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Leselupe.de > Erotische Geschichten
Berg- und Talfahrt
Eingestellt am 19. 02. 2011 18:37


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Walther
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Frank W. und die Berg- und Talfahrt

Eine Episode

Die Suche nach den GeschĂ€ftsrĂ€umen nahm Frank W. mehr in Anspruch, als er erwartet hatte. Irgendwie wollten die zahlreichen Angebote nicht zum erarbeiteten Konzept passen. Einmal waren die BĂŒros zu klein, dann der Lastkran in der Halle nicht geeignet oder schließlich die LKW-Zufahrt nicht in der gewĂŒnschten Form vorhanden.

GĂŒnther war damit beschĂ€ftigt, aus Insolvenzen gĂŒnstig an Werkzeuge, gebrauchte Maschinen, MessplĂ€tze etc. zu kommen. Es mussten alle Voraussetzungen geschaffen werden, um einen guten Maschinenservice leisten zu können. Beim knappen Budget dafĂŒr grenzte es an Zauberei, das hinzukommen. Aber GĂŒnther war ein Magier in solchen Dingen, Frank vertraute ihm, weil er wusste, dass sein Partner einer der Besten seiner Branche in diesen Dingen war, wenn nicht gar der Beste ĂŒberhaupt.

Nach drei arbeitsreichen Wochen waren der richtige GeschĂ€ftssitz und das komplette Equipment beisammen. Sogar ein Kleinlaster und ein Monteurfahrzeug waren gĂŒnstig beschafft worden. „GĂŒnther,“ hatte Frank W. ausgerufen, als dieser, ĂŒber alle Backen grinsend, ihm Bericht erstattet hatte, „was wĂŒrde ich nur, was wĂŒrde unser Laden, nur ohne Dich machen!“ Auch ein Servicetechniker, ebenfalls aus dem alten Team, war eingestellt, und jetzt konnte es mit dem Einzug losgehen.

Frank W. hatte in der turbulenten Zeit das Zusammentreffen mit Rachel Meier schon fast vergessen, als eines Samstagmorgens der BrieftrĂ€ger an seiner TĂŒr klingelt und ihm eine Dokumentenrolle ĂŒbergibt. „Gott, das ist ja schon gar nicht mehr wahr!“ murmelt Frank W. leise, als er die Rolle in der Hand hĂ€lt. „Besten Dank und auf Wiedersehn!“ ruft er dem Postboten nach. Er schließt hinter sich die WohnungstĂŒr, geht in die große KĂŒche und legt die Rolle auf den KĂŒchentisch, auf dem der Kaffee dampft und die Zeitung etwas zerfleddert zu liegen gekommen ist. Zum GlĂŒck bin ich noch da, in einer knappen Stunde wĂ€re ich bereits beim Einkaufen und dann auf dem Weg ins neue BĂŒro, um GĂŒnther und dem Neuen beim EinrĂ€umen zu helfen, denkt er, als er sich hinsetzt.

Vor lauter Spannung bleibt er erst einmal sitzen. Dann stĂŒtzt er die Arme auf und nimmt sein Gesicht in seine HĂ€nde, die Brille in die Stirnhaare schiebend. Er muss sich sammeln, bevor er die Rolle öffnet. In seinem Kopf summt ein ganzer Bienenstock an Gedanken, und das Herz sinkt ihm in die Hose. Was sie wohl schreiben wĂŒrde? Ob sie ĂŒberhaupt etwas geschrieben hat? Das SchmetterlingsgefĂŒhl in seinem Bauch ist ĂŒbermĂ€chtig. An einer gewissen Stelle regt sich eine merkwĂŒrdige Art von Vorfreude. Frank sagt innerlich zu dieser Stelle: Nix da. Ruhe, aber gleich und sofort. Die Stelle unterm Tisch ist davon ziemlich unbeeindruckt.

Er richtet sich auf und nimmt die Rolle in die Hand. Auf ihr findet er eine unbekannte Anschrift einer Firma, die er nicht kennt und auch nicht mit Rachel in Verbindung bringen kann. Danach öffnet er sie am KopfstĂŒck vorsichtig, indem er das Packpapier aufreißt. Die eigentliche Rolle zieht er vorsichtig aus der Papierverpackung. Er erkennt das Signet der Kunsthalle und weiß, dass das in der Tat seine Drucke sein dĂŒrften.

Nachdem trotz mehrmaligem intensiven Suchens keine Brief oder Zettel aufzufinden war, setzt er sich irgendwie enttĂ€uscht zurĂŒck und starrt Drucke, Rolle und Verpackung eine Weile unschlĂŒssig an. Schließlich steht er ein wenig enttĂ€uscht auf und holt sich Papier und Kuli, um wenigstens die Firmenadresse aus dem Absender zu notieren. Besser das als gar kein Hinweis, denkt er bei sich.

Da er die Kollegen nicht zu sehr warten lassen möchte, rĂ€umt er schnell noch wenigstens oberflĂ€chlich auf und packt das dreckige Geschirr in die frisch beschaffte und mit GĂŒnthers Hilfe installierte SpĂŒlmaschine. Er schnappt sich die Tasche mit den Arbeitsklamotten und den Einkaufskorb mit dem entsprechenden Zettel. Auf der Fahrt hinaus zum BĂŒro geht er noch das Wichtigste einkaufen und beim Döner-Stand vorbei, um das Mittagessen fĂŒr die beiden Kollegen und sich zu holen.

Der ganze Samstagnachmittag ist mit Aufbauen und Einrichten verplant. Schließlich, gegen acht Uhr abends, bricht man die Plackerei ab, um sich fĂŒr den Sonntagnachmittag, wieder gegen zwei Uhr nachmittags, zu vereinbaren.

Frank macht hinter sich die TĂŒren zu und die Lichter aus. Zum Schluss des Rundgangs schließt er noch den Eingang ab und schwingt sich in seinen fahrbaren Untersatz, um mĂŒde und ziemlich kaputt zur Wohnung zu fahren. Inzwischen war er dank GĂŒnthers Überredungs- und BeschaffungskĂŒnste stolzer Besitzer eines Kombis aus zweiter Hand geworden, mit wenig Kilometer und reichhaltiger Ausstattung zu einem Wahnsinnspreis.





Zuhause zurĂŒck schaut er im Briefkasten nach Post. Er greift hinein und packt alles unsortiert in den Einkaufskorb. Sein Sohn HĂ€nschen war auf Klassenfahrt, so dass er heute Abend sozusagen eine sturmfreie Bude hat.

Oben in der Wohnung angekommen nimmt er die Post und wirft sie unbeachtet auf die Anrichte in der Diele. Mit den EinkĂ€ufen geht er in die KĂŒche und verstaut diese. Er richtet sich zwei Brote mit Fisch, KĂ€se, Apfel, Tomaten und ein paar Oliven. Zur Feier des Tages öffnet er ein Bier. Das Essen vergeht mit Radiohören und Zeitunglesen. Die Fachzeitschriften wollen wenigstens grob durchgearbeitet sein, man muss schließlich wissen, was los ist in der Branche.

Anschließend ĂŒberkommt ihn ein unbĂ€ndiger Wunsch nach einer sĂ€ubernden und entspannenden Dusche. Er holt sich frische UnterwĂ€sche und schlurft etwas schlapp ins Bad, wo er sich intensiv wĂ€scht und auf Vordermann bringt. Danach fĂŒhlt er sich wie ausgewechselt, und von der MĂŒdigkeit ist nicht mehr viel zu spĂŒren. Von der Anrichte holt er die Post und geht ins Wohn- und Arbeitszimmer, wo er die 22-Uhr-Nachrichten anschaltet. Kaum hat er sich niedergelassen und die PoststĂŒcke durchgesehen, fĂ€llt ihm ein Briefumschlag auf, der privater Natur sein musste.

Frank sieht den Briefumschlag an, fĂŒhrt ihn fast automatisch an die Nase, und plötzlich zoomt ihn seine Phantasie wie in einer RĂŒckblende an den Augenblick des Abschieds von Rahel Meier zurĂŒck. Er meint ihre Wange an der seinen spĂŒren, und er hat wieder dieses TeenagergefĂŒhl des hoffnungslosen Verliebtseins, eines fast schmerzhaften Sehnens, das neben dem Magen auch bestimmte Regionen weiter unter mit einem schwellenden Ziehen befĂ€llt. Schmetterlinge im Bauch war dafĂŒr sicherlich der immer noch richtige Begriff.

Mit leicht zitternden HÀnden öffnet er den Briefumschlag und nimmt den Inhalt heraus. Er faltet ihn auf und sieht einen handgeschriebenen Text vor sich. Die Schrift ist schwungvoll und selbstbewusst. Die Buchstaben sind ausgeprÀgt. Hier schreibt ein anspruchsvoller, energischer, stolzer und energiegeladener Mensch, sagt er sich, das Schriftbild betrachtend.
Er liest:

„Lieber Frank,

manche Zusammentreffen zwischen zwei Menschen muss man auf sich eine Weile wirken lassen. Ich habe selten einen Mann wie Sie getroffen, eigentlich noch nie. Wenn man Verantwortung und ein ausgefĂŒlltes Leben hat, benötigt man diesen Abstand, um starke EindrĂŒcke zu verarbeiten.

Sie entschuldigen bitte, dass ich nichts von mir hören lassen und auch die von Ihnen versehentlich liegen gelassenen Drucke nicht an Sie geschickt habe. Es war nicht sehr höflich und freundlich von mir, der eine oder andere wĂŒrde es ungehörig und unverzeihlich halten. Bei Ihnen rechne ich auf Ihr VerstĂ€ndnis fĂŒr meine Lage, so wie ich Sie kennenlernte.

Ich will ehrlich sein und zugeben, dass ich mich der Auswirkungen unseres gemeinsamen Abends in der Kunsthalle wegen einfach nicht in der Lage sah, frĂŒher mit Ihnen Kontakt aufzunehmen. Jetzt bin ich mit mir so weit im Reinen.

Ich habe in der Zeitung gelesen, dass Sie in der kommenden Woche die Eröffnung Ihrer Firma und den Einzug in Ihre RĂ€ume feiern wollen. Nur zu gerne wĂŒrde ich Sie anlĂ€sslich Ihrer Veranstaltung besuchen dĂŒrfen. Als mein Gastgeschenk wĂŒrde ich gerne die Rahmung der Drucke ĂŒbernehmen wollen, wenn Sie mir dies erlauben wollten.

Auf Ihre Antwort freue ich mich schon heute und wĂŒnsche Ihnen und Ihrem Team bei Ihrer neuen beruflichen Herausforderung allen Erfolg.

Liebe GrĂŒĂŸe

Ihre Rachella (Rahel) Meierson (Meier).“

Auf dem Briefbogen findet sich, was er gesucht hatte: Telefon, Adresse, Email, Webseite, alles. Er sitzt bewegungslos da, und es lĂ€uft ihm warm und kalt den RĂŒcken hinter, seine HĂ€nde werden feucht, sein Hals trocken, der Herzschlag wummert bis in den Hals hinauf, und seine Hose platzt beinahe. Er hatte fast vergessen, wie schnell man da hart werden kann, eisenhart.

Es dauert eine geraume Zeit, bis Frank W. sich wieder gefangen hat. Er fÀhrt den Laptop hoch, öffnet den Freemailer und schreibt:

„Liebe Rahel,

Sie wissen gar nicht, wie ich mich gefreut habe, wieder von Ihnen zu hören. NatĂŒrlich dĂŒrfen Sie gerne kommen. Und selbstverstĂ€ndlich wĂŒrde ich Ihr Geschenk freudig annehmen, wenn ich nicht das GefĂŒhl hĂ€tte, dass das Rahmen von drei Drucken ein wenig teuer kĂ€me. WĂ€re einer in Ordnung fĂŒr Sie? Sie dĂŒrfen sich aussuchen, welchen, und Sie dĂŒrfen entscheiden, wo er hingehĂ€ngt wird. Ist das ein Vorschlag?

Wie kommen die Drucke zu Ihnen zurĂŒck, und wann können wir uns sehen? Ich habe Ihnen so viel zu erzĂ€hlen! Heute Abend sitze ich nach einer BĂŒroein-und –aufrĂ€umorgie leicht verloren in meiner Wohnung und werde wohl, wenn nicht noch ein Wunder geschieht, demnĂ€chst das Bett aufsuchen. :-)

Ich freue mich auf Ihre Nachricht!

LG Frank“

Kaum hat er sein Email abgesandt, als auch schon sein BlackBerry summt. Eine kurze Email taucht nach dem Einloggen im Display auf:

„Frank, rufen Sie mich an? Gruß Rahel“

Ohne nachzudenken tastet er sofort ihre Mobilnummer ein und hört nach drei Klingeltönen ein „Frank?“ in ihrer guttural sonoren Altstimme. Da muss er, wie beim ersten Mal, trocken schlucken, weil ihm das Herz in die Hose gefallen ist. „Frank, sind Sie es?“ Er rĂ€uspert sich. „Ja, das ging aber schnell mit dem Abheben.“ Das war gerade rausgerutscht, und schon will er sich wegen dieser Dummheit ohrfeigen. Er hört ihr glockenhelles Lachen, und sie sagt: „Irgendwie mag ich es, dass Sie in solchen Momenten einfach sagen, was durch Ihren Kopf schießt. Obwohl es natĂŒrlich schon etwas unorthodox ist, so ein Samstagabendtelefonat mit einer Frau zu beginnen, nicht wahr?“ Und dann fragt sie, ohne ihm die Möglichkeit einer Entschuldigung zu geben, immer noch leicht glucksend: „Wie ist es Ihnen ergangen, erzĂ€hlen Sie mal!“

Und da sprudelt es aus ihm heraus, sie braucht nur immer wieder einen kleinen Einwurf zu geben, und schon sind sie wieder in ein GesprĂ€ch versunken, das von seinen Erlebnissen nach einer Anstandszeit in die ihren ĂŒbergeht und schließlich bei Gott und der Welt landet. Es ist so leicht, sich mit ihr zu unterhalten, so kurzweilig, so vertraut. Und plötzlich sagt er unvermittelt: „Was geschieht mit uns, Rahel?“ Und sie antwortet: „Fragen Sie nicht, Frank, lassen Sie es geschehen. Ich habe mich in der Zeit seit der Kunsthallenvernissage entschieden, es geschehen zu lassen. HĂ€tte ich Ihnen sonst geschrieben?“

Sie verbleiben zum Schluss, dass er ihr die Drucke zurĂŒcksendet und sie damit verfĂ€hrt, wie von ihm vorgeschlagen. Zum Schluss sagt sie: „Ich komme gern zur Eröffnung und freue mich auf unser Wiedersehen. Machen Sie es gut bis dahin, schlagen Sie gut und trĂ€umen Sie heute Nacht schön. Ich werde meinerseits trĂ€umen und Ihnen bald genau berichten, wovon.“ Er antwortet nur: „Bis bald, meine Liebe, bis bald!“

Die folgende Nacht von Samstag auf Sonntag bringt viele TrĂ€ume, darunter auch sehr feuchte, und einen mehr als unruhigen Schlaf. Am nĂ€chsten Morgen steht Frank auf, er ist leicht gerĂ€dert, hat Muskelkater von der gestrigen EinrĂ€umaktion und ist zugleich irgendwie aufgedreht. Er wirft die Kaffeemaschine an und geht nochmals unter die Dusche, um den Nachtschweiß abzuspĂŒlen. Beim Haarwaschen kann er nur an Rahel denken und muss sich Erleichterung verschaffen, weil man mit einem solchen herum wippenden PrĂŒgel einfach keine vernĂŒnftigen Waschungen vornehmen kann.

Die Erleichterung wĂ€hrt nur fĂŒr das Haarwaschen selbst, danach hat der Kerl unter dem Bauchnabel den nĂ€chsten Zwergaufstand angezettelt, der anschließend wiederum „beruhigt“ werden muss. Dann ist wenigstens fĂŒr den Rest des Duschens Ruhe. Aber diese hĂ€lt nicht lange an. Denn nach Abtrocknen und Fönen steht schon wieder etwas im Weg herum, das sich einfach nicht in die Unterhose unterbringen lassen will. So angeschĂ€rft ist er seit seiner PubertĂ€t nicht mehr gewesen, erinnert Frank sich.

Ein Teil seines Körpers scheint ganz genau zu wissen, auf welches Sinnenfest die weiteren Verhandlungen mit Rahel hinauslaufen wĂŒrden. Selbst ist er sich seiner Sache bei weitem nicht so sicher und frĂŒhstĂŒckt voller innerer Unruhe. Am Ende ist er sehr froh, dass er sich fĂŒr den Nachmittag erneut im BĂŒro mit GĂŒnther verabredet hat. So komme ich wenigstens auf andere Gedanken, sagt er sich, packt erneut die Arbeitsklamotten ein und macht sich bereits direkt nach dem WegrĂ€umen des Geschirrs und dem AufsschĂŒtteln der BettwĂ€sche auf den Weg in die Firma.

__________________
Walther
"Gelegenheit.Macht.Dichtung"

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