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Leselupe.de > Kindergeschichten
Beitrag Anthologie
Eingestellt am 06. 08. 2001 09:24


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Andreas
Wird mal Schriftsteller
Registriert: Aug 2000

Werke: 6
Kommentare: 4
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Party auf dem Bauernhof

Endlich hatte sich der FrĂŒhling mit seiner bunten Farbenpracht angekĂŒndigt.
Das triste grau des morgendlichen FrĂŒhnebels war verschwunden und die ersten warmen Sonnenstrahlen breiteten sich ĂŒber der Landschaft aus, die allmĂ€hlich aus ihrem langen Winterschlaf erwachte.

Friedrich, der stolze und einzige Hahn des Bauernhofes, hatte schon seit einiger Zeit auf dem großen, dampfenden Misthaufen voller Ungeduld auf die aufgehende Sonne gewartet und als der erste goldene Strahl ĂŒber den HĂŒgel fiel, hatte er mit lautem Kikeriki den neuen Tag begrĂŒĂŸt und die anderen Tiere des Bauernhofes damit geweckt.
„Ruhe“, hörte man die Stimmen verschiedener Tiere aus ihren Nestern, Boxen und StĂ€llen rufen. Jedoch Friedrich lies sich durch dieses Gepöbel ĂŒberhaupt nicht aus der Ruhe bringen.
Er warf sich mit Schwung den einen Teil seines rosaroten Schales um den Hals, scharrte mit seinen Krallen ĂŒber den Mist und lies noch ein weiteres Mal sein Kikeriki erklingen.
Auch der letzte, der noch geschlafen haben sollte, war nun bestimmt wach.
Die Arbeit auf dem Bauernhof konnte beginnen.
„Auf, auf ihr faulen Hennen“, rief Friedrich in den HĂŒhnerstall hinein, ich will, daß ihr heute den Rekord im Eierlegen brecht“.
Die Hennen schauten etwas genervt von ihrer Stange auf den Hahn hinab, da dieser Satz die allmorgendliche BegrĂŒĂŸung von Friedrich war.
Die KĂŒhe standen bereits im Stall in Reihe und Glied und ließen sich ohne murren von der BĂ€uerin melken, wĂ€hrend sie mit Genuß das frische Heu frĂŒhstĂŒckten, welches ihnen der Bauer in die Futterrinne fĂŒllte.
Die Pferde waren schon unterwegs zu den Feldern, wo sie auch heute wieder die schweren HolzpflĂŒge zogen und den fruchtbaren Boden umgruben. Als Belohnung erhielten sie frischen Hafer und hin und wieder einige MohrrĂŒben und altes Brot.
Die GĂ€nse watschelten hinĂŒber zum See und rießen auf ihrem Weg das Unkraut aus dem Boden und verschlagen einige Insekten.
Auch die Schweine, die Katzen, die Schafe und alle anderen Tiere des Bauernhofes, gingen einer Arbeit nach.
Alle Tiere? Nein, nicht alle.
WĂ€hrend alle anderen fleißig waren, schnarchte da tatsĂ€chlich doch so ein Faulenzer im Schatten seines HĂ€uschens.
Es war Oskar, der Hofhund.
„He, Oskar“, rief Friedrich, der Hahn von weitem, als er auf die HundehĂŒtte zusteuerte,
„aufwachen, es ist schon lange hell“.
Oskar öffnete kurz ein Auge, blickte von links nach rechts und dann von oben nach unten und schloß es dann wieder.
„TatsĂ€chlich, du hast wieder einmal recht, Friedrich. Es ist schon hell.“
Der Hahn, stand mit erhobenem Kamm vor der HundehĂŒtte und schielte mit einem Auge hinein, wobei er seinen Hals nach vorne strecken mußte.
„Was machst du eigentlich den lieben, langen Tag ?“
Oskar gÀhnte.
„Ich passe auf euch auf“.
Friedrich lachte laut.
„Du paßt auf uns auf ? Du wĂŒrdest doch nicht einmal merken, wenn hier ein Rudel Wölfe eine Party feiern wĂŒrde“.
Oskar öffnete beide Augen und schob seinen Kopf durch die TĂŒr nach draußen.
„Was ist eine Party“, fragte er interessiert.
Friedrich der Hahn ĂŒberlegte kurz, verzog dabei ein Auge zu einem schmalen Schlitz
und stotterte los:
„Also eine Party ist ... Ă€h, eine wirklich tolle, schöne Sache“.
„Aha“, sagte der Wachhund, „und weiter?“.
Der Hahn, scharrte unruhig mit seinem rechten Fuß ĂŒber den Sand.
„Wie weiter“, fragte er scheinheilig.
„Was macht man den mit einer Party ?“
„Pah, du weißt nicht, was man mit einer Party macht? Das weiß doch jedes KĂŒken.“
Dem Hahn tropfte der Schweiß von der Stirn auf seinen Schnabel.
„Traudel“, rief er zum HĂŒhnerstall hinĂŒber, „erklĂ€re doch Oskar bitte einmal was eine Party ist“.
Eine etwas krĂ€ftige Henne, kam die HĂŒhnerleiter herunter und fixierte dabei den Wachhund und den Hahn, der sich seinen rosafarbenen Schal wieder um den Hals warf.
„Eine Party, ist ein Fest, bei dem sich die Menschen an einem schönen Ort treffen, essen und trinken mitbringen, sich unterhalten, scherzen, lachen, singen, tanzen und dann am Abend bei einem Feuer die Sterne betrachten“.
Oskar und Friedrich staunten.
„Danke, Traudel“, meinte der Hahn sich rĂ€uspernt, „ich hĂ€tte es nicht besser erklĂ€ren können“.
Die Henne drehte sich um, kicherte und ging dann wieder zurĂŒck in den HĂŒhnerstall, wo nur wenige Augenblicke spĂ€ter eine Lachsalve der anderen HĂŒhner erklang – nicht ohne Folgen, da einige den Halt verloren und kopfĂŒber ins Heu fielen. Ernstlich verletzt hatte sich dabei aber keine der Damen.
„Das mit dieser Party, daß hört sich aber wirklich schön an“, meinte der Wachhund, „schade, daß dies nur die Menschen machen“.
Friedrich ĂŒberlegte.
„Pah, was die Menschen können, das können wir doch schon lange – oder?“
Oskar stimmte diesem Satz zu.
„Wir werden auch eine Party machen und du wirst alles organisieren“, meinte Friedrich und zeigte mit seinem rechten FlĂŒgel auf Oskar.
„Ich ?“
„Ja, du bist der einzige, der Zeit hat – ich sage dir, was du machen mußt“.
Und so vergingen nun einige Minuten, in denen der Hahn dem Wachhund mit vielen Gesten und Worten erklĂ€rte, was alles getan werden mußte.
Oskar hörte aufmerksam zu.
Der Tag verging und außer einem seltsamen, gedĂ€mpftem HĂ€mmern in der Nacht, war nichts außergewöhnliches zu hören.
Am nÀchsten Morgen, lief Friedrich der Hahn wieder zu seinem dampfenden Misthaufen um sein lautes Kikeriki erklingen zu lassen, als er sprachlos vor einem Schild stand, welches mitten auf seinem Misthaufen aufgestellt worden war, aber nicht nur hier, sondern an allen möglichen Flecken, standen die gleichen Schilder.
Friedrich las sich den Text durch und ging dann nachdenklich und kopfschĂŒttelnd wieder zurĂŒck in den HĂŒhnerstall. Er hatte sogar ganz vergessen sein Kikeriki erklingen zu lassen.
Es dauerte nicht lange und auch die anderen Tiere waren wach und hatten die seltsamen Schilder bemerkt. Kurze Zeit spÀter standen an allen dieser Schilder Gruppen von Tieren und lasen sich den Text durch, welcher wie folgt lautete:

Party auf dem Bauernhof.
Alle Vierbeiner sind dazu eingeladen, am ersten Vollmondabend zu einer grandiosen Party am See zu erscheinen. Essen und trinken sollte jeder etwas mitbringen.
Die Tiere waren begeistert. Eine Party hatten sie bisher noch keine gefeiert.
Jedoch die Begeisterung hielt nicht lange an.
„Warum sind den nur die Vierbeiner zu dieser Party eingeladen“, meinte eine Ente, die sich den Text sehr aufmerksam durchgelesen hatte, „sind wir Zweibeiner etwa nicht gut genug“?
TatsĂ€chlich, in der ganzen Aufregung hatte Oskar wirklich „Vierbeiner“ in seine Einladung geschrieben. Nun war plötzlich eine sehr gereizte Stimmung auf dem Bauernhof.
Die Vierbeiner liefen mit erhobenen HÀuptern daher, wÀhren die Zweibeiner nur noch schimpften und gackerten.
„Das hast du toll hingekriegt, mein Lieber“, schimpfte auch Friedrich mit Oskar, der ĂŒberhaupt nicht wußte um was es ging.
Der Hahn klÀrte ihn auf und der Wachhund versprach noch in der selben Nacht seinen Fehler wieder gut zumachen.
WÀhrend also alle anderen schliefen, schlich sich Oskar mit Taschenlampe, Farbeimer und Pinsel bewaffnet durch die Dunkelheit zu den Schildern und Ànderte seinen Text.
Am nÀchsten Morgen, sahen auch die Tiere des Bauernhofes die VerÀnderung, welche nun lautete:

Party auf dem Bauernhof.
Alle Vier- und Zweibeiner sind dazu eingeladen, am ersten Vollmondabend zu einer grandiosen Party am See zu erscheinen. Essen und trinken sollte jeder etwas mitbringen.

Nun waren auch die Enten, die HĂŒhner, und sonstige Zweibeiner wieder ĂŒberglĂŒcklich und sie vergaßen sogar den Ärger des letzten Tages.
Doch wie am Tage zuvor, kam auch hier wieder ein sehr aufmerksames Tier und las den Text.
„Die Menschen sind doch auch Zweibeiner – oder irre ich mich da? Und die Aufforderung an den Menschen sein Essen mitzubringen, könnte fĂŒr den ein- oder anderen fĂŒr uns nicht gerade erfreulich ausfallen“.
Es kehrte eine entsetzliche Stille ein, die spĂ€ter in ein fĂŒrchterliches Geschimpfe und Gezetere ausartete.
„Oskar, jetzt ist es noch viel schlimmer als gestern“, berichtete Friedrich ganz atemlos dem Wachhund, der kaum seine Augen aufbekam, da er die ganze Nacht die Änderungen an den Schildern vorgenommen hatte.
„Was ???“, rief Oskar entsetzt und lies sich alles erklĂ€ren.
„So eine Party macht wirklich eine Menge Arbeit“, stöhnte er und richtete sich wieder die Taschenlampe, einen Farbeimer und einen Pinsel.
„Ich werde es nochmals Ă€ndern“, seufzte er und blickte den Hahn ganz genervt an.
Als wieder alle anderen Tiere schliefen, ging Oskar wieder von einem Schild zum anderen und korrigierte und korrigierte bis zum Morgengrauen.
Als er sich mĂŒde in sein Bett legte, hörte er gerade noch das Kikeriki von Friedrich, dann schlief er fest ein.
Der erste Weg der Tiere, war der zu einem der Schilder um zu sehen, ob sich ĂŒber Nacht, vielleicht wieder eine sonderbare Änderung ergeben hatte.
Und in der Tat, nun stand folgender Text auf den Schildern:

Party auf dem Bauernhof.
Alle Vier- und Zweibeinigen Tiere sind dazu eingeladen, am ersten Vollmondabend zu einer grandiosen Party am See zu erscheinen. Essen und trinken sollte jeder etwas mitbringen.

Nun waren endlich alle zufrieden. Es wĂŒrden also keine Menschen kommen.
Doch leider, leider hatte Oskar noch immer nicht die richtigen Worte getroffen.
Es kam wie es kommen mußte.
„Wir haben aber sechs Beine“, bemerkten einige KĂ€fer, die auf ihrem Flug vorbeikamen.
„Ich habe sogar Tausend“, meinte ein TausendfĂŒĂŸler.
Und es stimmten immer mehr und mehr Tiere in dieses Lied mit ein.
WĂŒrmer, Blindschleichen, Spinnen, Raupen und allerlei anderes Getier, fĂŒhlte sich ausgeschlossen und tat dieses lauthals kund.
Wieder rannte der Hahn zu dem total erschöpften Wachhund.
„Nein, nicht schon wieder“, heulte dieser los, als er hörte, was ihm der Hahn zu sagen hatte.
„Ich werde dir heute nacht helfen. Nun werden wir es allen recht machen“, bot sich Friedrich an und warf dabei wieder seinen rosaroten Schal um seinen dĂŒnnen Hals.
In der Nacht bewegten sich also zwei dunkle Gestalten mit Pinsel, Farbeimer und Taschenlampe bewaffnet ĂŒber den Bauernhof, korrigierten und korrigierten die Schilder bis in den frĂŒhen Morgen.
Friedrich krĂ€hte mĂŒde sein Kikeriki, dann schlief er auf dem dampfenden Misthaufen, neben seinem Schild lehnend ein.
Kaum hatten die Tiere des Bauernhofes die Stimme des Hahnes vernommen, stĂŒrzten sie hinaus auf den Hof und stellten sich vor eines der Schilder. Wieder war ĂŒber Nacht der Text verĂ€ndert worden.

Party auf dem Bauernhof.
Alle Tiere sind dazu eingeladen, am ersten Vollmondabend zu einer grandiosen Party am See zu erscheinen. Essen und trinken sollte jeder etwas mitbringen.
Nun wird nichts mehr geÀndert !!!! Oskar.

Alle Tiere lasen nun die Zeilen und niemand, kein VierfĂŒĂŸler, kein ZweifĂŒĂŸler, kein Sechs- oder Acht- oder NochmehrfĂŒĂŸler und was es noch alles gab, regte sich mehr auf.
Nun waren wirklich alle angesprochen und die Party konnte endlich beginnen.
Es war auch allerhöchste Zeit, da am heutigen Tag der erste Tag des Vollmondabends war.
Eine Menge Vorbereitungen mußten noch erledigt werden.
Die KĂŒhe standen auf der Wiese und schwenkten ihre Euter solange hin und her, bis die Milch zu leckerer Sahne geschlagen war, die Schafe sammelten auf der Weide frische KrĂ€uter und GrĂ€ser, die Pferde sammelten Holz fĂŒr das große Lagerfeuer und schoben Strohballen zusammen, auf denen man sitzen und den Vollmond beobachten konnte.
Aus den Vorratskammern wurden gelagerte, Äpfel, Birnen, NĂŒsse und andere Leckereien geholt, die HĂŒhner legten Ei um Ei und stellten einen neuen Rekord auf, was Friedrich sehr stolz machte.
Also jeder trug zu der Party bei, die am Abend stattfinden sollte.
Und es wurde immer dunkler und als der Abend hereingebrochen war, machte sich nochmals jeder Schick, bevor er hinunter zum See lief.
Es war ein toller Abend, der Himmel war wolkenfrei und der helle Vollmond beleuchtete den ganzen Bauernhof mit einem sanften Licht und spiegelte sich voller Wonne in dem ruhigen See.
Die Tische, welche im Kreis um das lodernde Feuer aufgestellt worden waren, boten
allerlei Köstlichkeiten; es war ein richtiger Augenschmaus.
Verschiedene Tiere hatten eine Musikband gebildet und spielten ein Lied nach dem anderen, wobei sie hÀftige Applaus ernteten.
Die Kinder spielten zusammen verstecken, fangen und blinde Kuh und amisierten sich
köstlich. Das laute Lachen klang bis weit in die Landschaft hinaus.
Die Tiere redeten, lachten, Tanzten miteinander, aßen von den Köstlichkeiten, tranken frisches Wasser, umarmten sich und Schloßen neue Freundschaften.
Jeder war an diesem Abend glĂŒcklich und zufrieden.
Als die Nacht zuende ging und die Morgenröte ĂŒber den HĂŒgel zu klettern schien, saßen die Tiere eng beieinander auf den Strohballen und erfreuten sich an dem Schauspiel der Natur.
Dann begrĂŒĂŸten alle gemeinsam mit einem lauten Kikeriki den neuen Tag.
Noch lange berichteten die Tiere mit glĂ€nzenden Augen von dieser tollen Party und jeder hoffte, daß schon bald wieder eine neue Party auf dem Bauernhof stattfinden wĂŒrde.

Wer weiß? Vielleicht ist es ja sogar schon bald wieder soweit.


© by Andreas Seiller

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