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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Begnung mit dem Tod
Eingestellt am 15. 09. 2001 11:06


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Monika M.
Hobbydichter
Registriert: Jun 2001

Werke: 28
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Begegnung mit dem Tod


Es war der siebte Tag, an dem sie nun im Koma lag. Sieben Tage Warten, sieben Tage Hoffnung und sieben Tage Ungewissheit.
Niemand konnte ahnen, dass Mara trotz allem ganz nahe war. Niemand schien ihre körperlose Gegenwart zu spüren. Manchmal trieb sie das beinahe zur Verzweiflung.
Aus Angst den Zugang zu ihrem leblosen Körper ganz zu verlieren, bleib sie deshalb stets in seiner Nähe. Sie saß oder stand an ihrem Bett, betrachtete ihre scheinbar schlafende Gestalt und wünschte sich sehnlichst zurück. Doch aus irgendeinem Grund ging das nicht! Irgendetwas verwehrte ihrem Geist den Eintritt. Und so wartete Mara und wartete und wusste nicht einmal, worauf!
Am achten Tag kam er! Plötzlich stand er mitten im Raum. Er war groß, hager und ganz in ein loses schwarzes Gewand gehüllt. Er hatte keineswegs eine Sense dabei oder schreckliche Knochenhände, so wie man das auf alten Zeichnungen stets sah. Doch verbarg auch jetzt eine Kapuze sein Gesicht. Ohne das er es erklären musste, erkannte sie ihn sofort. Vor ihr stand der Tod!
„Was willst du?“, fragte sie so herausfordernd sie nur konnte, denn es war ja klar, was er wollte.
„Es ist an der Zeit“, antwortete er ruhig und streckte eine Hand aus. Zum Glück eine ganz normale Hand, doch Mara wich trotzdem zurück.
„Zeit wofür?“ Sie wollte ihn nicht verstehen.
Er deutete schweigend auf die Gestalt im Bett. „Du musst nun loslassen“, erklärte er geduldig. „Du wirst nicht zurück kehren.“
Mara blickte in ihr Gesicht, das nun schon so lange ohne wirkliches Leben war. Viele ihrer Freunde, ihre Mutter und ihre Schwester waren zu Besuch gekommen. Sie alle hatten mit ihr geredet, hatten Erinnerungen wachgerufen und ihre Hand gehalten. Ihre Mutter hatte sogar geweint. All das hatte sie wohl gehört, hatte manchmal fast den Eindruck gehabt, die Berührungen spüren zu können, doch nichts davon hatte sie in ihren Körper zurück getrieben.
„Ich werde noch nicht mit dir gehen“, wehrte Mara entschieden ab. „Noch lange nicht!“
„Sei nicht albern“, fuhr er sie da zornig an. „Du wirst es nicht ändern können! Willst du ewig hier hocken?“
„Wenn es sein muss!“ Trotzig sank sie auf eine Kante des Bettes. „Ich habe ja schließlich Zeit genug.“
„Deine Zeit ist abgelaufen!“
Widerspenstig schĂĽttelte Mara den Kopf.
Schweigend blieb der Tod vor ihr stehen, schien sie eingehend zu mustern. Fast hätte Mara laut gelacht. Das konnte doch nicht wahr sein, sie - ein körperloser Geist ihrer selbst – feilschte um ihr kümmerliches Leben. Doch vielleicht war es ja gar nicht so kümmerlich. Vielleicht würde man sie vermissen und betrauern. Es gab doch noch so vieles, was sie tun wollte. Es gab doch noch so viele unerfüllte Wünsche und Hoffnungen.
„Ich werde dich mitnehmen“, unterbrach da der Tod ihre Gedanken. Hatte er sie etwa erraten können?
Mara war mit einem Mal den Tränen nahe. „Noch nicht“, flüsterte sie. „Noch nicht....“
Und wieder wanderten ihre Gedanken zu dem, was sie nun endgültig aufgeben sollte. Eigentlich hatte sie immer gehofft, einmal eine Familie zu haben und Kinder. Ja, sie wollte, so wie ihre Schwester auch, heiraten. Gerne erinnerte sie sich an die schöne Hochzeitsfeier und an die Geburt ihrer kleinen Nichte. Celina war nun fünf Jahre alt, und sie war abgöttisch vernarrt in dieses kleine Wesen, das schon so genaue Vorstellungen vor ihrer Welt hatte.
„Nun gut“, ließ sich da der Tod vernehmen. „Ich werde dir noch etwas Zeit geben. Nur etwas – wenn du bis zu meinem nächsten Besuch nicht zu dir selbst zurückgekehrt bist, dann werde ich dich mitnehmen!“
Erleichtert nickte Mara. Sie wollte sich bedanken, doch da stellte sie fest, dass die seltsame Gestalt schon verschwunden war. Augenblicklich verwandelte sich ihre Erleichterung in Verzweiflung. Wie sollte sie nur zurĂĽckkehren? Schon seit Tagen versuchte sie es erfolglos.
Da plötzlich öffnete sich leise und vorsichtig die Zimmertür. Ihre Schwester trat ein und führte an ihrer Hand ihre kleine Tochter mit. Mara sprang vor Freude auf.
„Meine Kleine“, rief sie und vergaß ganz, dass niemand sie hören konnte.
„Hallo, Mara“, sagte ihre Schwester leise zu dem leblosen Körper. „Ich habe heute ganz besonderen Besuch mitgebracht!“
Celina blieb unsicher stehen. Die schweigsame Gestalt im Bett verwirrte sie.
„Ist das Tante Mara?“
„Ja, mein Schatz.“ Oder das, was von ihr übrig ist.
Mara zuckte zusammen. Die Gedanken ihrer Schwester klangen wie laut ausgesprochen in ihren Ohren.
„Kann sie denn nicht aufwachen?“
„Bald wird sie aufwachen, mein Schatz.“ Wahrscheinlich aber nicht, ich hoffe nur, dass Mutter es gut verkraftet!
Erschüttert starrte Mara ihre Schwester an. Diese Gedanken wollte sie gar nicht hören!
Celina trat zögernd näher. Vorsichtig berührte sie Maras Hand. Ganz behutsam streichelte sie die kühle Haut.
Die Gedanken ihrer Schwester durchdrangen die Stille. Ach Kind, wir haben doch schon alles versucht! Vielleicht sollten wir einfach Abschied nehmen!
Mara stand auf und wandte sich ab. So hoffnungslos war es also? Sollte auch sie vielleicht besser Abschied nehmen und mit dieser schrecklichen dunklen Gestalt gehen?
Niemand achtete auf Celina, die in diesem Moment etwas aus ihrer Hosentasche nahm und nun in Maras Hand legte.
„Den habe ich erst heute morgen gefunden“, flüsterte sie. „Er ist ganz glatt und rund. Du darfst ihn behalten, aber nur, wenn du aufwachst!“
„Mein Schatz, sie kann dich nicht hören“, murmelte ihre Schwester bedrückt.
Doch Mara konnte sie hören, und sie konnte den Stein fühlen! Er war wirklich ganz glatt und rund, und fühlte sich wunderbar warm an, gewärmt von Celinas kleiner Hand.
Mit einem Mal verspĂĽrte Mara einen unwiderstehlichen Sog. Er zog sie mit aller Macht und nur zu gerne ĂĽberlieĂź sie ihren Geist dieser Kraft.
„Sieh nur!“, schrie da ihre Schwester laut auf. „Oh, sie nur, Celina. Sie hat die Hand bewegt. Mein Gott, sie hat sich bewegt!“
Und noch ehe sie unter unendlich vielen Mühen kurz die Augen öffnen konnte, umschloss Mara fest den wunderbaren Stein, das Geschenk Celinas, das ihr den Weg zurück gezeigt hatte.

__________________
Der erste Schritt seinen Traum zu verwirklichen ist - aufzuwachen...

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Ralph Ronneberger
Foren-Redakteur
Autor mit eigener TV-Show

Registriert: Oct 2000

Werke: 64
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Hallo Monika,

ich möchte diese Geschichte nicht weiter kommentieren, denn mit solchen Themen habe ich mich noch nie auseinander gesetzt. Aber eines kann ich sagen: Ich fand sie schön. Und mir scheint, schreiben kannst Du auch.


GruĂź Ralph

__________________
Schreib ĂĽber das, was du kennst!

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