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Leselupe.de > Kurzprosa
Beobachtet
Eingestellt am 03. 04. 2006 13:35


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Sonnenblume
Autorenanwärter
Registriert: Mar 2006

Werke: 5
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Ich sitze im Auto.
Mein Plan: Aussteigen, gewaschene Wäche ausladen, zur Wohnung bringen, wieder zum Auto laufen, zur nächsten Tankstelle fahren und mein vierrädrigen Gefährten aussaugen.

Aber es kommt alles anders, dank der Balkonspione vom alten Eisen.

Ich steige aus, laufe zum Kofferraum, da h√∂re ich zwei √§ltere Damen √ľber mir auf dem Balkon, gegen√ľber dem Parkplatz, bei Kaffe und Kuchen √ľber das Wetter reden. Belanglos, bis sie mich sehen. ‚ÄěGuckmal, Frieda, die habe ich hier schon √∂fters gesehen, die mu√ü hier ganz in der N√§he wohnen‚Äú. Ich schlie√üe den Kofferraum auf, √∂ffne die Klappe, will den Korb mit der W√§sche raus holen und da rummst es pl√∂tzlich. Mit voller Wucht f√§llt die Klappe auf meinen Sch√§del. Aua ! In Anbetracht meiner Beobachter kann ich das Fluchen gerade noch auf ein "Schei√üe" beschr√§nken, trete dann aber doch kochend vor Wut im Vorbeigehen gegen den Hinterreifen meines Wagens. Bei Schmerzen laufe ich immer wie ein kopfloser Gockel durch die Gegend. Bis der T√úV uns scheidet, denke ich. Dann Gekicher von oben, mein entnervter Blick hoch zum Balkon, ein zaghaftes ‚ÄěHallo‚Äú. Mit einer Hand halte ich nun den Kofferraumdeckel fest, mit der anderen versuche ich umst√§ndlich den Korb und die Platikt√ľte mit W√§sche heraus zu holen. Immer mit den Blicken der Alten im R√ľcken, die jeden meiner Schritte verfolgen. Der Deckel liegt schwer auf meinem K√∂rper, ich st√§mme mich mit aller Kraft dagegen, geschafft, die Klappe f√§llt zu. √Ąchzend stelle ich nun die Plastikt√ľte und den vollen W√§schekorb hinter dem Auto ab.

Und wo ist mein Schl√ľssel ? Klar, der ist drin. Durch die Fahrert√ľr klettere ich nach hinten zum Kofferraum und wieder zur√ľck. Das ist schon eine sportliche H√∂chstleistung. Zu Schulzeiten hing ich immer wie eine reife Pflaume am Reck. Am Auto vorbeigehend, schaue ich verstohlen noch oben, w√§hrend sie nach unten starren. ‚ÄěSchau mal, W√§sche holt 'se aus dem Auto. Die hat wohl keine eigene Waschmaschine, wa ?‚Äú Ich werde immer nerv√∂ser, hektisch. Ich komme mir vor, wie in einem Film f√ľr Sehbehinderte, in der alle Handlungen vertont werden. Rei√ü Dich zusammen, la√ü sie doch gucken. Mein alter Pappkarton, der auch noch im Auto lag, hatte seinen Dienst getan. Aber damit extra zum Wohnungsm√ľll latschen ? Nee. Das unhandliche Teil aus meiner Karre geholt, marschierte ich in Richtung Park, wo ein kleiner M√ľlleimer stand. Glauben Sie mir, das Meter mal Meter Dingen durch einen 30 cm ge√∂ffneten M√ľlleimerspalt zu stopfen, das ist schon eine rekordverd√§chtige H√∂chstleistung. ‚ÄěGuck mal, Frieda, jetzt entsorgt 'se Ihren ganzen M√ľll im Park. Nee, nee. Die Jugend von heute. Da m√ľ√üte man mal die Polizei informieren.‚Äú

Ich bin verzweifelt, denke nur, warum tun die so, als w√ľrde ich bewu√ütlos neben dem Auto liegen und alles nicht h√∂ren ? Flucht, oder Angriff ? Ich entscheide mich f√ľr Letzteres und steige ins Auto, lege den R√ľckw√§rtsgang ein, fest entschlossen nun endlich zur Tankstelle zu fahren. Ich setzte zur√ľck und da passiert es. Ein unheimliches Ger√§usch, als h√§tte ich alle 206 Knochen eines Menschen auf einmal gebrochen. Ich stelle den Wagen aus, hole tief Luft. Die Frau oben am Balkon ist vom Stuhl aufgespungen und pl√§rrt schon los, als ich noch nicht ganz ausgestiegen bin: ‚ÄúSchaun 'se mal, √ľber Ihre W√§sche sind 'se gefahren.‚Äú In diesem Moment h√§tte ich mir gew√ľnscht, ich h√§tte mich mit einem Fingerschnipp auf einen anderen Kontinent beamen k√∂nnen. Da sah ich nun das Malheur. Der Hinterreifen stand auf meiner Plastikt√ľte, die W√§sche √ľberall verstreut. Der Korb zerfl√§ddert daneben. Ich mu√üte noch einmal einsteigen und den Wagen vorsetzen, weil alles Zerren an der Plastikt√ľte vergebens war.

Alles zusammenger√§umt sa√ü ich im Auto, √ľberlegte mir einen neuen Plan und h√§tte heulen k√∂nnen vor Wut.



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bonanza
Guest
Registriert: Not Yet

nette realsatire.

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