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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Berg- und Talfahrt
Eingestellt am 04. 09. 2012 11:51


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Ciconia
Routinierter Autor
Registriert: Jul 2012

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Der Mann mit dem blauen Rucksack und der auffĂ€llig karierten SchirmmĂŒtze steuerte mit schleppenden Schritten auf meinen Tisch in der Almwirtschaft zu. Er wirkte erschöpft. Sein Alter schĂ€tzte ich auf Mitte fĂŒnfzig, seinem Körper hĂ€tten ein paar Pfunde weniger gutgetan. Mit einem riesigen Stofftaschentuch wischte er sich bedĂ€chtig den Schweiß aus dem feuchten Gesicht, nahm mit einer mĂŒden Bewegung die MĂŒtze ab und ordnete seine verschwitzten dĂŒnnen Haare zu einer vorzeigbaren Frisur.
„Darf ich mich zu Ihnen setzen?“, fragte er ein wenig schĂŒchtern und lehnte seine Wanderstöcke an den Tisch. Ich schenkte ihm ein freundliches Kopfnicken und wandte mich wieder meiner Brotzeit zu. Die Bedienung brachte ihm eine Radler Halbe, die er wie ein Verdurstender sofort zur HĂ€lfte leerte. Er schwieg, bis ich zu Ende gegessen hatte.

„Sind Sie auch herauf gewandert?“ begann er vorsichtig. Ich merkte ihm an, dass es ihm gar nicht so sehr auf eine Antwort ankam.
„Nein, nein, ich bin mit der Seilbahn gefahren“, erwiderte ich knapp, denn ich war wegen der schönen Aussicht und der Ruhe auf diese Alm gekommen und nicht, um mich mit fremden MĂ€nnern zu unterhalten. Der Mann nahm einen weiteren tiefen Schluck und wurde nun gesprĂ€chig.
„Ja, letztes Jahr bin ich auch mit der Seilbahn herauf. Ein herrlicher Herbsttag war’s, Föhnlage halt, wissen Sie. Da bin ich dann ein wenig leichtsinnig geworden und hab gedacht, ich könnte ja auch hinunter wandern. Die Wanderstiefel hatte ich ja an, aber die Stöcke standen halt im Hotel. Na ja, was soll ich Ihnen sagen: Vier Stunden hat’s gedauert, bis ich mich ins Tal gequĂ€lt hatte. Ich war ja völlig untrainiert damals!"
Er legte eine kleine Kunstpause ein, bevor er betont langsam und voller Stolz in der Stimme nachsetzte:
"Aber das hat sich mittlerweile gewaltig geĂ€ndert!“ Mit bedeutsamer Miene setzte er das Glas zu einem krĂ€ftigen Zug an. Die Geschichte begann mich zu interessieren.

„Wissen Sie“, fuhr er nach einer weiteren Pause fort, „der Muskelkater hat drei Tage lang angehalten, ich konnte kaum noch gehen. Das war mir eine Lehre! Ich hab mir dann felsenfest vorgenommen, bis zum nĂ€chsten Urlaub fit genug zu sein, um die Tour hinauf zu schaffen.“ Er trank entschlossen das Glas leer und setzte es kraftvoll auf den Tisch.
„Weil“, und jetzt grinste er verschmitzt wie ein kleiner Bub, „ich hatte ja immer noch die Fahrkarte fĂŒr die Seilbahn, fĂŒr die Talfahrt, die ich nicht gebraucht hatte.“

Vorsichtig fingerte er ein leicht vergilbtes KĂ€rtchen aus seiner Brusttasche, legte es fast andĂ€chtig auf den Tisch und deutete mit dem Zeigefinger auf die Aufschrift: „Berg- und Talfahrt, 1 Jahr gĂŒltig“.
„Danach bin ich regelmĂ€ĂŸig ins Fitnessstudio gegangen, um mich auf diese Tour vorzubereiten. Und jetzt hab ich‘s tatsĂ€chlich geschafft!“
Sein Oberkörper straffte sich bei diesen Worten merklich, und triumphierend wies er noch einmal auf die vergilbte Fahrkarte.
„Sehen Sie das Datum? Bis heute ist die Karte gĂŒltig!“

Der Mann winkte die Bedienung heran und bestellte, ohne mich zu fragen, gleich ein Bier fĂŒr mich mit.
„Auf Ihren Erfolg!“, prostete ich ihm zu.
Wir vertieften das Thema Bergwanderungen noch eine Weile, dann verabschiedete er sich fröhlich und zog mit beschwingten Schritten Richtung Bergstation. Schmunzelnd sah ich ihm nach, bis er hinter der Wegbiegung verschwunden war.


Version vom 04. 09. 2012 11:51

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Gernot Jennerwein
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Der Text ĂŒberzeugt mich nicht. Eine recht lahme Geschichte und eine unsinnige obendrein noch dazu. Im Kraftraum kann man sich keine Kondition fĂŒr Bergtouren aneignen, das ist nur in der Natur möglich, wenn man bergauf geht. Es hat mit der Lunge und der Atmung zu tun, auch die Muskeln werden ganz anders beansprucht.

Ein Bergsteiger
schĂŒttelt den Kopf.

GrĂŒĂŸe
__________________
der Sibirier

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Ciconia
Routinierter Autor
Registriert: Jul 2012

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Hallo Gernot Jennerwein,

Deine Bemerkung klingt, als hÀttest Du nie ein Fitnessstudio von innen gesehen, mit dem Du offensichtlich nur einen "Kraftraum" verbindest.

In Fitnessstudios gibt es LaufbĂ€nder, auf denen man eine Steigung von bis zu 15 % einstellen kann. Wenn man dort regelmĂ€ĂŸig (bei unterschiedlichen Geschwindigkeiten) lĂ€uft, kann man seine Kondition schon sehr verbessern. DarĂŒber hinaus kann man in unterschiedlichen Kursen durchaus alle Muskelgruppen trainieren, und natĂŒrlich auch die Atmung.

Ich glaube, Du solltest mal aufhören mit dem KopfschĂŒtteln.

Gruß Ciconia


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Gernot Jennerwein
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Wenn du auf einen Berg steigst, ist kein Schritt gleich wie der andere, meine Liebe, du beanspruchst die einzelnen Muskeln im Wechselspiel von Schritt zu Schritt und immer anders, niemals gibt es eine GleichmĂ€ĂŸigkeit. Bloß die Luft, sie wird gleichmĂ€ĂŸig dĂŒnner, je höher du steigst oder kletterst oder auf allen Vieren kriechst.
__________________
der Sibirier

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