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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Beobachtungen in der Nachbarschaft.
Eingestellt am 09. 08. 2019 14:07


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Tintenkleckser
Schriftsteller-Lehrling
Registriert: Apr 2017

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Beobachtungen in der Nachbarschaft.

Verdammt! Schon wieder ist es mir passiert.

Ich wollte doch gar nicht aus dem Fenster sehen, doch wie so oft in letzter Zeit am Samstagvormittag, schaue ich aus dem r√ľckw√§rtigen Dachfenster heraus, um die neue Nachbarin beim W√§scheaufh√§ngen zuzusehen. Also, eines vorab: Ich bin kein Spanner, oder so. Ich habe mein B√ľro in der ersten Etage und von diesem Zimmerfenster aus, habe ich einem hervorragenden Blick auf unsere G√§rten und die anschlie√üenden, weiten Felder unseres Bauern Eberhardt, bis zu dem 500 m entfernten Waldrand.

Meine neue Nachbarin ist vor sechs Wochen ins Nachbarhaus eingezogen und ich habe einen exklusiven Blick auf das Nachbargrundst√ľck. Und nun beobachte ich sie regelm√§√üig so, wie ich immer aus dem Fenster heraus schaue, um einen neuen Gedanken f√ľr eine Geschichte zu bekommen, an der ich gew√∂hnlich arbeite.

Doch seit sie hier eingezogen ist und Ihre W√§sche im Garten aufh√§ngt oder die Blumenbeete pflegt, geht das nicht mehr mit dem Geschichten erfinden. Meine Gedanken lassen sich nicht auf imagin√§re Handlungsabl√§ufe, Dialoge, Plots oder √Ąhnlichem fokussieren. Auch meine Abgabetermine an meinem Verlag kann ich immer weniger einhalten, sondern ich erwische mich dabei, wie ich sie heimlich aus der sicheren Deckung der Vorh√§nge meines Fensters heraus beobachte. Ich habe es nie f√ľr n√∂tig befunden, mich hinter den Vorh√§ngen zu verbergen wenn ich aus dem Fenster geschaut habe. Nun aber ‚Ķ

Sie ist aber auch ein schnuckeliges Ding. Gerade einmal an die 30 Jahre jung und zum Anbei√üen h√ľbsch. Eine wahre Augenweide! So etwas sieht man nicht alle Tage!

Na ja, sie ist zwar nicht Deutschst√§mmig, das sieht man auf den ersten Blick. Sie ist etwas dunkelh√§utig und wenn sie aus dem Haus geht, zum Einkaufen, oder sonst irgendwo hin, tr√§gt sie ein Kopftuch und einen kn√∂chellangen Mantel. Auch ist mir aufgefallen, dass sie Niemanden direkt ansieht ‚Äď sie schaut weg, oder gerade vor sich auf den Boden, so als ob sie den Augenkontakt mit anderen Menschen vermeiden m√∂chte. Na ja, ich glaube, sie ist eine Muslime, eine Marokkanerin, oder T√ľrkin eben - irgendetwas in dieser Art. Und eventuell schreibt es ihre Kultur oder Religion vor, ihren Blick gegen√ľber Fremden zu senken ‚Äď ich wei√ü es nicht. In ihrer Aufmachung sieht man auch nichts von ihrer fraulichen Gestalt. Der Mantel erlaubt das nicht. Ich glaube, das ist in ihrer Kultur so gewollt.

Aber hier in diesen, mit hohen Hecken ums√§umten Hinterhofgarten, ist sie immer ohne Kopftuch und Mantel zu sehen. Sie kleidet sich tats√§chlich normal, ohne irgendwelche mohammedanischen Verh√ľllungstechniken anzuwenden. In ganz normale Jeans habe ich sie schon gesehen oder auch in ein luftiges Sommerkost√ľm. Ihre rabenschwarzen Haare tr√§gt sie dann meistens offen oder zu einem dicken Pferdeschwanz der von einer goldenen Spange zusammengehalten wird, der ihren schlanken Hals so sehr zu ihrem Vorteil hervorhebt. Sie ist schlank und entspricht ganz unserem europ√§ischen Sch√∂nheitsideal. Ihr traumhaft sch√∂nes Gesicht habe ich nur ein oder zweimal deutlich vom nahen sehen k√∂nnen.

Das erste Mal, als sie hier einzog. Ich wollte sie als guter Nachbar, der ich nun einmal sein m√∂chte, an der T√ľr freundlich willkommen hei√üen und als ich sie sah, war ich in diesen Augenblick geblendet von ihren gro√üen schwarzen Augen und ihr feines, ungeschminktes Gesicht. So etwas Anziehendes habe ich noch nie gesehen. Es war das Gesicht einer Prinzessin aus Tausend und eine Nacht. Sicherlich hatte sie meine Unsicherheit damals bemerkt. Sie schlug sofort sch√ľchtern ihre Augen nieder, sagte ein paar Dankesworte und war anschlie√üend ziemlich schnell aus meinem Gesichtskreis heraus f√ľr diesen Tag nicht mehr zu sehen. Den Umzug machten die fremdl√§ndisch aussehenden M√§nner die sie mitgebracht hatte. Zur√ľck lie√ü sie einen verwirrten Nachbarn, n√§mlich mich.

Adalya hei√üt sie mit Vornamen. Wirklich h√ľbsch! Offensichtlich wohnt sie ganz allein im Nachbarhaus. Ich habe bis jetzt keinen Mann oder Kinder gesehen. Einmal pro Woche kommt eine andere, √§ltere Frau vorbei. Sie ist auch mit Kopftuch und Mantel verh√ľllt und kommt f√ľr gew√∂hnlich mit einem zugedeckten Weidenkorb im Arm. Wahrscheinlich ihre Mutter. Sie spricht meine Nachbarin immer mit Adalya an. Anschlie√üend h√∂re ich die Beiden immer aus dem Nachbarhaus lachen.

Heute hat Adalya keine Jeans an, sondern einen schwarzen, an den R√§ndern fein bestickten arabischen Kaftan, der ihr bis zu den F√ľ√üen reicht. Die Haare hat sie zu einem dicken Zopf geflochten. Obwohl dieser Jilbab, ich glaube, so nennt sich dieses arabische Kleidungsst√ľck, den ganzen K√∂rper verh√ľllt, verh√ľllt sie doch nicht ganz ihre frauliche Figur.

Jetzt hebt sie ein wei√ües Bettlaken empor und h√§ngt es mit den W√§scheklammern an der W√§schespinne auf. Mit der linken Hand in Kopfh√∂he h√§lt sie den Bettlacken auf der Leine in Position, mit der rechten Hand nimmt sie eine Klammer aus dem W√§schebeutel und befestigt damit ein Ende des Lakens an der Leine. Die Bewegung √ľber den Kopf spannt den Jilbab ein bisschen, sodass ich ihre wohlgeformte Rundung ihrer Br√ľste deutlich unter den schwarzen Stoff sehen kann.

Oh Mann! Das muss aufh√∂ren. Du wei√üt doch ganz genau, dass mit solch einem M√§dchen nichts anzufangen ist. Das wird zu kompliziert. Einen Mann hat sie nicht. Kinder habe ich auch nicht gesehen, aber trotzdem wird es Schwierigkeiten mit der Familie gegeben. ‚Äď Denk ja nicht daran! - Man hat ja schon so viel von dem verschrobenen Ehrenkodex der arabischen Familien hier in M√ľnchen geh√∂rt. Ich m√∂chte schlie√ülich meinem Kopf nicht unbedingt ohne Rumpf auf ihrer W√§schespinne sehen! Unsere Kulturen stehen zu weit auseinander, als dass ich nur eine winzige M√∂glichkeit sehe, hier etwas anfangen zu k√∂nnen!


Das geht mir gerade durch den Kopf. Immer wieder. Es ist schon zu lange her, als dass ich einer Frau gegen√ľber solche Gedanken hege.
Ich wende mich also ab, anderen Dingen zu.

Am selben Tag.

Zur Abendbrotzeit, gegen neunzehn Uhr.

Ich sitze an meinem Tisch. Vor mir Roggenbrot, Schinken, Käse und ein Maß Weizenbier. Ich lese gerade die Tageszeitung von heute Morgen.

Schon wieder ein Sprengstoffattentat. Dieses Mal gegen eine t√ľrkische Polizeistation der Stadt Midyat, nahe der syrischen Grenze.

Meine Fresse! denke ich, H√∂rt es denn da unten nie auf? Die Menschen kommen da unten √ľberhaupt nicht zur Ruhe! Wie kann man nur mit einer halben Tonne Sprengstoff ‚Ķ Weiter komme ich nicht, als es v√∂llig unerwartet an meiner Haust√ľr klingelt.

Nanu, wer kann denn das sein? Zu dieser Zeit? dachte ich noch √ľberrascht, stehe von meinem K√ľchentisch auf, nehme den letzten Schluck aus meinem Ma√ü und schlurfe in Pantoffeln den Korridor entlang. An der Haust√ľr angekommen straffe ich meine Schultern und fahre mit den Fingern noch einmal durch meinen Haarschopf und sehe in den T√ľrspion.

Doch was ich dann dort sah, verschl√§gt mir sofort den Atem, fast so, als ob ich live den Anschlag in Midyat erlebe ‚Äď mit einem Mal ist die Luft weg!

Ich kann nur durch den T√ľrspion blicken. Das Atmen habe ich eingestellt. Ich blicke in den wundersch√∂nen Augen von Adalya!

Mein Herz schlägt zweihundert Schläge in der Minute. Ich vergesse auszuatmen. Meine Handflächen werden ganz feucht. Instinktiv wische ich sie an den Hosenbeinen ab.

Was mache ich denn jetzt? frage ich mich ganz panisch. Sie wird doch wohl nicht mitbekommen haben, dass ich sie heimlich beobachte? Und wenn sie es mitbekommen hätte, was denkt sie dann von mir?

Langsam, nach einer gef√ľhlten Ewigkeit, atme ich aus.

Ich muss die T√ľr √∂ffnen. Sie wei√ü, dass ich hier stehe.

Ich nehme meinen ganzen Mut zusammen und √∂ffne die T√ľr und sie steht da und sieht mich an.

Bodo Podgorski/7-2019

__________________
Was irgend etwas außer diesen
betrifft, mein Sohn, laß dich
warnen: Des vielen B√ľchermachens

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Blumenberg
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Hallo Tintenkleckser,

ich muss gestehen, mich √ľberzeugt der Text leider nicht so recht. Ich will versuchen die Gr√ľnde daf√ľr ein wenig ausf√ľhrlicher anzusprechen.

Zum einen baust du dir was den Sprachstil angeht schon dadurch eine H√ľrde, dass du die Ich-Perspektive w√§hlst und dein Protagonisten zum Schriftsteller machst. In so einem Fall erwarte ich als Leser einen Erz√§hler, der auf einem hohen stilistischen Niveau erz√§hlt (einen, der sein Handwerk versteht) und genau hier liegt das erste Problem des Textes: Das gelingt dir √ľber weite Strecken nicht. Es sind im Augenblick noch so viele sprachliche Unebenheiten und umst√§ndliche oder wenig anschauliche Formulierungen im Text, dass deine Hauptfigur √ľberhaupt nicht authentisch wirkt. Man nimmt ihm den Berufsschriftsteller nicht ab.

Hier ein Beispiel:

quote:
Ich wollte doch gar nicht aus dem Fenster sehen, doch wie so oft in letzter Zeit am Samstagvormittag, schaue ich aus dem r√ľckw√§rtigen Dachfenster heraus, um die neue Nachbarin beim W√§scheaufh√§ngen zuzusehen.

Der Satz ist holprig formuliert (in meinen Augen gehört das am Samstagvormittag hinter schaue ich) und es muss der Nachbarin heißen.

Ein anderes Beispiel:

"Und nun beobachte ich sie regelm√§√üig so, wie ich immer aus dem Fenster heraus schaue, um einen neuen Gedanken f√ľr eine Geschichte zu bekommen, an der ich gew√∂hnlich arbeite."

Dieser Satz ist unheimlich umst√§ndlich. Au√üerdem entsteht √ľberhaupt kein Bild, wenn man ihn liest, da die aneinandergereiten Informationen, die er liefert zu allgemein sind.

Das ist ein weiteres Problem des Textes (s.o.). Vieles was du schreibst bleibt vollkommen oberflächlich und passt vom emotionaslosen Stil eher zu einem auktorialen als zu einem Ich-Erzähler. Wenn du einen Ich-Erzähler wählst muss er etwas erleben und nicht einfach nur schildern.

quote:
Auch meine Abgabetermine an meinem Verlag kann ich immer weniger einhalten, sondern ich erwische mich dabei, wie ich sie heimlich aus der sicheren Deckung der Vorhänge meines Fensters heraus beobachte.

In dieser Passage ist alles Geschilderte unspezifisch, weshalb man als Leser √ľberhaupt keinen emotionalen Zugang zum Problem des Protagonisten bekommt. Nimm den ersten Satzteil:

quote:
Auch meine Abgabetermine an meinem Verlag kann ich immer weniger einhalten

Warum denn gleich zu Beginn der Plural? W√§re nicht ein konkreter Abgabetermin bei einem konkreten Verlag, vor dessen herannahen sich der Protagonist konkret f√ľrchtet, weil er Angst hat ihn zu verpassen, spannender? So l√§sst du den Leser anteil haben am Dielmma das dein Protagonist schildert.

Leider ziehen sich die beiden genannten Probleme durch den ganzen Text.

quote:
Doch was ich dann dort sah, verschl√§gt mir sofort den Atem, fast so, als ob ich live den Anschlag in Midyat erlebe ‚Äď mit einem Mal ist die Luft weg!

Was ist das denn bitte f√ľr ein v√∂llig absurder Vergleich??

Ich hoffe du nimmst mir die deutliche Kritik nicht √ľbel. Du solltest den Text in meinen Augen dringend noch einmal wirklich grundlegend √ľberarbeiten.

Liebe Gr√ľ√üe

Blumenberg

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