Diese Seite verwendet Cookies. Wenn Sie das nicht akzeptieren, mĂŒssen Sie Cookies in Ihrem Browser verbieten oder diese Seite verlassen.    OK  
 leselupe.de
Werbung
 Meine Leselupe

Mitglieder:   5438
Themen:   92225
Momentan online:
380 Gäste und 15 Mitglieder
Username:
Passwort:
Registrieren
Passwort vergessen?


Leselupe.de > Kurzgeschichten
Begegnungen... oder doch nur... paranoid?
Eingestellt am 29. 04. 2002 20:57


Autor
Ein neues Thema veröffentlichen.     Antwort veröffentlichen.
Nicki
Wird mal Schriftsteller
Registriert: Apr 2002

Werke: 8
Kommentare: 9
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um Nicki eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil

„Vorsicht Bahngleis 2, Zug fĂ€hrt ein!“ plĂ€rrt mich eine mir gut bekannte Stimme aus den Lautsprechern an. Schon ewig bin ich nicht mehr in einem öffentlichen Massentransportmittel gesessen. Ich genieße seit Jahren die bequemere und weniger nervenaufreibende Art um mich fortzubewegen. Es lebe das Auto! Halleluja! Zu bestimmten AnlĂ€ssen ist man aber gezwungen sich am Bahnsteig rumschubsen, den Körper zerquetschen zu lassen, sich mĂŒhevoll in die S-Bahn zu drĂ€ngen und sich mit der Masse ins Wageninnere weiterschieben zu lassen. Tausend EindrĂŒcke schwirren auf mich ein... und GerĂŒche. Oder soll ich lieber Gestank sagen? Eine wirre Mischung aus hunderten von Parfum’s, RasierwĂ€sserchen, LeberkĂ€ssemmeln oder die bei Jugendlichen beliebten Laberln eines renommierten Systemgastronomen. BuÀÀhhh! Na, das fĂ€ngt ja schon mal gut an.

Tausend verschiedene Wortfetzen drĂ€ngen sich in meinen Gehörgang. Nein! Meine Ohren werden vergewaltigt! Egal. Stimmen werden kreiselförmig in mein Gehirn gezogen. Ich kann mich nicht wehren. Hilfe! Stimmen die kreischen, jammern, sich Ă€rgern oder streiten, piepsen oder heulen. Stimmen die echt cool sind, oder gerne wĂ€ren. Stimmen die fachsimpeln, philosophieren oder einfach nur dumm reden. Wo ist mein Auto?? Ah ein Sitzplatz! Nun beginnt der Kampf, wie an einem WĂŒhltisch mit 3 Paar Socken um 9.90.- Geschafft! TatsĂ€chlich. Ich sitze. Jubel! Vielleicht ein bisschen aus dem Fenster schauen und die Fahrt doch noch genießen?

Links neben mir ein etwa 12-jĂ€hriger Junge, der sich mit seinem Freund, der neben ihm steht unterhĂ€lt. „Hast Du schon das neue Spiel von ...blablabla... ?“ .. “Nööö. Du etwa?“ .. „Logisch! Das ist Supa-mega-geil! Musst Du Dir unbedingt holen!“ .. „Mein Pc funktioniert momentan nicht. Festplatte eingegangen. Darf aber den Laptop von meinem Vater benutzen, der kennt sich damit sowieso nicht aus. Letztens erst habe ich ihm das ganze Windows neu installiert, weil er wieder mal Systemdateien gelöscht hat.“ Vorsichtig und unauffĂ€llig drehe ich mich zu den Jungs um. Man hat ja ein bestimmtes Bild im Kopf, von solchen Kindern... Pullis mit viel zu kurzen Ärmeln in grausigen GrĂŒn, Riesenbrille, wie Puck, die Fliege, Schultasche noch aus der Volkschulzeit... Oh, Überraschung. Hypermoderne Baggy-Pants, also Hosen deren Schritt in den Knien hĂ€ngt, Übergrosser Kapuzenpullover, Turnschuhe, (Verzeihung! Sneakers, natĂŒrlich.) und zuguterletzt, Eastpack-Rucksack mit tausend Unterschriften leidgeprĂŒfter Schulkollegen und anderen unerkennbaren Dingen, die dran rumbaumeln. So kann man sich tĂ€uschen.

Mir gegenĂŒber sitzt eine alte Frau. So eine, wo man sich denkt, Sie wĂ€re eine liebevolle um ihre Enkel treusorgende Oma, die keine Ahnung von der modernen Jugend hat. Brauner langer Rock, mit einem schon lĂ€ngst abgelaufenen Haltbarkeitsdatum. Dazupassende Bluse, im aufregenden Blumenmuster. Sticht ein wenig im Auge. Das Ganze inklusive Mottengeruch, versteht sich. Mit einer fĂŒr Ă€ltere Damen typische Dauerwelle. Die, womit jede so ziemlich gleich ausschaut oder zumindest so, als hĂ€tten sie alle den selben Friseur. NatĂŒrlich mit der Haarfarbe, wo so ein grau-lila Schimmer ĂŒber der weissen Haartracht glĂ€nzt. Die Dame mustert mich. „Schauen Sie auch Taxi Orange?“, fragt Sie mich plötzlich. Völlig verwirrt und erstaunt ĂŒber so modernes Wissen, grummel ich nur ein mhm daher. „Und was ist mit Big Brother?“, fĂ€hrt Sie fort. „Also, letztens da haben der Walter und die.... blabla... blabla.... Und schon bin ich in dem Sog einer einsamen Frau und ihres Geschwafels gefangen. Hoffentlich steigt Sie bald aus.

Neben der Blumengemusterten und nach Mottenkugeln riechenden alternden Pensionistin, sitzt ein gepflegter Herr. Mit Aktenkoffer. Und Handy. Schaut sehr wichtig aus. Eigentlich so, als wĂŒrde er einen aufregenden und sehr Geldbringenden Beruf haben. Kredithai, vielleicht? Oder Immobilienmakler? Primararzt der inneren Abteilung des allgemeinen Krankenhauses? Nein. Bestimmt nicht. Da hĂ€tte er einen Chauffeur. Ganz sicher. Drogenkurier? Mafiaboss? Undercoveragent, oder doch vielleicht nur....

Er schaut mich so komisch an! Oh mein Gott! In seinem Aktenkoffer hat er bestimmt ein zu vierundzwanzig Teilen zerlegbares Automatik-Maschinengewehr.
Wo ist mein Auto??
Meine Station! Gott sei Dank. Er hat meine Gebete erhört.
Heim, fahre ich mit dem Taxi. Ganz sicher!

Bearbeiten/Löschen   ebook  Druckversion


Ralph Ronneberger
Foren-Redakteur
Autor mit eigener TV-Show

Registriert: Oct 2000

Werke: 64
Kommentare: 1400
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um Ralph Ronneberger eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil

Hallo nicki,

ich wollte gerade etwas von maßloser Übertreibung schreiben, da fiel mir ein, dass ich schon seit vielleicht 15 Jahren keine S- oder U-Bahn mehr benutzt habe. Also halte ich mich als notorischer Autofahrer mit meiner Kritik zurĂŒck und sage einfach: "HĂŒbsch geschrieben - es fehlt nur ein wenig die Handlung."
Eine Frage noch am Rande: Woher kennst Du, als Nichtbenutzer der öffentlichen Verkehrsmittel die Stimme aus dem Lautsprecher? Vielleicht hÀtte die Antwort auf diese Frage auch noch ein wenig Spannung in die Sache gebracht.

Gruß Ralph
__________________
Schreib ĂŒber das, was du kennst!

Bearbeiten/Löschen    


Nicki
Wird mal Schriftsteller
Registriert: Apr 2002

Werke: 8
Kommentare: 9
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um Nicki eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil
uhm..

Oh.. stimmt. Dachte ich nicht dran.. wenn man in Wien wohnt weiss man das.. die geheimnisvolle Stimme aus den Lautsprechern ist eine bei uns sehr bekannte Fernsehmoderatorin *gg* ja.. und es ist maßlos ĂŒbertrieben Da muss ich Dir recht geben

Bearbeiten/Löschen    



Guest
Registriert: Not Yet

Hallo Nicki!

Ich musste richtig schmunzeln, als ich Deine Geschichte gelesen habe. Sie dient hervorragend als letzte EntscheidungsbrĂŒcke, ob man sich doch nun mitten in der Stadt ein Auto kaufen sollte, oder lieber die "Offentlichen" nehmen sollte. Ich wette: jeder entscheidet sich fĂŒr das Auto. Deine Story könnte man auch gut vor einem Autohaus in Großbuchstaben aufhĂ€ngen. Das zieht Kunden an
Also im Ernst, haste gut gemacht! (... und jetzt geh ich mein Auto volltanken)!

Viele GrĂŒĂŸe,
GUIDO

Bearbeiten/Löschen    


Nicki
Wird mal Schriftsteller
Registriert: Apr 2002

Werke: 8
Kommentare: 9
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um Nicki eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil
Danke :)

.. und ich hab schon vollgetankt *löl*

Bearbeiten/Löschen    


ZurĂŒck zu:  Kurzgeschichten Ein neues Thema veröffentlichen.     Antwort veröffentlichen.


Leselupe-Bücher



Amazon



Facebook


Werde Fan der Leselupe auf Facebook!