wie an dem Tag, an dem er gegangen war. Sie war so wundersch├Ân, und ihm wurde klar, wie sehr er sie vermisste. Seine Gef├╝hle brachen in ihm zusammen, Panik, Freude, Depression, Liebe, alles wurde zusammengew├╝rfelt und erzeugte einen Wirbelsturm in seinem Kopf, der kein klares Denken zulie├č.

Doch er musste nicht klar denken, sein Kopf spielte keine Rolle, er war ausgestellt. Alles was in diesem Moment eine Rolle spielte war sie. Sie.

ÔÇ×HeyÔÇť, sagte sein Herz.

__________________
The fool's the happy one.

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