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Leselupe.de > Kurzprosa
Bergbau
Eingestellt am 26. 04. 2010 22:41


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Ralf Langer
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Bergbau

Ich wuchs auf im Paradies:
Die Siedlung lag zwischen den gro├čen Schatten einer Kokerei und einer Petrochemie. Bei Westwind rochen die Blumen im kleinen Garten hinter dem Mehrfamilienhaus nach Benzol. Wenn der Wind drehte und von Osten kam, wurden die Bl├╝tenkelche ru├čig, und die W├Ąsche, die Mutter zum Trocknen in die Sonne geh├Ąngt hatte, kam unter ihrem lauten Fluchen erneut in die Waschk├╝che.
Mein Spielplatz war ein alter Luftschutzbunker auf der anderen Stra├čenseite.
Als ich noch zu klein war, um alleine auf die andere Seite zu gehen, kamen M├Ąnner in Blaum├Ąnnern und f├╝llten die Einschl├Ąge der Granaten mit frischem Beton aus.
Dann kamen M├Ąnner mit gr├╝nen Hosenanz├╝gen.
Die f├Ąllten die alten Platanen, die den Bunker auf der Stra├čenseite s├Ąumten,
und pflanzten eine Reihe niedriger B├╝sche an ihrer Stelle.
Nach Feierabend hatte Vater sich immer die Renovierungsarbeiten vom K├╝chenfenster aus schweigend angeschaut. Nur Manchmal sch├╝ttelte er mit dem Kopf und schaute in den Himmel.
Zum Schluss bekam der Bunker dann noch einen Anstrich in Ocker.
Ich fand `s sch├Ân und klatschte in die H├Ąnde.
Mit der frischen Farbe kamen die LKW.
Sechs Tage die Woche donnerten sie unsere Stra├če entlang.
Es staubte m├Ąchtig den ganzen Tag, und die Kristallgl├Ąser in der guten Stube klirrten leise, wenn die Wagen an unserem Haus vorbei fuhren.
Sie begannen mit etwas, dass ich damals nicht verstand:
Sie bauten einen Berg aus Stein.
Aus den Steinen, die M├Ąnner wie mein Vater, m├╝hsam aus der Erde holten, w├Ąhrend Mutter den Haushalt machte und ich in den B├╝schen am Bunker lag, und aufmerksam die LKW z├Ąhlte.
Es kamen immer sechs. Dann eine Pause und wieder sechs. Dann wieder Pause, und noch mal sechs.
Manchmal, wenn der Wind von Norden kam, h├Ârte ich das leise Dr├Âhnen, wenn die Kipplader, in einem Rutsch, ihre Fracht abluden.
Bald kamen sie leer zur├╝ck. Wenig sp├Ąter begann alles von vorn.
So wurde ich langsam gr├Â├čer:
Warf erst nur einen kleinen Schatten, wie der neue Berg.
Aber so wie dieser wuchs und bald den Horizont ausf├╝llte, so wuchs auch ich.
Als ich eins-achtzig gro├č war, habe ich das Paradies verlassen und nahm mir eine eigene Wohnung im S├╝den der Stadt.
Der Berg ist jetzt begr├╝nt. Wanderer kommen. Sie parken bis vor dem Haus meiner Eltern und gehen von dort aus Richtung Halde.
Die Ziehwege hinauf sind lang. Und erst nach einer knappen Stunde soll man den Gipfel erreichen.
Der Ausblick muss die M├╝hen lohnen, habe ich geh├Ârt.
Ich selbst werde wohl nicht hinaufgehen.
F├╝r mich ist es ein heiliger Ort.

__________________
RL

Version vom 26. 04. 2010 22:41

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Beba
Guest
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Hallo Ralf,

ein Text, der nach "Pott" riecht. Und insgesamt mag ich ihn, denn mir geht er nahe.
Ich bin kein Prosaist, und daher wage ich nur selten, einen Text hier einzustellen! Nach meinem Empfinden k├Ânntest du an der einen oder anderen Stelle noch etwas k├╝rzen und straffen, damit der Text insgesamt intensiver wird. Ob er au├čerhalb des Potts wirklich verstanden wird, vermag ich nicht zu sagen. Schade drum w├Ąre es! Denn dann bleibt das v├Âllig unverstanden:

quote:
Ich selbst werde wohl nicht hinaufgehen.
F├╝r mich ist es ein heiliger Ort.


Und das w├Ąre schade.

Ciao,
Bernd

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revilo
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Hallo Ralf, einem Ruhrgebietler wie mir lacht nat├╝rlich das Herz, wenn er solche Texte findet. Ich lese gerade die Ruhrpotterinnerungen von Frank Goosen.Er singt dort eine Arie auf die Ballerbuden. Das waren jene magischen Orte, an denen Du Sonntags f├╝r Vatta die Bild und Kl├╝mpkes f├╝r die Blagen gekauft hast.Meist gab es noch einen kleinen Raum, in dem die Rentner Export getrunken und Skat gekloppt haben........................ Da hasse heimlich auf die Zeitschriften mit die nackten Weiba geschielt..........wennse beim Gucken erwischt worden bist, hatte der Popo Kirmes..........Mann, war datt sch├Ân
LG revilo

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Mandelbaum
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Hallo Ralf,
deine Geschichte ber├╝hrt mich.
Der Ruhrpott ist nicht meine Heimat, aber ich war als Kind manches Mal in Bitterfeld (Leipziger Tieflandsbucht). Vielleicht kann ich nicht alles so verstehen, wie es ein echter Ruhrp├Âttler mitf├╝hlt ... zum Beispiel nicht, warum man(n) nicht zum "Heiligen Berg" pilgert ... obwohl ...solche Orte habe ich auch, eine Art stille Ehrfurcht h├Ąlt mich zur├╝ck ...
LG Mandelbaum
__________________
"Poesie tritt oft durch das Fenster der Unwesentlichkeit ein." M.C. Richards

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Ralf Langer
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hallo beba,
mit dem k├╝rzen ist das so eine sache:

der text ist schon sehr eingedampft. ich habe aber eine idee
f├╝r ein gedicht mit der Halde als bild.
ich werde es in k├╝ze einstellen.
bin selbst schon gespannt.

hallo oliver,
es ist schon seltsam welchen blick man auf die heimat bekommt
wenn man ├Ąlter wird.
├╝ber vierzig jahre ist dieser berg gewachsen. und mir ist nie etwas besonderes daran aufgefallen.
bis heute

hallo mandelbaum,
ich kenne bitterfeld nur dem namen nach. Mit diesen Bergen/Halden ist es schon seltsam. in einer fernen zukunft werden nur noch diese k├╝nstlichen Berge davon erz├Ąhlen, welche arbeit hier geleistet wurde.
Vielleicht f├Ąngt dann die kohle ja unter ihrem eigenen druck an zu gl├╝hen.

lg
an euch
ralf


__________________
RL

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